Somlus Welt

Viele Fragen, keine Antworten

Archiv für Mai, 2006

Kann mir mal eine/einer erklären

Verfasst von somluswelt am 31, Mai 2006

was dieser Scheiß soll?

Wer dreimal Spargelstechen oder Hundekoteinsammeln verweigert, kriegt künftig keinen Cent Arbeitslosengeld mehr. Wer Gemeinde oder Landkreis verläßt, ohne sich bei seinem »Arbeitsvermittler« abzumelden, verliert all seine Ansprüche. Die Daumenschrauben werden stufenweise angezogen: Bei der zweiten »Pflichtverletzung« werden die Bezüge auf ein Drittel gekürzt, bei der dritten komplett gestrichen. Diese Bestimmungen stammen weder aus einer Dienstvorschrift des großdeutschen Reichsarbeitsdienstes noch aus George Orwells »1984«. Sie werden heute vom Deutschen Bundestag beschlossen und stehen im Entwurf zum »Gesetz zur Fortentwicklung der Grundsicherung für Arbeitsuchende«.

Dort stehen sie allerdings erst seit Dienstag abend. Ohne großes Aufsehen, nach der Hauptnachrichtenzeit und zwei Tage vor der entscheidenden Abstimmung im Parlament brachten die Fraktionen von Union und SPD die entsprechenden Änderungsanträge in den zuständigen Bundestagsausschuß für Arbeit und Soziales ein. Die Abgeordneten der Linksfraktion verließen den Ausschuß unter Protest. Ihr Antrag, die Änderungsvorschläge der Koalitionsfraktionen von der Tagesordnung zu streichen, waren erwartungsgemäß niedergestimmt worden.

Immerhin: Den Abgeordneten der Linken ist es zu verdanken, daß die drastischen Verschärfungen im Gesetzentwurf überhaupt an die Öffentlichkeit gedrungen sind. Der Ausschuß beschloß die Sache in nichtöffentlicher Sitzung.

Quelle: hier, und weiterlesen: hier, danke an mo für den Hinweis

Nachtrag:

Auch lesenswert NachDenkSeiten

Informativ der Podcast von F!XMBR

Und noch ein lesenswerter Artikel, der schon ca. ein Jahr alt ist.

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Kann

Verfasst von somluswelt am 31, Mai 2006

mal jemand die Sonne wieder anknipsen, bitte?

Nachtrag: Vielen Dank, wer immer das geschafft hat :-)

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Seltsame Beschäftigung

Verfasst von somluswelt am 30, Mai 2006

Ein ganzes Leben steckt in der Wohnung. Das macht das Sichten der Dinge, die möglicherweise noch einen Wert haben, anstrengend.

Liebevoll aufbewahrte Wohnungsgrundrisse der ehelichen Wohnung der Tochter, deren Ehe schon lange nicht mehr existiert. Das Foto aus derselben Ehe über dem Bett der Eltern, obwohl sie den Kerl nie leiden konnten und mich aufrichtig mochten.
Ein Buch von 1934 mit dem charmanten Titel “Die Deutschen und die Welt”, von dem der Antiquar sagt, wir sollen es wegwerfen, er hätte es auch gemacht. Die gehütete Familienbibel entpuppt sich als Massenprodukt aus dem späten 19. Jahrhundert und hat in ihrem eher mieserablen Zustand höchstens noch ideelen Wert. Hochzeitsfotos, Kinderfotos, die Diasammlung inkl. Diagerät. Die alte Videokamera, die bald schon museumswert haben wird.

In dieser Generation natürlich die von der Mutter gehegten farbigen Römergläser (natürlich geschliffen nicht gepresst), Einzelstücke Meißner Porzellan und anderen Nippes, der nach einem Gang über einen Trödel zumindest als verkäuflich einzustufen ist. Dann wären da noch ein Alpenpanorama und eine herbliche Waldszene in Öl in monströsen Rahmen, die in den kleinen Räumen der Wohnung eines in den 70ern gebauten Hauses vollkommen deplaziert sind. Immerhin gibt es Signaturen.

