Somlus Welt

Viele Fragen, keine Antworten

Archiv für März, 2006

Solidarität buchstabieren

Verfasst von somluswelt am 29, März 2006

Ich wundere mich schon eine Weile über das Verhältnis des gemeinen Deutschen zu Solidarität. Da fangen Teile der Gesellschaft an gegen die immer härter werdenden Arbeitsbedingungen, gegen rückläufige Reallöhne und drohende Arbeitsplatzvernichtung an zu streiken und die Medien schreiben den Anlass runter oder schrieben überhaupt wenig darüber. “Würde sie es stören 18 Minuten am Tag länger zu arbeiten?” Diese Frage kann ich überall lesen und bekomme sie auch in meinem Umfeld (nicht mein enges) wiedergekäut. Und die Kamera wird immer schön auf die jammernde Person gehalten, die den Müll nicht mehr ertragen kann. Solidarität mit den Streikenden? Zumindest ist nicht viel davon zu lesen. Es mag sie geben aber darüber geschrieben wird herzlich wenig.

Gleichzeitig sehen sich ForenbetreiberInnen, BloggerInnen und andere, die sich im Internet äußern, mit einer Abmahnwelle konfrontiert, die die sofortige Eskalation und den Einsatz von Anwälten nach sich zieht. Es geht um schwerwiegende Dinge, wie Meinungsfreiheit und Persönlichkeitsrecht. Es wird sofort mit schwerem Geschütz ohne Vorwarnung losgeballert, Drohungen geäußert, die der Sache nicht angemessen sind. Man hat den Eindruck, dass es um Einschüchterung geht. Relevante Teile der BloggerInnen solidarisieren sich, es tauchen jede Menge differenzierte Beiträge auf, viele übernehmen diese, weil sie es nicht besser machen könnten und die Sache entwickelt sich in der BloggerInnen eigenen Geschwindigkeit rasend schnell.

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Transparency Deutschland

Verfasst von somluswelt am 27, März 2006

Seit Freitag schlagen die Wogen in Bloggersdorf hoch, seit ein Anwalt des oben genannten NGOs, das sich der Korruptionsbekämpfung und Transparenz verschrieben hat, gegen eine Bloggerin versucht vorzugehen, die vor ca. 2 Monaten (!) einen kleinen Bericht über eine Enttäuschung ihrer Erwartungshaltungen schrieb. Die Reaktion ist nach meinem laienhaften Verständnis und meinen bisherigen Erfahrungen unangemessen und harsch und heute schließlich soll die Bloggerin auch noch gegen das Urheberrecht verstoßen haben, weil sie ein Anwaltsschreiben ins Netz gestellt hatte. Was Udo Vetter vom law-log zu recht als juristisches Geblubber. (Irgendwie erinnern mich die Schreiben an mienen letzten Vermieter aber das ist eine andere Geschichte) Die Sache stinkt, ein unerhörter Vorgang, wie rainersacht.

Soweit ich die aktuelle Abmahnwelle verstanden habe, ermöglicht das deutsche Rechtssystem jedem dahergelaufenen Anwalt Menschen für Meinungsäußerungen abzumahnen und das unter Zustellung nicht unerheblicher Kostennoten. Eine hübsche Einnahmequelle für Anwälte, die wegen der Anwaltsschwemme keinen anständigen Auftrag an Land ziehen können.

Hatte Trancparency Deutschland wirklich vorgehabt Informationen, die ihrer Reputation schaden, aus der Welt zu schaffen, ist es ihnen durch ihr Verhalten jetzt gelungen, das genaue Gegenteil zu erreichen. Der Antwortmail auf eine Anfrage eines solidarischen Bloggers (siehe Link unkreativ) ist deutlich zu entnehmen, dass die Geschäftsführung hinter diesem Vorgehen steht. Diese Angelegenheit hat inzwischen eine Dimension erreicht, die nicht mehr einfach aus der Welt zu schaffen sein wird. Man könnte jetzt sagen, negative Publicity ist besser als keine aber im Fall dieser Organisation möchte ich mir die Implikationen dieser Überlegung lieber nicht ausmalen.

