Marktradikale Schweinereien

Eigentlich bin ich viel zu müde und sollte ins Bett gehen, da rauscht der tägliche Newsletter der Jungen Welt ein. Der Ardrenalinausstoß reicht jetzt doch noch für ein paar Worte.

Wie war das gleich. Ein Unternehmen, das mehrheitlich Spr*nger und Hol*zbrinc* AG gehört, hat sich als Post-Zustellungsunternehmen für den Berliner Senat etabliert, da dieses Unternehmen deutlich günstiger ist als die Konkurrenz. Soweit so gut, weiter nichts ungewöhnliches. Wären da nicht einige Schönheitsfehler. Das Unternehmen verstößt laut Aussagen von ver:di mit Dupinglöhnen, Ausbildungsverweigerung und gesetzwidrigen Machenschaften gegen geltendes Recht um sich einen Kostenvorteil zu verschaffen.

Konktret bedeutet das, dass Zusteller grundsätzlich befristet eingestellt werden, dann über eine Leihfirma angestellt werden, um schließlich wieder befristet werden. Die Arbeitszeit beträgt 40 Stunden an 6 Werktagen mit nur 21 Tagen Jahresurlaub, gesetzlich vorgeschrieben wären 24 bei einer 6 Tage Woche. Die sogenannte Grundvergütung beträgt 1020 Euro (5,86 Euro/Stunde), zusätzlich wird eine Präme ausgezahlt auf „freiwilliger Basis“ gezahlt, die allerdings deutlich schrumpft, wobei davon Fehltage, „Qualitätsmängel“ und „Nichterreichen von Zustellungsvorgaben“ oft dazu führen, dass von dieser „freiwilligen“ Prämie nichts übrig. Damit rutscht der Nettolohn unter die durch Hartz IV festgelegte Bedarfgrenze, so dass hier von MitarbeiterInnen ergänzende Hilfen bei der Arbeitsagentur beantragen mussten. Was dann den Kostenvorteil für den Berliner Senat zu Makulatur macht. Der Betriebsrat besteht im Augenblick aus leitenden Angestellten. Im Moment laufen Vorbereitungen zu einer Betriebsratswahl mit einer Gewerkschaftsliste. Die Unternehmensführung hat die Abteilungsleiter aufgefordert, Arbeitsfehlter bei bestimmten Kandidaten zu finden.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, soll das die „Einführung eines Niedriglohnsektors“, wie die Hartz-Gesetze ursprünglich mal hießen, sein?Schweinepriester. Ich bin mir auch sicher, dass die zuständigen Arbeitsämter irgendwelche armen Schweine dahin vermittelt. Was ist eigentlich beim Berliner Senat los, dass die öffentliche Aufträge an Unternehmen vergeben, die ganz klar gegen geltendes Recht verstoßen? Erst das Tafelsilber verscherbeln und dann heulen, wenn nichts mehr da ist. Im übrigen war es der PDS.Linkspartei
Wirtschaftssenator Harald Wolf, der einzig und allein auf die Kostenersparnis im Auge hatte. Die von den Gewerkschaften für die Vergabe geforderte Tariftreue und Bereitstellung von Ausbildungsplätzen sind nicht berücksichtigt worden.

Quelle, da steht noch mehr drin, mir reicht es so schon.

PS. Ich bitte meine KommentatorInnen darum im Moment keine Firmennamen auszuschreiben, die Begründung dafür, findet ihr hier.

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21 Antworten zu “Marktradikale Schweinereien

  1. ich fasse es nicht!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  2. Pingback: Martina Kausch : Ich sag nur…

  3. Den Begriff „marktradikal“ halte ich dabei für unpassend.

    Die Probleme liegen in den Gesetzen, im Sozialstaat und seiner Finanzierung (Lohnnebenkosten) und natürlich bei den verantwortlichen Menschen.

    „Ausbildungsverweigerung“? Gibt es denn überhaupt bei der angebotenen Dienstleistung eine „Ausbildung“? Vielmehr sind das jobs in denen man allenfalls angelernt wird.

