Bewerbungsgespräch

Ja, gut, die Einladung zum AnwerbungsBewerbungsgespräch kam ausgesprochen spontan aber warum nicht. Ihr habt einen kaufmännischen Mitarbeiter (!) für den Bereich Organisation gesucht. Zumindest in der Anzeige. Dass Ihr nur genug Dumme sucht, die auf das unglaubliche Geschwätz von Euch reinfallen und in der Downline ihre Verwandet und Bekannten belästigen, könnt Ihr natürlich nicht in eine Anzeige setzen lassen. Dann würde sich vermutlich niemand mehr bei Euch melden. Leider hatte ich die Agentur schon wegen der Fahrtkostenerstattung angeschrieben, sonst wäre ich nicht gekommen, nachdem ich herausgefunden hatte, was für ein Laden Ihr seid und ich dachte auch, ich schau mir das mal an. Vielleicht irre ich mich und meine Skepsis ist unbegründet.

Im Eingangsbereich muntert mich gleich schon der Teppich mit den Worten „Ihr Weg zum Erfolg“ auf. Wenigstens duzt er mich nicht. In dem Bogen, den ich ausfüllen soll, wollt Ihr den Beruf meines Partners wissen, ich fasse es nicht, so unverschämt offensichtlich Daten abfragen, die mit einer Einstellung herzlich wenig zu tun hat.

Dann kommt es zum Gespräch. Besonders fasziniert hat mich die gut eingübte Einleitung mit dem armen Menschen, der von Banken, Versicherungen, Bausparkassen, Kapitalanlagegesellschaften, Finanzamt, staatlichen Zuschüssen usw. usf umzingelt ist (Ein M in einem Kreis auf den lauter Pfeile gerichtet sind). „Ich veranschauliche Ihnen das mal in einer Grafik“ Und tatsächlich gelang es Dir die Pfeile exakt gleichmässig um den Kreis zu platzieren. Super Grafik, ich war echt beeindruckt. Wie oft Du das wohl schon gemacht hast und wie lange hast du das in einem der Seminare (Zertifikate pflastern ja genug deine Bürowände) geübt hast? Und überhaupt, diese ganzen Unternehmen haben nur ihren eigenen Profit im Blick aber Ihr habt nur das Interesse des Kunden im Auge. Sicher, Ihr lebt von Luft und Nächstenliebe. Es gäbe da einen ungeheuren Bedarf für Eure hilfreiche und uneigennützige Dienstleistung. Da bin ich mir sicher, schleißlich hat die Versicherungslobby ein gerütteltes Interesse an der Privatisierung aller staatlichen Sicherungssysteme, ein gigantische Gelddruckmaschine. Ich hab mir gespart zu fragen, ob Du über Provisionen oder über Honorare finanzierst, was soll ich nach Sachen fragen, die ich schon weiß. Ganz besonders beeindruckt hat mich, dass Ihr Eure Kunden „Mandanten“ nennt.

Ja, das Leben ist schwer, alle müssen mit Geld und alle wollen es. Da braucht es Euch, ihr seid die Rettung der armen mit Geldangelegenheiten überforderten Deutschen. Auch wenn euch eigentlich keiner kennt. Mag sein, dass einzelne „Berater“ von Euch auch was drauf haben aber, dass ihr nur spartenunabhänigig seid, weil ihr zu der Allfinanzgruppe mit dem Löwen gehört, hast du wirklich vergessen zu erwähnen. Und wie die Verflechtungen da genau sind, habe ich leider nicht herausgefunden, den auf der Homepage des Mutterkonzerns konnte ich aber auch nicht den geringesten Hinweis auf Euch finden. Wieso ich Hinweise auf zwei Handelsregisteeinträge gefunden habe, konnte ich auch nicht klären. Nicht unbedingt eine gute Referenz.

Ich habe Dich ca. 20 Minuten reden lassen. 85.000 einsparen, bei der Abzahlung eines Kredits in Höhe von 150.000 Euro. Wie ich das finde? Ich hätte an dieser Stelle vermutlich beeindurckt gucken sollen. Ich hatte genug. Was genau Dir peinlich war, als ich dann nachfragte, was denn nun mit der ausgeschriebenen Stelle sei, dass es sie nicht gibt oder dass du keine vernünftige (einstudierte) Antwort hattest, weiß ich nicht so genau aber in die Augen hast du mir nicht mehr geschaut.

Erzähl mir doch nicht, dass Ihr seriös seid, wenn Ihr in Euren Stellenanzeigen, weder die korrekte Firmierung noch die tatsächliche Position hineinschreibt. Ja, und am Telefon zuhören, scheint in Euren Beratertrainings keine Lerneinheit zu sein.

Arschloch!

Wenigstens habe ich endlich mal den Laden aufsuchen können, der über ein Angebot an Origamipapier aus Japan in größerer Auswahl verfügt. Hat sich der Nachmittag wenigstens für irgendwas gelohnt.

