Übergriff der realen Welt in die Inszenierung der Realität des Virtuellen

Dies ist mein Kommentar zu Mos Kommentar zu meinem Beitrag Solidarität buchstabieren.

    „Fehlt dem Durchschnittsdeutschen das Solidaritäts-Gen oder ist er nach 10 Jahren intensiver Bearbeitung durch neoliberale/konservative Elemente so sehr gehirngewaschen, dass er nichts merkt. Kann er das Wort Solidarität nur noch buchstabieren?”

    hm. ich fasse das jetzt mal als eine gewollte rhetorische zuspitzung auf , weil ich weder dem einen noch dem anderen grund zustimmen könnte.

Sicherlich ist es eine rhetorische Zuspitzung, einerseits, andererseits fällt diese Betulichkeit schon auf.

Dann gibt es noch zwei Gedanken dazu, einerseits scheinen nur die Anspruch auf Solidarität Anspruch zu haben, die einwandfrei handelten und handeln und zwar nach sogenannten objektivierbaren Maßstäben. Die naturgemäß bei jedem anderes gelagert sind. Nur so scheint man sich die Solidarität erwerben zu können. Das beleuchtet dann auch andereseits das Verhältnis des Einzelnen zu Solidarität. Es scheint mir hier um ein Phantasma der „uneingeschränkte Solidarität“ zu gehen. Mithin ist Solidarität nicht mehr möglich, weil Setzungen gemacht werden, die niemand erfüllen kann. Dies würde auch erklären, warum so viele auf die Frage des Wahrheitsgehaltes der von Moni erzählten Ereignisse abhoben, gerade in den Medien und denen die sich auf den Standpunkt stellten, dass man hier ohne Überprüfung der Quellen besser nichts schreibt. Dabei ging unter, dass sich die Masse derer, die sich solidarisch erklärten, damit nicht aufgehalten haben, sondern sich über die Art und Weise aufregten mit der versucht wurde, die betreffende Bloggerin einzuschüchtern. Und das mit nicht unbedingt sauberen Mitteln, schließlich behauptete dieser Anwalt (s. Tatbestand der Schmähkritik oder auch die Sache mit dem Urheberrecht) sich auf Gesetzte berufen zu können, die auf den Fall nicht zutrafen.

Deine Frage nach der falschen Prioritätensetzung, sicherlich mir ist es auch aufgefallen, dass andere Themen (auch bei mir) „hinten runter“ gefallen sind. Dennoch, hier konnten BloggerInnen was unternehmen und hier entstand ein Raum in der Handlungsmöglichkeiten existierten. Was hätte es den anderen Prioritäten genutzt, wenn hier nicht eingegriffen worden wäre? Sicher, diese NGO strebt keine andere Gesellschaft an aber in ihrem Verhalten macht sie sich gemein mit faschistischen Strömungen in unserer Gesellschaft und das mit der Agenda, die sie auf ihrer Fahne geschrieben haben. Das konnte nicht unbeantwortet bleiben.

Und sicher es ist ein symbolischer Kampf (neben dem sehr realen der Bloggerin Moni). Für mich genauso bedeutend wie jeder andere Kampf. Es frustriert mich auch, dass die Kampagnen, an denen ich teilweise auch beteiligt bin (Kleenex, Bantam-Reis, Streikposten) leider kaum Resonanz in der Blogossphäre finden. Aber sollte mich das Abhalten auch einen (meinetwegen symbolischen) Kampf gegen einen weiteren Versuch diese Welt der Definition durch Unternehmens/Konzerninteressen zu unterwerfen? Was andere Themen angeht, gibt es viele, die ausgezeichnete Kenntnisse (unter anderem du) haben und diese hier auch publizieren und damit auch nicht aufgehört haben in der vergangenen Woche. Und sind unsere Kämpfe im Angesicht des Ganzen nicht alle als symbolisch zu bezeichnen? Wo willst du dann anfangen?

Vielleicht ist es auch schlicht einfacher sich mit dem Fall Moni auseinanderzusetzen, als mit den tatsächlich viel „grausameren und entsetzlichen und bedrohlichen“ Inhalten. Aber schau doch mal (um nur zwei zu nennen) bei che vorbei oder bei word2go (Jürgen wo steckst du eigentlich?) und dann sieht die Sache wieder anders aus.

    und dann wird auf einer geschichte herumgeritten, die vermutlich in diesem land unzählige pendants aufweist. und einer ngo kann die zunge herausgestreckt werden – “ätsch, ihr genügt euren eigenen ansprüchen ja gar nicht”. auf wie viele solcher institutionen trifft das vermutlich noch zu? eben. und was ist mit der – hm, aufdeckung dessen eigentlich gewonnen?

