Die Firma, die ihre Handy-Sparte verschenkte

Steht heute der Klaus Kleinfeld zitiert im Kölner Stadtanzeiger. „Die öffentliche Kritik war sehr emotional und hat Siemens geschade.“ Immer sind die anderen Schuld. Ist klar, nicht das Gebaren von Klaus Kleinfeld ist problematisch sondern die Öffentlichkeit. Und deswegen müssen vermutlich demnächst noch mal 1000 Mitarbeiter „freigesetzt“ werden. Großzügigerweise haben die Manager von Siemens jetzt ihre sittenwidrige Gehaltserhöhung gespendet. Die Helden.

Was an deren Verhalten bitte das Anzeichen von Führungsqualitäten sind, erschließt sich mir nicht. Innovative Wege gehen, gegen den Zeitgeist schwimmen, auf Qualität und Qualifizierung setzen? Nein, besser mehr Leute entlassen, das macht sich gut in der Bilanz und freut den unproduktiven Aktionär. Obwohl das Manöver mit BenQ wirklich eine neuartige Version, der Frage, wie werde ich Mitarbeiter billig los und stehe hinterher auch noch als nobler Spender da. Irgendwie habe ich Marketing anders gelernt. Macht aber nichts. Vielleicht bekommt Klaus Kleinfeld dafür noch einen Preis für innovatives Mitarbeiterreduzieren.

Es ist doch schon irrsinnig. Die noch in Erwerbsarbeit stehenden arbeiten für immer weniger immer mehr und die Managmentetagen streichen immer mehr Gewinne ein. Es ist mir auch egal, dass deutsche Manager im internationalen Vergleich verhältnismäßig wenig verdienen. Ist das ein schwanzlängen Vergleich oder geht es um Unternehmensführung? Das unzufriedene, gestresse und ängstliche Mitarbeiter schlechtere Arbeitsleistungen zeigen, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Das eine funktionierende Infrastrukur in Geld nicht aufzuwiegen ist, ebenso. Aber was macht das alles schon. Hauptsache der Börsenkurs stimmt.

Ich kann mir kaum vorstellen, wie einer drauf sein muss, der sich so verhält, wie Klaus Kleinfeld. Merkt der überhaupt noch was? Wie schläft der Nachts und was passiert, wenn er in den Spiegel schaut. Wirtschaft hat nichts mit Moral zu tun, höre ich es schon aus allen Ecken schallen. Sollte es aber. Und was die Emotionalität betrifft, ist Habgier nicht auch eine Emotion?

Kürzlich habe ich eine Dokumentation über den Erfinder von Jena-Glas gesehen. War interessant, vor allem als dann eine Firma gegründet wurde. Wo neben den damals revolutionären Arbeitsbedingungen für die Angestellten, die Manager keine explizit Beteiligungen am Unternehmen erhielten, damit sie sich nicht durch entspechende Unternehmensführung am Unternehmen bereichern konnten. Tja, da hatte damals mal einer nachgedacht.

Der Kapitalmarkt und der damit einhergehende merkwürdiger Freiheitsbegriff gehen mir schon eine Weile auf den Geist.

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3 Antworten zu “Die Firma, die ihre Handy-Sparte verschenkte

  1. sittenwidrige Gehaltserhöhung…

    . Nun ja. Gefallen hat mir die Gehaltserhöhung, die dann sobald zeitlich eingeholt wurde von der BenQ-Insolvenz natürlich auch nicht. Aber sittenwidrig wird sie wohl nicht sein. Vielleicht ist meine Toleranzschwelle für derlei moralische Abnormitäten auch schon so gesunken, dass ich ….

    So sehr wir uns auch aufregen über diese Sachen, wir werden es nicht ändern. „Es“ ist auch nicht beeinflussbar durch unsere Politiker. Das Primat der Politik gehört der Vergangenheit an. Vielleicht nicht für immer. Aber im Moment scheint das so zu sein. Die Globalisierung macht es möglich, und wir müssen sehen, ob es Politiker und andere verantwortliche unter den G8-Nationen gibt, die die Notwendigkeit einsehen, an den momentanen anarchischen Strukturen etwas zu ändern.

    Sollte dieses nicht so sein, wovon ich persönlich leider ausgehe, so werden unsere Gesellschaften mittelfristig vor Probleme gestellt werden, die unlösbar sind.

  2. Aber Somlu, willst Du etwa, dass unsere grossartigen Manager, unsere Bildungs- und Einkommenselite vor lauter Armut in die USA abwandern müssen?

    Ironie off*

    o.t. habe bei mir drüben gerade wieder eine Akton am Laufen und würde mich freuen, wenn Du mitmachst.

  3. Jochen, hab ich da nicht mal was von „Nieten in Nadelstreifen“ gehört. Wie auch immer.

    Apollon, ich meine das schon so, wie ich es geschriehen habe. So ein Verhalten sollte sozial geächtet sein, weil es wider die guten Sitten ist. Manchmal bin ich schon für empfindliche Schandstrafen. Schön auf den zentralen Plätzen, damit alle mit faulem Obst und Gemüse werfen können. Die Wiedereinführung des Nachttopfes wäre auch zu überlegen.
    Ah ja, den Pranger für die lieben Staatsdiener stellen wir dann direkt daneben.

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