Was war in den letzten Wochen los?

Nichts und alles. Es war dringend nötig, mich sowohl von Nachrichten, Presse als auch Blogs fernzuhalten. Meine Sprachlosigkeit angesichts dummdreister PolitikerInnen und der Journallie, die begeistert jederzeit das unqualifizierte Gewäsch unserer Politikerelite wiederkäut, von Ausnahmen abgesehen, hatte sich in den vergangenen Wochen vertieft.

Doch für mich persönlich sind die Menschen um mich noch schlimmer. Die allermeisten sagen zwar immer gerne, dass PolitikerInnen hohle Phrasen von sich geben und dass man PoitikerInnen sowieso nichts glauben sollte, wenn es um diese selbst geht. Wenn es aber um Inhalte geht, geben sie unreflektiert die Standpunkte wieder, die im Moment propagiert werden.

Sozialbetrüger

Die Kampagne gegen die Erwerbslosen hat inzwischen fast jede und jeden erreicht. Es gibt wirklich keinen Menschen, der nicht irgendeinen kennt, der oder die den Sozialstaat betrügt. Wenn ich auf Grund meines nicht kleinen Bekanntenkreises diese Zahlen hochrechnen würde, dann läge die Zahl der „Schmarotzer“ unter den Erwerblosen mit Sicherheit bei 85%. Ich habe lange nachgedacht über diese Aussagen und versucht es mal nicht vom Standpunkt des Einflusses der Propaganda zu sehen.


Es ist doch so, das SGB II und III spiegelt ein Menschen- und Gesellschaftsbild, dass weit an der Lebensrealität der allermeisten Menschen in dieser Gesellschaft vorbeigeht. Es ist wie die Kriminalisierung der Sitzblockaden. Eine Sache, die in der friedlichen Auseinandersetzung zwischen BürgerInnen und Staat eingesetzt wurde, ist inzwischen ein Straftatbestand. Das SGB II und III kennt nur zwei Lebensformen, verheiratet oder ledig. Mit ledig ist Single und alleinlebend gemeint. Alle anderen Lebensrealitäten (Lebensgemeinschaften, WGs, Freundschaften etc) müssen erst einmal beweisen, dass sie nicht in einer Gemeinschaft leben, die der Staat zu einer Ehe ohne Rechte (Verantwortungs- und Einstehensgemeinschaft) definiert hat. Inzwischen erkennen die Politiker diesen Umstand schon nach einem statt nach drei Jahren. Junge Menschen unter 25 Jahre, die ihre eigenes Leben führen wollen, finden sich ebenso schnell, wie das zusammenlebende Paar in der Situation wieder, beweisen zu müssen, dass ihre Lebensrealität nicht gegen die Vorstellungen unserer vollkommen verblendeten und von der Realität abgelösten Politiker verstößt. Noch sehen die Sozialgerichte die Dinge anders. Aber früher oder später werden sie die Gesetze, möglicherweise das Grundgesetz entsprechend „anpassen“.

Selbstverschuldet

Ein andere Punkt ist die selbstverschuldete Erwerbslosigkeit. Auch eine schöne Phrase. Ich kann das auch allenthalben hören. Man habe nichts dagegen Erwerbslose zu unterstützen aber bitte natürlich nur, wenn diese Erwerbslosigkeit nicht selbstverschuldet („wirklich Bedürftige“) ist. Wieder so ein mieser Propagandatrick. Bei geschätzten 8 Mio. Erwerbslosen (inkl. aller in Maßnahmen oder Integrationsjobs geparkten Menschen) und dem stetigen Abbau von Arbeitsplätzen durch die Betriebe und Konzerne ist dieser Spruch schon eine Unverschämtheit der Noch-Arbeitsplatz-InhaberInnen und der noch nicht insolvent gegangenen Selbstständigen. Was bedeutet in diesem Zusammenhang eigentlich „selbstverschuldet“. Dass man unerträgliche Arbeitsbedingung, die in unseren Breitengraden zumeist, nicht immer, auf der Ebene der Psychologie zu finden sind, nicht weiter duldet. Dass man eben nicht „dankbar“ ist überhaupt Arbeit zu haben, sondern die eigene Würde und die Fähigkeit zur Selbstfürsorge nicht aus den Augen verloren hat? Dass man dann, wenn man schon eine Weile erwerbslos ist, morgens nicht mehr gut aus dem Bett kommt und möglicherweise deprimiert den Tag auf dem Sofa verbringt ohne wirklich noch zu realisieren, wie die Zeit vergeht, weil es eine fast unmenschliche Anstrengung bedeutet, wieder und wieder gegen Stigmatisierung, Sinnlosigkeit und Abwertung anzukämpfen? Dass man nicht überall arbeiten möchte und nicht zu jedem Preis, weil man mit seiner Arbeit etwas sinnvolles tun möchte und nicht die Gier irgendwelcher Vorstände durch die eigene Arbeitskraft stillen will? Dass die Arbeit, die man tut, nicht verantwortlich sein soll für Ausbeutung von Umwelt oder Menschen. Ist das selbstverschuldet? Geld ist nicht alles. Ich sollte leben können, von dem was ich verdiene, solange die Sicherung der Lebensgrundlagen auf Erwerbsarbeit beruht.

