Somlus Welt

Viele Fragen, keine Antworten

Archiv für 'beobachtungen' Kategorie


Heute morgen

Verfasst von somluswelt am 22, März 2007

So steht es leider nicht in der Meldung, die im Onlineauftritt des wdr2 zu finden sind. Aber eben hat doch der Nachrichtensprecher tatsächlich gesagt, dass das magentafarbene Unternehmen wolle Service und Dienstleistungen verbessern, weswegen die zukünftig 50.000 ausgelagerten Beschäftigten länger arbeiten und weniger verdienen werden. (Nein, ich habe nicht nach der entsprechenden Pressemitteilung gesucht, denn so ist gerade in den Radionachrichten gekommen und das ist es was die Menschen mitbekommen.)

Diesen Zusammenhang muss mir erst mal jemand erklären. Obwohl ich mir kaum vorstellen kann, dass mir das tatsächlich irgendjemand so erklären kann, dass es einen Sinn ergibt. Eine solche Argumentation ist so durchsichtig, dass es mir schon die Tränen in die Augen treibt, soweit sind wir wohl schon länger, dass mit solch fadenscheinigen Begründungen über das Leben tausender Menschen entschieden wird. Es wird nicht gesagt, dass solche Unternehmen sich geirrt haben, ihre strategischen Entscheidungen zum massenhaften Verlust von Kunden geführt haben und nun müssen sie schauen, dass sie dringend einsparen. Nein, die Dienstleistung muss verbessert werden, heißt es dann. Scheinheilige Bande. Wenn wenigsten dieses Geschwafel nicht wäre. Seid doch ehrlich, eure Aktionäre steigen Euch aufs Dach, wenn sich die Renditen nicht erhöhen. So ist das nämlich, von wegen der Markt regelt die Dinge, da wird geschwafelt und Sand in die Augen gestreut und missbräuchlich mit dem Begriff des “Sozialen” umgegangen. Denn ohne das, stände die aktuelle marktbeherrschende Doktrin als das da, was sie ist, eine antisoziale rücksichtslose Haltung.

Ach so, heute beginnen die Verhandlungen zwischen verdi und dem magentafarbenen Konzern, um das Schicksal der 50.000 Menschen.

Nachtrag: Scheinbar sehe nicht nur ich das so so: Offene Worte eine Mitarbeiter des Unternehmens

Nachtrag 2: Eben meldet das Radio, dass seit 2 Stunden T-Online Kunden in Köln nicht mehr online können, Ursache: unbekannt, Dauer: unbekannt Ach so, anderes Unternehmen…

Veröffentlicht in arbeitsmarkt, beobachtungen, politik | Keine Kommentare »

Ausgeräumt

Verfasst von somluswelt am 16, August 2006

Das Haus steht an einer Hauptverkehrsstraße, wieder und wieder halten Autos. Ich passe auf, dass am Ende nicht alles über den Bürgersteig verstreut ist. Ein ganzes Leben auf achtzig Quadratmetern. Bücher, die vor 40 Jahren mal pooulär waren und heute nur noch Randnotizen der leichten Literatur sind. Berge von Geschirr, natürlich das “Gute” - von Arzberg für 12 Personen- ist vollständig erhalten. Dann finde ich das ehemals “Gute”, dessen Reste in einem Schrank im Keller modern, bis ich sie ans Licht zerre und ihre Formen bewundere, die schon so lange aus der Mode sind, dass heute sich andere die Hände danach reiben. Dieses und das andere sichere ich sorgfältig in Karton. Der Rest - die Keramik, das Plastik und die Sammeltassen aus den Urlaubsorten - liegt schließlich in sorgfältig aneinandergereihten Säcken am Bordstein.

Ich muss immer wieder auf sie schauen, zwanzig graue Müllsäcke, deren Aufdruck darauf hinweist, das keine heiße Asche eingefüllt werden soll, ist alles was von einem Leben übrig bleibt. Ein wirklich guter Grund nichts aufzuheben und sich das Geld für billigen Tand zu sparen. Lieber essen gehen oder einen schönen Urlaub machen.

Die kleinen Möbel warten auf dem Bürgersteig darauf, von jenen, die vorbeifahren, mitgenommen zu werden. Wieder hält ein Wagen. Er hat einen Magneten dabei und testet alles nach Edelmetallen. Kurz nach ihm hält ein Schrotthändler. 8 Cent pro Kilo, bekommt er dafür. Eine Tonne macht 80 Euro. Soviel hat er etwa auf dem Wagen, mehr passt nicht darauf. 80 Euro für ein Tagewerk zweier Personen. Es ist spürbar, dass die Zeiten schlechter sind. Früher gab es nicht soviel Interesse an Metallregalen, Besenstielen aus Aluminium und Übertöpfen aus Kupfer. Als er abfährt, bedankt er sich.