    Auch können die Löhne natürlich nicht besonders hoch sein, wenn sowohl die Dienstleistung nur geringe qualifizierung verlangt, als auch der Marktpreis für die Dienstleistung eher niedrig ist.

    Mit weniger gesetzlichen Regelungen wäre alles transparenter und überschaubarer – gleichzeitig hätten geringqualifizierte mehr Chancen.

    Im übrigen bin ich, wie schon oft gesagt, Befürworter eines Grundeinkommens – aber, um Dich wieder zu schockieren :P ich bin auch für die abschaffung des Kündigungsschutzes – weil dies auch ein Einstellungshemmnis in vielen Fällen darstellt.

    Das von mir beschriebene kommt dem „marktradikalen“ erheblich näher, als der status quo und würde mehr Chancen für alle bedeuten.

    Von Betriebsräten und Gewerkschaften halte ich wenig. Die sorgen zB dafür das ein 56 Jahre alter Mitarbeiter, der seit 35 Jahre im Unternehmen ist, zwar vor der Entlassung geschützt wird, aber nicht davor zeitweise gemobbt zu werden.

    Indirekt gefährdet sein besonderer Schutz den Job von jüngeren.
    Ziel sollte aber sein allen, auch älteren, Jobwechsel und Akzeptanz (…) im Job zu ermöglichen. Der 56-jährige macht alles in allem wohl einen guten Job, soweit ich das beurteilen kann, leider zählt das für manche wenig

  4. @nightowl, vielleicht bringt es ja deine Vorstellungsgebäude von rinks und lechts durcheinander aber unter bestimmten Vorraussetzungen habe ich nichts gegen den Wegfall des Kündigungsschutzes, wenn ein paar andere Faktoren im Gegenzug auch stimmen. Quasi das dänische Modell aber bitte dann das gesamte und nicht nur den Teil, der in die hemdsärmelige Reformeristis unserer Politiker grade rein passt.

    Mir geht es hier, neben dem Umstand, dass das Gebaren dieses Unternehmens unakzeptabel ist, darum, dass öffentlich ausgeschrieben Aufträge nicht angemessen vergeben werden.

    Thema Lohnkosten und Lohnnebenleistungen, man muss sich als Unternehmen immer überlegen an welcher Schraube man dreht, um genug Umsatz einzufahren, damit Rentabilität und Liquidität stimmen. Seit Jahren bekommen wir in einer Endlosschleife gepredigt die Lohnkosten und Lohnnebenkosten seien zu hoch (im internetionalen Vergleich), das ist mir eindeutig zu einfach. Schließlich ist für den internationalen Vergleich die Lohnstückkosten entscheidend und da sieht es doch deutlich anders aus. Ich kann es nicht mehr hören und seid ich mehr drüber weiß, kann ich es auch inhaltlich nicht mehr akzeptieren.

    Wieso nicht marktradikal? Schließlich hat die Politik das „arme“ Unternehmen ja nicht gewungen, sich so zu verhalten.

  5. zunächstmal, „nite owl“ ist ein Eigenname aus „Watchmen“. http://de.wikipedia.org/wiki/Watchmen

    „vielleicht bringt es ja deine Vorstellungsgebäude von rinks und lechts durcheinander“

    schon ok, ichpasse ja auch nicht wirklich rein, bzw. bestehe darauf das Liberalismus sich von beiden abzusetzen hat :-) das sehe aber nicht alle in der FPi so.

    „Seit Jahren bekommen wir in einer Endlosschleife gepredigt die Lohnkosten und Lohnnebenkosten seien zu hoch (im internetionalen Vergleich), das ist mir eindeutig zu einfach. Schließlich ist für den internationalen Vergleich die Lohnstückkosten entscheidend und da sieht es doch deutlich anders aus.“

    Lohnstückkosten im Dienstleistungsbereich, und um den geht es hier, gibt es nicht. Die Dienstleistung hat einen bestimmten Preis, mal sind Diestleistungen in ihrem Umfang vergleichbar, aber oft auch nicht.

    Nein, aber grundsöätzlich ist der internationale Vergleich nicht nötig um die Tatsache zu sehen das ein Großteil des Lohnes in Steuern und Abgaben fließt und netto wenig übrig bleibt, und das mit steigend- bis stagnierender Tendenz.

