Seltsame Beschäftigung

Ein ganzes Leben steckt in der Wohnung. Das macht das Sichten der Dinge, die möglicherweise noch einen Wert haben, anstrengend.

Liebevoll aufbewahrte Wohnungsgrundrisse der ehelichen Wohnung der Tochter, deren Ehe schon lange nicht mehr existiert. Das Foto aus derselben Ehe über dem Bett der Eltern, obwohl sie den Kerl nie leiden konnten und mich aufrichtig mochten.
Ein Buch von 1934 mit dem charmanten Titel „Die Deutschen und die Welt“, von dem der Antiquar sagt, wir sollen es wegwerfen, er hätte es auch gemacht. Die gehütete Familienbibel entpuppt sich als Massenprodukt aus dem späten 19. Jahrhundert und hat in ihrem eher mieserablen Zustand höchstens noch ideelen Wert. Hochzeitsfotos, Kinderfotos, die Diasammlung inkl. Diagerät. Die alte Videokamera, die bald schon museumswert haben wird.

In dieser Generation natürlich die von der Mutter gehegten farbigen Römergläser (natürlich geschliffen nicht gepresst), Einzelstücke Meißner Porzellan und anderen Nippes, der nach einem Gang über einen Trödel zumindest als verkäuflich einzustufen ist. Dann wären da noch ein Alpenpanorama und eine herbliche Waldszene in Öl in monströsen Rahmen, die in den kleinen Räumen der Wohnung eines in den 70ern gebauten Hauses vollkommen deplaziert sind. Immerhin gibt es Signaturen.

Kleinbürgerliche Statussymbole in jedem Raum. Perserteppiche und eine nicht unerhebliche Anzahl an Pelzen. Dann gibt es jede Menge Zinnzeug in der Wohnung und ca. 100 Walzenkrüge und andere Bierkrüge mit Zinndeckel, deren Wert vermutlich marginal ist aber wer weiß, was der alte Mann, der immer gern wilde Geschichten erzählt hat, so alles eingetauscht hat, ohne es zu merken. Dass es einem Markt für Bierkrüge gibt, wie auch die unzähligen Bierkrüge auf dem Trödel, die ich am Sonntag erstmals wahrnahm, war bisher vollkommen an mir vorbei gegangen,

Wenn mir jemand einen Experten für Bleiglasbilder empfehlen kann, wäre ich auch sehr dankbar. Diese drei stamme aus einer alten Kneipe aber wer weiß, wie die Geschichte wirklich war. Die 300 Jahre alte Zinnstitze ist höchstens 100 Jahre alt. Der Experte hat grad die Fotos bekommen.

Und schließlich dann ein Angebot, dass ich schlecht ablehnen kann, weil ich momentan einerseits die Zeit dafür habe und andererseits an sowas Spass habe. Von allem was ich veräußere, erhalte ich 50%. So mutiere ich im Moment zu einer Amateurexpertin für Zinnstitzen und werde mich am Wochenende der Sichtung von Bierkrügen hingeben. Schließlich wollte einer auf dem Antik- und Trödelmarkt für einen nicht besonders alten (20 Jahre) Krug einer bekannten Biermarke tatsächlich 30 Euro haben. Ob er sie dafür auch verkauft bekommen hat, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

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Eine Antwort zu “Seltsame Beschäftigung

  1. Hallo!
    du schreibst in deinem Eintrag, dass Du Experten für Bleiglasbilder suchst! Mein Vater ist Glaskünstler und fertigt eben solche Bilder an.
    Da unser Haus nun verkauft werden soll, muss auch der Großteil dieser Bilder verkauft werden. Wenn Du (oder jemand anders) Interesse hast, kannst Du Dich sehr gerne an mich wenden!

    Grüße
    Esther

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