Viel ist schon geschrieben worden und sicherlich besser als ich das könnte, doch wie es aussschaut, kann die Bloggerin inzwischen jede Solidarität gebrauchen, die möglich ist, da Transparency Deutschland weiter Druck auf sie ausübt. Darüber hinaus gehört die Angelegenheit solange und so oft gepostet, bis es auch der letzte begriffen hat, dass es hier auch um das Recht auf freie Meiungsäußerung geht. Es geht nicht an, dass Unternehmen die Verletzung ihrer vermeintlichen Persönlichkeitesrechte einseitig zu ihren Gunsten auslegen ohne dabei zu berücksichtigen, ob sie den Schutz ihres Persönlichkeitsrechtes nicht schon verwirkt haben, entweder auf Grund der Art ihres Vorgehens oder weil ein höheres, da öffentliches, Interesse, dahinter steht. Wieso gelten in Deutschland eigentlich die Höhe der Gehälter zu den Dingen, die unter vertrauliche Internas fallen? Allein schon aus arbeitsmarktpolitschen Gründen sollte hier das öffentliche Interesse im Vordergrund stehen. Und schon gar nicht ist es akzeptabel, dass Gesetze, Gerichte und Politk hinter einer solchen Auslegung stehen.

Inzwischen ist die Geschichte aus den Händen der Bloggerin geglitten. Ich hoffe, dass ihr und der betreffenden Freundin, um die es im ursprünglichen Bericht ging langfristig kein großer, gar existentieller Schaden entsteht, wenn die Wellen in Blogland wieder geglättet haben oder eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird.

Aber lest selbst (die folgenden Links stellen lediglich eine grobe Auswahl dar):

Hier gings los:
wasweißich

erste Berichte bei
wirres
don alphonso
boocompany

Seit heute:
boocompany
don alphonso
unkreativ
wirres
dermorgen

Internationale Reaktionen
scottageb
timeworstall
larko

Weitere Links in überwältigender Fülle finden sich unter dem Stichwort “transparency; transparency deutschland und transparency international” bei technorati und google.

Nachtrag: Offensichtlich hat sich Udo Vetter der Sache angenommen, wie ich eben auf boocompany gelesen habe.

Nachtrag II: Sollte die Angelegenheit vor Gericht gehen, ist auch finanzielle Unterstützung gefragt.

Nachtrag III: hier findet ihr eine gute und ausführliche Darstellung der Ereignisse.

Nachtrag IV: Inzwischen ist eine Pressemitteilung von Transparency Deutschland aufgetaucht und die Angelegenheit hat die etablierten Medien (in den Kommentaren, Chips und einen guten Roten mitbringen, das Lesen kann etwas dauern) erreicht. Außerdem sollte man sich über manche Äußerungen(siehe ersten Kommentar) so langsam mal Gedanken machen, da sonst die Aussichten groß sind, dass hier nur noch finanziell gut ausgestattete BloggerInnen posten können und alle andere darüber schreiben müssen, was sie zu Mittag gegessen haben, natürlich nur ohne Markennennung.

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Momente

Verfasst von somluswelt am 25, März 2006

Manche seltene Berührung schneidet sich durch das Fleisch bis zur Seele und deckt ihre unfassbare Verletzlichkeit auf.

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Kontraste

Verfasst von somluswelt am 24, März 2006

Gestern habe ich mal wieder Kontraste, eines der Politmagazine, das, wie alle anderen, auf eine halbe Stunde eingedampft wurde, gesehen.

Dass es in den “neuen” Bundesländern, in diesem Fall konkret in Sachsen-Anhalt, übel zugeht und das braune Gesocks sich mit der Duldung, wenn nicht gar Unterstützung der dortigen Politik, Polizei und Staatsanwaltschaft ausbreiten kann, ist kein wirklich neues Thema. Aber der Blick in das Wahlprogramm der amtierenden Landesregierung lässt fördert doch erstaunliches zu Tage.

Aber solche Geschichten will der Ministerpräsident im Wahlkampf ja nicht gerne hören. Und überhaupt scheint die Landesregierung andere Prioritäten zu setzen – wie ein Blick ins Wahlprogramm verrät. Da findet sich nur ein allgemeiner Satz zu linken und rechten Extremisten. Dafür aber ein ganzer Maßnahmenkatalog, wie man dem islamistischen Terrorismus in Sachsen-Anhalt entgegentreten will. Komisch nur, Islamisten findet man in diesem Bundesland so gut wie keine.

