Warum deutsche Frauen Kinder kriegen sollen

Schöner Artikel zum Hintergrund der anderen Kampagne, die das Aussterben der Deutschen in 2300 beklagt.

(…) Wovon soll die Demographie-Demagogie ablenken?

Die Rentenkassen leiden nicht etwa, weil die pflichtvergessene deutsche Frau aus Gründen egoistischer Selbstverwirklichung die natürliche Gebärpflicht verweigert. Vielmehr sieht Bosbach die Grundproblematik für die Finanzierung der sozialen Leistungssysteme in der steigenden Massenarbeitslosigkeit trotz oder gerade infolge wachsender Produktivität. Derlei Erkenntnisse aber sind weder bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft noch bei der Bertelsmann-Stiftung und schon gar nicht bei der Großen Koalition beliebt. Denn damit würde der Focus der Kritik auf das ökonomische System gelenkt werden, was natürlich die Hauptprotagonisten der demographischen Panik gerade verhindern wollen. Denn ihnen kommt es gerade darauf an, die Verantwortung für die materielle Absicherung zu „privatisieren“, Arbeitgeber und Kapital aus jeder sozialer Verpflichtung zu entlassen, und an die Stelle von kollektiv finanzierten Solidarsystemen die rein „private Vorsorge“ des Gering- und Normalverdieners zu setzen. (Siehe auch „Hintermann – gut getarnt“ in dieser Ausgabe.)

Das demographische Katastrophen-Szenario dient denn auch – neben allen kruden ideologischen Zielsetzungen – in der aktuellen „Debatte“ vor allem als Hilfsargument für den Abbau der Sozialsysteme. Insofern profitieren von der Demographie-Panik die Unternehmen. Sie wollen die „Lohnnebenkosten“ senken. Der Arbeitgeber-Anteil an den Renten- und Gesundheitskosten soll möglichst auf null zurückgefahren werden. Die Kassen sind leer, weil es zuwenig Nachwuchs gibt, heißt es dann ausgerechnet von Seiten jener, die eine Massenarbeitslosigkeit von fünf bis sechs Millionen zu verantworten haben. Alternative dazu dann: die private Kranken- und Altersversicherung – wenn man sie sich leisten kann. Womit sich erklärt, daß die Versicherungswirtschaft den „demographischen Knick“ bereits als Werbeargument nutzt. So daß etwa Allianz über kräftiges Wachstum dank „wachsender Nachfrage nach privater Altersvorsorge“ jubeln kann – und zur Feier des Superprofits ein paar tausend Beschäftigte auf die Straße setzt. (…)
Quelle

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Eine Antwort zu “Warum deutsche Frauen Kinder kriegen sollen

  1. “ gerade infolge wachsender Produktivität.“ wo wächst die denn?? Wird doch immer mehr Zeit in sinnlosen Meetings etc verbracht. Wir können uns weder kostenlose Universitäte leisten noch können wir es un heute noch leisten Kindern Schulbücher kostenlos zur Verfügung zu stellen.

    Man kann es sich auch schon lange nicht mehr leisten öffentliche Toiletten kostenlos zur Verfügung zu stellen und genügend Ausbildungsplätze für Jugendliche kann man sich auch nicht leisten. Nicht mal Pflegekräfte für die Altenheime kann man sich in ausreichender Zahl mehr leisten.

    Der „Trick“ ist jedoch, dass Preissteigerung = BIP-Steigerung, je teurer die Dinge werden um so stärker hebt sich das BIP an (das wird dann als „Produktionszuwachs“ verkauft ist in Wirklichkeit natürlich nur eine Anhebung der Preise)

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