Somlus Welt

Viele Fragen, keine Antworten

Mit ‘finanzkrise’ verschlagwortete Einträge

Paternalismus und Arroganz

Verfasst von somluswelt am 16. September 2009

Wer gestern die Dokumentation „Die Yes-Men regeln die Welt“ (Wiederholung morgen 14:45) gesehen hat, konnte sich mal in erträglicher Weise die Abgründe wirtschaftlichen Denken zu Gemüte führen.

Heute lese ich im örtlichen Käseblatt, dass das Institut für Demoskopie Allensbach(1) eine Studie durchgeführt hat, bei der 658 Spitzenpolitiker, Unternehmenschefs und Behördenleiter danach befragt wurden, wie sie den ökonomischen Sachverstand der Bevölkerung einschätzen (!).

Das Ergebnis ist, ich sage es mal deutlich, eine Unverschämtheit. Lediglich 0,1% der Befragten schätzen (!) das Verständnis der Bevölkerung für wirtschaftliche Zusammenhänge sehr gut ein, 13% schätzen ihn für gut ein und 68% der Befragten schätzen den wirtschaftlichen Sachsachverstand der Deutschen als „weniger gut“ bis „gar nicht gut“ ein.

Das Ergebnis erklärt gut die paternalistische Haltung von Politikern, sogenannten Wirtschaftexperten und Unternehmern, die immer den Eindruck vermitteln, dass jene, die gegen die Entfesslung des Marktes aufstehen, schlicht nicht verstanden haben, was sie uns Gutes tun wollen. Was diese Jungs und die paar Mädels in dem Verein nicht verstehen, dass wir uns lediglich weigern sie so zu verstehen, wie sie das wollen.

Überrascht bin ich nicht wirklich. Wer den beseelten Blick der Miltonjünger im obig erwähnten Film gesehen hat – der in mir die Frage aufwarf, ob diese unter speziellen Drogen stehen oder ob der Glaube an den absolut freien Markt besondere, mir unbekannte, körpereigene Drogen ankurbelt – gesehen hat, weiß, dass diese nicht in der Lage sind den wirtschaftlichen Sachverstand eines Durchschnittsbürgers einzuschätzen.

Wenn wirtschaftlicher Sachverstand bedeutet, dass man ohne Werte, antisozial und gegen jede Menschlichkeit handelt, wie es in dem von mir erwähnten Film nicht deutlicher und drastischer zum Ausdruck kommen konnte, sicher, dann haben wahrscheinlich viele keinen wirtschaftlichen Sachverstand. Aber wer will so ein gewissenloses Monster schon sein. Ich nicht.

Und was den wirtschaftlichen Sachverstand des deutschen Durchschnittsbürgers angeht, würde die Menschen mit ihren Haushaltseinkommen so wirtschaften, wie es Unternehmen, Finanzindustrie und Politik tun, wären die allermeisten schon längst in der Privatinsolvenz. Was sich derzeit in Politik und Wirtschaft abspielt, zeugt deutlich davon, dass es bei den „Eliten“ an wirtschaftlichen Sachverstand mangelt. Titelt doch mein Käseblatt im Wirtschaftsteil heute: „Die Banken haben nicht kapiert“, sie verkauften immer noch hochkomplexe und undurchschaubare Finanzprodukte. Na, was für eine Überraschung aber auch. Natürlich haben sie was „kapiert“, auch die Kosten und Folgen für ihre massive Mißwirtschaft und der Verstoß gegen jede Betriebswirtschaflichkeit kann in unseren Zeiten externalisiert werden. Die Kosten dafür trägt der Steuerzahler/die Steuerzahlerin. Wie praktisch.

Wäre das Ergebnis der Studie gewesen, dass diese 658 Leute hoffen, dass wir alle keinen wirtschaftlichen Sachverstand haben, wäre das zumindest ehrlich gewesen.

Doch, doch, wir haben jede Menge wirtschaftlichen Sachverstand, deswegen sind wir ja auch nicht mit dem einverstanden, was so aus der Riege der 658 Befragten tagtäglich über uns ausgekübelt wird.