Den vollständigen Beitrag findet ihr hier

Um das Praktikumsunwesen gings auch, einen schönen Beitrag dazu bei wombat. Besonderer Augenmerk gilt in meinem Dafürhalten dem zynischen netten Arschloch Gerd Andres, Staatssekretär Ministerium für Arbeit und Soziales zur Problematik des Praktikumsunwesens:

Ich kann niemanden daran hindern, Sie sind alt genug! Wenn Sie verabreden, ich geh irgendwo umsonst arbeiten. Warum soll sie der Gesetzgeber daran hindern? Wenn Sie das wollen, wenn sie das machen, machen Sie es doch!”

Quelle

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Blogspam

Verfasst von somluswelt am 21, März 2006

Ich kenne ja, wie fast alle, die hier vorbeischauen, jede Arten von Spam und überlege schon, wie ich es hinkriege meine aktuelle Mail abzuschalten, weil es mal wieder überhand nimmt aber diesen Spam möchte ich doch niemandem vorenthalten.

From: “BlogCounter”
To: somluXXXXXX
Sent: Monday, March 20, 2006 10:10 PM
Subject: Bloggen über deine Stadt
Hallo!

Kennst du schon www.StadtBlogs.de?
Dort schreiben Blogger wie du über das Leben in ihrer Stadt.
Willst du auch dabei sein? Dann schau mal hier rein:
http://stadtblogs.de/20.03.2006/205-stadtblogs-online/
Grüße,
Dein BlogCounter.de-Team

Hatte sich Blogcounter nicht vor einiger Zeit mit heimlicher unerwähnter Werbung unbeliebt gemacht? Kommt das Mail überhaupt von Blogcounter?

Manchmal auch Antworten: hier und hier

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Strike

Verfasst von somluswelt am 21, März 2006

BWL-Prüfung mit 92 von 100 Punkten geschafft.

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Abmahnwahn in Blogland

Verfasst von somluswelt am 20, März 2006

Ich bin ja froh, dass mein Blog eher klein ist, zumindest was die Besucher angeht. Alles ist überschaubar und mein Kommentarbereich lässt sich in Minutenfrist überschauen. Das soll auch so bleiben, deswegen schreibe ich auch höchst selten über irgendwelche Themen, die massenweise LeserInnen anziehen. Es ist mir auch egal, dass andere Blog damit erhöhte Traffic generieren.

Ich schreibe hier, weil ich mir Luft verschaffe und manchmal dafür auch noch Reaktionen bekomme, meine aktuelle Kommentarstatistik ist ausgesprochen positiv (17 Beiträge zu 73 Kommentaren), wofür ich mich bei meinen LeserInnen an dieser Stelle ganz herzlich bedanke.

Ich schreibe auch zu meinem Vergnügen, wegen der Cafes im Krefelder Zoo oder weil ich denke ohne ein Set silberner Löffel nicht leben zu können.

Alles in allem herrscht Meinungsfreiheit in Europa und man sollte meinen, dass dies auch der Riege der Anwälte im Land bekannt sein sollte, die augenblicklich ihr Einkommen bei Betreibern von Blogs eintreiben möchten. Ich halte das für eine widerliche Angelegenheit. Seit dem “Heise Urteil”, das etwa so qualifiziert die Situation im Internet berücksichtigt, wie schon die Entscheidung zur Impressumspflicht, ist solchen Halsabschneidern Tür und Tor geöffnet.

Eigentlich lächerlich, wenn es nicht für einige finanziell ans Eingemachte gehen würde. Irgendwie scheint das Verschwinden fundamentaler Kenntnisse des Grundgesetzes einer der Effekte zu sein, die Lobbies wie INSM erzeugen wollten.

Wo kommen wir eigentlich hin, dass wir uns mit einem Unsinn, wie “wahren Tatsachenbehauptungen” und “nicht belegbaren Tasachenbehauptungen” herumschlagen müssen. Ich sag es gleich, die Masse meiner Texte sind das Ergebnis literarischer Tätigkeit und fallen überhaupt nicht unter so einen Unsinn. Ich weiß, ich weiß, rein rechtlich sieht das alles anders aus aber wer will freiwillig so denken, außer die, die das studiert haben.