Kleinbürgerliche Statussymbole in jedem Raum. Perserteppiche und eine nicht unerhebliche Anzahl an Pelzen. Dann gibt es jede Menge Zinnzeug in der Wohnung und ca. 100 Walzenkrüge und andere Bierkrüge mit Zinndeckel, deren Wert vermutlich marginal ist aber wer weiß, was der alte Mann, der immer gern wilde Geschichten erzählt hat, so alles eingetauscht hat, ohne es zu merken. Dass es einem Markt für Bierkrüge gibt, wie auch die unzähligen Bierkrüge auf dem Trödel, die ich am Sonntag erstmals wahrnahm, war bisher vollkommen an mir vorbei gegangen,

Wenn mir jemand einen Experten für Bleiglasbilder empfehlen kann, wäre ich auch sehr dankbar. Diese drei stamme aus einer alten Kneipe aber wer weiß, wie die Geschichte wirklich war. Die 300 Jahre alte Zinnstitze ist höchstens 100 Jahre alt. Der Experte hat grad die Fotos bekommen.

Und schließlich dann ein Angebot, dass ich schlecht ablehnen kann, weil ich momentan einerseits die Zeit dafür habe und andererseits an sowas Spass habe. Von allem was ich veräußere, erhalte ich 50%. So mutiere ich im Moment zu einer Amateurexpertin für Zinnstitzen und werde mich am Wochenende der Sichtung von Bierkrügen hingeben. Schließlich wollte einer auf dem Antik- und Trödelmarkt für einen nicht besonders alten (20 Jahre) Krug einer bekannten Biermarke tatsächlich 30 Euro haben. Ob er sie dafür auch verkauft bekommen hat, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

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Mehr Essen, mehr arbeiten

Verfasst von somluswelt am 30, Mai 2006

Wenn in einer Gemeinschaft einige hungern und zur Lösung des Problems vorgeschlagen wird, die übrigen sollten noch mehr essen, wären wir wahrscheinlich fassungslos.
Wenn in einer Gemeinschaft aber einige ohne Arbeit und jemand vorschlägt, die übrigen sollten noch mehr arbeiten, wird so etwas ernsthaft diskutiert!

via E.T.Hoffmann

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Come Together Cup

Verfasst von somluswelt am 25, Mai 2006

Ich war heute Fußball gucken.

Ja, ich. Und das trotz Dauerregens.

Ich kann Fußball nicht ausstehen. Fußballer, die ich bedauerlicherweise die zweifelhafte Freude hatte, kennenzulernen, sind unerträgliche, meist arrogante Prolls mit ausgesprochen heruntergekommenen Umgangsformen. Trinkgeld geben die im übrigen auch nicht. Die kommende Weltmeisterschaft halte ich für eine persönliche Zumutung und einen eklatanten Verstoß gegen den guten Geschmack. Und was die Fans angeht, was soll man von Leuten halten, für die die Stadt Frankfurt vorsorglich Schutzgitter am Main installiert, damit sie nicht besoffen ins Wasser fallen. Beim Museumsuferfest sind da mehrere Millionen Leute unterwegs und auch nicht unbedingt nüchtern aber Absperrungen habe ich da noch nie gesehen.

Doch der Come Together Cup ist ein echtes Szeneereignis. Er wird getragen von Lesben und Schwulen für Lesben und Schwule und der eher abgelegene Veranstaltungsort ermöglicht ein einigermaßen von gafffreudigen KölnerInnen befreites Feiern und Spielen.
Er ist nicht so unerträglich komerzialisiert, wie der CSD. Der Erlös aller Verkäufe der gespendeten Kuchen und Salate gingen an das Rubicon.

Das Tunier startet schon um 8:30 Uhr. Wir waren gegen zwei zu den Viertelfinalspielen da. Eine Mannschaft mit dem Namen “Amicas Akademicas” haben wir bis ins Endspiel verfolgt, wo sie leider gegen die Kölner Polizei 0:1 in einem zeitweise spannenden Finale verloren. Ein Vorteil dieser Veranstaltung ist, dass jedes Spiel nur 30 Minuten dauert und so weder SpielerInnen noch ZuschauerInnen überfordert. Wobei die Mädels und Jungs im Finale insgesamt 11 Stunden immer wieder gespielt hatten.

Sehr schön war auch das Prominentenspiel. Es fing schon damit an, dass Elfi Scho-Antwerpes noch Fußballschuhe brauchte, eine Trainingshose geliehen werden mußte und noch zwei weitere TeilnehmerInnen Schuhe brauchten. Trotzdem konnte ich sogar Dogs auf dem Spielfeld erspähen. Das Prominentenspiel zeichnete sich durch einen entscheidenden touch down (ja, sie trug den Ball ins Tor) zum 4:4 durch Heidi Stern aus und den anderen Tunten, die wahlweise mit Handtasche, Schirm oder Kölschglas in der Hand spielten. Statt des Kopfes kam bei hohen Pässen auch mal der Regenschirm zum Einsatz. Kreativ wurde das Match durch einen zweiten Spielball, der aber nur kurzzeitig für Verwirrung sorgte.

