Die ArGe mal wieder

„Aufforderung zur Mitwirkung nach § 60 Erstes Buch Sozialgesetzbuch (SGB I)“ so der Betreff eines Schreibens, dass mir die ArGe freundlicherweise zuschickte.

Der Begrüßung folgten diese freundlichen Sätze:
„Sie beziehen laufend Leistungen zur Sicherung Ihres Lebensunterhaltes. Während des Bezugs dieser Leistung sind Sie verpflichtet, nach § 60 (1) Nr. 3 SGB I im Leistungsverfahren mitzuwirken. Dabei haben Sie Beweismittel zu bezeichnen und Beweisurkunden vorzulegen oder ihrer Vorlage zuzustimmen. Ihre Pflicht zur Angabe aller Tatsachen, die für die Geldleistung erheblich sind, besteht nach § 60 (1) Nr. 1 SGB 1 und bleibt davon unberührt“

Weiterhin schreibt die ArGe, dass meine „Mitwirkung“ gebraucht werde, um meinen Leistungsanspruch neu zu berechnen. Und wenn ich nicht bis zu diesem und jenem Tag ein Formular (lag bei) und meine Kontoauszüge als „Nachweis über Einkommenseingang“ vorlege, dann, ja ne is klar, würden meine Geldleistungen ganz gestrichen.

Ah ja, die gesetzlichen Bestimmungen dazu lagen dem Schreiben bei.

Worum es geht?

Kürzlich habe ich einen 400 Eurojob ergattert, aus dem möglicherweise mehr werden kann. Um meiner „Beweispflicht“ nachzukommen, dass ich tatsächlich Einkommen habe, habe ich der ArGe meine erste Gehaltsabrechnung zugesandt. Außerdem informierte ich die Sachbearbieterin in einem freundlichen Begleitschreiben, dass mir die Erweiterung dieser Stelle in ein reguläres Arbeitsverhältnis in Aussicht gestellt wurde.

Muss ich extra erwähnen, dass der Umstand, der das Schreiben der ArGe auslöste, nämlich meine Arbeitsaufnahme, ebendort mit keinem Wort erwähnt wurde?

Geht es denen da eigentlich noch ganz gut. Rührt man sich und kommt seinen „Mitwirkungspflichten“ nach, schicken die einem Belehrungen, wie aus dem Strafgesetzbuch und man muss sich schon fragen, ob es klug war überhaupt eine Arbeit angenommen zu haben. Scheinbar folgt der Arbeitsaufnahme ummittelbar die Unterstellung, dass man die ArGe bescheißen wolle. Ich bin fast versucht es zu tun, wenn es mir solche Schreiben erspart. Man hört ja so einiges über die Kölner ArGe und das mal wieder Geld für Berater zum Fenster rausgeworfen werden soll. Wie wäre es mal mit einer Schulung: „Umgang mit Erwerbslosen“ Untertitel:“ Behandlung von Erwerbslosen als menschliche Wesen, wie alle anderen auch und wie man sie mit Würde und Respekt behandet“ oder „Anschreiben, die Ihre Kunden nicht, wie gemeine Betrüger dastehen lassen.“

Wie wäre es mal mit einem solchen Text:

Sehr geehrte Frau Somlu,

ich freue mich, dass sie einen Job gefunden haben, bei dem die Aussicht besteht, dass er langfristig in ein reguläres Arbeitsverhältnis umgewandelt wird. Um Ihren Leistungsanspruch neu zu berechnen, benötigen wir noch folgende Unterlagen von Ihnen:

a
b

Legen Sie diese Unterlagen bis zum xy Datum bei uns vor. Bitte bedenken Sie, dass der Gesetzgeber für die Abwicklung solcher Vorgänge Fristen vorgesehen hat, deren verstreichen Sanktionen nach sich zieht. Die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen finden Sie in der Anlage.

MfG
ArGe

Das ändert zwar nichts an der Sachlage aber erleichtert den Kontakt ungemein.