Die Unternehmen, die in den Blick von BloggerInnen geraten, sollte sich lieber mal Gedanken über ihren Umgang mit KundInnen machen und sich ernsthaft mit der Frage auseinander setzen, was da in ihrem Beschwerdemanagement schief gegangen ist. Klar, nicht alles was im Netz geschrieben wird, ist okay (mehr dazu auch hier). Aber mal ehrlich, als ich in jenem Callcenter das 10 Mal anrief und mich die 10 Mitarbeiterin zum 10 Mal nach meiner Telefonnummer fragte, nachdem ich zum 10 Mal meine Kundennummer runtergebetet hatte, war ich deutlich in einer Verfassung, die über rein unfreundliche Worte weit hinaus ging.

Für alle die im Moment lieber einen Gang runterschalten wollen, findet sich in diesem Artikel von Udo Vetter nützliche Hinweise, wie ein Blogbeitrag verfasst sein sollte, damit der aktuell grassierende Abmahnwahn an Euch vorbei geht. Das gleiche gilt vermutlich auch für den Kommentarbereich.

Nachtrag: Über die Unverforenheit mit der abgemahnt wird, kann man sich hier ein Bild machen: wasweissich und welche Überlegungungen das nach sich zieht, kann man sich dann hier durchlesen (bitte auch die Kommentare)

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Das Cafe im Krefelder Zoo

Verfasst von somluswelt am 19, März 2006

Das Cafe ist voll, aber nicht mehr so voll, wie uns die Leute direkt neben uns bestätigen. Schließlich warten die Menschen nicht mehr scharenweise auf einen Sitzplatz, es leerte sich auch merklich, eine gewisse gereizte Stimmung ist aber deutlich zu spüren.
Eine halbe Stunde bringt ein Kellner dann endlich die zwei Cola, die die Liebste vorsorglich im Doppelpack bestellt hatte. Auf meine Frage, ob er der Ansicht sei, dass es mit meinem Kakao und dem Stück Torte noch was werden könnte, reagierte er kaum. Der Typ am Nachbartisch lacht. Lachen ist auch das einzige was mir bleibt, nachdem ich dreimal ausdrücklich auf die Aufnahme der Bestellung beharren und der Kellnerin erklären musste, wo die Torte, von der sie mir freudestrahlend verkündete, sie sei aus, in ihrer Theke steht, um anschließend von der Besitzerin gefragt zu werden, ob ich überhaupt bestellt hatte. Das Bestellsystem in diesem Cafe ist eigenartig. Ein junges Mädel, das exakt eine Bestellung aufnehmen kann, die sie erst an die Kasse bringen muss, bevor sie die nächste aufnehmen kann, irgendwo im Laden exakt eine Person, die diese Bestellungen registrieren darf und zwischen drin laufen Kellner und Kellnerin rum und wissen nicht, wer was bestellt hat. Eine Kundin organisiert sich irgendwie ein Glas Wasser und lässt 20 Minuten später das bestellte wieder zurück gehen. Nach 35 Minuten schließlich die erwähnten zwei Colas, allerdings ohne nennenswerten Anteil von Kohlensäure, was sogar ich erkenne, obwohl ich die Brause niemals trinke. Der Typ am anderen Nachbartisch erzählt, dass er in den Niederlanden irgendwo mal 3 Stunden auf eine Pizza gewartet hätte, der ist also im Training. Schließlich bekommt er, was er nicht bestellt hat und schon gar nicht Besteck, das er sich dann selbst organisiert, ebenso eine Serviette. Ein Stück Schwarzwälder geht zurück, da die Kundin das Lokal schon eine halbe Stunde zuvor verlassen hat und die Familie links gegenüber bekommt lange vor den Getränken, die heißen Apfelstrudel, die etwas grau und verloren auf den Tellern liegen und irgendwann kommen dann auch die Getränke. Als nach einiger Zeit ein Kellner vorbeikommt und ich Zweifel anmelde, ob eine durchschnittliche Wartezeit von 35 Minuten auf Getränke angemessen wäre, erklärt er mir, dass er auch nur zwei Hände habe und ich doch Verständnis haben solle, voraussetzend, dass meine bisherigen Reaktionen verständnislos gewesen waren. Sicher der Laden war voll aber auch nicht mehr so voll, dass eine einigermaßen reibungslose Bedienung vollkommen unmöglich gewesen wären. Dann taucht die Besitzerin wieder auf und erklärt mir das Bonsystem, was mich ungefähr so interessiert, wie die Frage, wieso sie eigentlich so desorganisiert ist. Einen ungehaltenen Vortrag über Marketing und dass es nicht die Aufgabe der Kunden wäre, die Probleme der Dienstleister zu verstehen, spare ich mir. Ich will meinen Kakao, es ist trüb und kalt im Krefelder Zoo und ich will die Elefantenvorführung nicht verpassen. Mein Kakao und mein Stück Krokantsahne werden nun bevorzug behandelt. Schließlich kommen dann irgendwann doch noch die Pommes für die Liebste mit Besteck aber ohne Serviette. Wir verlangen sofort zu bezahlen, was den Kellner erstaunlicherweise überrascht. Dass die Gäste dieses Cafes Besteck und Kaffeesahne selbst besorgen, ebenso, wie sie lange auf die Chance hier wieder raus zu kommen, warten müssen, ist ihm wohl bisher nicht aufgefallen. Die Familie mit dem traurigen Apfelstrudel muss der zweiten Bedienung, die sie an die erste Bedienung verweisen will, erklären, dass sie es bei der ersten schon ohne Erfolg versucht hätten zu bezahlen. Abgesehen von dem Mädel, dass für jede Bestellung einzeln gehen muss, die natürlich überhaupt nicht kassieren darf. Der Kellner schmeißt sich ins Zeug, um noch den letzten Rest seiner Berufsehre zu retten und zählt die Bestellung betont auf und kommt schließlich zu einem Stück Schwarzwälder Kirsch, das ich nie gegessen habe. Ich kommentiere das etwas resigniert mit der Feststellung, dass mir Schwarzwälder Kirsch auf der Rechnung auch recht wäre, solange sie nicht teuerer als Krokantsahne sei. Er strahlt mich an, nein, sie koste das gleiche und vergisst promt die zweite Cola zu berechnen. Der andere Typ am Tisch nebenan lacht sich schlapp. Nach einer Stunde verlassen wir das Cafe, das wohl seine Existenz nur der Tatsache verdankt, dass die Besucher des Krefelder Zoos keine Alternative haben. Schließlich, meint die Liebste, sollte man den nicht unerheblichen Unterhaltungswert des Ganzen nicht unterschätzen. Oder, gebe ich zurück, das dort ein neues Konzept zur Kontaktanbahnung getestet würde. Schließlich hatten wir uns mit den Tischnachbarn gut unterhalten.
Die Elefantenvorführung ist glücklicherweise um eine Stunde verschoben, das Nashornbaby ist auch aus seinem Verschlag gekommen und die Sonne hat sich endlich durch den Dunst gearbeitet.

