Somlus Welt

Viele Fragen, keine Antworten

Archiv für Februar, 2008

Lieber wandern

Verfasst von somluswelt am 18, Februar 2008

Ich habe mir dieses Wochenende die Samstagszeitung erspart und war lieber in der Eifel unterwegs. Heute morgen allerdings springt mir so eine kleinere Meldung ins Auge, der Bundesrechnungshof rügt die Kommunen wegen des Umgangs mit der Kosten der Unterkunft für ALG II-EmpfängerInnen. Und wie es nicht anders zu erwarten war, wird viel zu viel gezahlt, zu wenig Umzüge gefordert usw. usf.

Bei der Kalkulation der Mietobergrenzen gehen die Grundsicherungsstellen nach den Erkenntnissen des Rechnungshofs völlig unterschiedlich vor. Manche hätten sich nach dem örtlichen Mietspiegel gerichtet. Andere bewerteten den Markt durch das Sichten von Zeitungsannoncen, wiederum andere orientierten sich an Berechnungen des Rings Deutscher Makler. Teilweise hätten die Stellen den Hilfsbedürftigen sogar größere und besser ausgestattete Wohnungen zugestanden, weil sie in sozialen Wohnungsbauten lebten.

(Quelle: Kölner Stadtanzeiger)

Kennen die da beim Bundesrechnungshof überhaupt die gesetzliche Lage? Wissen die, dass es überhaupt keine gesetzliche Grundlage für ein einheitliches Vorgehen gibt? Di Richtlinie überlässt dass dem Ermessen der Kommune. Wissen die überhaupt, was das bedeutet? Wo sollen die Wohnungen herkommen, die nach dem weisen Ratschluss der Kommunen und Politker passen sollen? Sind sie bereit die amtlich veranlassten Umzüge, Kautionen usw. zu bezahlen? Kennen die eigentlich nicht die Urteile des Bundesverwaltungs- und Bundessozialgerichtes? Unglaublich, muss eigentlich jeder mal sein Maul zum Thema aufreissen, auch wenn da scheinbar nur Halbwissen und Ahnungslosigkeit hintersteckt. Falls hier ein paar Nasen vom Bundesrechnungshof vorbeischauen, ich habe mal meinen Beitrag zum Thema hier verlinkt, da sind alle Urteile aufgeführt.

Mal abgesehen von diesem Mist, wenn ich als ALGII-Empfängerin mich um alles kümmern muss, was PolitikerInnen, Behörden, Beratungsfirmen und was weiß ich noch für Leute so tagtäglich ausbrüten, kommen ich sicher zu einem nicht mehr, mir eine Arbeit suchen. Denn Jobs liegen ja genauso wie bezahlbare Wohnung auf der Straße rum.

Und noch mal, manches muss einfach immer wieder wiederholt werden, sonst wird es zu leicht ignoriert, im Vergleich zu 2004 (Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe) sind die Kosten für ALG II nicht wesentliche gestiegen.

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Köln

Verfasst von somluswelt am 9, Februar 2008

Viele die mich kennen, denken, dass ich wegen der Liebe nach Köln gezogen bin. Sicherlich, das war ein wichtiger Punkt und glücklicherweise hat diese Liebe den Übergang von einer Fernbeziehung zum Zusammenleben überlebt, dennoch gab es auch weitere Überlegungen für einen Umzug. Als eher sesshafte Zeitgenossin, war ich bis dahin im Leben nur einmal umgezogen und habe ich einige Überlegungen angestellt, wohin die Reise gehen sollte. Sicherlich ging die Reise in Richtung der Liebsten aber zur Auswahl standen so einige größere und kleinere Städte. Meine Wahl fiel auf Köln, größer und urbaner als Frankfurt, dass ich mit dem Rad in weniger als einer Stunde durchqueren kann und ich fahre nicht all zu schnell Rad.