In der halben Stunde, die wir essen sind, verschwinden die Balkonmöbel, alle Lampe und die Hausmülltüten sind aufgerissen. Erst nach einer Weile bemerke ich, dass die mit dem Geschirr fehlen. Während ich die verbliebenen Säcke neu verschließen, tauchen welche auf, die selbst daran Interesse haben, in der Hoffung das ein oder andere Verwertbare darin zu finden.

Vieles war schlimm in den vergangenen Tagen, die Unterlagen durchsehen, entscheiden was noch bewahrt wird und was weg kommt. Schmerzhalfte Entscheidungen, die im Laufe der Tage immer leichter werden, weil nicht alles aufgehoben werden kann und das was schon aufgehoben wurde, genug ist. Am schlimmsten war der Mann, der für den “alles für 50 Cent” Trödel einsammelte. Er wühlte sich durch alle Schubladen, stöberte hinter jeder Schranktür in der Hoffnung irgendetwas zu finden, das mehr als 50 Cent bringen würde. Das wertlose aber liebevoll gesammelte Zinnzeug verschwindet in seinen Kisten ebenso wie die Schals der schon länger verstorbenen Frau des Hauses. Glücklicherweise ist alles bessere - das nicht behalten werden sollte - schon ein Stunde vorher für einen guten Preis rausgegangen. Ich muss nah an ihm dran bleiben, denn er räumt alles ein, wenn man nicht aufpasst. Zweimal rette ich ein altes Foto aus seinen Bananenkisten. Am Ende kann ich mich nicht mehr erinnern, ob ich den großen Kochtopf eingepackt habe oder ob er dem kleinen Mann mit den schnellen Händen zum Opfer gefallen ist. Alles was der wegschleppte, muss ich nicht mehr schleppen, versuche ich mir die Situation erträglich zu denken. Es gelingt mir nicht, ich bin nur angewidert. Als er weg ist, habe ich genug für den Tag.

Wieder hält ein Wagen, er ist bis oben hin mit Schallplatten und Zeug vollgestopft. Ein alter Mann steigt aus, dem ich kaum abnehme, dass er Wochenende für Wochenende auf Trödelmärkten steht. Er schnallt die kleinen Möbel und den Plastikweihnachtsbaum auf das Dach seines Autos. Eine polnische Familie lädt die Pressglasschalen und Vasen in ihren Wagen und auch der Staubsauger wird gern genommen. Einem anderen Mann, der schon hinfällig wirkt, suche ich die Balkonkästen zusammen und die digitale Waage nimmt er auch noch mit.

Irgendwann ist alles ausgeweidet und nur noch das übrig, das am Tage niemand mehr haben will. Heute Abend, wenn wir weg sind, werden die anderen kommen und die Reste durchwühlen, die Regale aus dem feuchten Keller an sich nehmen und auch der Schuhschrank aus den 50er Jahren wird noch einen Abnehmer finden. Vielleicht auch die Stühle, die nur neue Poster bauchen.

Meine Füße schmerzen, dutzende Male bin ich die Treppen herauf und wieder heruntergestiegen, mit Säcken voller Kleidung oder Hausrat. So bald will ich keine Wohnung mehr auflösen müssen. Ich bin schon dankbar, dass es kein Haus ist, das ausgeräumt werden musste.

Veröffentlicht in beobachtungen | Keine Kommentare »

CSD 2006 im WDR

Verfasst von somluswelt am 16, Juli 2006

Der WDR hat dem CSD eine ganze halbe Stunde nach Mitternacht gewidmet. Äußerst großzügig (dazu auch das Batzlog). Es fängt damit an, dass ausführlich die Vorbereitungen im Corner beobachtet werden. Dann geht es in die Wohnung der Beispielschwulen, die die Dokumentation tragen sollen und die gehen natürlich auch auf die Gala, kostet ja nur 50 Euro “Spende”. Der betuliche Tonfall mit dem der Sprecher darauf
hinweist, dass Marie Luise Nikuta (heißt die so? )dabei ist, nervt. Welch neue Nachricht, sie macht das ja nur schon seit Jahren mit. Und dann fragen die sie peinlicherweise auch noch, ob sie ein Problem mit den ganzen Tunten hat. Unfassbar.
Und überall nur Schwule und Tunten. Lesben sind nicht zu sehen. Sehr nervig. Nix als Schwule weit und breit. Selbst bei Aufnahmen vom Straßenfest schaffen sie es nur Kerle zu zeigen. Ich war da gewesen und hatte nicht den Eindruck, dass die Jungs die Situation dominieren. Auch beim Bühnenprogramm ist mir eigentlich die Ausgewogenheit positiv aufgefallen. Nicht, dass dies bei diesem Bericht auch nur annähernd herauskommt.

