Frauenräume

In den Tiefen des Bondea Blogs findet sich ein Eröffnungsbeitrag, der es in sich hat. Dort ist die Rede von der guten Göttin der römischen Frauen, die in ihren Riten und Räumen den männlichen Aspekt ausschlossen. Bondea verfolge aber keine spirituellen oder sonstigen metaphysischen Zwecke, das einzige was Bondea beinhalte, sei, dass Männer draußen bleiben müssen. Irgendwie Frauenbewegung 5.0 oder so und auch nicht.

Denn eines soll doch mal klargestellt werden, die Forderung nach Frauenräumen war eine politische Kampfansage an eine Gesellschaft, die es Frauen mal weniger aber eher schwer machte sich öffentlich, d.h. außerhalb der privaten Sphäre so zu bewegen, wie es jedem Menschen zustehen sollte. Das war damals ein Skandal. Denn, obwohl es in allen Städten, Landkreisen und Käffern jede Menge Kneipen gab, die vorgeblich beiden Geschlechtern offen standen, war eine einzige Frauenkneipe in einer Stadt ein solcher Affront, dass viele Männer meinten genau diese Kneipe besuchen zu müssen, um dann laut über den Mangel an Gleichberechtigung in Frauenkreisen zu lamentierten. Zumindest die wortgewanderen unter ihnen, andere begnügten sich nicht nur mit Worten.

Und was wurde in solchen Räumen nicht alles initiiert: Das Recht ohne Erlaubnis des Ehemanns arbeiten gehen zu dürfen, kam in den 70er Jahre. Die unfassbare Ungleichbehandlung im Einkommen von Frauen und Männer… Ach so, das ist ja heute noch so. Es gab noch vieles mehr. Das durch den Nationalsozialismus und den arbeitsmarktlichen Maßnahmen der Nachkriegszeit wieder einbetonierte polare Geschlechterbild wurde vor über 30 Jahren von Frauen (und einigen wenigen Männer) für überholt erklärt. Und es hatte ja auch schon früher angefangen oder glaubt irgendjemanfraud, dass Frauen ohne den Kampf von Frauen zu Wahlrecht und Universitätsstudium gekommen wären oder auch nur zu einer anständigen Schulbildung? Falls ja, empfehle ich dringend die eigenen Geschichtskenntnisse zu überholen.

Ja, es gab vieles andere, das von heute aus für einige lächerlich erscheint. Aber wer die kreative Kraft all dessen, was „die Frauenbewegung“ (Anführungszeichen deshalb, weil es niemals einen solchen monolithischen Block gab, sondern eine Vielzahl von unterschiedlichsten Gruppierungen, die sich auch vollständig widersprechen konnten) initiierte, unterschätzt, unterschätzt auch die gesellschaftliche Bedeutung einer Bewegung die am meisten von allen in dieser Gesellschaft Veränderungen erreicht hat. Auch wenn es lange noch nicht reicht. Die jungen Frauen von heute bewegen sich mit einer Selbstverständlichkeit in der Gesellschaft, die für die Generation meiner Mutter in dieser Form nicht existierte. Und bevor ein Einwand kommt, es ging und geht nicht darum, dass sich irgendjemand als Opfer fühlen soll, aber die Augen vor der Realität von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft zu verschließen, um nicht als eine von „denen da“, den altmodischen Feministinnen, die doch schon lange von der Gegenwart überholt erscheinen, identifiziert zu werden, ist dumm und blauäugig. Diese Haltung enthält, nach meinen Beobachtungen, immer den Funken der Angst mit einer klaren Forderung nach Gleichberechtigung anzuecken und lächerlich gemacht zu werden. Was ein Teil des Rollbacks ist, dass vom Establishment gefördert wird.

Was „die Frauenbewegung“ aber lernen musste, schmerzhaft lernen musst, war, dass der Slogan „Wir sind gleich in der Erfahrung unserer Unterdrückung“ nicht standhalten konnte. Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurden die Verwerfungen und Spaltungen offenbar. Denn die Erfahrungen von Fraueen und auch die Konsequenzen aus diesen Erfahrungen war und ist unterschiedlich. Bis heute dauert der Versuch an in dieser Vielfalt einen gemeinsamen Ansatzpunkt zu finden. Erschwert wurde das alles noch, durch eine von interessierten Kreisen geförderte Meinungsmache, die vor allem den jüngeren Frauen suggerierte, dass sie „die Frauenbewegung“ nicht mehr nötig hätten, alles was frau bräuchte, wäre der Wille etwas zu erreichen und ihre eigenen Fähigkeiten und dann würde es keinen Unterschied machen, sie könnten alles erreichen, wenn sie wollten usw. usf. und wer sich da noch an diese vollkommen überholten Forderungen halte, mache sich doch lächerlich, ist nicht ernst zu nehmen und verbaue sich ihre Möglichkeiten usw. usf. (Diese Art individualistischer Propaganda wurde schon ca. 20 Jahre an Frauen ausprobiert, bevor man das auf die gesamte Bevölkerung angewendete)

Der Einfluss „der Frauenbewegung“ wirkt heute, trotz aller reaktionären Rollbacks weiter fort und vieles das erkämpft wurde, scheint aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken zu sein. Aber auch die Erkenntnis, dass es nicht allein ausreicht eine Frau zu sein, genauso wenig wie ein Mann, um schon eine Aussage gemacht zu haben. Wenn man das versucht, definiert man die Gruppe der Frauen nur als das „besondere Andere“ im Patriarchat, und bestätigt damit das patriarchale Geschlechterbild in dem die Frau schon seit Jahrtausenden als „besondere Andere“ die Definitionsmacht der vermeintlichen Herren der Schöpfung stützt.

Ein virtueller Frauenraum, dem das Merkmal Frau-sein (Was auch immer darunter zu verstehen ist) als Zugangsvoraussetzung ausreicht, wiederholt die Zuweisung der „Frau“ als das patriachale besondere Andere. Die ursprüngliche Idee der spirituellen Räume als auch die spätere der politischen Frauen-Frei-Räume werden hier karikiert und gibt die Ursprünge damit der Lächerlichkeit preis.

Sagt doch wie es ist, wenn sich da genug Frauen einfinden, die bestimmten Zielgruppen entsprechen, und genug Traffic erzeugt wird, kommen die entsprechenden Frauenzeitschriften, Kosmetikkonzerne, Ladenketten und was auch immer an Board und die rücken dann vielleicht auch Kohle raus.

Deswegen habe ich in diesem Beitrag auch keine verweisenden Links gesetzt. Die Stichworte „Bondea“ und „Hallo Welt“ sollten weiterhelfen.

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