    Gleichzeitig kann angesichts der Probleme des Zustandes der Sozialversicherungen und des Staates nicht davon geredet werden das eine adäquate Gegenleistung für diese Lohnnebenkosten erfolgt…

    Richtig ist das ich mich auch nicht dafür begeistern kann wenn gesagt wird die Löhne seien generell zu hoch, nein, entscheident sind die Lohnnebenkosten.

    „Wieso nicht marktradikal? Schließlich hat die Politik das “arme” Unternehmen ja nicht gewungen, sich so zu verhalten.“

    Die Politik hat den Rahmen gestaltet bzw. verhunuzt, indem das Unternehmen agiert.

    Und auch wenn die Unternehmensführung aus rücksichtslosen Nenschen besteht würde ich das nicht dem Markt vorwenden.

    Der Unternehmer der kurzfristige Erfolge um jeden Preis will zahlt früher oder später empfindlich nach

  6. Okay, wenn ich brutto mit netto vergleiche, allerdings ist eher die Frage, welches Brutto, im Niedriglohnsektor sind die Abgaben nicht mehr so hoch. Die Progression schlägt erst später zu.

    Um noch einmal zum dänischen Modell zurückzukommen. In Dänemark zahlen die Menschen auch hohe Lohnnebenkosten für ihr System und es ist okay für sie. (Wobei ich heute morgen, als ich über diese Diskussion nachdachte, beschlossen habe, mal mehr zum Thema zu recherchieren, da ich mich mit meinen Kenntnissen auf eine FR Artikel stütze, den ich schon vor längerer Zeit gelesen habe)

    Die Frage ist doch, wenn ich genug zum Leben verdiene (Betonung liegt hier auf genug), dann kann ich doch auch mit hohen Abgaben einverstanden sein, so sie mir Sicherheit bieten und meinen sozialen Abstieg bei Verlust meines Jobs sicherstellen.
    Auch und gerade die BWL kennt das Abwägen von Kosten unter dem Begriff Opportunitätskosten.

  7. „Okay, wenn ich brutto mit netto vergleiche, allerdings ist eher die Frage, welches Brutto, im Niedriglohnsektor sind die Abgaben nicht mehr so hoch. Die Progression schlägt erst später zu.“

    Dafür ist für den Geringverdiener das Geld auch unmittelbar wichtiger – es geht um Essen, Strom, Miete, die DSL-Flat – oder die FDP-Mitgliedschaft *g*

    „Die Frage ist doch, wenn ich genug zum Leben verdiene (Betonung liegt hier auf genug), dann kann ich doch auch mit hohen Abgaben einverstanden sein, so sie mir Sicherheit bieten und meinen sozialen Abstieg bei Verlust meines Jobs sicherstellen.
    Auch und gerade die BWL kennt das Abwägen von Kosten unter dem Begriff Opportunitätskosten.“

    Wir werden uns wohl einig sein das man mit den deutschen Sozialsystemen nicht zufrieden sein kann, nicht nur angesichts ihrer hohen Kosten, sondern auch der Leistung?

    „Opportunitätskosten“ – der Begriff setzt voraus gewisse Entscheidungsfreiheit zu haben, und die ist hierbei nicht gegeben – die kann es wohl auch nicht geben.

    Ich weiß, Dir geht es darum ob man das bestehende System gutheißt und aktiv mitträgt – oder eben nicht. Aber zum einen haben wir keine wahl, zum anderen ist der Zustand des Sozialstaates, auch seine ausgeufterte Form objektiv desolat.