Natürlich haben die Beispielschwulen eine super Wohnung, sind nett und wirken anständig und natürlich ist die Wohnung pikobello, trotz Massenbesuchs. Die wirken selbst nach nur 2 Stunden Schlaf noch appetitlich. Keine Bären, keine Lederkerle oder noch viel abwegigere Vorlieben. Ja, ne ist klar, schwul sein an sich ist ja eigentlich schon irgendwie pervers, immer noch. Schwule sind ganz normale Leute, die Karneval im Sommer feiern udn dann gibt es da noch so politischen Inhalt. Lesben gibts immer noch nicht zu sehen. Ja und dann wieder das Corner. Offenbar findet der Kölner CSD vorm Corner statt.
Und dann interviewen sie eine Frau auf der Gasse (die auch schon im Corner gewesen war) und fragen sie, ob sie “betroffen” sei, ist ist aber ne Hetera, auch klar. Wer hat diese Reportage zu verantworten, bitte?
Jaha, und der eigentliche Grund des CSD ist die Parade. Oh, doch zwei Lesben in der Kamera. Und jetzt werden sie auch noch erwähnt, also die Lesben. Und wieder eine Hetera im Interview. Und noch mehr Heteros.

Auf dem CSD war ich nicht.
Diese Reportage ist das Philadelphia der Reportagen. Grausam.

Nachtrag: Noch eine Kritik an dieser Reportage findet sich im queerblog

Veröffentlicht in beobachtungen | 6 Kommentare »

Come Together Cup

Verfasst von somluswelt am 25, Mai 2006

Ich war heute Fußball gucken.

Ja, ich. Und das trotz Dauerregens.

Ich kann Fußball nicht ausstehen. Fußballer, die ich bedauerlicherweise die zweifelhafte Freude hatte, kennenzulernen, sind unerträgliche, meist arrogante Prolls mit ausgesprochen heruntergekommenen Umgangsformen. Trinkgeld geben die im übrigen auch nicht. Die kommende Weltmeisterschaft halte ich für eine persönliche Zumutung und einen eklatanten Verstoß gegen den guten Geschmack. Und was die Fans angeht, was soll man von Leuten halten, für die die Stadt Frankfurt vorsorglich Schutzgitter am Main installiert, damit sie nicht besoffen ins Wasser fallen. Beim Museumsuferfest sind da mehrere Millionen Leute unterwegs und auch nicht unbedingt nüchtern aber Absperrungen habe ich da noch nie gesehen.

Doch der Come Together Cup ist ein echtes Szeneereignis. Er wird getragen von Lesben und Schwulen für Lesben und Schwule und der eher abgelegene Veranstaltungsort ermöglicht ein einigermaßen von gafffreudigen KölnerInnen befreites Feiern und Spielen.
Er ist nicht so unerträglich komerzialisiert, wie der CSD. Der Erlös aller Verkäufe der gespendeten Kuchen und Salate gingen an das Rubicon.

Das Tunier startet schon um 8:30 Uhr. Wir waren gegen zwei zu den Viertelfinalspielen da. Eine Mannschaft mit dem Namen “Amicas Akademicas” haben wir bis ins Endspiel verfolgt, wo sie leider gegen die Kölner Polizei 0:1 in einem zeitweise spannenden Finale verloren. Ein Vorteil dieser Veranstaltung ist, dass jedes Spiel nur 30 Minuten dauert und so weder SpielerInnen noch ZuschauerInnen überfordert. Wobei die Mädels und Jungs im Finale insgesamt 11 Stunden immer wieder gespielt hatten.

