Es ist Krieg

Der Konflikt zwischen Palästina und Israel hat eine weitere Eskalationsstufe erreicht. Natürlich könnte ich mich in die Welle des Diskutierens, Bewertens und Analysierens der derzeitigen Situation einreihen. Aber ich kann und will nicht. Das machen andere besser und informierter. (hier, hier, hier und hier und noch viele mehr).

Es ist immer Krieg auf diesem Planeten, im Jahr 2005 wurden 39 kriegerischen Auseinandersetzungen auf diesem Planeten gezählt. Frieden ist eine hübsche Illusion. Selbst hier im „friedlichen“ Europa ist Krieg. Zumindest indirekt, die Verflechtung von geopolitischen und ökonomischen Interessen, die hinter der einen oder anderen kriegerischen Partei stehen, sind nur für jene nachvollziehbar, die sich ständig und ausgiebig mit dem ein oder anderen Konflikt beschäftigen. Ebenso undurchsichtig ist es, warum und wann einer dieser Konflikte in den Medien berichtenswert erscheint.

Es gibt noch weitere Themen, die im Zusammenhang mit kriegerischen Auseinandersetzungen stehen, die wenig in der öffentlichen Diskussion stehen, auch wenn sich auf Grund der intensiven Öffentlichkeitsarbeit diverser Nichtregierungsorganisationen einiges getan hat und das Thema nicht mehr vollständig von der Öffentlichkeit ignoriert wird. Ich spreche von Kindersoldaten und, aber nicht nur, der Umgang der Bundesregierung mit diesem Thema.

Ich zitiere hier die terre des hommes Seite, da sie alles sagt, was zu diesem Thema zusagen ist:
Zwangsrekrutierung: nicht asylrelevant

Kindersoldaten sind Opfer schwerster Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen – die Ächtung der Rekrutierung und des Kampfeinsatzes von Kindern ist mittlerweile international. Die deutsche Asylpraxis ignoriert dies jedoch: Zwangsrekrutierung oder die begründete Angst davor gelten nicht als asylrelevant – auch nicht, wenn es sich um Minderjährige handelt.

Das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge stellt als Fluchtursache zunächst »Desertion « fest. Dies allein ist aber für die Anerkennung als politischer Flüchtling nicht ausreichend, denn politische Verfolgung kann nach geltendem Recht nur vom Staat ausgehen. Wenn aber, wie in vielen Bürgerkriegsländern, der Staat soweit zerfallen ist, dass keine effektive staatliche Gewalt mehr angenommen werden kann, schließt die Rechtssprechung die Gewährung von Asyl aus, weil staatliche Verfolgung nicht möglich ist. Eine Logik, bei der nicht das Schutzbedürfnis eines Menschen, sondern der Verursacher entscheidend ist. Eine Logik, die im vorliegenden Entwurf für das neue Zuwanderungsgesetz durch die Anerkennung nichtstaatlicher und geschlechtsspezifischer Fluchtgründe geändert werden sollte. Ob aber diese Fassung durchgesetzt wird, wann mit einer Verabschiedung zu rechnen ist und ob bei Inkrafttreten das besondere Schutzbedürfnis Minderjähriger auch in der Praxis berücksichtigt werden würde, ist fraglich.

Hinzu kommt, dass die Jugendlichen dem nicht kindgerecht gestalteten Asylverfahren in der Regel nicht gewachsen sind und sich in Widersprüche verstricken: »Die haben immer gefragt, an welchem Tag ich abgeflogen bin«, erzählt zum Beispiel Mala aus Sri Lanka. »Aber ich weiß nicht, wann das war. Ich habe einfach ein Datum gesagt. Dann haben die wieder gefragt, und ich hatte dieses Datum vergessen. Sie meinten, wenn das Datum stimmen würde, dann hätte ich es im Kopf. Die haben also gedacht, ich lüge.«

Nach Ablehnung ihres Asylantrags erhalten ehemalige Kindersoldaten in der Regel eine Duldung. »Das heißt, ich darf Hamburg nicht verlassen, ich darf nicht zur Schule gehen, und ich darf nicht arbeiten«, erklärt Hamed aus Afghanistan. »Und wenn die Regierung sagt, dass es in Afghanistan besser geworden ist, schieben sie uns einfach wieder ab. Das ist eine Duldung.« Selbst die diagnostizierte Traumatisierung ist nur in sehr schweren Fällen, etwa bei Suizidgefahr, Grund für eine längerfristige Aufenthaltssicherung. Die meisten traumatisierten ehemaligen Kindersoldaten müssen mit der Angst vor Abschiebung als ständigem Begleiter leben, was einen therapeutischen Erfolg kaum möglich macht. Schlafstörungen, Aggressionsschübe, Konzentrationsschwierigkeiten oder ständig wiederkehrende Albträume nehmen kein Ende. »Ich komme nicht mehr klar mit mir selbst«, so Antonio aus Angola. »Ich kenne kein Mitleid, ich fühle nicht mehr. Ich bin gewohnt, alles zu akzeptieren, was mit mir gemacht wird.«

Quelle

Ich habe bei meiner Arbeit für terre des hommes viele engagierte und interessierte Menschen kennengelernt. Sie kommen zu den Informationsständen, sie nehmen Material mit, sie spenden (glücklicherweise, sonst wäre die Arbeit von terre des hommes nicht möglich). Allerdings ist es immer wieder auffällig, dass sie nicht so gern über Themen reden, die direkt vor ihrer Haustür stattfinden. Dass die Bundesrepublik gegen die Kinderrechtskonvention verstößt, weil sie Kinder (der Definition der Konvention folgend, wonach alle Menschen unter 18 Jahre als Kind definiert werden) zur Bundeswehr zulässt, ist überhaupt kein Thema für die Medien. Hier könnte man was machen, ebenso, wie im hiesigen Asylsrecht, das Kinderhandel als Aslygrund nicht anerkennt, nicht kennt und die besondere Situation solcher Kinder in der Bundesrepublik nicht berücksichtigt. Für Kinderrechte gibt es einen Platz am 21. September und manchmal, wie kürzlich auf Phönix oder Arte. Manchmal ist es wie Mamor mit einem Teelöffel zu bearbeiten.

Es ist immer Krieg, auch direkt vor unserer Haustür.

Advertisements

Eine Antwort zu “Es ist Krieg

  1. so wahr, so wahr!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s