Das Cafe im Krefelder Zoo

Das Cafe ist voll, aber nicht mehr so voll, wie uns die Leute direkt neben uns bestätigen. Schließlich warten die Menschen nicht mehr scharenweise auf einen Sitzplatz, es leerte sich auch merklich, eine gewisse gereizte Stimmung ist aber deutlich zu spüren.
Eine halbe Stunde bringt ein Kellner dann endlich die zwei Cola, die die Liebste vorsorglich im Doppelpack bestellt hatte. Auf meine Frage, ob er der Ansicht sei, dass es mit meinem Kakao und dem Stück Torte noch was werden könnte, reagierte er kaum. Der Typ am Nachbartisch lacht. Lachen ist auch das einzige was mir bleibt, nachdem ich dreimal ausdrücklich auf die Aufnahme der Bestellung beharren und der Kellnerin erklären musste, wo die Torte, von der sie mir freudestrahlend verkündete, sie sei aus, in ihrer Theke steht, um anschließend von der Besitzerin gefragt zu werden, ob ich überhaupt bestellt hatte. Das Bestellsystem in diesem Cafe ist eigenartig. Ein junges Mädel, das exakt eine Bestellung aufnehmen kann, die sie erst an die Kasse bringen muss, bevor sie die nächste aufnehmen kann, irgendwo im Laden exakt eine Person, die diese Bestellungen registrieren darf und zwischen drin laufen Kellner und Kellnerin rum und wissen nicht, wer was bestellt hat. Eine Kundin organisiert sich irgendwie ein Glas Wasser und lässt 20 Minuten später das bestellte wieder zurück gehen. Nach 35 Minuten schließlich die erwähnten zwei Colas, allerdings ohne nennenswerten Anteil von Kohlensäure, was sogar ich erkenne, obwohl ich die Brause niemals trinke. Der Typ am anderen Nachbartisch erzählt, dass er in den Niederlanden irgendwo mal 3 Stunden auf eine Pizza gewartet hätte, der ist also im Training. Schließlich bekommt er, was er nicht bestellt hat und schon gar nicht Besteck, das er sich dann selbst organisiert, ebenso eine Serviette. Ein Stück Schwarzwälder geht zurück, da die Kundin das Lokal schon eine halbe Stunde zuvor verlassen hat und die Familie links gegenüber bekommt lange vor den Getränken, die heißen Apfelstrudel, die etwas grau und verloren auf den Tellern liegen und irgendwann kommen dann auch die Getränke. Als nach einiger Zeit ein Kellner vorbeikommt und ich Zweifel anmelde, ob eine durchschnittliche Wartezeit von 35 Minuten auf Getränke angemessen wäre, erklärt er mir, dass er auch nur zwei Hände habe und ich doch Verständnis haben solle, voraussetzend, dass meine bisherigen Reaktionen verständnislos gewesen waren. Sicher der Laden war voll aber auch nicht mehr so voll, dass eine einigermaßen reibungslose Bedienung vollkommen unmöglich gewesen wären. Dann taucht die Besitzerin wieder auf und erklärt mir das Bonsystem, was mich ungefähr so interessiert, wie die Frage, wieso sie eigentlich so desorganisiert ist. Einen ungehaltenen Vortrag über Marketing und dass es nicht die Aufgabe der Kunden wäre, die Probleme der Dienstleister zu verstehen, spare ich mir. Ich will meinen Kakao, es ist trüb und kalt im Krefelder Zoo und ich will die Elefantenvorführung nicht verpassen. Mein Kakao und mein Stück Krokantsahne werden nun bevorzug behandelt. Schließlich kommen dann irgendwann doch noch die Pommes für die Liebste mit Besteck aber ohne Serviette. Wir verlangen sofort zu bezahlen, was den Kellner erstaunlicherweise überrascht. Dass die Gäste dieses Cafes Besteck und Kaffeesahne selbst besorgen, ebenso, wie sie lange auf die Chance hier wieder raus zu kommen, warten müssen, ist ihm wohl bisher nicht aufgefallen. Die Familie mit dem traurigen Apfelstrudel muss der zweiten Bedienung, die sie an die erste Bedienung verweisen will, erklären, dass sie es bei der ersten schon ohne Erfolg versucht hätten zu bezahlen. Abgesehen von dem Mädel, dass für jede Bestellung einzeln gehen muss, die natürlich überhaupt nicht kassieren darf. Der Kellner schmeißt sich ins Zeug, um noch den letzten Rest seiner Berufsehre zu retten und zählt die Bestellung betont auf und kommt schließlich zu einem Stück Schwarzwälder Kirsch, das ich nie gegessen habe. Ich kommentiere das etwas resigniert mit der Feststellung, dass mir Schwarzwälder Kirsch auf der Rechnung auch recht wäre, solange sie nicht teuerer als Krokantsahne sei. Er strahlt mich an, nein, sie koste das gleiche und vergisst promt die zweite Cola zu berechnen. Der andere Typ am Tisch nebenan lacht sich schlapp. Nach einer Stunde verlassen wir das Cafe, das wohl seine Existenz nur der Tatsache verdankt, dass die Besucher des Krefelder Zoos keine Alternative haben. Schließlich, meint die Liebste, sollte man den nicht unerheblichen Unterhaltungswert des Ganzen nicht unterschätzen. Oder, gebe ich zurück, das dort ein neues Konzept zur Kontaktanbahnung getestet würde. Schließlich hatten wir uns mit den Tischnachbarn gut unterhalten.
Die Elefantenvorführung ist glücklicherweise um eine Stunde verschoben, das Nashornbaby ist auch aus seinem Verschlag gekommen und die Sonne hat sich endlich durch den Dunst gearbeitet.