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8 Antworten zu “Die ArGe mal wieder

  1. Ähm….selten so gelacht.
    Du meinst das doch wohl nicht Ernst mit Deinem Musterschreiben? Dazu sind sie doch garnicht in der Lage. Übrigens ist das ja auch garnicht von den „Oberen“ gewollt.

  2. Nein, ich bin nicht Wolfs Meinung, dass diese Leute zu Schreiben in freundlich-sachlichem Ton nicht in der Lage wären. Aber das Schreiben klingt natürlich nach bewusstem Verächtlich-Behandeln der Arbeitsuchenden. Ist das nun von der Politik so gewollt (um das aufmüpfige Volk unter den Daumen zu kriegen) oder sehen ein paar „Obere“ und ein paar subalterne Beamtenseelen da die Befriedigung, ihre Macht auszuspielen?
    Das sollte wirklich mal thematisiert werden.

  3. Danke, eule, genau darauf wollte ich hinaus. Zumal mir bekannt ist, dass viele MitarbeiterInnen der ArGe mit diesen und anderen Dingen ihrer Arbeit nicht glücklich sind. Diese Shreiben sind bei denen so im System hinterlegt. Und die Kontrollen, die im Moment bei denen durchgeführt werden und dass die Teams gegenander in Konkurrenz treten müssen, verschlimmert die Lage für alle Beteiligten.

    Erschreckend ist auch, dass die allermeisten Erwerblosen so sehr an diesen Umgang gewöhnt sind, dass sie es nicht mehr merken, dass dieser Umgangston nicht aktzeptabel ist. Das halte ich für gewollt und seit Jahren von den Verantwortlichen gefördert.

    Das gehört thematisiert. Mal schaun, ich habe vielleicht die Chance mit einer guten Journalistin demnächst darüber zu sprechen.

  4. Richtig ist auch die Bemerkung eines Langzeitarbeitslosen, die „Einladung“ der ArGe wäre keine Einladung, sondern eine Vorladung.
    Die Texte der Formbriefe wurden wahrscheinlich von Menschen (bzw. Aliens) entworfen, die sowieso Generalverdacht pflegen. Diese meist unpassenden Vorlagen bekümmern allerdings nur einen eher geringen Teil der ArGe-Mitarbeiter… — Ciao, W-Day

  5. Ne ne.. Somlu, du hattest leider einen eklatanten Fehler begangen, als du die ArGe über deinen 400 Euro-Job informiertest. DU hattest für die Information nicht das richtige Formular genommen! Jawoll ja, das wird’s wohl gewesen sein. Denn anders kann ich mir das Schreiben der Agentur nicht erklären. Wie sähen denn die einzelnen Akten aus, wenn jeder Arbeitssuchende sich die Schriftform selbst aussuchen könnte? Ich bitte dich – so etwas verwirrt doch den „geübten“ Blick der Sachbearbeiter, immer nur auf die gleiche Stelle starren zu können, um schnell den Inhalt zu begreifen….

  6. Diese Schreiben werden nun wirklich von irgendwelchen Beamten erstellt, die kaum noch Kontakt zu Außenwelt habe. Dazu nehmen sie dann Formvorlagen und setzen die Sätze zusammen und schon kommt so ein Schreiben dabei heraus und sie sind mächtig stolz auf sich.
    Dieser verächtliche Befehlston der ist übrigens bei fast allen Schreiben vorhanden, egal von welcher Behörde. Etwas Einfühlsames, menschliches ist nicht möglich, denn dann würde der gesamte Behördenapparat zusammenbrechen.
    Eigentlich schaut sich der Mitarbeiter, der diese Briefe verschickt, gar nicht den Inhalt an. Der Zeitpunkt und die Nummer der Standardbriefe ist vorgeben, dass läuft alles vollautomatisch ab.
    Ja, irgendwie spielt der Mensch keine Rolle mehr.

  7. @doerfler, schon klar, um so mehr muss man darauf aufmerksam machen, dass sowas kein „normaler“ Umgang ist.

  8. Ja, traurig ist so etwas. Ich weiß nicht ob das nur ein deutsches Phänomen ist oder auch in anderen Ländern so praktiziert wird.

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