    ………..
    Dazu kommen weitere Aspekte:

    – der Sozialstaat ist teuer (und wird teurer), wenig effizient
    – die Zahl der Beitragszahler stagniert (Arbeitslosigkeit & demographischer wandel)
    – die wirtschaftliche Entwicklung ist nicht zufriedenstellend (privater Konsum und Investitionen der Unternehmer)

    daraus folgt:
    – mehr netto:
    -> mehr Entscheidungsfreiheit der Bürger, (Konsum, oder private Altersvorsorge etc.)

    weniger (brutto) Arbeitskosten:
    -> Arbeit wird billiger, Investitionen und mehr Arbeitsplätze werden wahrscheinlicher

    für den Sozialstaat
    -> mit weniger Einnahmen auskommen ist natürlich nicht einfach und es lässt sich mit wenigen Sätzen auch nicht so einfach sagen was daraus folgen würde.
    Ziel muß sein die verfügbaren Mittel möglichst effizient einzusetzen – mit dem reduzieren oder streichen von Leistungen darf man sich nicht zufrieden stellen.

    Ich bin mir darüber im klaren das in der FDP das soziale bislang zu kurz kommt und man meist zu leichtfertig mit diesen Fragen umgeht, das muß aber nicht so bleiben.
    Ich bin sicher micht der einzige der (wenn man es auf zwei Seiten reduziert) mit beiden extremen (Akademiker, Selbstständige vs. abhängig beschäftigte im weniger gut angesehenen und bezahlten Dienstleistungsbereich) zu tun hat und hatte.

  8. Eigentlich dachte ich, dass ich bei so vielen Kommentaren, doch einfach meinen Mund halten sollte, doch dann fan ich im letzten Kommentar doch tatsächlich ein Schlagwort auf das ich total abfahre: „demographischer wandel“.
    Obwohl diverse Institute bereits nachgewiesen haben, dass es sich hierbei um einen Mythos handelt, wird er immer wieder als Argument zur Kürzungen aller möglichen sozialen Leistungen herangezogen.
    Was aber nirgendwo verzeichnet wird ist die Produktivitätssteigerung.
    Zwar kann man lesen, dass immer weniger junge Menschen für immer mehr ältere Menschen zahlen müssten, aber wir lesen nicht, dass immer weniger Menschen einen immer größer werdenden Mehrwert erwirtschaften. Übrigens einer der Gründe für das 2. Schlagwort aus dem oberen Kommentar: „Arbeitslosigkeit“.

    Während Privatpersonen und öffentliche Haushalte immer weniger Geld zur Verfügung haben, sprudeln bei den Unternehmen die Gewinne.
    Es kann nicht sein, dass eine Firma mehr Abgaben zu zahlen hat, wie die andere Firma die bei gleichem Umsatz und gleichem Gewinn weniger Mitarbeiter hat.
    Hier gehört eine Wertschöpfungsabgabe eingeführt.

    Das Geld muss man sich bei denen holen, die es haben und da braucht man nur in die Bilanzen zu gucken, wo es ist.

    Beispiel? – Tel – Kom entlässt und erhöht die Dividende.
    Glückwunsch

  9. @Kafi: „Obwohl diverse Institute bereits nachgewiesen haben, dass es sich hierbei um einen Mythos handelt,“

    Hast Du dafür auch eine Quelle anzubieten?

    „Was aber nirgendwo verzeichnet wird ist die Produktivitätssteigerung.
    Zwar kann man lesen, dass immer weniger junge Menschen für immer mehr ältere Menschen zahlen müssten, aber wir lesen nicht, dass immer weniger Menschen einen immer größer werdenden Mehrwert erwirtschaften.“

    Das hilft nicht viel wenn die Produktion oder Dienstleistung entweder mobil ist, oder die Arbeitnehmer es sind. Der Ort ist dafür wesentlich etscheident dafür welche ob Gesellschaft etwas davon hat.

    „Übrigens einer der Gründe für das 2. Schlagwort aus dem oberen Kommentar: “Arbeitslosigkeit”.“

    Dafür gibt es viele Gründe.

    „Es kann nicht sein, dass eine Firma mehr Abgaben zu zahlen hat, wie die andere Firma die bei gleichem Umsatz und gleichem Gewinn weniger Mitarbeiter hat.
    Hier gehört eine Wertschöpfungsabgabe eingeführt.“

    Unternehmen für Erfolg abzustrafen wird kein wünschenswertes ERgebnis bringen.

