Gedanken 7-4

Okay, ein Thema noch. In Großbritannien solle in Ministerium für (gegen) Einsamkeit eingerichtet werden. In Deutschland wird eine allgemeine Zunahme der Einsamkeit festgestellt. Viele reden darüber und viele davon wundern sich. Ich wundere mich nicht und ich finde es auch folgerichtig, dass gerade in Großbritannien die Sache am weitesten fortgeschritten sein soll.

Der Neoliberalismus predigt das Glück der Vereinzelung. Die Menschen werden seit Jahrzehnten mit der Lüge des „Jede*r kann es schaffen, wenn si:er es nur will“. Eine Lüge, denn es fehlt der letzte Teil des Satzes, der die Realität der Meisten darstellt. Der vollständige Satz lautet also „Jede*r kann es schaffen, wenn si:er es nur will aber nicht jede*r“.

Aber da sich fast alle in dieses Hamsterrad begeben haben, ist eine der fatalen Konsequenzen „Einsamkeit“. Denn damit der heutige Kapitalismus weiterfunktioniert, braucht eben jede* und jeder* einen eigenen Hammer. Damit entfällt zwar möglicherweise die quälende Überlegung, was di:er Nachbarin wohl denken mag aber uch der soziale Kontakt. Ja, es gibt eine Bewegung der „shared Economie“ aber die ist in Wirklichkeit nichts neues. In meiner Kindheit nannten wir das noch: Ich geh mal zum Nachbarn und leih mir den Schwingschleifer aus“. Das ist weg, wenn du mit dem Wagen liegen bleibst, hast du ja dein mobiles Telefon. Zum nächsten Haus zu laufen, dort nach einem Telefon fragen, ein Wasser angeboten zu bekommen und ein kurzes Schwätzchen halten, bis der Abschleppwagen kommt, fällt weg. Im Gegenteil, solltest du so etwas heute versuchen, kann es dir passieren, dass du -mit dem Hinweis auf die mobilen Telefone – abgewiesen wirst.

Großbritannien liegt auch deshalb vorne, weil dort der Einfluss des neoliberalen Gedankengut weit früher eingesetzt hat, als hier in Deutschland.

So nimmt die Einsamkeit der Einzelnen zu und scheinbar niemand kann sich das erklären.

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Gedanken 7-3

Noch was zum Krieg. Dem kommenden Krieg. Denn so wie sich verschiedene Menschen und Regierungen verhalten, scheint Krieg vorbereitet zu werden. Also Krieg in/durch Europa. Sonst ist ja schon viel Krieg in der Welt. Nur hier im Europa seit über 70 Jahren nicht mehr. Verarmung der Bevölkerung, bei steigendem Reichtum der Vermögende, zunehmende „Individualisierung“ des eigenen Lebensrisikos, Radikalisierung der Sprache in Politik und Medien, kuschende Medienvertreter*innen, eine Wirtschaft, die immer weniger Rücksicht auf die Menschen, die für sie arbeiten, nimmt, Rechtsruck, Erhöhung der Rüstungsausgaben – gab es alles schon einmal und endete in verheerenden Weltkriegen.

Christa Wolf, lässt Kassandra bemerken: Wann ein Krieg beginnt, weiß man immer aber wann beginnt der Vorkrieg.

Ein Satz, der mir geblieben ist. Seit mehr als 30 Jahren. Ich frage mich immer, wenn ich darüber nachdenke, ist den Menschen hier in Europa nicht klar, was Krieg bedeutet? Einigen noch, ein paar haben es noch erlebt. Aber die anderen? Ist das Ermorden von Menschen durch Drohnen zu abstrakt? Denken sie, wie auch bei der Überwachungsgeschichte, dass ihnen schon nichts passieren wird? Wieso lernen „wir“ nicht wirklich?

Gedanken 7-2

Komischerweise habe ich über die Überwachungskatastrophe, die jetzt von China und Shanghai gemeldet wird, in den Mainstreammedien kaum etwas gelesen. Zuerst ist mir das Thema in der C’t begegnet. Inzwischen findest sich ein Artikel dazu auch in der taz. Dort sollen spätestens ab 2020 alle Menschen nicht nur komplett überwacht werden , außerdem erhalten sie für ihr Verhalten Punkte. Für „gutes“ konformes Verhalten bekommen die Menschen dann Punkte (erinnert mich an das Verhaltenssmilie in Kindergärten und Grundschulen) und für nicht-konformes entsprechend Abzug. Außerdem beeinflusst der eigene Punktestand, den von Freunden, Bekannten und Verwandten. Überwachung bis ins privateste total. Das übersteigt bisherige Dystopien bei weitem, vielleicht auch nur deshalb, weil es so real und nah ist. Das Ganze ist – wenn ich alles richtig verstanden habe – eine Weiterentwicklung eines Systems der Konsumplattform Alibaba. Was ich immer wieder als besonders eklig empfinde. Jedes Mal, wenn ich einen dieser Artikel gelesen hatte, brauchte ich zwei Wochen nettes Serienprogramm aus der guten alten Zeit oder mit viel Glitzer und Einhörnern. Es ist so erschreckend und nah. Und die Reaktion der Rest der Welt (der sogenannten freien Welt)?  Nichts. Stattdessen wird da in Berlin irgendwo ein vergleichbares System installiert. 

Und sonst? Menschen stützen sich begeistert auf sprachunterstützte Notizbücher einer anderen Handelsplattform, melden fröhlich per Smartphone ihren Standorte usw. usf.  Wir geben unsere Daten und Angaben über unser Verhalten preis und die wenigsten denken über die möglichen Konsequenzen nach. Nur das diese jetzt vor der Tür stehen und statt eines weltweiten Aufschreis – Schweigen, im Großen und Ganzen.