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Häuserkampf in Köln

Verfasst von somluswelt am 15, März 2006

Seit dem 4.3.2006 gibt es wieder Hausbesetzungen in Köln.

Das Barmer-Viertel, welches von der Stadt vom Erbbauverein gekauft wurde, um dort Platz für Hochhäuser zu schaffen, die dank der Intervention der Unesco niemals gebaut werden, sollten abgerissen werden. 381 Wohnungen, die entgegen der Behauptungen der Stadt nicht entkernt sondern voll intakt sind.

Nachdem die Hochhauspläne in den Schubladen verschwanden, hoffte die Stadt Investoren zu finden, die das Areal kaufen und bebauen. Allerdings ist das Areal zwischen Messebauten und Bahnhof nicht sonderlich attraktiv. Die Stadt wird nicht müde die Verantwortung für das Desaster der Unesco zuzuschieben aber ein genauer Blick in die Detail zeigen ein anderes Bild. Die Stadt kaufte das Barmer Viertel füt 65 Mio. Euro (zzgl 3 Mio Abbruchkosten) und rechnete diese Kosten mit einem fiktiven Verkaufspreis von 71 Mio. Euro gegen. Wobei sie den größten Teil der Kaufsumme, 38. Mio. Euro, den städtischen Wohnungbaumitteln entnommen hat.