    „Das Geld muss man sich bei denen holen, die es haben und da braucht man nur in die Bilanzen zu gucken, wo es ist.“

    Man wird es sich nur einmal, wenn überhaupt, holen können. Und Kühe die man schlachtet geben weder Milch für den eigenverbrauch, noch lassen sie sich im großen Stil melken.

    „Beispiel? – Tel – Kom entlässt und erhöht die Dividende.
    Glückwunsch“

    Man würde wohl mehr entlassen (müßen), wenn man Einsparpotentiale nicht nutzt und wartet bis das Unternehmen in ernsthaften Problemen ist.

    Ich will nicht bestreiten das öfter auch schwere Fehlentscheidungen (oder deren Revidierung) gibt, die auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen werden – dabei istes aber grundsätzlich am besten den Einzelfall zu untersuchen.

    Ich bin zB gerne bereit den Kurs von Ackermann und der Deutschen Bank (25% Rendite-Ziel) zu kritisieren – bei der telekom sehe ich das vermutlich anders.

  10. @night owl (keine Ahnung warum du immer in der Moderationsschleife landest, ich habe schon meinen Spamfilter modifiziert, hilft aber bisher nichts, ich schau mir das noch mal in Ruhe an)

    „Richtig ist das ich mich auch nicht dafür begeistern kann wenn gesagt wird die Löhne seien generell zu hoch, nein, entscheident sind die Lohnnebenkosten(…)

    der Sozialstaat ist teuer (und wird teurer), wenig effizient
    – die Zahl der Beitragszahler stagniert (Arbeitslosigkeit & demographischer wandel)
    – die wirtschaftliche Entwicklung ist nicht zufriedenstellend (privater Konsum und Investitionen der Unternehmer)“

    Bevor es ganz untergeht,weil ich nicht dazu komme, die Stagnation bei der Zahl der Beitragszahler liegt nicht nur an der Arbeitslosigkeit und dem demographischen Wandel, sondern auch an den Gruppen, die überhaupt einzahlen. Würden quasi alle einzahlen, wäre mehr da und sicherlich ließen sich hier die Lohnnebenkosten darüber hinaus auch noch absenken. Wie sich das genau gestaltet, müsste noch genauer diskutiert werden. Was da an Vorschlägen unter dem Stichwort „Bürgergeld“ vorliegt, damit habe ich mich noch nicht beschäftigt Aber dass die Lohnnebenkosten steigen, wenn immer mehr Leute entlassen werden, liegt auf der Hand, solange nur die Angestellten in die Kassen einzahlen.

    Noch ein Gedanke, letztlich hat der Staat uns bei den Renten insofern beschissen, da er die Einlagen dafür u.a. nach der Wende für den Wiederaufbau Ost verwendet hat. Ich weiß, dass dieser Prozess schon seit den 60er Jahren läuft aber an die Grenze wurde es getrieben mit dem Aufbau Ost. Gut, das lässt sich nicht mehr zurückdrehen, das Geld ist weg und verschärft die Situation erheblich. Würden aber alle erwerbstätigen (einschließlich derer, die freiwillig Zuhause bleiben und keine Kinder großziehen) in die entsprechenden Kassen einzahlen, sähe die Lage deutlich anders aus.

    @kafi, zur Telekom kann ich nur folgendes sagen, ich kenne die Bilanz der Telekom nicht und weiß auch nicht wie kostendeckend die Telekom arbeitet. Aber erst dann kann ich sagen, ob tatsächlich Entlassungen, der einzige Punkt sind an dem die Telekom drehen kann. Wie ich inzwischen gelernt habe, sagt der Gewinn (Jahresüberschuss) nicht aber auch gar nichts über den Zustand eines Unternehmens aus.

    @night owl
    Weißt du von welcher Rendite bei der Deutschen Bank die Rede ist? Umsatz- oder Eigenkapitalrendite?

    Ich merke schon, meine Schulung bringt mir tatsächlich einiges ;-)

  11. „Bevor es ganz untergeht,weil ich nicht dazu komme, die Stagnation bei der Zahl der Beitragszahler liegt nicht nur an der Arbeitslosigkeit und dem demographischen Wandel, sondern auch an den Gruppen, die überhaupt einzahlen. Würden quasi alle einzahlen, wäre mehr da…“

    Und was bringt das, außer Probleme in die Zukunft zu verlagern? Schließlich hat wer einzahlt auch (später) Ansprüche.