(1) Die Studie ist leider nicht öffentlich zugänglich, die Frage zum wirtschaftlichen Sachverstand der Bevölkerung erfolgte im Rahmen einer groß angelegten Panelstudie, die das Institut für die Zeitschrift Capital durchführte.

Veröffentlicht in wirtschaft | Verschlagwortet mit : , , , | 2 Kommentare »

Samstag

Verfasst von somluswelt am 20. März 2009

Am nächsten Samstag 28.03.09, wie den meisten, die hier vorbeikommen, bekannt sein wird, finden Demos unter dem Motto „Wir zahlen nicht für eure Krise“ in Berlin und Frankfurt statt. Wer bisher noch nichts mitbekommen hat, hier gibts eine Busbörse.

Ich werde leider nicht dabei sein, da ich eine unverschiebbaren Termin, der seit über einem Jahr feststeht, habe. Und das auch noch in Frankfurt.

Veröffentlicht in Termine, armut, erwerbslos, habgier, politik, wirtschaft | Verschlagwortet mit : , , , , , | 2 Kommentare »

Vermischtes

Verfasst von somluswelt am 25. Februar 2009

Ich weiß nicht, was noch alles kommen wird. Ich fürchte, es wird sehr ungemütlich. Draußen ist so grau aber nicht nur da. Wenn ich das schon höre, ab Mitte des Jahres geht es wieder bergauf. Auf welchen Erkenntnissen baut denn bitteschön dieser Unsinn auf? Durchhalteparolen nenne ich das. 1929 war auch nach einem halben Jahr vorbei? Oder wie war das. Könnte ich ja nachlesen, ich mag aber nicht. Zu deprimierend. Diverse Blogs lesen, ist auch deprimierend. Den derzeit deprimierensten Beitrag habe ich grad da unten verlinkt. Wobei ich sagen muss, dass ich weniger deprimiert bin, weil alles so schlecht aussieht, sondern weil ich keine Ahnung habe, wie es weitergeht. Ich meine, wenn ich das wüßte, wüßte ich vielleicht auch, was zu tun ist. Das ist ja meine Stärke, wenn alles in den Binsen ist, organisieren und aufbauen, Strukturen erfassen und stabilisieren. Aber das was jetzt grad läuft, das liegt mir überhaupt nicht. Strukturen, die zerfallen, diffundieren weg, wie Sand unter den Füßen. Ich wünschte die Krise hätte ihren Höhepunkt schon erreicht und man wüßte nun endlich, was auf einen zukommt. Hilflosigkeit und Ohnmacht sind beschissene Gefühle. Mehr als das Gefühl, das es noch lange nicht alles war, was da auf uns zukommt, habe ich nicht. Und die Erfahrung, dass ich mich auf diese Art Gefühle schon immer gut verlassen konnte. Glücklicherweise, denke ich auch wieder, lese ich Blogs, denn da finde ich am ehesten soetwas, wie Wahrheit. Im Gesamtbild aller Blogs,die ich lesen und in den Kommentaren natürlich, finde ich mehr Realität als ich es sonst finden kann. In meinen Entwürfen finden sich einige Beiträge für dieses Blog aber ich mag grad überhaupt nichts schreiben.

Ich spüre so einen drängendes Bedürfnis nach häuslicher Geborgenheit. Man könnte endlich renovieren, wird auch Zeit. Warme sonnige Farben bitte. Wie im Mutterschoß. Ein Buch lesen, es muss nicht mal besonders gut sein, lediglich unterhaltsam. Kerzenschein, Kuchen, kuschelige Kissen, Katzen, flauschige Decken, leichte belanglose Musik. Urlaub machen wäre schön, aber geht im Moment nicht. Die Welt vergessen, wenigstens für ein paar Stunden. Anders geht es sowieso nicht mehr. Ich staune über Menschen, die sich mit fast schon verbissener Intensität mit der täglichen Flut an Nachrichten herumschlagen. Manchmal bewundere ich sie auch. Aber mir ist nach einer Tafel Schokolade und meinen schnurrenden Kater auf meinem Schoß als Antidot.