Hohe Kosten

Die PolitikerInnen, die für die Hartz-Gesetzgebung verantwortlich sind, haben sich diese „Reform“ schön gerechnet. Das ist, erwartungsgemäß, schief gegangen. Das Schönrechnen, meine ich. Rechnet man die Kosten für Arbeitslosenhilfe, Wohngeld und Sozialhilfe aus dem Jahr 2004 gegen die Kosten für ALGII in 2005 gegen, ist eigentlich nicht viel passiert. Diese Tatsache wieder und wieder zu wiederholen, ist leider notwendig, da sie droht zwischen den Phrase der neoliberalen Propaganda zu verschwinden.
Ich will aber mal eine andere Rechnung aufmachen. Politik und Gemeinden sind ziemlich begeistert von der Einführung der Integrationsjobs (1-Euro-Jobs). Dem Gesetz nach, sollten sie ursprünglich dazu dienen, zumindest behauptet man das, Langzeiterwerbslose die Rückweg in den ersten Arbeitsmarkt zu ebenen. Sie sollten gemeinnützig und zusätzlich sein und dem Erwerbslosen ermöglichen sich zu qualifizieren und zu bewerben. Dafür sollten die Erwerbslosen eine „Mehraufwandspauschale“ und, was weniger bekannt ist, die entsprechenden Institutionen ebenfalls eine Aufwandspauschale erhalten. Schließlich machen solche Langzeiterwerbslose eher Arbeit als dass sie arbeiten oder so.
Was daraus geworden ist, ist inzwischen unübersehbar. Es gibt sogenannte gemeinnützige Vereine, die nur zu dem Zweck gegründet wurden, diese Erwerbslosen einzustellen und als billigste und vom Staat bezuschusste Arbeitskraft für 6 Monate auszubeuten. Da werden EDV-Spezialisten für Pflegeeinrichtungen eingestellt, die sich dann in der Pflege wiederfinden oder Selbstständige in den Ruin getrieben, die mit den konkurrenzlos niedrigen Preisen von Institutionen, die mit Integrationsjobbern arbeiten, nicht mehr mithalten können.
Hat irgendjemand überhaupt eine Ahnung, was ein Integrationsjob wirklich kostet? Also, da wären, grob geschätzt, die Unterstützung, die der Erwerbslose erhält (345,- Regelsatz ca. 350,– Euro Miete und ca. 160.– Euro Mehrauswandspauschale), dann kommt die Aufwandspauschale dazu, die das Unternehmen bekommt, in einem Fall habe ich gelesen, dass es sich um 685,– Euro handeln soll. Weiterhin kommen die Kosten für Krankenversicherung, Rentenbeiträge und Verwaltungsaufwand hinzu, im Moment habe ich da keine genauen Zahlen aber das sind ohne Probleme noch mal ca. 700 Euro. Das macht also pro IntegrationsjobberIn einen Kostenaufwand von ca. 2240 Euro. Wobei man die 160,– Euro für den/die IntegrationsjobberIn von den 685 Euro abgezogen werden müssen, da diese ja von der Institution ausgezahlt wird. Macht aber alles in allem ca. 2000 Euro für die Finanzierung von Integrationsjobs pro Person durch den Staat und die Steuerzahler.
Ich habe bei der Zeitarbeit deutlich weniger verdient (und dabei Steuern
entrichtet und in die Sozialkassen eingezahlt, nur falls jemandem die Implikationen hier entgangen sind) und wenn ich mir diese Zahlen angesichts der unseligen Diskussion über Mindestlöhne ansehe, koche ich bald über. Kennt jemand ein besseres Argument für die bedingunglose Grundsicherung?