Inzwischen sind vier Jahre ins Land gegangen. Mir gefällt Köln. Wo andere nur das schmuddelige und heruntergekommene sehen, sehe ich die Spielräume, die eine solche Stadt den Menschen noch lässt. Einige Dinge sind sehr anders als in Frankfurt. Es ist halt keine Bürgerstadt. Ja, Köln hat auch ein stolzes Bürgertum, das aber im Schatten des Domes und des Kardinals steht. Frankfurt war irgendwann vor Jahrhunderten mal Krönungsstadt gewesen und dann schon bald, so zumindest im Bewusstsein des Frankfurters an sich, gehörte die Stadt sich selbst. Undenkbar wäre in Frankfurt ein Park nur für einen Kardinal. Parks gehören den Bürgern und nach dem Rückzug des Großbürgertums, eben allen. Es gibt keine Residenzen und keine Paläste, zumindest keine historischen. Paläste der Moderne hingegen wachsen heutzutage ungebremst in den Himmel und haben so die eleganten bis protzigen Bürgerhäuser abgelöst. In Köln stehen höchstens einige zu groß gewachsene Gebäude unmotiviert in der Gegen herum.

Wo Frankfurt hoch wächst, wächst Köln in die Fläche. Die unendliche Scheußlichkeit der Gebäude im innerstädtischen Konsumgürtel erschließen sich erst, wenn man die Gelegenheit hat, sich die Sache von oben anzuschauen. Tatsächlich sind ganze Wohnblocks in der Innenstadt mit einem einzigen Gebäude wieder aufgebaut worden. Die Stadtplanung erschließt sich dem Uneingeweihten sowieso nicht. Architektonische Konglomerate, wie z.B. das Stadthaus, die Köln Arena und zugehöriges Parkhaus, als auch die neu errichteten Constantinhöfe kann man mir nicht mal unter schweren Alkoholeinfluss erklären. Jedes der Gebäude ist, für sich genommen, möglicherweise, eine Perle moderner Stadtarchitektur aber zusammengenommen sind sie monströs, abstoßend und erinnern mich eher an Legoland als an urbanes Leben. Das Parkhauses ist davon ausdrücklich ausgenommen, da es den Leitsatz moderner Ästhetik “Die Form folgt der Funktion” in fast schon grotesker Weise konterkariert. Überhaupt gibt es in Köln so einige Gebäude, bei deren Anblick ich mich frage, wie da wohl eine Baugenehmigung zustande gekommen ist.

Aber so ist Köln, zwar hat man hier nicht den größten Dom Europas, nur den drittgrößten, dafür erhebt er sich fast schwebend über der Stadt. Hier ist, wie die Gebäude alles größer als woanders, zumindest wenn man den Aussagen der Stadtwerbung folgt. Größter CSD, die meisten Weihnachtsmärkte, Karneval, Feuerwerke, Museen, Philharmonie , die Liste lässt sich endlich fortsetzen. Nur die Kirmes ist etwas mickrig, aber was soll, sie spielt im öffentlichen Bewusstsein der Stadt keine besondere Rolle. Im Gegenzug hängen derweilen überall Plakate in der Stadt, worauf die Stadtverantwortlichen die Bewohner um Verständnis für die vielen Gäste bitten, schließlich brächten sie ja auch Geld in die Stadt. Wer einmal auf dem Weihnachtsmarkt in eine Buslandung volltrunkener Holländer (Engländer, Belgier) geraten ist, weiß wie schwer diese Worte wiegen.

Was mich aber nach fast vier Jahren in Köln am meisten erschüttert, ist die Provinzialität der Stadt. Ein Vorwurf dem die Bewohner Frankfurts sozusagen fast schon traditionell ausgesetzt sind, der sich für mich aber eher in Köln erfüllt. Wobei, sind wir mal ehrlich, wären so seltsame Regionen, wie Porz-Langel, Köln Dellbrück u.a nicht in Köln eingemeindet, würde sich die absolute Zahl der Bewohner Kölns im selben Rahmen bewegen, wie die Frankfurts. Tatsächlich gibt es in Köln keinen Lieferservice, der nach 24 Uhr noch ausliefert. Die Monatstickets gelten immer für den Kalendermonat und niemals ab dem Kalendertag. Der Pflege des Brauchtums wird mindestens soviel Aufmerksamkeit gewidmet, wie in jedem Kaff im mittleren Westen der USA, das hauptsächlich aus ehemaligen deutschen Zuwanderern besteht. Auch ist bei den Ansagen der Stadtbahn eher mit einem kölschen Sprecher zu rechnen als mit der mehrsprachigen, die für eine internationale Messestadt angemessen wäre. Für den öffentlichen Nahverkehr gilt eher die Frequenz einer geruhsamen Kleinstadt als die einer fast Millionenstadt. Die Steuerung des Verkehrs vor allem bei Großveranstaltung lässt eher auf ein veritables Interesse an erhöhten Parkgebühren schließen, als auf ein Interesse daran, das Problem vernünftig zu lösen. Dank meiner Erwerbslosigkeit kann ich eine nur sehr vorläufige Einschätzung der gastronomischen Landschaft abgeben aber sie scheint mir doch deutlich gespalten zu sein, entweder Imbiss oder gleich richtig teuer, leider nicht wirklich auch immer gut. Das alles gerne auch als Gemütlichkeit bezeichnet.