Veröffentlicht in privat | Verschlagwortet mit : , , , | 1 Kommentar »

Opel

Verfasst von somluswelt am 18. Februar 2009

Nichts genaues weiß man nicht. Kein Käufer in Sicht, eigentlich gehts Opel gut aber GM nicht, Entlassungen drohen, Werksschließungen usw. usf. Wie wäre es dann damit, dass der Staat Opel GM abkauft (für einen realistischen Preis) und in staatlicher Regie weiterbetreibt. Das ist bestimmt billiger als Geld ins Unternehmen zu pumpen, die ganzen Arbeitslosen aufzufangen und sonstige Folgekosten zu tragen. Wenn der Laden dann Gewinn abwirft, hat man doch auch noch das Staatsdefizit etwas reduzieren.

Veröffentlicht in politik, wirtschaft | Verschlagwortet mit : , , , | 5 Kommentare »

Scheitern

Verfasst von somluswelt am 11. Februar 2009

Wenn man sich diese steuerfinanzierten Bonuszahlungen bei den Banken so anschaut, bekommen Bücher mit dem Titel: „Schöner Scheitern“ doch eine ganz neue Bedeutung.

Veröffentlicht in wirtschaft | Verschlagwortet mit : , , , , , | Kommentar schreiben »

Ehrlich

Verfasst von somluswelt am 31. Januar 2009

Mo von autismuskritik macht in seiner Notiz auf einen sehr interessanten Artikel in der Zeit hin. Unter dem Schlagwort „Finanzkrise“ legen die Autoren die Karten auf den Tisch, so wie sie sie kennen und es lesen sich da interessante Äußerungen:

(…An jenem Mittwochabend luden die Bundeskanzlerin und ihr Finanzminister die Chefs der wichtigsten Zeitungen ins Kanzleramt, um ihnen eine Botschaft zu übermitteln. Die lautete: Wir wissen zwar nicht genau, was in zwei oder drei Wochen ist, aber würden doch sehr herzlich um Ihr Vertrauen bitten und vor allem darum, dass Sie keine schlechte Stimmung machen, denn dazu ist die Lage zu ernst…

aber lest lieber selbst: Jetzt mal ehrlich

Veröffentlicht in politik, wirtschaft | Verschlagwortet mit : , | 7 Kommentare »

Insolvenzrecht – weitere Möglichkeit zur Regulierung der Wirtschafts(struktur)krise?

Verfasst von somluswelt am 27. Januar 2009

Deutsches Insolvensrecht ermöglicht es, dass MitarbeiterInnen, die verspätete Lohnzahlungen akzeptieren, zum Kreditgeber ihres Arbeitgebers werden und vom Insolvenzverwalter zur Kasse gebeten werden können, in Höhe der letzten 3 Monatslöhne. Nachfragen bei der Politik bringt nichts, sie sind nicht zu sprechen, lediglich in einem Brief wird gesagt, dass man die Situation „beobachten“ wolle. Das alles während den Unternehmen und Banken Milliarden hinterher geworfen werden. Der Insolvenzverwalter hingegen kann nicht anders, weil er sonst Schadenersatzpflichtig gegenüber den Gläubigern wird. Ach so, laut dem verlinkten Bericht konnten die Mitarbeiter nicht kündigen, die Arbeitsagentur habe ihnen gesagt, dass sie verspätete Zahlungen akzptieren müssen ansonsten würden sie „gesperrt“ werden.
Sowas ist doch kaum zu glauben….

Also, ein Unternehmen geht pleite, zahlt verspätet Löhne, die Banken, die derzeit durch Steuergelder auch der nun arbeitslos gewordenen Mitarbeiter gestütz werden, sind jetzt auch Gläubiger (anzunehmen) der arbeitslos gewordenen Mitarbeiter, die dann einen Kredit bei der Bank nehmen müssen, die hat auch aus ihren Steuergeldern gestützt wird, usw. usf…

Gibts hier irgend jemanden, der mir das vernünftig erklären kann?

Veröffentlicht in wirtschaft | Verschlagwortet mit : , , , | Kommentar schreiben »

Wege aus der Krise?