Jede Arbeit annehmen

Bestimmte Arbeit sollte aus Gewissengründen verweigert werden können. Unternehmen, die gegen die Menschenrechte verstoßen (wo auch immer), die Kriegsgerät produzieren, deren Praktiken die natürlichen Ressourcen dieses Planten vernichten, die Armut, Hunger und Elend in dieser Welt zu verantworten haben oder in anderer Weise gegen die Erklärung der Menschenrecht und die Menschlichkeit verstoßen, sollten als Arbeitgeber verweigerbar sein. Ich befürchte nur, dass überdeutlich zu Tage treten würde, wie die Konzerne in dieser Welt ihren Reichtum erwirtschaften, wenn Konzerne die Charta der Menschenrechte unterzeichnen müssten. Das würde diese Unternehmen in einen rechtlichen Rahmen stellen, der überstaatlich ist und somit überhaupt eine Handhabe gegen sie ermöglichen. Das Verhalten der meisten Konzerne, die auf regionale Zusammenhänge nicht mehr angewiesen sind, zeigt doch mit aller Deutlichkeit, dass sie sich als staatenlos, außerhalb des Gesetzes stehend sehen. Passt ihnen irgendwas nicht, gehen sie woanders hin. Einziger Maßstab ist doch die Shareholde Value. Menschenrecht, Würde, Mitgefühl und Umweltschutz haben sie nicht auf dem Schirm, höchstens als Hinderung noch mehr Gewinne erwirtschaften zu können. Sie nennen das dann staatliche Kontrolle. Allein dieses Argument zeigt das wahre Verhältnis von Konzernen zu Staaten. Am liebsten ohne. Am liebsten eine Welt, die sich die Konzerne untereinander aufteilen. Staatliche Systeme und Apparate sind nur in so fern erwünscht, als dass sie die schlimmsten Folgen unternehmerischen Handelns abpuffern und den sozialen Frieden, wie auch immer, sichern.

Die Art und Weise, wie über Erwerbslose geredet und geschrieben wird, wird sich noch verschlimmern. Das System, dass um die Erwerbslosen errichtet wird, bekommt immer faschistoidere Züge. Oder wie es eine Bekannte ausdrückte, als 40jährige Frau mit Doktor kann es wohl nicht angehen, dass sie ihre Mietverträge nicht mehr selbst unterschreiben darf. Solange sich die Öffentlichkeit weiter damit einlullen lässt, dass es nicht anders ginge, solange die Propaganda weiterhin den Einzelnen für eine gesamtgesellschaftliche Misere (die möglicherweise unter anderem Licht betrachtet keine ist) verantwortlich machen kann, solange wird es notwendig sein, dagegen zu kämpfen. Die Frage ist, wer profitiert eigentlich von der Stigmatisierung und Abwertung von Erwerblosen? Was überhaupt immer wieder eine gute Frage ist: wer profitiert und wie sieht dieser Profit aus?

Die Wahrheit ist doch, dass viele Menschen sich was besseres im Leben vorstellen könne, als für ihre Lebensgrundlage in irgendeinem Job malochen zu gehen. Wer eine Arbeit hat, die ihn oder sie ausfüllt, die sinnstiftend ist und den eigenen Wert steigert, herzlichen Glückwunsch. Vielen geht es anders. Niemand muss sich einreden lassen, dass nur Erwerbsarbeit, wie wir sie heute kennen, der einzige sinnstiftende Wert im Leben zu sein hat.

Und eines noch, ja, schickt doch bitte alle Bedarfsgemeinschaften pro SachbearbeiterIn jeden Morgen zur ARGE und ihr werdet die größten Demonstrationen erleben, die diese Republik je erlebt hat. Man stelle sich das vor, jeden Morgen um 7:00 stehen 5 Mio Menschen verteilt im ganzen Land vor den Behörden. Wir müssen die Leute nur noch abholen.

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13 Antworten zu “Was war in den letzten Wochen los?

  1. Gibt es hier ein Smilie der Beifall klattscht?
    Deinem Beitrag ist nicht hinzuzufügen und entspricht voll und ganz meiner Meinung und meine Erfahrungen.

