CSD 2006 im WDR

Der WDR hat dem CSD eine ganze halbe Stunde nach Mitternacht gewidmet. Äußerst großzügig (dazu auch das Batzlog). Es fängt damit an, dass ausführlich die Vorbereitungen im Corner beobachtet werden. Dann geht es in die Wohnung der Beispielschwulen, die die Dokumentation tragen sollen und die gehen natürlich auch auf die Gala, kostet ja nur 50 Euro „Spende“. Der betuliche Tonfall mit dem der Sprecher darauf
hinweist, dass Marie Luise Nikuta (heißt die so? )dabei ist, nervt. Welch neue Nachricht, sie macht das ja nur schon seit Jahren mit. Und dann fragen die sie peinlicherweise auch noch, ob sie ein Problem mit den ganzen Tunten hat. Unfassbar.
Und überall nur Schwule und Tunten. Lesben sind nicht zu sehen. Sehr nervig. Nix als Schwule weit und breit. Selbst bei Aufnahmen vom Straßenfest schaffen sie es nur Kerle zu zeigen. Ich war da gewesen und hatte nicht den Eindruck, dass die Jungs die Situation dominieren. Auch beim Bühnenprogramm ist mir eigentlich die Ausgewogenheit positiv aufgefallen. Nicht, dass dies bei diesem Bericht auch nur annähernd herauskommt.

Natürlich haben die Beispielschwulen eine super Wohnung, sind nett und wirken anständig und natürlich ist die Wohnung pikobello, trotz Massenbesuchs. Die wirken selbst nach nur 2 Stunden Schlaf noch appetitlich. Keine Bären, keine Lederkerle oder noch viel abwegigere Vorlieben. Ja, ne ist klar, schwul sein an sich ist ja eigentlich schon irgendwie pervers, immer noch. Schwule sind ganz normale Leute, die Karneval im Sommer feiern udn dann gibt es da noch so politischen Inhalt. Lesben gibts immer noch nicht zu sehen. Ja und dann wieder das Corner. Offenbar findet der Kölner CSD vorm Corner statt.
Und dann interviewen sie eine Frau auf der Gasse (die auch schon im Corner gewesen war) und fragen sie, ob sie „betroffen“ sei, ist ist aber ne Hetera, auch klar. Wer hat diese Reportage zu verantworten, bitte?
Jaha, und der eigentliche Grund des CSD ist die Parade. Oh, doch zwei Lesben in der Kamera. Und jetzt werden sie auch noch erwähnt, also die Lesben. Und wieder eine Hetera im Interview. Und noch mehr Heteros.

Auf dem CSD war ich nicht.
Diese Reportage ist das Philadelphia der Reportagen. Grausam.

Nachtrag: Noch eine Kritik an dieser Reportage findet sich im queerblog

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6 Antworten zu “CSD 2006 im WDR

  1. Diese Doku ist doch in jedem Jahr gleich banal und ärgerlich. Irgendein schwuler Redakteur erbarmt sich, ehe denn gar nix gemacht wird und bekommt übers Wochenende ne DV-Cam mit. Damit dokumentiert er weniger den CSD als seinen Bekanntenkreis, deswegen darf man dann auch dreimal mit der ganzen Sippe in dieselbe Pinte gehen. Schön wird den Wirt freuen, auch wenn man wenig von dem mitbekommt was ansonsten in der Stadt noch abgeht.
    Das der WDR auch überregional empfangbar ist, ist bis zu den Redakteuren da auch noch nicht durchgedrungen, sonst hätte man sich vielleicht auf jemand anderen als Star kapriziert als auf die ausserhalb Köln völlig unbekannte Frau Nikutai. Und ob man den vollkommen humorfreien Auftritt dieses „Hööööölle“-Komiker-Imitatoren nun in jedem Jahr als Glanzstück der Gala herausstellen muß, halte ich auch für zweifelhaft. Irgendwie dürfen bei CSD-Veranstaltungen doch sowieso immer die Leute auf die Bühne, die man zurecht den Rest des Jahres wegen völliger Geschmacks- und Talentfreiheit im Keller einsperrt. Ich hoffe Marla Glen hat wirklich viele Song beigetragen, sonst waren die 50 Euro Eintrittsgeld völlig vorn Arsch. Was bleibt übrig? Kaum Informationen, viel Partygehopse und die eigentliche CSD-Parde wird in 6 Minuten abgehandelt. Danke schön. Und fürs nächste Jahr: Es interessiert mich eigentlich auch nen feuchten Dreck, ob der Redakteur und seine Freunde dies Jahr auf dem CSD ws zum ficken gefunden haben….

  2. Also, letztes Jahr gab es im WDR zum CSD 2005 eine reine Reportage über Lesben, die ungefähr folgende Aussage hatte: Ich bin eine Frau, ich bin dick, ich bin lesbisch = dreimal Randgruppe. Das wollte ehrlich gesagt auch keiner sehen! Und Euren Kommentaren zufolge, hat es auch keiner von Euch gesehen.
    @batz: Redakteurin war eine Frau, wer lesen kann, ist auch hier klar im Vorteil!

  3. @lola, die Aussage „das wollte ehrlich gesagt auch keiner sehen!“ halte ich für eine unzulässige Verallgemeinerung. Wenn dieser Bericht im letzten Jahr versucht hat, darauf aufmerksam zu machen, dass Lesben bei der Berichterstattung über CSDs marginalisiert werden und somit eine Marginalisierung von Frauen auch dort stattfindet, ebenso wie nur die schrillen, „schönen“ und auffälligen Aspekte wiedergegeben werden, dann halte ich den Bericht für erheblich näher an den realen Vorgängen während der CSds als dieser völlig belanglose langweilige Bericht von diesem Jahr. Dicke Menschen werden überall diskriminiert (ebenso wie alte, kranke und Menschen mit Migrationhintergrund), darauf aufmerksam zu machen. Aber ich habe die Reportage letzes Jahr nicht gesehen.

    ich wünsche mir eine Berichterstattung über den CSD, die mit journalistischer Distanz die Sache beleuchtet, sowohl ihre schönen als auch ihre schwierigen Seiten. Das war, wie ich schon versuchte anzudeuten, ein Bericht für Heteros, die auch mal einen Einblick in den CSD bekommen sollen und in dem die Schwulen als ganz „normal“ dargestellt werden. D.h für mich ebenso schablonen und klischeehaft, wie das Leben der Heterosexuellen normiert über den Äther geschickt wird und das finde ich ziemlich arm.

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  5. @Lola

    Macht das einen Unterschied oder diese Null-Reportage in irgendeiner Form besser?

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