Verfasst von somluswelt am 21. Januar 2009

Im Kölner Stadtanzeiger gibt es eine Reihe mit dem Titel: Wege aus der Krise.

Irgendwie ist es doch immer das gleiche, die Krise hat uns noch nicht mal richtig erreicht, wir sind noch lange nicht damit fertig, die Ursachen zu sehen und schon wollen wir weg. Das klingt so schön optimistisch und ermutigend und banalisiert die Situation um jeden Preis. Das ist wohl dieser psychologische Effekt, wenn ich emotional wohin kommen, wo es sich nicht gut anfühlt, verfalle ich schnell in Akionismus und beschäftige mich damit, wie ich das schnell wieder los werde.

Da habe ich schlechte Nachrichten für die Nation(en). Wie auch beim Einzelnen, kann man nichts neues subtaintelles aufbauen, wenn man das bisherige nicht anschauen und nur loswerden will. Das bedeutet den zweiten Schritt vor den ersten machen und damit setzen wir dann alles Neue wieder auf Sand.

Veröffentlicht in politik, wirtschaft | Verschlagwortet mit : , , , | 2 Kommentare »

Kosten

Verfasst von somluswelt am 12. Januar 2009

Wenn man sich überlegt, dass für die Versorgung aller Menschen im ALGII Bezug den Bund 2008 ca. 22 Mrd. Euro gekostet hat (hier sind die Kosten für die Unterkunft nicht enthalten, die ja von den Kommunen getragen werden müssen, auf Basis der vergangenen Jahre kann man die Gesamtkosten ungefähr mit dem Doppelten des Anteils des Bundes veranschlagen) und wie über diese nicht vorhandene Kostenexplosion gesprochen und geschrieben wurde, dann sind die Zahlen mit denen die Regierung und die Parteien im Zuge der „Finanzkrise“ um sich werfen und was sie damit erreichen wollen, blanker Zynismus.

Der Commerzbank allein hat dieser Bund schon fast dieselbe Summe in kürzerer Zeit in den Rachen geworfen (bei einem Börsenwert von ca. 5 Mrd, kauft der Staat mit ca. 16 Mrd. 25 % des Unternehmens – das erkläre mal einer einem ALGII Bezieher), aber von Fördern und Fordern ist in diesem Kontext nichts zu hören. Unglaublich der ganze Vorgang. Dürfen die das? Ich meine, ist das nicht justiziabel? Ist das nicht irgendeine Form von Betrug oder Veruntreuung oder sowas in der Art?

Veröffentlicht in hartz IV, politik, sgb II, wirtschaft | Verschlagwortet mit : , , | 1 Kommentar »

Finanzkrise

Verfasst von somluswelt am 22. Dezember 2008

Mir fällt in den letzten Tagen immer mehr auf, dass in den Nachrichten über die Hypo Real Estate und andere davon gesprochen wird „dass sie durch die Folgen der Finanzkrise“ in Schwierigkeiten geraten sind. „DIE“ Finanzkrise wird zunehmend zu einer vollkommen entpersonalisierten, ähnlich dem schwarzen Tod des Mittelalters, Seuche und jegliche persönliche Verantwortung wird in der Sprache ausgelöscht. Das ärgert mich maßlos. Wenn die HRE jetzt Leute entlassen muss, gehört es sich einfach, dass dazu gesagt wird, dass diese Entwicklung eine Folge deren Spekualtionen auf dem Finanzmarkt ist.

Wenn ich könnte, würde ich diese Vorstände nur dann Unterstützung zukommen lassen, wenn sie einen GEschäftsplan vorlegen, der auf Entlassungen verzichtet. Das ganze kostet den Steuerzahle ein Haufen Geld, zum einen die „Rettungspakete“, zum anderen die ganzen Entlassenen. Es kotzt mich ja schon lange an, dass sich Unternehmen dieser Couleur doch immer gerne auf den Staat verlassen haben, damit er die Scherben aufkehrt, die sie verursacht haben. Denn die soziale Absicherung, die ja angeblich viel zu teuer ist, sichert bis jetzt einen sozialen Frieden, der bei unternehmerischen Standortfragen ja auch eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Verlogene Bande und die Journalisten mit ihrer entpersonalisierten „Finanzkrise“ gehören für mich in denselben Sack.