    Wolf

  2. Somlu… wenn ich könnte, wie ich wollte, dann würde ich dir hier im Blog schon was erzählen. Es ist aber zu privat, weshalb ich es nicht in die Öffentlichkeit stelle. Dass, was die AA bei den „Bedarfsgemeinschaften“ abzieht, ist schon längst, mindestens seit 1977 in Europa Gang und Gebe. Nun trifft alles aber hier in D-Land ein und trifft auf einmal mehr als einen Menschen!

  3. Es wird wirklich Zeit, dass die Menschen anfangen aufzuwachen und sich einmal die Mühe geben würden, richtig über die Propagandakampagne der Regierung nachdenken würden.

  4. Pingback: Lesebefehl « Der Linksbote

  5. Tja – auch als entschiedener Gegner linksextremer Demagogie muss an dieser Stelle ehrlich zugegeben werden: Der Autor hat überwiegend Recht!

    Dennoch wird hier von einer Planung ausgegangen, deren Entwicklung tatsächlich jedoch zufällig ist: Realitätsferne und zum Teil unzurechnungsfähige Politiker können für eine Planmässigkeit der Verhältnisse einfach nicht verantwortlich sein!

    jp

  6. @Wolf, danke :-)

    @Martina, mag sein aber was willst du mir damit sagen?

    @doerfler, das Problem an Propaganda, vor allem an dieser, ist dass sie uns seit JAhren in vielfältiger Weise eingeträufelt wird, sie kommt nicht in lauter schnarrender Stimme aus dem Äther, auch wenn viele Menschen hier in diesem Land immer noch denken, dass nur dies Propaganda sei.

    @Herr Hintze, ich bitte um Aufklärung, was die Bemerkung mit der linksextremen Demagogie bitte bedeuten soll?

    Was die Planung angeht. Es ist sicher im Interesse einiger nicht unbedeutender Lobbies, die immer größeren Einfluß gewinnen, dass die Menschen immer weiter in die Vereinzelung (dazu habe ich schon hier schon mal geschrieben, es ist der Artikel „Staatsbürgerschaft“ unten) getrieben werden (in diesem Zusammenhang auch immer wieder gerrne „Individualisierung“ genannt. Und wenn Stigmatisierung und Bevormundung Gesetz werden, wie es durch die Hartz-Gesetzgebung der Fall ist, kann man schon von einer gewissen Absicht reden, denn nach wie vor behauptet der Staat vertreten durch das Gesetz, dass es an den Erwerbslosen liege, dass sie erwerbslos sind.
    Ich halte es für gefährlich die entscheidenen PolitkerInnen als unzurechnungsfähig zu betrachten, ich unterstelle ihnen in den Grenzen ihrer eigenen Möglichkeiten und Wahrnehmungen absichtsvolles Handeln. Denn nur unter dieser Prämisse habe ich überhaupt eine Chance der Handlungsfähigkeit, so eingeschränkt sie auch sein mag. Das sie nicht allein für die Verhältnisse verantwortlich sind, geht ja auch aus meinem Text hervor, wie ich hoffe. Zur Geisteshaltung der anderen, der Konzerne und ihrer Vertreter empfehle ich den Beitrag aus der Zeit, den ich im Artikel über diesem verlinkt habe.

  7. @Herr Hintze, hier habe ich noch ein schönes Zitat aus den Kommentaren von hier:

    „In einem Spiegel-Artikel Ende der 90er hatte das Timothy Garton Ash schon deutlich gemacht, als er schrieb, auch in Deutschland und Frankreich, die sich dem neoliberalen Modell bisher widersetzt hätten, müsste eine Schicht von bis zu einem Drittel der Bevölkerung geschaffen werden, die auf Dauer im Elend lebt, um Druck auf alle lohnabhängig Beschäftigten zu machen. Was wir hier vor uns haben, ist nicht politische Dummheit, sondern gezielte Sozialpolitik als Klassenkampf von oben.“

    Darüber hinaus, hießen die Hartz-Gesetze früher einmal „Gesetz zur Einführung eines Niedriglohnsektors in Deutschland“. War wohl zu direkt, nun heißen sie Hartz-Gesetze. Hier kein absichtsvolles Handeln sehen zu wollen, ist schlicht, naiv und eine Verweigungung die Realität anzuerkennen.