    „Noch ein Gedanke, letztlich hat der Staat uns bei den Renten insofern beschissen, da er die Einlagen dafür u.a. nach der Wende für den Wiederaufbau Ost verwendet hat.“

    Was nötig ist, wenn man die sozialsysteme von Ost und west zusammenführen will und muß.

    Die shwerwiegenden Fehler liegen im system. Die Wiedervereinigung hat zwar die Last erhöht (aber auch Wirtschaftswachstum ermöglicht), schwerwiegender sind aber die Fehler im system ansich, insbesondere das Umlagensystem und der Verzicht auf Rücklagen.

    „Weißt du von welcher Rendite bei der Deutschen Bank die Rede ist? Umsatz- oder Eigenkapitalrendite?“

    Eigenkapitalrendite laut http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,398639,00.html

  12. „(keine Ahnung warum du immer in der Moderationsschleife landest, ich habe schon meinen Spamfilter modifiziert, hilft aber bisher nichts, ich schau mir das noch mal in Ruhe an)“

    Möglicherweise liegt es an meiner e-mail-Adresse (dem „online“, ein Stichwort für den Spamfilter).

  13. @night owl, mal schaun ob es jetzt klappt

    Alles Inhaltliche später, ich muss gleich los.

  14. gestern Abend saß ich an meinem Rechner und hab einen ewig langen Antwortkommentar hier reingetippt. Vor dem Absenden ist mein Browser und dann der ganze PC abgestürzt. Heute Morgen habe ich dann festgestellt, dass ich beinahe mal wieder auf einen alten Trick herein gefallen wäre.
    Da fordert nite owl von mir die Angabe einer Quelle und ich wollte darauf reagieren. Hallo? Warum, muss ich Quellen nennen, während andere einfach so ihren Senf dazu geben? Will man die inhaltliche Aussage eventuell als falsch darstellen, nur weil eventuell keine Quelle angegeben werden kann? Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.
    Also zum Inhalt: Schon 2003 hat die Gewerkschaft ver.di eine Broschüre mit dem Titel „Mythos Demographie“ heraus gegeben. Diese ist auf der ver.di Homepage nachzulesen oder runter zu laden.
    Die entsprechenden Daten über Produktivität und Alterswentwicklung gibt es beim Statistischen Bundesamt. Dort kann sich auch jeder, wo wie ich es tat das aktuelle statistische Jahrbuch bestellen (mit CD-Rom 75,- Eus)

    Wer sprach eigentlich davon Kühe zu schlachten????
    Aber der Hinweis auf Kühe macht mich recht froh, kann ich doch so mein Landwirtschaftsstudium ins Spiel bringen. Kühe werden dahingehend gezüchtet, dass sie möglichst viel Milch geben. Höchstmengen werden teilweise unter Schmerzen aus den Tieren herausgemolken, ohne dass sie sterben. Wenn Nite Owl meint, dass wir das mit den Unternehmen tun sollen…..
    Schau mal an, welche Abgaben die Unternehmen überhaupt noch leisten. Es kann nicht sein, dass ein Fließbandarbeiter bei Ford mehr Steuern zahlt, als die Niederlassung in der er arbeitet.

    Und wenn ich lese, dass die Lohnnebenkosten zu hoch seien, so ist es nicht die beste Idee sie zu senken, indem mehr einzahlen, denn dann wollen ja auch mehr raus haben oder?
    Besser wäre eine Entkopplung von den Löhnen. Sozialabgaben sind nach einem bestimmten Schlüssel zu zahlen, egal wie viele Menschen im Betrieb arbeiten. Man könnte das ganze dann durchaus Steuer nennen. Erwirtschaftet haben das ohnehin die Beschäftigten und nicht der Unternehmer.
    Die so genannten „Lohnnebenkosten“ sind ja nichts anderes als vorenthaltener Lohn.