Veröffentlicht in politik, presse, wirtschaft | Verschlagwortet mit : , , , , | 2 Kommentare »

Wie konnte es dazu kommen konnte

Verfasst von somluswelt am 8. Oktober 2008

Drüben bei shifting reality gibt es eine Diskussion in den Kommentaren zu diesem Beitrag, wo auch die Frage nach einer Analyse der aktuellen Krise gestellt wird.

Man könnte auch das Blog von Monoma lesen, da geht es schon seit Jahren um diese Zusammenhänge. Jedenfalls gibt es jede Menge Ansätze, die ein gute Erklärung für den Wahnsinn der vergangenen Jahrzehnte liefert und es soll doch bitte jetzt keiner so tun, als sei das, was sich da auf den weltweiten Finanz-/Märkten tut, eine große Überraschung. Auch wenn ich die möglichen Folgen jetzt schon zum Kotzen finde.

Die Objekt-Beziehungs-Theoretiker haben einiges zusammen getragen, die selbstschädigendes Verhalten von Menschen, als eine Folge der Abwehr von Kränkungen bestimmter Bedürfnisse und Impulse in unterschiedlichen Entwicklungsphasen der Charkterbildung, erklären kann. Wenn Begriffe, wie „Blase“ oder ähnliches fallen, erinnere ich mich immer wieder daran, dass die in diesem Kontext oft vom narzisstischen Zeitalter die Rede ist. Ich zitiere im folgenden aus: Stephen Johnson: Charakter-Transformationen (1990).

Dabei ist es fundamental zu verstehen, was in diesem Kontext unter dem „falschen Selbst“ verstanden wird. Das falsche Selbst (der Begriff geht auf den Objekt-Beziehungs-Theoretiker Winnicott zurück) ist vereinfacht gesagt, die Maske oder auch das Image, das wir uns zulegen, um mit den „Frustration“ unseres wirklichen Selbst fertig zu werden. Es ist eine nützliche und sinnvolle Schutzfunktion, die wir haben, um Konflikte, die zwischen den persönlichen Bedürfnissen und den Forderungen der Umwelt entstehen, zu handhaben. Jemand der wenig Unterstützung im Leben erfahren hat, wird voraussichtlich seine natürlichen und spontanen Bedürfnisse danach nicht mehr wahrnehmen und als jemand auftreten, der niemanden braucht. Damit ist auch ein effektiver Schutz geschaffen, vor weiteren Verletzungen durch mangelnde Unterstützung.

Neben dem falschen Selbst gibt es noch eine andere Realität. Hinter der Maske, die der Welt gezeigt wird, wohnt eine andere Wirklichkeit. Viele Menschen wissen darüber nichts oder nur wenig. Wenn wir hinter der Maske nichts spüren, investieren wir natürlich alles in sie. Jede Bedrohung der Maske ist dann die Bedrohung der eigenen Integrität.

Eine Störung mit einem primär narzisstischen Charakterbild zeichnet sich meist durch Aufblasen der eigenen Grandiosität aus. Es ist eine Verletzung, die in der sogenannten Wiederannährungsphase auftritt. In dieser Phase der Entwicklung probiert sich das Kind aus und entdeckt, dass es unabhängig von seiner primären Bezugperson ist. Allerdings ist dies eine von Rückschlägen gekennzeichnete Entwicklung. Wird dies nicht anerkannt, unterstützt und sorgsam begleitet, weil die Bezugsperson sich bedroht fühlt, kann es passieren, dass sich diese Bezugsperson an der Schwäche des Kindes weidet, es dafür herunter macht, vorführt oder demütigt. Es wird also zu früh und gnadenlos mit seiner Schwäche konfrontiert. In einer anderen Variante wird das Kind vor der Konfrontation mit dieser Schwäche bewahrt, in dem man alle seine Leistungen künstlich verstärkt. Vor allem in den Bereichen, die der Bezugsperson genehm sind. Das Kind soll also mehr sein als es ist. Natürlich sind beide Strategien kombinierbar (Mamis kleiner Mann und Papi demütigt ihn, weil er es nicht ist).