Sehr schön war auch das Prominentenspiel. Es fing schon damit an, dass Elfi Scho-Antwerpes noch Fußballschuhe brauchte, eine Trainingshose geliehen werden mußte und noch zwei weitere TeilnehmerInnen Schuhe brauchten. Trotzdem konnte ich sogar Dogs auf dem Spielfeld erspähen. Das Prominentenspiel zeichnete sich durch einen entscheidenden touch down (ja, sie trug den Ball ins Tor) zum 4:4 durch Heidi Stern aus und den anderen Tunten, die wahlweise mit Handtasche, Schirm oder Kölschglas in der Hand spielten. Statt des Kopfes kam bei hohen Pässen auch mal der Regenschirm zum Einsatz. Kreativ wurde das Match durch einen zweiten Spielball, der aber nur kurzzeitig für Verwirrung sorgte.

Schließlich erinnerte ich mich wieder, das ich selbst mal ganz gut gespielt hatte. Im Internat in gemischten Mannschaften. Nach dem Wechsel zurück auf die Staatschule allerdings wurde mein aufblühendes Talent von der irritierten Reaktion meiner Mitschüler in der Pause zum ersterben gebracht. Frauen/Mädchenfußball als Vereinssport war damals höchstens, wenn überhaupt, den sehr Eingeweihten bekannt.

Vielleicht schau ich doch in Zukunft mal wieder Fußball aber nur Frauen. Wie schon gesagt, die arroganten überbezahlten Prolls deutscher Vereine können sich gern ihre Bälle und was sonst noch so reingeht, dahin stecken, wo die Sonne nicht scheint.

Veröffentlicht in beobachtungen | 4 Kommentare »

Solidarität buchstabieren

Verfasst von somluswelt am 29, März 2006

Ich wundere mich schon eine Weile über das Verhältnis des gemeinen Deutschen zu Solidarität. Da fangen Teile der Gesellschaft an gegen die immer härter werdenden Arbeitsbedingungen, gegen rückläufige Reallöhne und drohende Arbeitsplatzvernichtung an zu streiken und die Medien schreiben den Anlass runter oder schrieben überhaupt wenig darüber. “Würde sie es stören 18 Minuten am Tag länger zu arbeiten?” Diese Frage kann ich überall lesen und bekomme sie auch in meinem Umfeld (nicht mein enges) wiedergekäut. Und die Kamera wird immer schön auf die jammernde Person gehalten, die den Müll nicht mehr ertragen kann. Solidarität mit den Streikenden? Zumindest ist nicht viel davon zu lesen. Es mag sie geben aber darüber geschrieben wird herzlich wenig.

Gleichzeitig sehen sich ForenbetreiberInnen, BloggerInnen und andere, die sich im Internet äußern, mit einer Abmahnwelle konfrontiert, die die sofortige Eskalation und den Einsatz von Anwälten nach sich zieht. Es geht um schwerwiegende Dinge, wie Meinungsfreiheit und Persönlichkeitsrecht. Es wird sofort mit schwerem Geschütz ohne Vorwarnung losgeballert, Drohungen geäußert, die der Sache nicht angemessen sind. Man hat den Eindruck, dass es um Einschüchterung geht. Relevante Teile der BloggerInnen solidarisieren sich, es tauchen jede Menge differenzierte Beiträge auf, viele übernehmen diese, weil sie es nicht besser machen könnten und die Sache entwickelt sich in der BloggerInnen eigenen Geschwindigkeit rasend schnell.

Den Rest des Beitrags lesen »

Veröffentlicht in beobachtungen, blogdings, medien | 7 Kommentare »