Die Stadt im Moment behauptet, dass die Kosten mit einem Verkauf an ein Konsortium Moderne Stadt/Modernes Köln wieder hereinholen wollte. Allerdings zeigt sich, dass dieses Konsortium nur den östlichen Teil des Areals bebauen will und für die freibleibenden Flächen, namentlich als Grünanlagen und und Parkstreifen ausgewiesen, bliebe weiterhin die Stadt verantwortlich.
Es liegt der Stadt sowieso nur eine Option in Höhe von 16.4 Mio. Euro vor. (Alle Daten und Fakten hier)

Auch wird die Stadtspitze nicht müde zu betonen, die Sanitärenanlagen in den Häusern wären schon zurückgebaut (einige Bilder zum Zustand des Barmer Viertels finden sich bei indymedia), ebenso alle Versorgungleitungen, was die Hausbesetzerinnen nicht bestätigen können. Laut der Hausbesetzer sind die sanitären Anlagen teilweise sogar frisch saniert. (Sozialistische Selbsthilfe Köln)

Inzwischen haben sich die Medien der Sache angenommen, man kann gegen 18:45 Uhr in RTL die Vorgänge in der Serie “Die Hausbesetzer” verfolgen, wie auch in den gängigen Medien.

Kontinuierliche Informationen: Institut für Neue Arbeit, Schäl-Sick-Online, Kölner Sozialforum

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Senkung der ALG II-Bezüge

Verfasst von somluswelt am 14, März 2006

Wie schon in meinen Kommentaren erwähnt, scheint die Regierung eine Absenkung des Regelsatzes von 345 Euro (war da nicht was mit einer Erhöhung um 10 Euro) auf 225 Euro. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie irgendjemand davon seine Existenz bestreiten können soll. Dieser Satz entspricht dem Satz den Flüchtlinge in Deutschland erhalten.

Die Implikationen sind klar, wenn das sogenannte Existenzminimum absenkt (allein das ist ja eigentlich nicht möglich, Minimum ist Minimum) wird, sieht die Diskussion um den Mindestlohn völlig anders aus. Zum Kotzen, die die das entscheiden, wären vermutlich schon hilflos, wenn man von ihnen verlangen würde, mit 50 Euro eine Woche lang auskommen zu müssen. Eine Summe, wie den ALG II Regelsatz verfressen die doch an einem Abend.

Mehr dazu: linksbote, Erwerbslosenforum, Linkszeitung, Berliner Umschau, Hartzblog

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Dummköpfe

Verfasst von somluswelt am 14, März 2006

Ich poste hier im folgenden einen vollständigen Artikel aus der Frankfurter Rundschau vom letzten Samstag. Ich fand ihn extrem erhellend und amüsant. Ich verstehe diesen Artikel als Zitat innerhalb meines gesamten Blogs.

Dumme Rentendebatte

VON HEINER FLASSBECK

Zwar wird fast jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf getrieben, doch die Botschaft ist immer die Gleiche: Die deutsche Rente ist löchrig wie ein Schweizer Käse. Auf Jahre hinaus gibt es keine Rentenerhöhung mehr, verkündet der Rentenminister. Länger arbeiten müsse man, um überhaupt noch etwas zu bekommen, was zum Leben reicht, sagen die “Experten”. Und kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein junger smarter Mensch in irgendeiner Talkshow verkündet, seine Generation könne sich nicht mehr auf das “alte” Rentensystem stützen, weil es grundlegend versagt habe, und er müsse individuell vorsorgen.

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Augenwischerei

Verfasst von somluswelt am 14, März 2006

Wer kennt das nicht, irgendwas passiert, eigentlich alles in Ordnung, vielleicht freut man sich auch über den Vorgang und irgendwie, man kann den Finger nicht wirklich darauf legen aber ein Unbehagen, das sich immer wieder meldet, fast zu leise um wahrgenommen zu werden, meldet sich immer wieder. Es kratzt am Bewußtsein und man wird es nicht wirklich los. Ein Tinitus des Bewußtseins, sozudagen.  So ging es mir die ganze Zeit mit dem Unternehmensgründer der Drogeriemarktkette mit antroposphischem Hintergrund, der das uneingeschränkte Grundeinkommen fordert.

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Leistung des Betriebsrates

Verfasst von somluswelt am 7, März 2006

Betriebe mit Betriebsrat häufig produktiver, flexibler und innovativer sind als Betriebe ohne Mitarbeitervertretung., hat die Hans-Böckler-Stiftung herausgefunden.

Mehr dazu beim Hartz-Blog

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Tierheime überfüllt

Verfasst von somluswelt am 3, März 2006

Wie ich eben in den Nachrichten mitbekam, geben immer mehr Menschen ihre Haustiere bei Tierheimen ab, seit die am Vogelgrippevirus verendete Katze entdeckt wurde.