Die Antwort auf diese Art der Verletzung ist die Verleugnung der eigenen Schwäche und dem Bedürfnis nach Unterstützung. Der Narzisst pumpt sich auf und versucht sein Leben so zu gestalten, dass es nie wieder gedemütigt oder manipuliert werden kann. Das heißt aber auch, dass er selbst manipulativ wird. Es Unterstützung verspricht, aber letztlich versucht die Menschen zu kontrollieren und zu beherrschen, eben um Manipulation und Demütigung vorzubauen.

Der Narzißt hat die Entwicklung eines wahren Selbst-Konzeptes abgebrochen, um sich gegen Verletzungen zu schützen. Er investiert nun viel in ein falsches Selbst, besonders dort, wo es um die Selbst-Einschätzung geht. Weit mehr als andere Charaktere sieht er es ganz bewußt als Bollwerk seines Selbst-Wertes. Er isoliert sich von jeglichem Input, der seine Großartigkeit bedrohen könnte. Der Narzißt ist typischerweise unfähig zu lernen, wenn dieses Lernen ihn zwingen würde, sein Konzept des falschen Selbst zu verändern. (…)

Ein typischer Narzißt tut alles, damit man ihn mit den Guten identifiziert (i.e. Spaltung der Menschen als Gute und Böse, die guten Anderen sind „wie ich“). Die Schlechten vermeidet er. Er reagiert besonders sensibel auf die Symbole der ersten. Er will sie besitzen und zeigen. Neben dieser Objekt-Spaltung verfügt er häufig über eine feine Wahrnehmung, wer sozial, interellektuell oder körperlich über oder unter ihm steht.

Der Narzißt möchte seinem aufgeblasenen falschen Selbst gerecht werden. Er tut und arbeitet viel dafür. Wenn er sich in Zeiten der Krise und des Versagens jedoch widerwärtig und unwürdig findet, tendiert er dazu in katastrophenartige Depressionen zu stürzen. Diese Polaritäten sind für ihn typisch. Je solider seine Abwehrmechanismen allerdings sind, desto weniger wird er zum negativen tendieren. Andere Menschen dienen ihm als Lieferanten der Selbstvergrößerung und Dankbarkeit.

Weil die Entwicklung während der Union von grandiosem Selbst und idealisierten Objekt gestört wurde, kam es zu einer schweren Hemmung im Aufbau eines internalisierten Über-Ichs. Es gibt vielleicht einige innerhalb des falschen Selbst assimilierte Verhaltensregeln, aber das Defizit an Gewissen und sozialem Verantwortungsgefühl ist oft groß.(…)

Das falsche Selbst bläht sich auf und wappnet sich gegen jede Konfrontation seiner Trugbilder der eigenen Großartigkeit.“

Dieses Charakteristik die eigenen Großartigkeit aufzublasen und die eigene Schwäche zu verleugnen, ist für mich eine Charakteristikum des Wirtschaftsleben und der Märkte seit ich diese überhaupt beobachte. Größer, weiter, höher und breiter und vor allem mehr und schneller. Diese Ignoranz gegen über sozialen Folgen, Hunger auf der Welt, Zerstörung unserer Lebensgrundlage, usw. usf. dieses ganze „Es gibt keine Alternative zum derzeitigen System“ kann man, so betrachtet, als Abwehr einstufen. Die Kränkung der Großartigkeit muss um jeden Preis abgewehrt, also ignoriert werden.

Mir ist schon häufiger aufgefallen, dass die Menschen, die im besonderen narzisstische Charakterzüge ausweisen, besonders in Führungspositionen zu finden sind. Offenbar wird die narzisstische Abwehr mit Führungsqualitäten verwechselt. Der aktuelle Beitrag auf „Rebellen ohne Markt“ schildert dies sehr anschaulich. Auch das Bild der Finanzblase bildet eine Analogie zum Beschriebenen, viel heiße Luft ohne Substanz und jetzt kommt es zu „katastrophenartigen Depressionen“.