  8. Dieser Artikel sollte weitere Verbreitung finden als in Bloggersdorf. Wie kriegt man so was in Zeitungen? Wahrscheinlich nicht, denn sie haben ja alle ihre Schere im Kopf.

  9. Ich stimme einigem (gegen Stigmatisierung und für ein Grundeinkommen) , aber nicht allem zu.

    Es hilft nichts sich in die OPferrolle zu verkriechen (das muß nicht zu wörtlich genommen werden, ich meine nur den Text hier, mehr nicht), das macht die persönliche Lage und Lebensqualität nicht besser.

    Es gibt Betrug – wieviel weiß ich nicht, aber sicher genug und er ist zum Teil sogar gesellschaftlich akzeptiert, nicht nur im sozialstaatlichen Bereich (auch zB im Steuerrecht).

    Dagegen (die allseits beklagte „Abzockermentalität“) helfen gute Gesetze – nicht Moralapelle (etwas das politische Menschen aus jeder ideologischen Schublade einsehen und fordern sollten). Das sehen viele nicht ein und haben auch kein iNteresse daran (da unpopulär und lästig für einige Politiker).

    Beim „selbstverschuldet“-Absatz hast Du völlig recht – wobei ich meine das man den unterstützen muß der sich nicht selbst helfen kann (und andere wenn möglich fördern).

    Unf man muß auch fordern, wozu auch strafen gehören kann (auch da ist der status quo aber nicht zufriedenstellend,

    Ja, „sinnvolle Arbeit“… das ist halt doch ein sehr hoher Anspruch, evt. ein zu hoher – ein Luxus den sich kaum einer leisten kann.
    Was nicht heißt „alles“ zu machen (jeder hat da unterschiedliche Vorstellungen, normal).

    Ja, die „hohen Kosten“ – Du hast recht.

    ABER… das ist nunmal die Folge der komplexen und intransparenten (Einnahmenseite) Umverteilung. Mann kann nur hoffen das die Gerechtigkeitsillusion sich dabei auch früher oder später verflüchtigt und das System zusammenbricht.

    Ein transparentes Grundeinkommenmodell ist vermutlich deutlich schwieriger zu finanzieren und politisch durchzusetzen.
    Und an der ganzen Verwaltung hängen nunmal auch viele gutbezahlte Jobs die erbittert verteidigt werden.

    „Es ist sicher im Interesse einiger nicht unbedeutender Lobbies, die immer größeren Einfluß gewinnen, dass die Menschen immer weiter in die Vereinzelung getrieben werden.“

    Daran sind einige auch selbst schuld, schließlich könnten manche auch sich und anderen helfen ohne sich der Bürokratie auszuliefern.

    „Und wenn Stigmatisierung und Bevormundung Gesetz werden, wie es durch die Hartz-Gesetzgebung der Fall ist, kann man schon von einer gewissen Absicht reden, denn nach wie vor behauptet der Staat vertreten durch das Gesetz, dass es an den Erwerbslosen liege, dass sie erwerbslos sind.“

    Es behauptet doch keiner (kaum einer) das es nur an ihnen alleine und ausschließlich liegt (das es aber gar nicht so wäre kann auch keiner behaupten).

    Natürllich liegts an der Biographie, an individuelen Faktoren und vielem, vielem mehr.
    Manches kann man beeinflußen, anderes nicht. So ist das Leben nunmal: kompliziert.

    Und man kann oft viel Glück gebrauchen um gut durchs Leben zu kommen (aber braucht eben aich noch mehr als das, nicht nur gute Leistungen, sondern auich Geduld :-) )

  10. „Es gibt Betrug – wieviel weiß ich nicht, aber sicher genug und er ist zum Teil sogar gesellschaftlich akzeptiert, nicht nur im sozialstaatlichen Bereich (auch zB im Steuerrecht).“

    Es gibt Untersuchungen, dass 5% der Gesamtbevölkerung Betrüger sind. Ich kann mich nur immer wieder wiederholen, wieso wird fast ausschließlich über die Betrüger gesprochen und nicht über die überwältigende Mehrheit der Nicht-Betrüger.? Wieso wird die Situation so verschärft, dass immer mehr Erwerbslose zu „Unwilligen“, mithin „Betrüger“ umgedeutet werden? Darum geht es mir. Die Kosten die die Verfolgung sogenannter Betrüger nach sich ziehen, übersteigen jede Verhältnismäßigkeit, was im übrigen die Arbeitsagenturen/ARGEs selbst einräumen. Es ist doch banal. Von der Verschärfung der Situation der Erwerblosen wird nicht ein Arbeitsplatz geschaffen.