    Aber ich werde hier wohl niemanden bekehren können.

  15. @Kafi von Cers:

    http://www.verdi.de/sozialpolitik/sozialpolitische_informationen/sozialpolitische_informationen_1._halbjahr_2006

    A. Allgemeine Sozialpolitik, 1. „1. Quo vadis, soziale Sicherung? (2) – Der demographische Wandel ist gestaltbar: Kein Mythos und kein Drama

    Dass sich die Bevölkerung zukünftig aus mehr älteren und weniger jüngeren Menschen zusammensetzen wird, ist unbestritten.“

    Und nun?

    Bezüglich Kühe schlachten oder Unternehmen melken: stell Dich nicht dumm!

    Unternehmen und „Reiche“, „das Kapital“ ist mobiler als andere, und wer etwas von abhaben will darf diese nicht zusätzlich vertreiben.

    „Schau mal an, welche Abgaben die Unternehmen überhaupt noch leisten. Es kann nicht sein, dass ein Fließbandarbeiter bei Ford mehr Steuern zahlt, als die Niederlassung in der er arbeitet.“

    Richtig: alsi das Steuerrecht vereinfahen und transparenter machen – und die Belastungen weg vom faktor Arbeit bringen – da stimme ich Dir zu.

    Wie man das Geld dann rein holt ist wieder eine andere Frage.

    „Erwirtschaftet haben das ohnehin die Beschäftigten und nicht der Unternehmer.“

    Quatsch, die Unternehmen investieren, entscheiden, stellen ein und tragen die Gesamtverantwortung.

  16. @night owl, so so, erwirtschaftet haben die Kapitalgeber das. Interessante Sicht der Dinge. Sorry, das klingt doch nach schweren Nachwirkungen der Lobbypropaganda ala INSM. Klar es werden scheinbar immer weniger Angestellte gebaucht ([Ironie] vernachlässigen wir die Überstundenzahlen, ich meine die realen nicht die offizielen [/Ironie]) aber ohne den produktiven Teil der Angestellten gehts nun mal überhaupt nicht. (produktive Arbeit vs. unproduktive Arbeit nach Adam Smith). In diesem Zusammenhang werde ich auch gleich mal einen Artikel aus der Frankfurter Rundschau vom Samstag posten.

  17. „so so, erwirtschaftet haben die Kapitalgeber das.“

    Jein – sie haben es miterwitschaftet und ohne sie würde gar nichts geschehen.

    Ich würde mich zB gerne selbstständig machen, ganz im Sinne von „wer nichts wird wird Wirt“ – und wer auch das nicht will und 100 000 euro zur Verfügung hat wird subways-Franchisenehmer – nebenbei werde ich Politiker :-)

    Dummerweise ein derzeit unrealistischer Traum, insbesondere weil das Geld fehlt. Also ohne Kapital geht leider nichts. Und wenn ich es habe und investiere werde ich zwar Mitarbeiter einstellen, aber trotzdem noch sehr viel Arbeit selbst zu erledigen haben.

    Und wenn ich nicht die Auflagen der Bürokratie befolge, meine Buchhaltung anständig mache und meine Mitarbeiter gut und regelmäßig bezahle geht die ganze Unternehmung schief.

    „Klar es werden scheinbar immer weniger Angestellte gebaucht ([Ironie] vernachlässigen wir die Überstundenzahlen, ich meine die realen nicht die offizielen [/Ironie]) aber ohne den produktiven Teil der Angestellten gehts nun mal überhaupt nicht. (produktive Arbeit vs. unproduktive Arbeit nach Adam Smith).“

    Die Anforderungen an die Qualifizierung, Flexibilität und Mobilität der Arbeitnehmer steigt, und wenn die Kosten gesenkt werden sollen (und das nicht nur aus purer Bösartigkeit) wird man sich überlegen ob die Arbeit nicht auch von weniger Leuten gemacht werden könnten.

    Und die Angestellten machen da ja auch gerne mit (solange sie nicht wegrationalisiert werden), schließlich wird der eigene Arbeitsplatz sicherer, er wird besser bezahlt – nicht zuletzt wegen Überstunden (und wenn sie nicht bezahlt werden gibts mehr Freizeit in Form von freien Tagen).