Schließlich erinnerte ich mich wieder, das ich selbst mal ganz gut gespielt hatte. Im Internat in gemischten Mannschaften. Nach dem Wechsel zurück auf die Staatschule allerdings wurde mein aufblühendes Talent von der irritierten Reaktion meiner Mitschüler in der Pause zum ersterben gebracht. Frauen/Mädchenfußball als Vereinssport war damals höchstens, wenn überhaupt, den sehr Eingeweihten bekannt.

Vielleicht schau ich doch in Zukunft mal wieder Fußball aber nur Frauen. Wie schon gesagt, die arroganten überbezahlten Prolls deutscher Vereine können sich gern ihre Bälle und was sonst noch so reingeht, dahin stecken, wo die Sonne nicht scheint.

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Verfassung

Verfasst von somluswelt am 24, Mai 2006

Der Schaffung des Art. 16 Abs. 1 Satz 2 GG lag
die Absicht zugrunde, sich in Abgrenzung von der
nationalsozialistischen Ausbürgerungspolitik und den Ausbürgerungen,
von denen Deutsche im Zuge der Vertreibungen betroffen waren, an
völkerrechtliche Bestrebungen zur Bekämpfung der Staatenlosigkeit
anzuschließen. Mit dieser Zielsetzung ist die Inkaufnahme von
Staatenlosigkeit im Fall der Rücknahme einer erschlichenen
Einbürgerung vereinbar. Es gab und gibt weder einen allgemeinen
Grundsatz des Völkerrechts noch eine die Bundesrepublik Deutschland
bindende völkerrechtliche Vereinbarung, die die Inkaufnahme von
Staatenlosigkeit in einem solchen Fall ausschließen.

Quelle via lawblog

Und was waren die falschen Angaben? Laut einer Meldung im WDR2 heute im Laufe des Tages hatte der betreffende Staatbürgerschafterschleicher angegeben, dass er einer Erwerbsarbeit nachgeht, er war aber arbeitslos.

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Schon mal was von Cargill Inc. gehört?

Verfasst von somluswelt am 23, Mai 2006

Ich nicht, wäre ja eigentlich Jürgens Job, der schweigt sich nun schon seit Wochen aus, so dass jemand anderes seinen Job übernehmen muss. Nicht, dass ich das auch nur ansatzweise so gut könnte.

“Wenn wir jetzt nicht unsere Getreidepreise senken, um diese entwicklungsländer davon abzuhalten, ein System der Selbstversorgung aufzubauen, dann wird unsere weltweite Wettbewerbsposition Einbußen hinnehmen müssen.” Quelle

Diese menschenverachtenden Worte stammen aus dem Munde eine US-Senators aus Minnesota, wo Cargill Inc. seinen Hauptsitz hat. Es ist einer der 7 global Player der Nahrungsmittelindustrie. Sie haben das erklärte Ziel Weltmarktführer zu werden. Greenpeace hat im Moment Aktionen gegen die Vernichtung der Regenwälder Amazoniens durch den Konzern laufen. Zumindest bei ngo-online und der jungen welt findet sich eine Berichterstattung darüber. Wir in der BRD sind ja auch lieber Freunde für unsere Gäste. Was interessiert uns denn schon, dass weltweit Hunger produziert wird, um die wachsende Habgier der gobal Player zu befriedigen.

Interessanterweise finden sich weder in dem amerikanischen noch dem deutschen Beitrag zu Cargill auch nur ein kritischer Satz.

Weiß eigentlich irgend jemand woher die Firma Alpro für ihr zuckerverseuchtes Sojaprodukt das Soja bezieht?

Ich habe im übrigens alle Nennungen des Unternehmens mit kritischen Artikeln verlinkt. Bei der großen Suchmaschine sind die ersten 30 Einträge zum Stichwort nur Firmensites, dagegen muss etwas unternommen werden.

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Me2

Verfasst von somluswelt am 21, Mai 2006

Ich wollte ja eigentlich nichts darüber schreiben, aber das hohe moralische Ross der Verachtung selbstreferentiellen Bloggens ist leider leider so humorlos. Und gelacht habe ich die letzten zwei Tage öfter. Womit ich mich mal als Angehörige der Popkornfraktion zu erkennen gebe.

Klar, sponsert der Brausehersteller gern Blogger, hauptsache es wird von der Vernichtung von Trinkwasserressourcen weltweit durch sie abgelenkt. Und was sich Autohersteller so dabei denken, ist mir seit meinem Marketing-Crashkurs (den ich im übrigen mit 100 Punkten von 100 abschloss) auch klarer. Frag mich echt, was unser Dozent davon gehalten hätte. Wie auch immer.