    „Ja, “sinnvolle Arbeit”… das ist halt doch ein sehr hoher Anspruch, evt. ein zu hoher – ein Luxus den sich kaum einer leisten kann.“

    Gerade in Zeiten in denen die Propagandamühle behauptet, dass man keine Wahl hat, sollten diese Fragen gestellt werden. Ich bin im Moment nicht sattelfest, was Quellen der historischen Arbeiterbewegung angeht. Aber es würde mich nicht wundern, wenn die frühen Arbeiterkämpfer sich einen ähnlichen Schrott anhören mussten. Zu glauben sich diese Fragen nicht mehr leisten zu können, bedeutet auch, die Kämpfe um Menschenrechten, ArbeitnehmerInnenrechten und sonstiges abzuwerten, letztlich zu negieren. Geschichtsklitterung bedeutet auch, dass die Menschen nicht mehr wissen sollen, dass es Menschen waren, die ihre Rechte erkämpft haben und dass dies jederzeit wieder geschehen kann.

  11. Der Betrug bei Hartz-IV liegt sogar noch unter 2 Prozent.
    Der Schaden der dadurch im letzten Jahr entstanden ist, lag bei genau 36 Millionen Euro!!!
    Millionen nicht Milliarden.
    Diese Summe im Vergleich zum Gesamthaushalt für Hartz-IV, ist eigentlich verschwindend gering.
    Die Agentur für Arbeit erwirtschaftet dagegen einen Überschuß in Milliardenhöhe, etwa 5 Milliarden werden es sein, für 2007 noch knapp 2.
    Die Armutsgrenze in Deutschland liegt bei rund 700 Euro im Monat.
    Diese Zahlen möchte ich einfach einmal in den Raum stellen.
    Jetzt kommt die Politik und die Wirtschaft und fordert drastische Kürzungen bei Hartz-IV, Begründung zu viel Betrug, zu hohe Kosten und fehlender Anreiz wieder zu Arbeiten.
    Das sind drei Lügen auf einmal, der Betrug ist viel zu Gering.
    Die zu hohen Kosten die durch Hartz-IV entstanden sind, basieren auf falsche Annahmen: 1. das Paradies bricht hier aus und 1,5 – 2 Millionen Menschen finden auf den Schlag Arbeit; 2. die ganzen Sozialhilfeempfänger hat es nie gegeben; 3. die Unternehmen zahlen existensichernde Löhne
    Nun noch der fehlende Anreiz, es ist richtig, dass Arbeitlose durchaus mehr Geld im Monat bekommen, als Niedriglohnempfänger. Doch der Niedriglohn liegt unterhalb der gesetzlichen Armutsgrenze, die nun einmal laut Rechtssprechung zum Glück immer noch erreicht werden muss.
    Anstatt das Arbeitslosengeld zu kürzen, sollten die Löhne erhöht werden. Der kleine Unternehmer oder Händler, der diesen Lohn nicht zahlen kann, der sollte dann staatlich unterstützt werden. Das betrifft vor allen Unternehmen mit einer niedrigen Wertschöpfung, alle anderen können und müssen vernünftige Löhne zahlen.
    Doch was macht die Politik? Sie will das Arbeitslosengeld kürzen, sie weigert sich den Mindestlohn einzuführen, aber bringt gleichzeitig den Kombilohn, der eigentlich die Unternehmen stützt, die vernünftige Löhne zahlen können. Mit der Einführung des Kombilohnes werden aber nicht die im Niedriglohnbereich steigen, nein die bleiben auf niedrigen Niveau.
    Das dies aber zu noch mehr Arbeitslosigkeit führt, wird nicht gesehen.
    Die große Reinigungsfirma von nebenan, die einen Hungerlohn zahlt, wird mit Steuermitteln finanziert und kann durch Dumpingpreise Aufträge gewinnen. Die kleine Reinigungsfirma, dessen Chef bemüht ist, vernünftige Löhne zu zahlen, macht pleite.
    Gleiches trifft auf den Gärtner zu oder den kleinen Unternehmer. Sie alle können diesen Kampf nicht mehr führen.

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