Me2

Ich wollte ja eigentlich nichts darüber schreiben, aber das hohe moralische Ross der Verachtung selbstreferentiellen Bloggens ist leider leider so humorlos. Und gelacht habe ich die letzten zwei Tage öfter. Womit ich mich mal als Angehörige der Popkornfraktion zu erkennen gebe.

Klar, sponsert der Brausehersteller gern Blogger, hauptsache es wird von der Vernichtung von Trinkwasserressourcen weltweit durch sie abgelenkt. Und was sich Autohersteller so dabei denken, ist mir seit meinem Marketing-Crashkurs (den ich im übrigen mit 100 Punkten von 100 abschloss) auch klarer. Frag mich echt, was unser Dozent davon gehalten hätte. Wie auch immer.

Nachdem ich mir die Schlachtfelder der vergangenen Nacht angeschaut habe, bin ich doch ins Grübeln gekommen. Was müsste man mir anbieten, dass ich freiwillig darüber Bloggen würde?

Autos gehen gar nicht, selbst wenn es ein richtiges Traumauto (leider kein Foto, ich hab das Auto mal vor Jahren gesehen, irgendwas sehr altes mit Austin, da kann ich mich aber auch irren, aber leider auf die schnelle nicht zu ermitteln) wäre, höchstens mit Chauffeur und dann könnte ich auch nix mit anfangen, weil ich mein Leben so eingerichtet habe, dass ich weitgehend ohne Auto auskommen kann.

Kostenloses Servicetesten bei der Bahn wäre vielleicht was, aber dafür müsste ich mehr unterwegs sein. Nein auch nicht.

Buchladentesterin wäre was. „Kaufen Sie vier Wochen hemmungslos in unserer Buchladenkette“. Okay, eigentlich auch nicht, die boykottiere ich und sollte ich mich doch dazu hinreißen lassen, dann nur mit einem fetten Gutschein meines bevorzugten Regalherstellers und eine neue Wohnung.

Dann wäre noch die Trödel- und Antikmarkttesterin drin, allerdings nur mit kompetenter Begleitung, leider habe ich weniger Ahnung als es mir lieb ist.

Und dann ist mir das ultimative Angebot eingefallen. „DER JOB“ „Wir geben Ihnen einen Job (für vier Wochen) und Sie bloggen drüber. Gehalt sollte die Spesen decken“. Ich verspreche auch alles alles über meinen normalen Arbeitstag zu bloggen, so richtig ausführlich (…6:30 aufgestanden, ein wunderbarer Tag mit ARBEIT, dann einen Apfel gegessen, Zeitung gelesen, auf die Uhr geschaut, oh, es wird knapp, ich will ja nicht unpünktlich sein…). Erwerbsarbeit gehört ja zu den verknappten Gütern in unserer Gesellschaft. Manche Menschen haben sie schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen und die freuen sich sicher, mal wieder ausführlich darüber zu lesen.

Das schöne daran, eine Z-Bloggerin (gibt’s da eigentlich noch ein Buchstabe jenseits des „Z“) mit überschaubarem LeserInnen-Stamm zu sein, ist doch, dass mich tatsächlich niemand fragen wird und ich so in diese Verlegenheit nicht kommen werde, mich entscheiden zu müssen.

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4 Antworten zu “Me2

  1. 100 von 100 möglichen Punkten? Gratuliere dir, du „Z“-Bloggerin… :) Warte es mal ab, bald werden die Marketingleute mit noch mehr Ideen kommen, wie sie die Bloggerfront zerbrechen und unglaubwürdig machen können. Das kleine Erdbeben mit der Stärke 5.3 in Klein-Bloggersdorf hat einige Dachstühle freigelegt und Fundamente zerbersten lassen, aber das war sicherlich nur eine Vorwehe.

  2. Danke, Martina, den gesamten Kurs habe ich als Klassenstreberin nun mit 97 von 100 gemacht. Und fühle mich in meiner schlechten Meinung über Marketing 100%ig bestätigt. Dafür kann ich jetzt beim Bullshit-Bingo mitspielen – auf beiden Seiten ;-)

    Ich stelle immer wieder fest, ich bin gern eine Bloggerin außerhalb des Alphabets, das ist eine wirklich entspannende Angelegenheit. Wobei, die Spammer haben mich, seit ich wieder blogge, nun auch entdeckt, vermutlich reiht mich das nun doch ins Alphabet ein.

    Ich sehe die aktuelle Diskussion ein bischen anders. Irgendwie erinnert mich das an die Entwicklung der Frauenbewegung in den späten 80ern und frühen 90ern. Das kuschelige „Wir-sind-alle-gleich“-Gefühl schwindet und man fängt an sich mit internen Querelen zu beharken. Vermutlich schreibt irgendjemand demnächst ein Buch „Bloggen und Differenz – Neopostmoderne Verwerfungen eines inkontingenten Raums“. Und eine andere Gruppe wird sich schmollend ins Esotherikbloggen zurückziehen und ihre wahres Blog-Selbst als alleiniges Heilsmittel für die Welt propagieren.

  3. Hmm… wäre das nicht schon jetzt eine „Buch“idee? *gggggg* Für dich, einfach so mal als Trendsetterin? ;)

  4. Postmodernes Bullshit-Bingo liegt mir irgendwie nicht so. Aber für nen schmissigen Titel bin ich immer mal zu haben.

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