8 Antworten zu “Bewerbungsgespräch

  1. und wenn die dann melden, dass man eine „zumutbare Stelle“ abgelehnt habe? Mit einer Unterschrift verhindern, ein Drittel Kohle zu verlieren, „das muss man doch gut finden“…

  2. @sven, naja, ich habe ihnen ausfürhlich erklärt, dass ich eine Niete bei der Aquisition bin, da hat er schnell das Interesse verloren. ;-)

  3. politischinkompetent

    Der alte Kram mit dem grauen Kapitalmarkt a la HMI & Co. Erst sollst Du Verwandten und Freunden beschissene Policen aufschwatzen und selbst nach Möglichkeit auch kräftig abschließen. Am Ende zahlen alle zuviel für nichts bis zu wenig, Du bist Deinen Freundeskreis und Deine Familie los und die anfangs manchmal möglichen Umsätze sinken rasch auf Null, weil der Innendienst nur die Adressdaten brauchte, alles abtelefoniert und die Provisionen einstreicht. Kurzum, rundum Beschiss. Dass da eine große Gesellschaft des ach so „weißen“ Kapitalmarkts hintersteckt, wundert mich nicht, denn mit solchen Tochterfirmen testen die oftmals eher kundenfeindlichere Konzepte zum abschöpfen von Adressdaten und Provisionen – kommt dann jemand dahinter, wird die Tochter schnell liquidiert und die Muttergesellschaft streicht weiter alles ein. Dazu gibt es auch einige interessante Berichte in diversen Büchern von Günter Ogger, wie die Finanzbranche sich immer neue legale bis illegale Konzepte ausdenkt, um an unser Geld zu kommen. Dass sie dabei keinerlei Skrupel haben auch bei Arbeitslosen oder Asylbewerbern abzusahnen, ist leider der Standard. Getreu dem Motto: Was für Dich eine Notlage ist, betrachten die als Chance (für sich!). Deshalb traue ich den meisten Leuten aus der Finanzbranche gensauso wenig wie offensichtlichen Ganoven oder Betrüger. Meist ist selbst das noch zu optimistisch…

    MfG

    Daniel

  4. Nach dem ich hunderte von Bewerbungen geschrieben habe und keine einzige davon wirklich schreiben wollte … kann ich sagen: Es ist ein Vergnügen sich auf nicht vorhandene Arbeit zu bewerben!

    Dann bekommt sogar ein Bewerbungstraining geschenkt um sich anschließend noch erfolgreicher auf nicht vorhandene Stelle bewerben zu können!

    Wäre doch gut wenn es nicht vorhandene Firmen gäbe die einen einladen würden könnten sich um eine nicht vorhande Arbeit zu bewerben um eine Absage auch mal so in Anwendung zu bringen das der Bewerber glücklich seiner Arbeit ist … sich bewerben zu dürfen!

  5. Hm. So ein komischer Abzockerverein, der Geld genug für die Kappe eines großen deutschen Rennsportlers hat? Dem sind zwei meiner Freunde leider verfallen. Alles Reden hat nichts genützt. Ich schicke ihnen vielleicht mal einen Link zu dem Artikel.

    Schön, dass Du dich wehrst.

  6. @daniel, das mit dem Abschöpfen von Daten stimmt sicher, ich habe irgendwo im Internet gelesen, dass es diesem Unternehmen in erster Linie darum geht, diese sogenannten Beratungsgespräche zu führen, was dem „Mandanten“ (muhaaa) immerhin ca. 20 Euro kostet. Was allein ja schon ein Hinweis auf deren Seriosität ist. Wenn ich einen Auftrag haben will, stelle ich die Angebotserstellung wohl nicht in Rechung. Und wenn man dann noch überlegt, dass diese „Mandanten“ für die Weitergabe ihrer Daten löhnen. Dass es die schon seit 1988 gibt kann ich irgendwie kaum fassen. Aber wie gesagt, irgendwas stimmt da nicht mit dem Handelsregister und dem Hauptfirmensitz.

    @diaet, keine Ahnung, die kannte ich nicht, andere Strukkies sind mir sehr wohl bekannt und die hätte ich auch so erkannt. Na ja. Aber diese Läden arbeiten nach dem gleichen Prinzip,von daher, schick den Link ruhig weiter. Ansonsten kann ich auch die Site von Detta empfehlen, irgendwo auf seiner sehr informativen Site gibt es auch ein schönes Beispiel für den Verlauf solcher Anwerbungen,er ist ein bischen bösartig in seiner Schreibe, das macht ihn aber um so sympahtischer *g*

  7. politischinkompetent

    @ somlu:

    Prinzipiell gilt, dass jedes „Arbeitsangebot“, das erst einmal erfordert, dass man etwas zahlt, von vornherein als unseriös und betrügerisch zu bezeichnen ist. Vielleicht erreicht die ARGE ja auch noch irgendwann den Kenntnisstand der Verbraucherzentralen hinsichtlich solcher Verarsche…

    MfG

    Daniel

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