China ist überhaupt viel geiler

Beim Stichwort China scheinen ja viele Unternehmer ihren Verstand entgültig zu verlieren. Wachstumraten sind da möglich, sie könnten weinen vor Glück. Die Automobilkonzerne reiben sich die Hände, 1 Millarde Menschen, da kann man Autos verkaufen, bis der Himmel schwarz wird. Es wird vom wachsenden Mittelstand in China schwadroniert. Klar, die globale Mittelklasse, die gibt es überall.

Könnnen die Manager, die sich für die Verlagerung ihrer Produktion in ein Land wie China entscheiden, eigentlich morgens noch in den Spiegel schauen oder ist der sowieso schon zersprungen?

Die Arbeitnehmerbedingungen in China sind erbärmlich. Es gibt kaum Arbeitssicherheit und die Krankenversorgung ist mehr als mieserabel. Ein großer Teil der Bevölkerung verarmt und verhungert im Angesicht des Wohlstandsmülls, der für den Westen und die Teilhaber an der globalen Mittelklasse produziert wird. Die Wirtschaftsentwicklung wird ohne Rücksichtnahme auf Menschen und Umwelt um jeden Preis vorangetrieben.

Der Kölner Stadtanzeiger berichtet ausführlich über das Schicksal einer jungen Fabrikarbeiterin, die bei einem Arbeitsunfall ihren rechten Arm verlor und vergeblich um Entschädigung oder eine Rente kämpft. Den 700 000 Arbeitern, die jährlich offiziell durch Unfälle invalide oder verkrüppelt werden, kann man mit Sicherheit noch eine nicht unerhebliche Anzahl hinzugerechnet werden, die in den offiziellen Zahlen nicht vorkommen.

    „Die lokalen Behörden und Gerichte sind absolut ungerecht“ Rund 2000 verstümmelte Arbeiter haben die Anwälte seit 1996 vor Gericht vertreten. Den Behörden ginge es doch nur um Wirtschaftsentwicklung, um jeden Preis, erklärt Zhou. „ICh habe das Gefühl, dsas die breiten Straßen und die luxeriösenHäuser auf dem Blut der Arbeiter erbaut wurden.“

Da kann man natürlich schöne Gewinne erwirtschaften. Darum geht es auch ausschließlich, immer weiter im Preiskampf, so richtig billig und überhaupt. Die Produkte sind dann auch schön billig, was ja auch unserer heißgeliebten „Geiz-ist-geil“-Gesellschaft entgegen kommt.

Ich empfehle bestimmte Regionen Chinas als Urlaubsziel zu meiden, vor allem wenn man seine Reisebekleidung und -ausstattung grade so billig im Laden erworben hat. Das könnte Probleme geben.

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10 Antworten zu “China ist überhaupt viel geiler

  1. Besonders schlimm geht es den vielen Wanderarbeitern. Sie werden nicht menschlich behandelt, sind wirklich nur billige Arbeitskräfte.

  2. Die Wanderarbeiter sind wirklich gezwungen unter schlimmen Bedingungen zu arbeiten und die Kinder der Wanderarbeiter können nicht in die Schule gehen, weil sie „illegal“ im eigenen Land sind.

  3. Viele Manager dieser Zeit machen den Fehler China für eine Art Entwicklungsland zu halten. Aber die chinesische Kultur ist mindestens genaus alt wie die unsere und schafft es durchaus Gegenpole aufzubauen und sich unserem Streben zu wiedersetzen. Als deutliches Symptom dieser Bestrebungen sehe ich den Transrapid Vorfall, der für mich Beispielhaft für die Welle an ‚Plagiaten‘, die ‚unsere Märkte‘ überschwemmen steht. Diese ‚Plagiate‘ sind manchmal nur deswegen nicht von den Originalen zu unterscheiden, weil diese in denselben Fabriken hergestellt werden.
    Später werden die Manager davon reden, das es ein Fehler war so sehr nach China zu verlagern. Aber momentan sieht das alles so schön golden aus für einen Kapitalisten im Land der Mitte. Und etwas anderes als den Moment (aka Tagesbilanz) kennt der Manager von heute kaum.
    Ich weiss nicht ob es verfrüht ist, aber ich habe die dumpfe Vorahnung, das man uns Konsumenten hier wieder einiges für diesen Fehler abverlangen wird.
    Frag mal jemand einen Manager von heute, was er unter der Synthese asiatischer Kampfphilosophie und Management versteht.

  4. @Martin: die chinesische Kultur ist älter als die unsrige! Selbst älter als die Kultur der letzten Pharaonen

    @somlu: AUTSCH… zum Artikel! Besonders der letzte Absatz hat es in sich!

  5. Die Arbeitsbedingungen in Fabriken westlicher Unternehmen sind jedoch überdurchschnittlich gut. Sie liegen über der durchschnittlichen Qualität, was Sicherheit und Vorsorge betrifft im Vergleich zu chinesischen Fabriken und Fabriken anderer asiatischer Länder, wie z. B. Korea, Taiwan, die in China produzieren. Ich will die Situation auch gar nicht schön reden oder deutsche Unternehmer in China als gutmütige Samariter darstellen, aber eine Fabrik von BMW in China ist einfach nicht zu vergleichen mit einer illegalen Hinterhoffabrik eines chinesischen Ausbeuters im Stile des Manchester-Kapitalismus.