Nachdem ich mir die Schlachtfelder der vergangenen Nacht angeschaut habe, bin ich doch ins Grübeln gekommen. Was müsste man mir anbieten, dass ich freiwillig darüber Bloggen würde?

Autos gehen gar nicht, selbst wenn es ein richtiges Traumauto (leider kein Foto, ich hab das Auto mal vor Jahren gesehen, irgendwas sehr altes mit Austin, da kann ich mich aber auch irren, aber leider auf die schnelle nicht zu ermitteln) wäre, höchstens mit Chauffeur und dann könnte ich auch nix mit anfangen, weil ich mein Leben so eingerichtet habe, dass ich weitgehend ohne Auto auskommen kann.

Kostenloses Servicetesten bei der Bahn wäre vielleicht was, aber dafür müsste ich mehr unterwegs sein. Nein auch nicht.

Buchladentesterin wäre was. “Kaufen Sie vier Wochen hemmungslos in unserer Buchladenkette”. Okay, eigentlich auch nicht, die boykottiere ich und sollte ich mich doch dazu hinreißen lassen, dann nur mit einem fetten Gutschein meines bevorzugten Regalherstellers und eine neue Wohnung.

Dann wäre noch die Trödel- und Antikmarkttesterin drin, allerdings nur mit kompetenter Begleitung, leider habe ich weniger Ahnung als es mir lieb ist.

Und dann ist mir das ultimative Angebot eingefallen. “DER JOB” “Wir geben Ihnen einen Job (für vier Wochen) und Sie bloggen drüber. Gehalt sollte die Spesen decken”. Ich verspreche auch alles alles über meinen normalen Arbeitstag zu bloggen, so richtig ausführlich (…6:30 aufgestanden, ein wunderbarer Tag mit ARBEIT, dann einen Apfel gegessen, Zeitung gelesen, auf die Uhr geschaut, oh, es wird knapp, ich will ja nicht unpünktlich sein…). Erwerbsarbeit gehört ja zu den verknappten Gütern in unserer Gesellschaft. Manche Menschen haben sie schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen und die freuen sich sicher, mal wieder ausführlich darüber zu lesen.

Das schöne daran, eine Z-Bloggerin (gibt’s da eigentlich noch ein Buchstabe jenseits des “Z”) mit überschaubarem LeserInnen-Stamm zu sein, ist doch, dass mich tatsächlich niemand fragen wird und ich so in diese Verlegenheit nicht kommen werde, mich entscheiden zu müssen.

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Faschismus

Verfasst von somluswelt am 18, Mai 2006

Seit einiger Zeit quäle ich mich mit einem Text über die aktuellen faschistischen Tendendenzen im Umgang mit Erwerbslosen. Ich werde dafür wohl noch einige Zeit brauchen, bis dahin empfehle ich den ausgezeichneten Artikel der Neuen Rheinischen Zeitung als Einstimmung.

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Punx

Verfasst von somluswelt am 18, Mai 2006

Jetzt bist du fort. Wo wir doch dachten, uns öfter sehen zu können, wenn Du in die Nähe ziehst. Ich werde dich nicht vergessen.

punx

Tot ist überhaupt nichts:
Ich glitt lediglich über in den nächsten Raum.
Ich bin ich, und ihr seid ihr.
Warum sollte ich aus dem Sinn sein,
nur weil ich aus dem Blick bin?
Was auch immer wir füreinander waren, sind wir auch jetzt noch.
Spielt, lächelt denkt an mich.
Leben bedeutet auch jetzt all das,
was es auch sonst bedeutet hat.
Es hat sich nichts verändert,
ich warte auf euch, irgendwo sehr nah bei euch.
Alles ist gut.