Immerhin gibt es nunmehr auch Tonnen für den grünen Punkt und Altpapier auch vor der Haustür, was aber, meine ich mich zu erinnern, erst einmal ein Test sein sollte, ob das auch funktioniert. Als ehemalige Frankfurterin, die schon vor bald 20 Jahren zum Mülltrennen aufgefordert wurde, ein eher erstaunlicher Vorgang.

Und dann streifen wir in der Nähe von Leverkusen, kurz vor der Kölner Stadtgrenze durch den Wald und stoßen auf ein Kaff, dass wir eher irgendwo in der Eifel vermutet hätten, voller beschaulicher Fachwerkhäuser. Das ist halt auch Köln. Dörfer am Waldrand gelegen und gleichzeitig in der Stadt. Wozu in die Eifel ziehen, außer wegen der Grundstückspreise, vielleicht. Auch die Gartenanlagen deren Häuschen sich im Laufe von zwei Generationen langsam immer erweitert haben, schaffen dort Tatsachen, wo sie nicht existieren sollten.

Und trotzdem gerade dieser Zustand der Stadt macht sie mir auch wieder sympathisch, vielleicht bin ich auch im Herzen immer noch Frankfurterin, die im Widerspruch der Stile und im Kontrast zwischen Hochhaus und Gründerzeitgebäuden großgeworden ist und dies als Lebensgefühl verinnerlicht hat.

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PS.

Verfasst von somluswelt am 9, Februar 2008

Nächste Woche habe ich ein vielversprechende Gespräch mit einem großen Weiterbildungträger in der Region. Wäre wirklich schön, wenn das klappen würde und ich mir diesen Papierkrieg mit der ARGE sparen kann. :-)

Und wirklich es geht mir gut, entweder finde ich eine neue Stelle oder mache mich selbstständig, Ideen habe ich genug. Sogar das Wetter spielt mir. Seit mir gekündigt wurde, scheint die Sonne.

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Vorbei, Ende und Aus und endlich wieder gut schlafen

Verfasst von somluswelt am 9, Februar 2008

In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich einiges erlebt und nun ist es vorbei. Glücklicherweise. Seit der Kündigung geht es mir wieder gut, ich schlafe tief und fest und bin nicht mehr von irgendwelchen Szenarien, was wohl morgen wieder los sein wird, getrieben. Vieles macht mich immer noch fassungslos.

Da haben doch tatsächlich Menschen, eine Dienstleistungsidee, bei der es um Arbeitslose geht, entwickelt, und tatsächlich gedacht, dass sie eine Geldmaschine erfunden hätten.
Ich hatte ja von Anfang an eine Zweifel, meine Recherchen im Internet hatten einiges zu Tage gefördert, dass alles andere als gut klang. Aber ich wollte auch arbeiten, meine Erfahrungen in meinem Beruf sammeln und hoffte, dass es alles nicht so schlimm kommen würde, schließlich ging es nicht nur um diesen Menschen, es stand ja, scheinbar, ein seriöses Unternehmen und jede Menge Kooperationspartner dahinter. Es war schlimmer.

Ich habe hier irgendwo schon mal geschrieben, dass es in dem Unternehmen verdächtig nach New Economie roch. Wenn das bedeutet, dass jemand mit einer etwas kruden aber gut klingenden Idee konzept- und planlos jede Menge Geld verbrennt und auf nicht mal der Hälfte des Weges feststellt, dass er die Mittel nicht mehr hat, das Ganze auf seriöse Füße zu stellen, dann habe ich wohl meine Erfahrungen mit dieser Mentalität jetzt noch nachgeholt. Muss ich dazu sagen, dass der Ideengeber ursprünglich in München ansässig war?

