Verfasst von somluswelt am 13. Februar 2009
Ja, das stimmt, wer hier regelmäßig mitliest, weiß, dass ich schon so einiges gesehen habe, wenn es um das Gesetzesmachwerk ALGII geht, aber das hier schlägt dem Fass dem Boden aus.
Kleine Asozialitäten aus der BundesAgentur: Krankheitsbedingter Mehrbedarf wird nur noch nach Body-Mass-Index gewährt.
Das ALG-II und die Grundsicherung (Alter/Erwerbsminderung) bietet, bei entsprechender Indikation (Krebs, Aids, Multiple Sklerose und ähnlicher Horror), die Möglichkeit einen sogenannten Mehrbedarf für Ernährung aufgrund einer verzehrenden Krankheit geltend zu machen. Als Voraussetzung für diese überaus generöse Sozialleistung (25,56 Euro monatlich) genügte bisher eine einfache ärztliche Bescheinigung. Das ist nun anders. Und wir (die Bundesbürger-Innen) haben einen Grund zum Fremdschämen mehr(…)
Das sei nämlich alles viel zu einfach, dachte sich ein (von uns!) gutbesoldetes Beamtenkind: «Die fressen sich nen’ Ranzen vorm Plasma-TV an, während ich mir in der Bundesagentur eine Aktenstaublunge ventiliere. (Gedanke entsprechend Sarrazin & Co.)» Also hat das arme Ding (Abbildung ebenfalls entsprechend) die Anlage MEB um folgenden klugen Passus ergänzt:
… Fällt der BMI unter 18,5 und/oder ist ein schneller, krankheitsbedingter Gewichtsverlust von über 5 Prozent im Vergleich zu den vorausgegangen drei Monaten zu verzeichnen, kann von einem erhöhten Ernährungsbedarf ausgegangen werden (nicht bei willkürlicher Abnahme bei Übergewicht).Dies muss ebenso, wie das Vorliegen einer solchen Krankheit, durch einen Arzt bestätigt werden.
Veröffentlicht in sgb II | Verschlagwortet mit : algII, arge, armut, des wahnsinns fette beute, hungern, Nötigung, zumutung | 1 Kommentar »
Verfasst von somluswelt am 27. Januar 2009
Deutsches Insolvensrecht ermöglicht es, dass MitarbeiterInnen, die verspätete Lohnzahlungen akzeptieren, zum Kreditgeber ihres Arbeitgebers werden und vom Insolvenzverwalter zur Kasse gebeten werden können, in Höhe der letzten 3 Monatslöhne. Nachfragen bei der Politik bringt nichts, sie sind nicht zu sprechen, lediglich in einem Brief wird gesagt, dass man die Situation „beobachten“ wolle. Das alles während den Unternehmen und Banken Milliarden hinterher geworfen werden. Der Insolvenzverwalter hingegen kann nicht anders, weil er sonst Schadenersatzpflichtig gegenüber den Gläubigern wird. Ach so, laut dem verlinkten Bericht konnten die Mitarbeiter nicht kündigen, die Arbeitsagentur habe ihnen gesagt, dass sie verspätete Zahlungen akzptieren müssen ansonsten würden sie „gesperrt“ werden.
Sowas ist doch kaum zu glauben….
Also, ein Unternehmen geht pleite, zahlt verspätet Löhne, die Banken, die derzeit durch Steuergelder auch der nun arbeitslos gewordenen Mitarbeiter gestütz werden, sind jetzt auch Gläubiger (anzunehmen) der arbeitslos gewordenen Mitarbeiter, die dann einen Kredit bei der Bank nehmen müssen, die hat auch aus ihren Steuergeldern gestützt wird, usw. usf…
Gibts hier irgend jemanden, der mir das vernünftig erklären kann?
Veröffentlicht in wirtschaft | Verschlagwortet mit : des wahnsinns fette beute, finanzkrise, unglaublich, zynismus | Kommentar schreiben »
Verfasst von somluswelt am 4. November 2008
Es ist schon erstaunlich, die Bollwerke neoliberaler Politik fallen eins nach dem anderen. Ständig prangen mit diese Schlagzeilen entgegen „Branche, Unternehmen usw. XYZ baut auf Staat“ so oder so ähnlich. Nachdem uns seit mindestens einer Generation ständig der freie Markt, die Unterwerfung des Menschen unter marktkompatible Effizienzkriterien und dergleichen, gepredigt wurden, werden derzeit Positionen populär, die der gescholtenen Linken (staatsgläubige Marktverächter ) und der bürgerlichen Mitte (konservative Bremser) zuzuschreiben sind.
