Transparency Deutschland

Seit Freitag schlagen die Wogen in Bloggersdorf hoch, seit ein Anwalt des oben genannten NGOs, das sich der Korruptionsbekämpfung und Transparenz verschrieben hat, gegen eine Bloggerin versucht vorzugehen, die vor ca. 2 Monaten (!) einen kleinen Bericht über eine Enttäuschung ihrer Erwartungshaltungen schrieb. Die Reaktion ist nach meinem laienhaften Verständnis und meinen bisherigen Erfahrungen unangemessen und harsch und heute schließlich soll die Bloggerin auch noch gegen das Urheberrecht verstoßen haben, weil sie ein Anwaltsschreiben ins Netz gestellt hatte. Was Udo Vetter vom law-log zu recht als juristisches Geblubber. (Irgendwie erinnern mich die Schreiben an mienen letzten Vermieter aber das ist eine andere Geschichte) Die Sache stinkt, ein unerhörter Vorgang, wie rainersacht.

Soweit ich die aktuelle Abmahnwelle verstanden habe, ermöglicht das deutsche Rechtssystem jedem dahergelaufenen Anwalt Menschen für Meinungsäußerungen abzumahnen und das unter Zustellung nicht unerheblicher Kostennoten. Eine hübsche Einnahmequelle für Anwälte, die wegen der Anwaltsschwemme keinen anständigen Auftrag an Land ziehen können.

Hatte Trancparency Deutschland wirklich vorgehabt Informationen, die ihrer Reputation schaden, aus der Welt zu schaffen, ist es ihnen durch ihr Verhalten jetzt gelungen, das genaue Gegenteil zu erreichen. Der Antwortmail auf eine Anfrage eines solidarischen Bloggers (siehe Link unkreativ) ist deutlich zu entnehmen, dass die Geschäftsführung hinter diesem Vorgehen steht. Diese Angelegenheit hat inzwischen eine Dimension erreicht, die nicht mehr einfach aus der Welt zu schaffen sein wird. Man könnte jetzt sagen, negative Publicity ist besser als keine aber im Fall dieser Organisation möchte ich mir die Implikationen dieser Überlegung lieber nicht ausmalen.

Viel ist schon geschrieben worden und sicherlich besser als ich das könnte, doch wie es aussschaut, kann die Bloggerin inzwischen jede Solidarität gebrauchen, die möglich ist, da Transparency Deutschland weiter Druck auf sie ausübt. Darüber hinaus gehört die Angelegenheit solange und so oft gepostet, bis es auch der letzte begriffen hat, dass es hier auch um das Recht auf freie Meiungsäußerung geht. Es geht nicht an, dass Unternehmen die Verletzung ihrer vermeintlichen Persönlichkeitesrechte einseitig zu ihren Gunsten auslegen ohne dabei zu berücksichtigen, ob sie den Schutz ihres Persönlichkeitsrechtes nicht schon verwirkt haben, entweder auf Grund der Art ihres Vorgehens oder weil ein höheres, da öffentliches, Interesse, dahinter steht. Wieso gelten in Deutschland eigentlich die Höhe der Gehälter zu den Dingen, die unter vertrauliche Internas fallen? Allein schon aus arbeitsmarktpolitschen Gründen sollte hier das öffentliche Interesse im Vordergrund stehen. Und schon gar nicht ist es akzeptabel, dass Gesetze, Gerichte und Politk hinter einer solchen Auslegung stehen.

Inzwischen ist die Geschichte aus den Händen der Bloggerin geglitten. Ich hoffe, dass ihr und der betreffenden Freundin, um die es im ursprünglichen Bericht ging langfristig kein großer, gar existentieller Schaden entsteht, wenn die Wellen in Blogland wieder geglättet haben oder eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird.

Aber lest selbst (die folgenden Links stellen lediglich eine grobe Auswahl dar):

Hier gings los:
wasweißich

erste Berichte bei
wirres
don alphonso
boocompany

Seit heute:
boocompany
don alphonso
unkreativ
wirres
dermorgen

Internationale Reaktionen
scottageb
timeworstall
larko

Weitere Links in überwältigender Fülle finden sich unter dem Stichwort „transparency; transparency deutschland und transparency international“ bei technorati und google.

Nachtrag: Offensichtlich hat sich Udo Vetter der Sache angenommen, wie ich eben auf boocompany gelesen habe.

Nachtrag II: Sollte die Angelegenheit vor Gericht gehen, ist auch finanzielle Unterstützung gefragt.

Nachtrag III: hier findet ihr eine gute und ausführliche Darstellung der Ereignisse.

Nachtrag IV: Inzwischen ist eine Pressemitteilung von Transparency Deutschland aufgetaucht und die Angelegenheit hat die etablierten Medien (in den Kommentaren, Chips und einen guten Roten mitbringen, das Lesen kann etwas dauern) erreicht. Außerdem sollte man sich über manche Äußerungen(siehe ersten Kommentar) so langsam mal Gedanken machen, da sonst die Aussichten groß sind, dass hier nur noch finanziell gut ausgestattete BloggerInnen posten können und alle andere darüber schreiben müssen, was sie zu Mittag gegessen haben, natürlich nur ohne Markennennung.

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Eine Antwort zu “Transparency Deutschland

  1. Moni ist wirklich mutig und braucht die Solidarität und Unterstützung der Blogger.

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