Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau

Zu sagen, dass ich Fußball nicht mag, wäre schlicht weg falsch. Ich finde es langweilig, es interessiert mich nicht. Vemutlich würde es mir nicht mal auffallen, wenn es ab sofort nie wieder Fußball gäbe. Aber zu den Weltmeisterschaften ist es unmöglich dem Thema aus dem Weg zu gehen und dass in diesem Jahr die Frauenfußballweltmeisterschaft mehr Beachtung bekommt als je zuvor, ist zumindest interessant.

Heute Morgen begrüßte mich das Morgenmagazin mit Bemerkungen darüber, dass bei der Mannschaft von Äquatorial Guinea unklar sei, ob nicht Männer dort mitspielten. Also nicht nur, dass Fußballerinnen ständig beweisen sollen, dass sie ganz normale “Frauen” sind und bitte keine “Mannweiber”, jetzt sind wir soweit, dass Frauen, die den normativen Frauenbild nicht entsprechen, beweisen müssen, dass sie biologische Frauen sind und keine biologischen Männer. Ein bisschen Recherche fördert zu Tage, dass dieser Vorwurf aus Verbänden anderer afrikanischer Staaten stammt, nach dem die Fußballerinnen aus Äquatorial Guinea sich für die Fußball Weltmeisterschaft qualifiziert haben. Und unsere Medien stürzen sich begeistert auf das Thema.

Es gibt ja schon seit der beginnenden Neuzeit in Europa den Diskurs über die vermeintliche körperliche Unterlegenheit der Frauen gegenüber den Männern(hier vor allem die Diskussion in den Kommentaren), die im allgemeinen (ich vereinfache mal grob) biologischen Tatsachen zugeschrieben wird. Wobei diese biologischen Tatsache diverse Parameter geflissentlich übersehen, wie z.B. Ernährung, genetische Auswahl, Bewegung usw. usf. Eine Frau hat zierlich und grazil zu sein, sie soll im öftenlichen Raum weniger Platz einnehmen, sie hat über Jahrhunderte weniger tierisches Eiweis bekommen als Männer usw, usf. Alles was man tatsächlich sagen kann, dass unter den aktuellen Gegebenheiten Frauen andere körperliche Fähigkeiten haben als Männer.

Jetzt rücken einige wenige Frauen in den Fokus der Aufmerksamkeit, die nicht nur optisch den allgemeinen normativen Klischees von “Frausein” nicht entsprechen, sondern möglicherweise genauso schnell und stark sind, wenn sie sich bewegen und sprechen, wie wir das von Männer erwarten (ist auch nicht immer das Ding von Männern) und da nicht sein kann, was nicht sein darf, müssen diese Frauen Männer sein. Ekelhaft ist das. Noch ekelhafter ist allerdings, dass diese Frauen sich dem höchst kränkenden Verfahren eines Tests unterziehen mussten, um zu beweisen, dass sie biologische Frauen sind. Wieso nicht gleich jeden Monat ein blutiges Bettlaken vor die Tür hängen?

Hier zeigt sich auch die wortwörtliche Gewalt der heteronormativen Zweigeschlechtlichkeit, die keinerlei Abweichung toleriert. Vor allem dann, wenn sich herausstellen sollte, dass die in Europa von ca. 300 Jahren festgenagelte Geschlechterdifferenz nichts anderes sein sollte, als eine kulturelle Normsetzung. Eine Normsetzung, die mit irgendwelchen “tatsächlichen Tatsachen” recht wenig zu tun hat, sondern unserer Wahrnehmung und bestimmten kulturellen Gegebenheiten geschuldet ist.

Und schlimmer noch, nicht nur sollen Fußballerinnen sich deutlich vom Klischee des Mannweibes abgerenzen, nein, sie sollen jetzt auch ->noch ->“sexy” ->sein, denn eine wahren Frau ist dann eine Frau, wenn sie für Männer attraktiv ist.

Ich finde es traurig, dass die Fußballerinnen, je bekannter sie werden, zunehmend unter einen Feminitätszwang geraten und diesen Diskurs auch noch selbst mittragen, indem sie alles tun, um zu beweisen, dass die Zuschreibung “Mannweib” nicht zutrifft.

4 Antworten zu “Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau

  1. In der medialen Vorbereitung auf die WM kommen Dinge an die Oberfläche, von denen ich naiverweise geglaubt hatte, dass unsere Gesellschaft weiter wäre. Ich bin nicht prüde. Aber so richtig habe ich nicht verstanden, warum sich einige Spielerinnen im Playboy produziert haben. Als Mann hab ich nicht weggesehen aber komisch fand ich das trotzdem. Gerade wegen der bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft.

  2. Na ja, die Fußballerinnen sind halt auch nur Menschen und ich kann mir vorstellen, dass der Druck einem bestimmten Frauenbild zu entsprechen recht hoch ist. Das ist ja bei anderen Sportarten auch so. Oder was glaubst du, warum Tennisspielerinnen im Röcken spielen müssen (ich glaube, es gibt Wettbewerbe, wo das vorgeschrieben ist)

  3. Ja, beim Tennis sind in Wimbledon (glaube ich) immer noch Röcke vorgeschrieben – aber nicht mehr bei allen Turnieren. England gibt sich da traditionell.

  4. Nun ja, wir haben um jedes einzelne kleine Stückchen Gleichberechtigung, in jeder Kategorie des Lebens, zäh kämpfen müssen – warum sollte es beim Sport anders sein? Jetzt ist endlich auch der Fußball dran, und Boxen von Frauen gibt es auch schon. Dass versucht wird, den Frauen Knüppel zwischen die Beine zu werfen, und dass andererseits einige dieser Frauen sich noch ins Weibchen–Klischee drängen lassen – auch das war in allen Bereichen so. Ein nicht aufhörender Kampf. Aber es ist ja was gewonnen worden, immerhin. Ich kann mich mit Männern jetzt ernsthaft über die fußballerischen Qualitäten der einzelnen Spielerinnen oder Mannschaften (“Frauschaften? nee, klingt zu böd :D) unterhalten, wo ich vor ein, zwei Jahren nur blöde Witze hörte.

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