Hier komme ich nicht mehr mit, es wurde nicht „darauf herumgeritten“ sondern es hat sich eine eigene Dynamik entwickelt, die ich mir selbstverständlich auch für andere Themen wünsche. Zumindest hat Moni Hilfe gehabt und die unsägliche Darstellung durch Tagesschau online wurde geändert. Ein Tropfen auf dem Stein, ich weiß.

So wie vieles und mein Umgang mit meinem Blog zeigt ja auch sehr deutlich, dass ich von der Garantie auf Meinungsfreiheit nichts halte, weil sie mir auch nichts bringt, wenn irgendwelche Arschlöcher der Meinung sind, mal „Lesben-klatschen“ gehen zu wollen und ich ihnen auch noch meine private Adresse dafür liefern würde. Jeder heterosexuelle, in Arbeit stehende Blogger, der mir deswegen meine Aufrichtigkeit absprechen will (Alles schon mal irgendwo gelesen), kann mich mal.

Klar, ich wünsche mir auch, dass die Klickzahlen vom streikposten täglich steigen und am besten dann den Bildblog in der Statistik ablösen um schließlich auch weltweit rezipiert zu werden, ebenso geht es mir mit den Beiträgen zu Kleneex/Hakle und Bantam-Reis von word2go. Offensichtlich muss es die entsprechenden Blogger, in irgendwie subjektiv entschiedener Weise, direkt betreffen, dass sie in Massen reagieren. Das ist es ja, worum es mir geht, das genau das nicht passiert und wenn doch mal, gleich diese betuliche „blos keinen vor den Kopf stoßen“ aufkommt.

Was die Inszenierung der Realität im virtuellen Raum angeht, ich bin mir nicht sicher, die Grenzen scheinen zu verschwimmen. Was Moni, Jens Scholz und alle anderen, die in der realen Welt abgemahnt worden sind, deutlich zeigt. Hier endet auch die Ebene, des Blogs als virtuell inszenierte Realität, was übrigens auch für gestalke BloggerInnen gilt. Vielleicht ist es auch der Übergriff der nicht-virtuellen Welt in die virtuelle der BloggerInnen, weswegen diese Reaktion ausgelöst wurde. Und unsere Inhalte würden ohne die nicht-virtuelle Welt nun wohl auch nicht existieren.

Kennst du den Podcast von Wombat, das sogenannte Experten-Interview. Als ich es hörte, dachte ich mir so, da ist was dran, die Meinung des/der Einzelnen kann jetzt ungefiltert weltweit mitgeteilt werden. Vielleicht gibt es deswegen diesen „ist ja alles nur virtuell“-Diskurs, weil er diesen Umstand marginalisiert?

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6 Antworten zu “Übergriff der realen Welt in die Inszenierung der Realität des Virtuellen

  1. anmerkung am rande: es liest sich besser, wenn zitate als solche erkennbar sind (ist da was schiefgelaufen? das soll doch sicher nicht so sein, dass mo-zitate wie somlu-kommentar ausschauen?).

    und warum hast du denn den streikposten nicht (auch nochmal) im text verlinkt?

    grüsse von der eastside

  2. Liebe Grüße zurück, bei mir sind die Zitate immer braun und mein Text schwarz und den Streikposten habe ich glatt vergessen zu linken, wird nachgeholt.

  3. Sooo, alle Links gesetzt ;-)

  4. hm, rumtesten ergibt: braune (komische farbe…) zitate nur in microschrotts explorer. firefox bleibt bei schwarz. unter linux wie windoofs. und auch mozilla und netscape geben sich unter windoofs nicht für braun her (dafür macht netscape ne deutliche beige farbleiste rechts und links. die anderen nicht. spass mit technik…) :-( ich fühle mich diskriminiert.

  5. Bei Opera erscheint die Farbe in Braun. Komische Farbe oder nicht, ursprünglich war ja mein Blog in brauner Schrift und die Zitate schwarz. Dafür habe ich in Opera nur eine html-Darstellung der Software, in Windoof gibts nen schicken wysiwyg-Editor. Ich denke aber mal nach, wie ich das zukünfig löse, damit alle die Zitate erkennen können, egal welchen Browser sie verwenden. Danke für die Rückmeldung
    LG somlu

  6. Pingback: Martina Kausch : Blogger werden langsam seriös…

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