Es ist Wahlkampf und alle wollen mitspielen

An Herrn Decker vom Kölner Stadtanzeiger und den verantwortlichen Redakteur, der den Kommentar:

Das Netz ist nicht grenzenlos

zum Druck freigegeben hat,

vorneweg, ich gratuliere Ihnen zu Ihrer Lesekompetenz. Denn Ihr Kommentar im KStA zeigt deutlich, dass sie in der Lage sind die Pressemitteilungen aus dem Hause CDU/CSU zu lesen. Aber ansonsten, muss ich mich schon fragen, welches berufliche Selbstverständnis Sie so haben. Auch wenn Sie offenbar über eine E-Mail-Adresse verfügen, scheinen Sie darüber hinaus nicht allzu viel über das Internet und vor allem die rechtliche Lage zu wissen.

Sie schreiben:

Sie tun so, als sei es (das Internet) eine Art Baumhaus für Kinder, in das Erwachsene keinen Zutritt haben sollen. Man begeistert sich für Twitter und Blogs. Inhalte? Nebensache.

Ja, dito, gebe ich gerne an Sie zurück. Inhalte – offenbar haben Sie keine Ahnung. Wenn Sie sich nämlich auskennen würden, dann wüßten Sie längst, dass das Internet zumal gerade hier in Deutschland alles andere als rechtsfreier Raum ist. Dann wüßten Sie, dass es längst schlagkräftige Gesetze gegen die Produzenten von Kinderpornographie gibt, die aber nicht angemessen umgesetzt werden. Während die Privatinitative des AK Zensur innerhalb von wenigen Tagen 60 solcher Seiten aus dem Netz verschwinden lässt, versanden andererseits Hinweise auf kinderpornographische Seiten irgendwo im BKA.

Im Internet ist mitnichten “erlaubt, was andernorts verboten ist”. Wie kommen Sie denn bitte darauf? Woher nehmen Sie diese Aussage.

Sie erwähnten die Jugend der “Bewegung”, die für die Petition gegen Internetzensur gezeichnet haben. Das finde ich jetzt doch übertrieben schmeichelhaft für mich. Ich fühle mich zwar auch mithin jugendlich aber mit gut 41 Jahren gelte ich ja sogar für bestimmte Marktsegmente nicht mehr als relevant. Ihrem Konterfei im Kölner Stadtanzeiger nach, könnten Sie sogar jünger als ich sein.

Offenbar waren sie (Franzika Heine und ihresgleichen) weder in China noch im Iran und wisse nicht was Zensur ist.

Falls es Ihnen noch nicht aufgefallen ist, ja doch, “wir” wissen was Zensur ist, deswegen ja die breite Unterstützung der Petition und die endlose Berichterstattung in Blog und anderen Medien.

Ihre unverschämten Formulierungen lasse ich mal bis auf weiteres unerwähnt. Obwohl ich mich beim Lesen schon gefragt habe, was sie antreibt. Ihre Herablassung und Abwertung gegenüber Menschen , die sich für die Erhaltung der Bürgerrechte einsetzen und schon den Anfängen wehrhaft gegenübertreten, so man überhaupt noch über Anfänge reden kann, ist doch schon sehr auffällig.

Die Forderung von “Frankziska Heine und ihresgleichen” ist, diese Seiten zu löschen statt nur den Blick auf sie zu versperren und das Einfallstor für Begehrlichkeiten unterschiedlichster Lobbies bzgl. Sperrung von anderen Inhalten im Keim erstickt werden.

Die meinen Freiheit ohne Verantwortung

Mal überlegen, wo habe ich denn das schon gelesen und gehört. Schreiben Sie direkt von den Pressemitteilungen des Bundesministeriums für Famlie ab?

Wie ist denn bitte schön Verantwortung bei Ihnen so definiert? Zu allem ja sagen, weil es Frau von der Laien nur gut mit uns meint? Weil sie irgendwie so betroffen und halsstarrig rechthaberisch rüberkommt? Wie ein Kommentator auf ksta.de schon meinte, der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Was für eine Verantwortung gegen über den mißbrauchten, gequälten und gefolterten Kindern übernimmt da Frau von der Laien noch mal? Verstärkt sie die Sondereinheiten des BKA? Werden da unbegrenzte Mittel zur Verfügung gestellt, damit diese Leute technisch auf dem letzten Stand sind und dann personell und technisch in der Lage sind, die Produzenten und Bereitsteller solchen Material hochzunehmen? Gibts schon breit angelegte psychosoziale Initiativen, die die Opfer auffangen können? Unbegrenzte Zahlung der Krankenkasse für Therapien eigener Wahl?

Stattdessen wird ein papierdünner Paravant aufgestellt, der ünberhaupt keinen Sinn hat, da diejenigen, die diese Bilder konsumieren schon wissen, wie sie da ran kommen und alle anderen, die aus Versehen auf solche Seiten stoßen (was ich aber für vollkommen absurd halte) schon mal verdächtigt. Das wird eine Industrie mit Millionenumsätzen herbei phantasiert.

Und dann die Substanz aller Argumente, die aus dem Haus von der Laien kommt. Eine Anfrage im Bundestag förderte zutage, dass die Bundesregierung nix weiß und auch keine gesicherten Kenntnisse zu nichts in diesem Themenbereich hat.

Sie suggerieren den Leserinnen und Lesern des Kölner Stadtanzeigers, dass das Internet ein rechtsfreier Raum sei, der dringend der Kontrolle bedarf. Entweder sind Sie so ahnungslos oder Sie unterstützen die Bestrebungen ein neues Informationsmedium zu kontrollieren, schließlich geht es ja auch um Deutungshoheit. Ein Blick in die Geschichte, Unterabteilung Erfindung des Buchdrucks, hilft in diesem Kontext bestimmt weiter.

Wenn ich mir in den vergangenen vier Jahren, die ich blogge immer wieder das Lamento der sogenannten Qualitätspresse über die mangelnde Qualität der Arbeit von Bloggern, durchgelesen habe, muss ich echt sagen, von was bitte schön ist denn da nun die Rede. Solange Jounalisten, wie Sie, nicht in der Lage sind Fakten zusammen zu tragen, weil Sie nicht tiefer in die Materie einsteigt als es der Faxausdruck der entsprechenden Pressemitteilung zulässt, les ich lieber Blogs. Da gibt es eine Menge mit gut recherchierten und informativen Inhalten. Ja, Herr Decker lesen Sie Blogs.

Sie haben sich vor den Wahlkampfkarren der CDU gestellt oder stellen lassen. Und Sie tragen als “Qualitätsjournalist” dazu bei, dass Menschen, die sich mit diesem Thema weniger beschäftigen, Fehlinformationen aufsitzen. Und das alles mit dem hochemotionalen und brisanten Thema Kinderpornographie. Das ist ekelhaft, dieses Thema in dieser Weise zu funktionalisieren. Widerlich.

Mit unfreundlichen Grüßen
eine Abonnentin, die ernsthaft die Kündigung ihres Abonnements ins Auge fasst.

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