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7 Antworten zu “Das Cafe im Krefelder Zoo

  1. Tja, in Deutschland ist der Kunde König.
    Sieh es doch mal so, dass Cafe hat Euch richtig glücklich gemacht. Du warst doch sicherlich happy, als Du endlich Dein Stück Torte bekommen hast?
    Die Kommunikation mit wildfremden Menschen hast Du ja bereits erwähnt.
    Also ich weiß wirklich nicht, warum Du Dich da beklagst?
    Es hätte viel schlimmer kommen können.
    So hättet Ihr schon nach fünf Minuten Eure Getränke bekommen können und nur wenige Minuten nach Bestellung hätte dann Deine Sahnekrokanttorte auf den Tisch gestanden.
    Dann wärt ihr beide ganz schnell wieder aus den Cafe gewesen und hättet bestimmt auch noch Trinkgeld dort gelassen. ;)

  2. Ob bitte, versteh mich nicht falsch, nicht nur haben wir im Cafe unserer Fassungslosigkeit mit viel Humor Luft gemacht, sondern ohne solche Cafes hätte ich nichts zu schreiben gehabt. Ich denke, ich werde wieder dort einkehren, wenn ich wieder mal im Krefelder Zoo bin, der ist nämlich wirklich schön und angenehm, vielleicht ergibt sich eine Fortsetzung.

  3. Ich hätte diese Erfahrung sicher nicht gemacht. Obwohl ich eine sehr geduldige Persönlichkeit habe, bin ich eine sehr ungeduldige Kundin.
    Ich gehe dann lieber.

  4. Das Problem mit dem „Nun gehe ich aber wieder“ ist aber nicht so einfach zu lösen. Du sitzt bereits ein halbe Stunde und wartest und dann denkst, nun wird es bestimmt gleich kommen und dann wartest du weitere fünf Minuten und dann sagst dir, wenn du jetzt aufstehst, dann wird die Bedienung antanzen und servieren. Somit bleibst du doch sitzen, wartest geduldig und schluckst die Wut runter.
    Was ich dann immer ganz gerne mache, es ist ja nun einmal so, dass „Auf Wiedersehen“ gesagt wird und da antworte ich dann ganz laut, „bestimmt nicht“.
    Mein bisher schlimmstes Erlebnis war einmal in einer Gaststätte der etwas gehobeneren Preisklasse (aber nur weil sie mitten im Touristengebiet war).
    Da musste ich dann eine geschlagene Stunde auf mein Essen warten, nach mehreren Nachfragen wurde es dann serviert und es war kalt. Da stand das die ganze Zeit zur Abholung bereit. Also da habe ich mich doch etwas lauter beschwert, so damit es auch jeder mitbekommt.
    Gebracht hat es zwar nicht sehr viel, aber etwas später habe ich dann erfahren, dass die Gaststätte pleite ist. Muss ja Gründe gehabt haben.

  5. Tja, und bei diesen ist es halt so, dass man keine echte Alternative hat und man nur selten wiederkommt. Allerdings nehme ich an, dass der Auflauf an Personal inkl. Besitzerin an unserem Tisch auch daher rührte, dass wir fröhlich alle umliegenden Tische in die Unterhaltung miteinbezogen *g*, einfach gehen ist doch langweilig und dann fress ich im Zweifel Frust nur in mich rein, so hatte ich die Lacher auf meiner Seite und es ist auch noch eine gute Geschichte dabei abgefallen.

  6. was das bezahlen betrifft, so ist kundIn nicht verpflichtet, länger als 15min nach verlangen der rechnung auf dieselbe zu warten. sagte ein gerichtsurteil vor nicht allzu langer zeit. also, guten und preiswerten appetit im krefelder zoo ;-)

  7. Das war mir bisher nicht bekannt, ich dachte, dass man mindestens 45 Minuten warten muss, nachdem man nach der Rechnung verlangt hat. Interessante Information.

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