Unglaublich. Solchen Menschen sollte es verboten werden, Kinder großzuziehen. Kaum auszudenken, wie solche Leute erst mit Problemen bei ihrem Nachwuchs umgehen.

Weitere Infos

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Marktradikale Schweinereien

Verfasst von somluswelt am 2, März 2006

Eigentlich bin ich viel zu müde und sollte ins Bett gehen, da rauscht der tägliche Newsletter der Jungen Welt ein. Der Ardrenalinausstoß reicht jetzt doch noch für ein paar Worte.

Wie war das gleich. Ein Unternehmen, das mehrheitlich Spr*nger und Hol*zbrinc* AG gehört, hat sich als Post-Zustellungsunternehmen für den Berliner Senat etabliert, da dieses Unternehmen deutlich günstiger ist als die Konkurrenz. Soweit so gut, weiter nichts ungewöhnliches. Wären da nicht einige Schönheitsfehler. Das Unternehmen verstößt laut Aussagen von ver:di mit Dupinglöhnen, Ausbildungsverweigerung und gesetzwidrigen Machenschaften gegen geltendes Recht um sich einen Kostenvorteil zu verschaffen.

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Geschichte vergessen

Verfasst von somluswelt am 2, März 2006

Irgendwann heute habe ich irgendetwas beobachtet, von dem ich dachte, das blogge ich mal und dann haben mir die Netzpläne mit einfachen Verknüpfungen, die wir bis jetzt “zu Fuß” ausgerechnet haben, bevor uns der Trainer an eine entsprechende Projektplanungssoftware lässt, doch tatsächlich die Geschichte verdrängt.

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Sozialneid

Verfasst von somluswelt am 1, März 2006

über kafi von cers bin ich über diese “nette” Liste der Pensionsansprüche einiger ausgewählter Politikprofis gestolpert:

Hans Eichel: 11.556 Euro.
Fischer: 9.520 Euro.
Gerhard Schröder 8.937 Euro
Clement: 8.773 Euro.
Manfred Stolpe: 7.881 Euro
Schily: 7.592 Euro
Bulmahn: 7.486 Euro.
Peter Struck: 6.802 Euro.
Jürgen Trittin: 5.507 Euro.
Künast: 4.047 Euro.

Das Institut für Wirtschaft sieht hingegen keine ausgeprägte Altersarmut bei Frauen (ich kopiere den gesamten Artikel von ngo-online da ich heute zu müde bin, was anderes damit zu machen):

467 Euro für Rentnerinnen Institut der deutschen Wirtschaft sieht kein Armutsrisiko für ältere Frauen. 01. März 2006

Das Armutsrisiko für ältere Frauen hält sich nach Einschätzung des arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Grenzen. “Die überwiegende Zahl der Rentnerinnen ist nicht von Altersarmut betroffen”, teilte das Institut am Mittwoch in Köln mit. Die Durchschnittsrente von 467 Euro für Rentnerinnen in Westdeutschland im Jahr 2004 lasse sich nicht mit einem geringen Einkommen gleichsetzen. Denn die meisten Seniorinnen könnten auch noch aur eine Witwenrente oder Einkünfte ihres Ehepartners zurückgreifen. Einen Vergleich der 467 Euro für Rentnerinnen mit Managergehältern legte das Institut der deutschen Wirtschaft nicht vor.

Nur zehn Prozent der allein stehenden Frauen über 65 seien im Jahr 2004 ausschließlich auf ihre eigene Rente angewiesen gewesen. Selbst Rentnerinnen mit einer so genannten gesetzlichen Kleinstrente von unter 275 Euro hätten insgesamt ein monatliches Nettoeinkommen von durchschnittlich 1000 Euro zur Verfügung. Lediglich 1,3 Prozent der über 65-jährigen Frauen in Deutschland hätten im Jahr 2002 Sozialhilfe bezogen.

Ende 2004 standen den Angaben zufolge in Deutschland 11,6 Millionen Rentnerinnen 8,2 Millionen Rentnern gegenüber. Die durchschnittliche Altersrente fällt bei Frauen geringer aus, weil sie durch Auszeiten für die Kindererziehung im Schnitt auf weniger Beitragsjahre kommen.

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