Auf einmal wird erkannt (ha ha), dass eine reine auf Effizienz und Wissensvermittlung ausgerichtete Erziehung an Schulen und Hochschulen sich als problematisch erweist. Bildung sei mehr als Wissensvermittlung. Ach so, das war ja nun auch die letzten 20 Jahre vollkommen unbekannt. Ich erinnere mich an einen meiner Literaturprofessoren, die, unter dem Druck des Umbaus der Universitäten, gegen den Strom ruderte und meinte, dass ein guter Germanist mindestens 10 Jahre studiert haben sollte. Das deckt sich auch mit meinen eigenen Erfahrungen, ein Turboexpressstudium von maximal 4 Jahren ermöglicht es keinesfalls, das ein Germanist oder eine Germanistin auf der Klaviatur der Geisteswissenschaften spielen kann. Zu jung, zu unerfahren. Aber was weiß ich, so als Germanistin schon, eines dieser überflüssigen Fächer, altmodisch, ineffizient, marktwirtschaftlich nur schwer zu verwerten. Mir ist das schon zu Zeiten meines Studium unglaublich übel aufgestoßen, die marktschreierische Frage nach der marktwirtschaftlichen Verwertbarkeit der Studierenden der geisteswissenschaftlichen Fakultäten. Ich kann nur hoffen, dass das jetzt nicht nur eine vorübergehende Panikreaktion ist.
Als nächstes stellt sich heraus, dass die Mehrheit der CDU und FDP-Anhänger (ja, die auch) für Verstaatlichung bestimmter Bereiche der Wirtschaft sind. Okay die Stichprobe ist nicht so groß. Was mich daran freut ist, dass die Arbeitgeberverbände und Interessengruppen, die hinter Lobbyorganisationen, wie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft stehen, offenbar ein Haufen Geld ausgegeben habe, dass lediglich ein hauchdünne Fassade aufgebaut hat.
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Veröffentlicht in allgemein, arbeitsmarkt, armut, erwerbslos, habgier, medien, politik, presse, wirtschaft | Verschlagwortet mit : bahn, des wahnsinns fette beute, die woche, effizienzgedanke, habgier, leiharbeit, mitläufer, neoliberale lügen, papa staat | Kommentar schreiben »
Verfasst von somluswelt am 7. Oktober 2008
Leider muss ich derzeit ja so ein Existenzgründerseminar besuchen. In zwei Tagen wurden da bisher kaufmännische Grundlagen, Marketing und Akquisition, Grundlagen der Präsentation, Konzept und Businessplan, Finanzierung und Förderprogramme Rechtsformen , Haftung/Versicherungen, Gründerpersönlichkeit, Firmenaufbau und organisation und Unternehmerisches Potential (In Form eine sehr fragwürdigen Testes) abgehandelt. Ja, in zwei Tagen, die Vorraussetzungen für dieses Seminar sind – keine. Der Trainer macht das schon seit Jahren und plaudert lieber darüber, für wie bescheuert er Leute hält, die Ökoprodukte einkaufen. Für Controlling (Vollkostenrechnung und Deckungsbeitragsrechnung) hat er ziemlich genau 20 Minuten gebraucht. Sein heutiger Vortrag über Marketing und Akquisition war eine kleine Rede über die Übel der Werbestrategien, die mit allen Sinnen und P*yback dir das Geld aus der Tasche ziehen wollen.
Am Freitag werden wir dann eine Präsentation (Vorbereitung auf die Präsentation ungefähr 10 Minuten, wo er anhand einer Folie aufzählte, wie diese bewertet wird. ) abhalten müssen, eine Prüfung bestehen und hoffentlich nicht durch den Persönlichkeitstest (von dem ich vorher nichts wußte) gefallen sein, dann haben wir unternehmerische Kenntnisse und sind Unternehmerpersönlichkeiten. Dann dürfen alle die dabei waren, den nächsten Schritt ihrer Gründung einleiten.
Dieses Seminar ist für alle Menschen im ALGII Bezug in Köln, die gründen wollen, verbindlich und entscheidet somit darüber, ob man Gründen darf. Natürlich kann ich auch ohne das gründen aber dann bin ich für die ARGE jemand, der sich weiter bewerben muss, mit den entspechenden Konsequenzen.
Leider habe ich diesen Witz (der leider ernst ist) von einer Veranstaltung nicht im Halbschlaf erlebt, wie es Sebastian ging, als er das sehr merkwürdige Interview mit einem von der FDP hörte. Irre.
Allerdings, wenn die Vorraussagen des Herrn der silbernen Teekannen eintreten, gibt es keinen Markt mehr und dann kann der auch ohne Teilnehmer stattfinden oder so…
Veröffentlicht in politik, wirtschaft | Verschlagwortet mit : des wahnsinns fette beute, inkompetenz, markt ohne teilnehmer | 7 Kommentare »