Diese narzisstischen Strukturen erklären für mich auch ganz gut, wieso diese „Marktliberalen“ es im Moment so leicht haben, plötzlich umzuschwenken und nach staatlicher Intervention zu rufen. Das ergibt unter dieser Perspektive auch einen Sinn. Denn, wenn es dem Staat gelingt, die Krise zu stabilisieren, bleibt die Schwäche des Ganzen letztlich unsichtbar und es kann so weitergehen, wie bisher. Da leider auch unsere Politiker zu narzisstischen Charakterstrukturen neigen, sehe ich auch wenig Hoffnung, dass dabei etwas konstruktives heraus kommen kann.

Mir ist wichtig hier auch darauf hinzuweisen, dass es bei all diesem tatsächlich um die Fähigkeit zur Selbstliebe geht. Denn ein Narzisst liebt sich nicht, so wie er ist. Er investiert in sein falsches Selbst, weil er eben nicht sowohl in seiner Großartigkeit als auch in seiner Schwäche angenommen wurde. Wenn dann auch noch ein ganze Gesellschaft dieses Strukturen positiv verstärkt, ist es für den Narzissten kaum möglich zu erkennen, dass er ein Problem hat. Damit wäre ich dann wieder bei der Diskussion, die ich vor einiger Zeit hier geführt habe. Ohne eine Aufwertung anderer Werte, einer Umdeutung von Begriffen, wie „Erfolg“, werden wir leider diesen Planten an die Wand fahren und genau genommen ist es weit nach 12 damit.

Veröffentlicht in grundlagentexte, politik, wirtschaft | Verschlagwortet mit : , , | 1 Kommentar »

Und nun?

Verfasst von somluswelt am 30. September 2008

Die Abgeordneten des amerikanischen Repräsentantenhauses haben das Rettungspaket für die Finanzwirtschaft abgesagt, zumindest diesmal und nun befinden sich die Börsen im freien Fall. In England wurde eine Bank mit 60 Mrd. Euro“gerettet“ und hier in Deutschland sind grad mal zu Sicherung einer Bank 35 Milliarden Euro über die Wupper gegangen.

Was mich an all dem so unglaublich ankotzt, ist der Umstand, dass sich hier alle Bevölkerungsgruppen seit Jahren gebetsmühlenartig anhören müssen, dass kein Geld für Bildung, Kunst, Kultur, Soziales, Renten, Erwerbslose usw. vorhanden ist. Das Wort „Einsparungen“ ist inzwischen mein persönliches Unwort in diesem Zusammenhang und jetzt werden Milliarden und Abermilliarden zur Rettung eines verrotteten Finanzsystems locker gemacht.

Börsen im freien Fall, heißt miese Konjunkturerwartungen und Entwertung von Firmenwerten, wenn jetzt nicht jemand die Börsen dicht macht, können wir uns alle warm anziehen, denn es wird zu Massenentlassungen kommen, denn so wurden bisher fallende Aktienkurse aufgefangen. Soviel zu dem Thema, dass die Bankenkrise in den USA uns nicht so betrifft oder so. Und bei den meisten Unternehmen, in die ich Einblick habe, arbeiten die Leute eh schon am Limit, wo da noch jemand entlassen werden kann, kann ich mir auch nicht vorstellen.

Bei Monoma drüben findet sich ein interessantes Foto, das mit eine Erklärung liefert, warum das da gestern in den USA so schief gelaufen ist, wieso sehen wir diese Bilder eigentlich nicht in den Nachrichten?

Auf den dort verlinkten Taz-Artikel will ich an dieser Stelle auch verweisen, weil es gar nicht zu oft gesagt werden kann, was man mit 700 Milliarden Dollar so alles machen könnte:

(…)“Mit diesem Geld ließen sich für die nächsten 46 Jahre die Aidsmedikamente für die zehn Millionen Menschen finanzieren, die für ihr Überleben auf die sogenannte antiretrovirale Therapie angewiesen sind, sich diese aber wegen der zu hohen Kosten bislang nicht leisten können.