    Deshalb ist es wichtig insbesondere dafür zu sorgen das die Arbeitslosen mehr Chancen bekommen, und arbeitsplatzsicherheit vernachlässigbar.

    Wichtig ist zu verhindern, das der der einmal draußen ist, dort auch bleiben muß

  18. Die Sicht des Shareholder Value, das Kapital arbeiten zu lassen , halte ich für ziemlich fragwürdig und hat wie wir aktuell an vielen Beispielen sehen können, auch fragwürdige Konsequenzen. Das ist es ja genau was ich mit den Auswirkungen jener Lobbypropaganda meine, es wird „uns“ ständig ins Hirn geblasen, dass es das Kapital wäre das arbeitet aber das ist eine recht einseitige Sicht der Dinge. Rentabilität und Liqidität haben mehr Voraussetzungen als nur Kapital. Wenn das Kapital nicht mehr in angemessener Weise auch an die zurückfließt, die zur Vermehrung des Kapitals beigetragen haben, dann gibt es dauerhaft Probleme. Man kann die Frage in dieser Hinsicht auch leicht umdrehen, spielte der produzierende Teil eines Unternehmens keine Rolle für die Vermehrung des Kapitals, warum sollte ein Kapitalgeber in ein Unternehmen investieren? Wird also vermehrtes Kapital nicht reinvestiert sondern ausgeschüttet, dann ist eben kein Geld mehr da, neue Mitarbeiter einzustellen und damit vielleicht auch mal die vorhandenen Mitarbeiter zu entlasten. Ich verweise hier nochmals auf die exobitanten Überstundenzahlen. Beides spielt eine Rolle, und im Moment wird der Fokus recht einseitig ausschließlich auf das Kapital gerichtet. Zumindest in den Unternehmen, die sich der Shareholder Value verschrieben haben oder sich daran anlehnen.

  19. Nochmal zu den Kühen.
    Ich finde, dass unsere Kühe (also Unternehmen) viel zu fettes Heu zu fressen bekommen und dafür im Verhältnis viel zu wenig Milch abgegen. Deutschland ist nicht Spitzenreiter bei den Unternehmensabgaben!

    Niemals käme ich auf die Idee, den Kioskbesitzer oder den handwerklichen Kleinbetrieb noch stärker belasten zu wollen, ganz im Gegenteil.

    ich schrieb:
    >>Erwirtschaftet haben das ohnehin die Beschäftigten und nicht der Unternehmer.>Quatsch, die Unternehmen investieren, entscheiden, stellen ein und tragen die Gesamtverantwortung.

  20. ach und das hab ich ja noch vergessen.

    Ich hab keine Lust hier weiter darüber zu diskutieren und werde nichts mehr erwidern. Ihr könnt also jetzt schreiben, was Ihr wollt.

    und im Übrigen verden die Kühe nicht vertrieben, sondern von anderem mit noch fetterem Heu weggelockt.

  21. @Kafi von Cers:

    „Ich finde, dass unsere Kühe (also Unternehmen) viel zu fettes Heu zu fressen bekommen und dafür im Verhältnis viel zu wenig Milch abgegen. Deutschland ist nicht Spitzenreiter bei den Unternehmensabgaben!“

    Das ändert nichts an der hohen Arbeitslosigkeit und den hohen Kosten (die nicht direkt an die Arbeitenden gehen) auf Arbeit.

    „Ich hab keine Lust hier weiter darüber zu diskutieren und werde nichts mehr erwidern. Ihr könnt also jetzt schreiben, was Ihr wollt.“

    Ich habe schon vorher geschrieben was ich wollte :p Mir tust Du nichts böses damit :-)

    „und im Übrigen verden die Kühe nicht vertrieben, sondern von anderem mit noch fetterem Heu weggelockt.“

    Dann müßen wir eben auch locken – das geht nicht nur mit Heu, sondern zB auch weniger Bürokratie, guter Ausbildung, sozialem Frieden, etc.

    Wer Zäune errichtet schadet nur sich selbst.

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