Annette von Droste-Hülshoff

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Der Greis

Verfasst von somluswelt am 18, Mai 2006

Er ist ein Greis, denke ich, als ich durch die Tür komme. Ein Sterbender, obwohl ich vorher noch nie einen gesehen habe, ist mir alles klar, als ich ihn ansehe. Vor drei Wochen war er noch ein alter Mann, jetzt ist er ein Greis. Der Schnitter steht am Fuße seines Bettes, dass ich mich kaum wage, dorthin zu stellen. Er ist nicht mehr wirklich von dieser Welt. Er sagt, dass er zu seiner Frau will und fragt, ob alles für ihn vorbereitet ist. Er schaut mich an und ist voll da, ich halte seine Hand und sage ihm, dass sie schon wartet und dass alles bereit ist für ihn. Er nickt und ist wieder fort. Ich sitze und streichle sanft seine Finger. Beobachte, wie er weggleitet und für kurze Momente wiederkommt. Immer wieder kommt er zu uns zurück und ist von einer großen Klarheit. Er sagt nur noch das Nötigste, was nicht ungesagt bleiben darf. Ich staune über seine Klarheit, seinen Entschluss umzusetzen, das Leben nicht zu halten. Es ist das erste Mal, dass ich einen Sterbenden begleite, ich habe nicht wirklich gewusst, dass sie es wissen. Er kommt noch mal zu sich und versucht sich an etwas zu erinnern, dass er vergessen hat. Es ist nicht wichtig, sage ich ihm, wir haben alles geregelt, du kannst ruhig gehen. Noch mal schaut er mich an, als wollte er sich vergewissern, dass ich meine, was ich sage. Auch sein Blick kommt schon von weit her, als müsste er sich anstrengen noch mal bei uns zu sein. Er lehnt sich zurück. Ich halte weiter seine Hand.

Die Krankenschwester ist von einer unerträglichen Munterkeit. Hört sie denn nicht, was der Greis sagt? Er möchte gehen, er geht sowieso. Sie ist patent, gesund und jung. Das kann und will sie nicht verstehen. Er will nicht mehr essen und keine Pillen, nichts von dem was ihn an das Leben binden könnte. Als sie auf ihn einspricht, wie auf ein unverständiges Kind, sagt er, ich bin doch tot. Das geht nicht in einem Krankenhaus, sagt sie zu mir, als ich sie darauf hinweise, dass er deutlich sagt, dass er gehen will. Sie versteht mich auch nicht, denn sie erklärt mir, dass man einen Menschen nicht verhungern und verdursten lassen darf. Ich diskutiere nicht mit ihr, dass ich das nicht gemeint habe. Das geht nicht in einem Krankenhaus, dass man sterben will.

Sie redet wieder auf ihn ein, dass er doch sagen soll, wenn er Schmerzen hat. Sie redet besonders laut und deutlich, als wenn er taub wäre. Er reagiert nicht auf sie. Später als sein Körper von Krämpfen geschüttelt wird, muss ich sie holen. Sie versteht nicht, warum er den Drücker nicht verwendet. Sie merkt nicht, dass er nicht mal weiß, dass da einer ist, weil es ihn nicht mehr interessiert. Wir sagen es ihr. Sie schaut uns an und für einen Moment ist die professionelle Munterkeit von ihr abgefallen und es scheint eine Ernsthaftigkeit durch ihre Augen. Im nächsten Moment ist es vorbei und sie muss weiter. Der Arzt erklärt, dass sie seine Niere stabilisieren wollen. Es ist mir unerträglich, dass es hier der Wunsch eines Greises keinen Raum hat. Dass sie glauben, dass sterbende Greise nicht wissen, wovon sie reden, dass sie dies glauben müssen, weil ihre Profession ihnen nicht erlaubt, vom Tod als einen natürlich Teil des Lebens zu denken. Dass sie nicht wissen, dass ihre Autorität ein Ende hat. Hier soll das Leben erhalten, im schlimmsten Fall konserviert werden. Ich will nur, dass er keine Schmerzen leidet, alles andere ist mir egal und ihm sowieso. Ich glaube auch, dass ihm seine Schmerzen egal sind, weil er den Körper nicht mehr wirklich bewohnt, so klein und eingefallen wie er ist.

Als wir gehen, streichle ich noch mal seine Stirn aber das Schmerzmittel hat ihn schon im Griff, er nimmt uns nicht mehr richtig wahr. Wir kommen morgen wieder, sagen wir. Am nächsten Morgen kommt der Anruf, er sei friedlich eingeschlafen.

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Nicht,

Verfasst von somluswelt am 1, Mai 2006

dass jemand denkt, ich hätte aufgehört, ich pausiere immer noch.

Aber weil Humor doch das einzige ist, was mich in den letzten Tagen aufrechterhält, empfehle ich anläßlich der unsäglichen Debatte um christliche Werte, Akademikerinnen, die ihre Natur verweigern und den faschistoiden Tendenzen im Umgang mit Erwerbslosen das Schandmännchen.

Ich wünsche allen einen kämpferischen 1. Mai.

Mich findet man gleich bei den Erwerbslosenständen auf der DGB-Kundgebung am Kölner Heumarkt.

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