Das Cafe im Krefelder Zoo

Verfasst von somluswelt am 19, März 2006

Das Cafe ist voll, aber nicht mehr so voll, wie uns die Leute direkt neben uns bestätigen. Schließlich warten die Menschen nicht mehr scharenweise auf einen Sitzplatz, es leerte sich auch merklich, eine gewisse gereizte Stimmung ist aber deutlich zu spüren.
Eine halbe Stunde bringt ein Kellner dann endlich die zwei Cola, die die Liebste vorsorglich im Doppelpack bestellt hatte. Auf meine Frage, ob er der Ansicht sei, dass es mit meinem Kakao und dem Stück Torte noch was werden könnte, reagierte er kaum. Der Typ am Nachbartisch lacht. Lachen ist auch das einzige was mir bleibt, nachdem ich dreimal ausdrücklich auf die Aufnahme der Bestellung beharren und der Kellnerin erklären musste, wo die Torte, von der sie mir freudestrahlend verkündete, sie sei aus, in ihrer Theke steht, um anschließend von der Besitzerin gefragt zu werden, ob ich überhaupt bestellt hatte. Das Bestellsystem in diesem Cafe ist eigenartig. Ein junges Mädel, das exakt eine Bestellung aufnehmen kann, die sie erst an die Kasse bringen muss, bevor sie die nächste aufnehmen kann, irgendwo im Laden exakt eine Person, die diese Bestellungen registrieren darf und zwischen drin laufen Kellner und Kellnerin rum und wissen nicht, wer was bestellt hat. Eine Kundin organisiert sich irgendwie ein Glas Wasser und lässt 20 Minuten später das bestellte wieder zurück gehen. Nach 35 Minuten schließlich die erwähnten zwei Colas, allerdings ohne nennenswerten Anteil von Kohlensäure, was sogar ich erkenne, obwohl ich die Brause niemals trinke. Der Typ am anderen Nachbartisch erzählt, dass er in den Niederlanden irgendwo mal 3 Stunden auf eine Pizza gewartet hätte, der ist also im Training. Schließlich bekommt er, was er nicht bestellt hat und schon gar nicht Besteck, das er sich dann selbst organisiert, ebenso eine Serviette. Ein Stück Schwarzwälder geht zurück, da die Kundin das Lokal schon eine halbe Stunde zuvor verlassen hat und die Familie links gegenüber bekommt lange vor den Getränken, die heißen Apfelstrudel, die etwas grau und verloren auf den Tellern liegen und irgendwann kommen dann auch die Getränke. Als nach einiger Zeit ein Kellner vorbeikommt und ich Zweifel anmelde, ob eine durchschnittliche Wartezeit von 35 Minuten auf Getränke angemessen wäre, erklärt er mir, dass er auch nur zwei Hände habe und ich doch Verständnis haben solle, voraussetzend, dass meine bisherigen Reaktionen verständnislos gewesen waren. Sicher der Laden war voll aber auch nicht mehr so voll, dass eine einigermaßen reibungslose Bedienung vollkommen unmöglich gewesen wären. Dann taucht die Besitzerin wieder auf und erklärt mir das Bonsystem, was mich ungefähr so interessiert, wie die Frage, wieso sie eigentlich so desorganisiert ist. Einen ungehaltenen Vortrag über Marketing und dass es nicht die Aufgabe der Kunden wäre, die Probleme der Dienstleister zu verstehen, spare ich mir. Ich will meinen Kakao, es ist trüb und kalt im Krefelder Zoo und ich will die Elefantenvorführung nicht verpassen. Mein Kakao und mein Stück Krokantsahne werden nun bevorzug behandelt. Schließlich kommen dann irgendwann doch noch die Pommes für die Liebste mit Besteck aber ohne Serviette. Wir verlangen sofort zu bezahlen, was den Kellner erstaunlicherweise überrascht. Dass die Gäste dieses Cafes Besteck und Kaffeesahne selbst besorgen, ebenso, wie sie lange auf die Chance hier wieder raus zu kommen, warten müssen, ist ihm wohl bisher nicht aufgefallen. Die Familie mit dem traurigen Apfelstrudel muss der zweiten Bedienung, die sie an die erste Bedienung verweisen will, erklären, dass sie es bei der ersten schon ohne Erfolg versucht hätten zu bezahlen. Abgesehen von dem Mädel, dass für jede Bestellung einzeln gehen muss, die natürlich überhaupt nicht kassieren darf. Der Kellner schmeißt sich ins Zeug, um noch den letzten Rest seiner Berufsehre zu retten und zählt die Bestellung betont auf und kommt schließlich zu einem Stück Schwarzwälder Kirsch, das ich nie gegessen habe. Ich kommentiere das etwas resigniert mit der Feststellung, dass mir Schwarzwälder Kirsch auf der Rechnung auch recht wäre, solange sie nicht teuerer als Krokantsahne sei. Er strahlt mich an, nein, sie koste das gleiche und vergisst promt die zweite Cola zu berechnen. Der andere Typ am Tisch nebenan lacht sich schlapp. Nach einer Stunde verlassen wir das Cafe, das wohl seine Existenz nur der Tatsache verdankt, dass die Besucher des Krefelder Zoos keine Alternative haben. Schließlich, meint die Liebste, sollte man den nicht unerheblichen Unterhaltungswert des Ganzen nicht unterschätzen. Oder, gebe ich zurück, das dort ein neues Konzept zur Kontaktanbahnung getestet würde. Schließlich hatten wir uns mit den Tischnachbarn gut unterhalten.
Die Elefantenvorführung ist glücklicherweise um eine Stunde verschoben, das Nashornbaby ist auch aus seinem Verschlag gekommen und die Sonne hat sich endlich durch den Dunst gearbeitet.

Veröffentlicht in allgemein, beobachtungen | 7 Kommentare »