  6. @Martina: Ich habe das absichtlich so ‚im Nebel‘ gelassen, welche Kultur jetzt wie älter ist um daraus keinen Nebenschauplatz zu machen. So eine absolute Zeitangabe kann dazu führen, das sich jemand so etwas nicht absolut beweisbares herauspickt um darauf rumzureiten. Fakt ist nur, das die Kultur ’nach heutigem Erkenntnissstand‘ und mit ‚heutigen Messmethoden‘ als älter datiert wird. Und mein Satz verträgt sich mit diesen Fakten.

    @Florian: Das die BMW Fabrik besser ausgestattet ist liegt einzig an den Optimierungsbemühungen zur Qualität der Produkte. Die Motivation liegt nicht darin den Mitarbeitern etwas gutes zu tun sondern die Erzeugnisse verkaufen zu können. In einer Hinterhoffirma, die es trotzdem gibt, werden meist keine hochwertigen Autoteile hergestellt. Ob der Ausbeuter jetzt ein Chinese oder ein Europäer ist spielt für den Ausgebeuteten aber überhaupt keine Rolle. Für die Wirtschaft auch nicht, denn an den Waren des ‚chinesischen Ausbeuters‘ verdienen auch noch viele andere Ausbeuter mit. Ausbeuter bilden Ihre eigene Gruppe und die schert sich nicht um nationale Grenzen. Fazit: Man kann zwar Hünerdung mit Schweinemist vergleichen, aber man kann dabei auch von einem Scheissvergleich sprechen.

  7. Diesen Zusammenhang zwischen unserem Verhalten als Käuferinnen und Käufer und der Ausbeutung der dortigen Bevölkerung gilt es immer wieder deutlich zu machen. Viele reden sich damit raus, dass sie kein oder zu wenig Geld hätten. Das sollte man nicht gelten lassen.

    Im Grunde ist es ganz einfach: Die Leute gehen mit ihren Produktionsmitteln und ihrem Geld dahin, wo sie den höchsten Nutzen erzielen können. Dass (in China) auch noch ein riesiger Markt auf seine Bearbeitung wartet, ist vermutlich auch nicht gerade ein Nebeneffekt. Die technischen (logistischen) Voraussetzungen sind vorhanden. Sie werden genutzt. Die Chancen stehen 1.3 Milliarden zu 82 Mio. gegen uns.

  8. @appolon. Wie mir aus einschlägigen Munde berichtet wurde, gibt es auch nicht unerhebliche Probleme mit der Produktionsverlagerung nach China. Neben einer politisch eher schwierigen Situation, sagte man mir, dass die Zahlungsmoral dort nicht unbedingt die beste ist.

    @Martin. So sehe ich das auch, die „besseren“ Bedingungen basieren auf den Produktinsnormen und nicht auf der sozialen Gesinnung der Unternehmen und Konzerne, da braucht man sich nichts vormachen.

  9. Warum sind viele eigentlich der Meinung, Menschen würden ihre humanistische Gesinnung verlieren und zum homo oeconomicus mutieren sobald sie auf ihrer Visitenkarte Manager stehen haben?

    Der Unterschied, ob der Ausbeuter Chinese ist oder eine deutsche Firma, spielt eine Rolle in Bezug zur Aussage:

    „Könnnen die Manager, die sich für die Verlagerung ihrer Produktion in ein Land wie China entscheiden, eigentlich morgens noch in den Spiegel schauen oder ist der sowieso schon zersprungen?“

    Das Thema Arbeitsbedinungen in China ist wirklich sehr interessant und lässt sich in einem kleinen Comment nur in Stichpunkten verkürzt darstellen. Nicht alle Fabriken sind gleich, die Bedingungen ändern sich mit der Zeit. Jedoch sollte die Betrachtung und Bewertung vor dem Hintergrund der chinesischen Realität erfolgen und nicht im Bewertungsrahmen eines idealisierten Wohlfahrtsstaates. Das führt zwangsläufig zu Verzehrungen.

  10. Prinzipiell stimmt es: die Arbeitsbedingungen sind nicht wirklich schön.
    Jedoch: in europäischen Firmen geht es den Menschen wesentlich besser.

    Gleichzeitig sollte man bei aller Euphorie und Menschenliebe eines nicht vergessen: die Menschen werden zwar ausgebeutet, haben aber keine Wahl! Entweder diese schlechte Arbeit oder gar keine und damit abends leere Schüsseln.

    Ich persönlich sehe momentan das Engagement der westlichen Länder als eine Art gigantische Entwicklungshilfe. Schon jetzt würden viele Firmen gerne gehen, haben aber bereits zuviel Geld investiert.

    Ich kann da Martin nur zustimmen!

    Zudem muss China wohl offensichtlich den gleichen industriegeschichtlichen Weg gehen, den man in Europa hat auch beschreiten müssen. Hoffentlich geht es hier schneller!

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