Etwa die Hälfte dieser Summe, rund 350 Milliarden Dollar, geben die USA, EU, Kanada und Japan seit Mitte der Neunzigerjahre pro Jahr aus, um ihre Farmer und Bauern hoch zu subventionieren – diese setzen ihre Überproduktion dann mit Dumpingpreisen auf den Märkten der Länder des Südens ab, wodurch sie die Existenz vieler Bauern in diesen Ländern zerstören.

350 Milliarden US-Dollar – einmalig, nicht jährlich! – wären erforderlich, um den Anteil der Hungernden in der Welt und der „extrem armen“ Menschen, die mit maximal 1,25 Dollar pro Tag auskommen müssen, bis zum Jahr 2015 nicht nur zu halbieren, wie es die Millenniumsziele vorsehen, sondern sogar auf null zu bringen. Und bereits ein Vierhundertfünfundsiebzigstel der 700 Milliarden US-Dollar würde ausreichen, um allen 250 Millionen Menschen, die sich jährlich mit Malaria anstecken, ein imprägniertes Moskitonetz zur Verfügung zu stellen. 880.000 Menschen, zumeist Kinder unter fünf Jahre, sterben daran.“(…)

Ja, ich weiß schon, wenn das Geld da nicht reingepumpt wird, dann wird alles noch viel schrecklicher aber mal ehrlich, diese Kapitalisten verlassen sich aber ganz schön arrogant darauf, dass der Staat und damit die Menschen, die normal arbeiten gehen, die Karre wieder aus dem Dreck ziehen.

Gestern Nacht oder heute Morgen habe ich ein Interview mit einem Investmentbanker auf der Wall Street gesehen, was er gesagt hat, habe ich schon wieder vergessen, erschreckt hat mich, dass er sich nicht als „normalen“ Menschen sieht, sondern über diese spricht. Was ist er und seine KollegInnen anderes als ein normaler Mensch? Gehören die einem Adel an. Wer so spricht, dem unterstelle ich mal, ein ausgesprochen rudimentäres Demokratieverständnis. Das ist doch eine narzisstisch aufgeblasene Bagage.

Was ist eigentlich, wenn jemand ein bisschen Geld auf der hohen Kante liegen hat, ist es sinnvoll, die abzuholen und unter die Matratze zu stopfen? Im Ernst jetzt, in meinem Bekanntenkreis herrscht Ratlosigkeit? Erklärungen, die auch vierjährige verstehen, sind im Kommentarbereich sind erwünscht.

Veröffentlicht in allgemein, armut, habgier, politik, wirtschaft | Verschlagwortet mit : , , , | 1 Kommentar »

Glass-Steagall-Gesetz

Verfasst von somluswelt am 23. September 2008

Noch nie davon gehört? Ich auch nicht. Aber die aktuelle Krise der Finanzmärkte hat mich ja auch gelehrt was ein Short ist.

Die Senatoren Glass und Steagall haben 1932 nach der Weltwirtschaftkrise durchgesetzt, dass Banken nicht mehr mit Spekulationen das Geld der Kleinsparer verbraten durften. Die Unsiversalbanken wurden in den USA abgeschafft und das sogenannte Trennbanksystem eingeführt. Entweder konnte eine Bank sogenannte Einlagegeschäfte oder mit Wertpapieren handeln. Dadurch entstanden die in den vergangenen Tagen untergegangenen Inverstmentbanken. (Quelle: Ksta, 23.09.08, S. 9)

Der interessante Satz an dem kleinen Artikel ist der letzte

Das Glass-Steagall-Gesetz wurder erst 1989 gelockert.

Mal abgesehen davon, dass andere Quellen für die Lockerung 1999 angeben.

Ich bin ja allenfalls eine interessierte Amateurin aber ist es nicht so, dass diese wahnsinnigen Spekulationsblasen seit dem Ende der 90er Jahre erst losgingen?

Wie auch immer, Investmentbanken gibt es jetzt in den USA nicht mehr und Banken, die spekulieren wollen, brauchen höhere Kapitaleinlagen, als es wohl Inverstmentbanken brauchten.

Es wird sicherlich interessantk, wie das alles noch weiter entwickeln wird.

Veröffentlicht in wirtschaft | Verschlagwortet mit : , , | Kommentar schreiben »