Jetzt haben sie es also geschafft

Ich sehe sie vor meinem geistigen Auge, wie sie bei fünf Gängemenü a la Carte und Champagner sich gegenseitig auf die Schultern klopfen und ihren immensen Erfolg feiern. Sie saufen, schlürfen,schmatzen und wedeln sich mit den Schreiben der Arbeitgeberverbände Luft zu. Glückwunschschreiben diverser Lobbyorganisation quellen über die Tischränder. Natürlich sitzen sie in Hinterzimmern, abgeschirmt von den ewig neugierigen Kameras und den fragenden Blicken. Vor ihrer Abschirmung schauen sie gekonnt betreten und faseln etwas von Hilfsmaßnahmen. Obwohl sie zeitgleich Vorschläge im Parlament diskutieren, die ihrer professionellen Betroffenheitsorgie Lügen straft. Endlich geschafft. Endlich gibt es genug Arme in Deutschland (Quelle). Daran hatten sie ja die letzten 10 Jahre hart gearbeitet. Endlich gibt es ein Heer von Menschen, die als Druckmittel und Erpressung für alle anderen herhalten müssen. Allein für die Idee und deren erfolgreiche Umsetzung, diesen Menschen ihre Armut als Selbstverschuldet unterzujubeln und alle machen dabei mit, dafür hätten sie eigentlich einen Preis verdient. Die Franzosen hatten ja Pech, wie gut, dass die Deutschen so spuren. Finden sie, die steuerfinanzierten Staatdiener, als sie dann endlich ihre Zigarren anzünden.

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8 Antworten zu “Jetzt haben sie es also geschafft

  1. am ärgerlichsten fand ich gestern, wie sich unsere Politprominenz am Wort Unterschicht hochgezogen hat. Wir sollten es vielleicht noch viel öfter wiederholen: Unterschicht, Unterschicht, Unterschicht… Damit die mal merken, dass man ein Problem nicht wegleugnen kann, nur weil einem dessen Name nicht gefällt.

  2. Yep, sie haben sogar ein paar arbeitslose SoziologInnen eingekauft, die jetzt das Wort Prekariat gesellschaftsfähig machen. Ich sag nur „Entsorgungspark“

  3. Manchmal denke ich auch ans Auswandern. Ich kann es nicht begreifen, dass sie wirklich durchkommen mit ihrer Strategie.

  4. Aber wohin willst Du gehen? Wir leben in Zeiten des entfesselten Kapitalismus.

  5. Diese dämlichen, symbolischen Wortklaubereien. Da kommt mir die Galle! Nein, trällert Sozialdemokrat Müntefering, es gibt nur Stärkere und Schwächere. Als ob das irgendetwas an den Fakten ändern würde, aber die sind nicht wichtig. Im Prinzip kämpft man doch nur um mentale Repräsentationen.

  6. Wir wollen alle dazu aufrufen, sich klar zu ihrer Zugehörigkeit zur Unterschicht zu bekennen, denn die Reife einer Gesellschaft wie unserer wird nicht am reichsten ihrer Mitglieder gemessen, sondern an ihrem ärmsten! Wir wollen, dass nicht soziale Verwahrlosung eines kleinen Teils der Gesellschaft, als „abgehängtes Präkariat“ bezeichnet und als „Unterschicht“ diffamiert, zum Charakteristikum dieser Unterschicht wird. Wir wollen, dass die Zusammengehörigkeit aller Menschen in unserem Land sich gerade an ihrer Solidarität untereinander festmacht und die bewusste Abgrenzung gegen die verbrecherisch alle Ressourcen und Mitmenschen ausbeutende Oberschicht die Unterschicht charakterisiert!

    Und darum sagen wir heute solidarisch: Wir sind das abgehängte Prekariat! Wir sind die Unterschicht! „Armut und Arbeitslosigkeit in Deutschland“ ist das Unterschichtenblog!

  7. In der TAZ steht heute ein hübsches Gedicht:

    Sprachverzicht mit Müntefering
    Ein Gruselwort wie „Unterschicht“
    spricht unser gute Münte nicht.
    Das kommt dem braven Sauerländer
    nicht über seine Lippenränder,
    weil es ja hintenrum auch hieße,
    dass man die „Oberschicht“ zuließe.

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    Er mag nicht, was so Soziologen
    als lebensfremdes Fazit zogen.
    Ihm sind da wohl Begriffe lieber
    wie Abschaum, Gsocks und Rentenschieber,
    wie Zonenzombies, Plattenmotzer,
    wie Faulschlamm und Hartz-IV-Schmarotzer.

    Vielleicht lässt sich mit gutem Willen
    der Sprachverlust historisch stillen,
    denn „Sozenopfer“ weist präzise
    den Weg aus der Bezeichnungskrise.

    Reinhard Umbach

    taz vom 19.10.2006, S. 20, 22 Z.

  8. Mit dem Bekennen zu einer Unterschicht ist es natürlich nicht getan. Für mich persönlich ist das schlimmste an der Entwicklung neben der Tatsache, dass sie lange und deutlich erkennbar war, dass Schröder die SPD in diese Richtung bugsiert hat. Das ist nicht mehr meine Partei.

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