Die Idee Stellenanzeigen zu schalten, obwohl es keinerlei Stellen gibt, die BewerberInnen dann einzuladen, anzulügen und sie dann überreden zu sollen, dass sie doch das Dienstleistungsangebot in Anspruch nehmen sollen, selbstverständllich kostet das was…, wurde mir noch im Kündigungsgespräch zur besten Aquisition-Idee der Geschichte erklärt. Dass das Dienstleistungsangebot gleichzeitig als seriöse Alternative mit Ethik und Werten verkauft wurde, spielte dabei keine Rolle. Das ich da nicht mitgezogen habe, war im übrigen einer der Gründe, warum mir ein Mangel an Enthusiasmus attestiert wurde und weswegen es nicht ganz so schwer war mich zu entlassen als die anderen MitarbeiterInnen. Zumindest wurde mir das so gesagt. Dass seit meiner Einstellung dort vier Leute gegangen sind (bei einer Firmenstärke von 11 Leuten vor Ort), ist dabei nur eine Randnotiz.

Am schlimmsten für mich persönlich aber war der Umgang mir den Kunden.

Der Satz “Hartz IV Empfänger sitzt ja das Geld locker in der Tasche, die habe es ja” soll so oder so ähnlich genauso gefallen sein, wie die Äußerung, dass 50 % aller Leistungsbezieher Betrüger sind. Und das von einem Menschen, der sich in den Medien als Heilsbringer für Erwerbslose nicht nur verkauft sondern auch wahrgenommen wird. Meine persönliche Enttäuschung und Kränkung hält sich einigermaßen in Grenzen, denn ich fand den Menschen von Anfang an nicht seriös, auch wenn er in einem gewissen Rahmen erfolgreich scheint.

Und dann, als nach ca. 3-4 Monaten so langsam alles anlief, wurde das eine Projekt von jetzt auf gleich wurden eingestampft und damit Menschen hängen gelassen, die dort einen Ort gefunden hatten, sich zu stabilisieren. Manchmal frage ich mich, ob da irgend jemand sehen wollte, dass ich dort mit Menschen gearbeitet habe und nicht mit Melkkühen. Und nun schließlich wurde dann verbrämt mit irgendwelchen weiter nicht vertieften kaufmännischen Argumenten am Dienstag auch das andere Projekt “vorübergehend eingestellt” (und ich freigestellt), was nur verdeckt, dass es an Konzept, Planung, Steuerung und Marketing vollkommen mangelt.

Das Erstaunlichste an allem aber ist, dass es solche Unternehmer gibt und das sie von Auftraggebern, Kunden und Kooperationspartnern ernst genommen werden. Dabei sind die Hinweise überall zu finden. Vor allem aber fehlt die Authentizität der Verantwortlichen und das schlägt sich überall nieder.

Ein Führungsstil, der irgendwo zwischen freudigem Sandhaufen bauen und autoritärem Eltern-Ich changiert und eine demoralisierte Belegschaft, die sich nur auf eine verlassen kann, dass sich sich auf nichts verlassen kann, sind sicher keine guten Vorraussetzungen ein erfolgreiches Unternehmen zu führen. Und schließlich zum guten Schluss, also nach dem Kündigungsgespräch, von dem an ich freigestellt war, händigte mir der Geschäftsführer unquittiert 600 Euro für die Handkasse der Filiale aus, um dann am nächsten Tag meine Kollegin zu fragen, ob das Geld auch angekommen sei. Ich musste wirklich lachen als ich das hörte, weil es so deutlich zeigte, wessen Geistes Kind diese Person ist. Aber bitter ist es trotzdem. Bauernopfer klingt es in meinen Ohren, weil auf einer anderen Ebene die persönlichen, wirtschaftlichen und emotionalen Abhängigkeiten (Ja, ja ich weiß mehr über die Geschäftführung als ich jemals wissen wollte) keine andere Lösung zulassen.

“Wir hatten ja eine gute Idee, nur Sie haben kein Geld daraus gemacht.”

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