Eine kleine Empfehlung zum Umgang mit Menschen mit vielen Büchern

Dank Tauschticket habe ich seit mehr als einem halben Jahr mehr zu lesen als ich im Alltag bewältigen kann. Zuerst habe ich meine Science-Fiction Sammlung mit einigen vergriffenen und hochgehandelten Bänden auffüllen können, was mir immer noch eine große Freude ist. Meinen TauschpartnerInnen bin ich dafür zu großem Dank verpflichtet, da sie mich als Sammlerin erkannten und darauf vertrauten, dass ich die kostbaren Bände nicht gleich in der nächsten Internetauktion verschachere. Dann kamen die Empfehlungen aus dem Forum und neue Autorinnen und Autoren füllten meine Regale. Bestseller interessieren mich nicht wirklich, es sei denn ich schätze die Autorin oder den Autor schon eine Weile und auch dann kann ich warten, so dass das ständig zugängliche Angebot bei Tauschticket mir entgegen kommt. Und wenn ich zum Vergnügen lese, was meist der Fall ist, ist mir es auch herzlich egal, ob die Bücher schon 1 Cent-Ware sind. Bei bekannten und geliebten AutorInnen habe ich mich auf das ertauschen von gut erhaltenen Hardcover-Ausgaben verlegt. So befriedigt diese Tauschbörse viele meiner bibliophilen Leidenschaften.

Bücher tauschen ist für mich eine günstige Angelegenheit, da ich die Bücher behalten darf, im Gegensatz zu geliehenen Büchern. Meist kommt mich die Mitgliedschaft in einer öffentlichen Bibliothek teuer, da ich vergesse die entliehenen Werke wieder rauszurücken. Dennoch besitze ich eine inzwischen sehr vorsichtig genutzte Mitgliedschaft bei einer solchen Institution.

Ich schreibe nun schon einige Zeit in Blogs und immer wieder dachte ich, es wäre hilfreich ein bisschen Rat und Hilfe zu haben, um Texte zu verfassen, die mir gefallen. Eine Empfehlung, noch in meinem alten Blog, und meine Mitgliedschaft bei jener Bibliothek ermöglichte mir die Bekanntschaft mit Wolf Schneider. Ein 20 Jahre liebevoll zerlesenes und abgegriffenes Buch, das bisher aus dem Bestand der Bibliothek nicht ausgegliedert wurde, begeisterte mich sofort. Der Habitus, seine Liebe zur Sprache und Literatur und nicht zuletzt seine Liebe zum Leser und zur Leserin sprach und spricht mich an. Ich habe es so oft es ging verlängert und schließlich als sie es wirklich zurück haben wollten, auf meine Suchliste bei jener Tauschbörse gestellt und war kürzlich erfolgreich damit. Für eines meiner kostbaren Buchtickets, welche die virtuelle Währung jener Tauschbörse stellen, ging es endlich in meinen Besitz über. (Für alle, die meinen, dass es dort nur Schrott und Müll gibt, wer aktuelles sucht und es auch gleich haben will, dafür gibt es tatsächlich immer noch den Buchhandel).

Nun ist es ja so, Menschen, die viele Bücher besitzen, bekommen gerne von anderen Tipps, was sie sonst noch lesen könnten oder gleich Bücher geschenkt. Dabei gehen die Schenkenden davon aus, was schon mal im Bücherregal stehe, wäre ein guter Hinweise dafür, was der Beschenkte außerdem noch dort stehen haben möchte. Dies ist zumeist ein Irrtum. Da geht es uns Bücherwürmern, wie Kreislers Musikkritiker, er bekommt auch immer nur Platten. Menschen mit vielen Büchern sollte man besser fragen, was sie sich wünschen. Denn es kann gut sein, dass sie sich plötzlich entschieden haben, ihr bevorzugtes Genre zu wechseln oder ihr bevorzugtes Genre ist von ihnen schon abgegrast, dass alles was nicht in ihrem Regal steht, sich dort auch bitteschön nicht einfinden soll. Die einzige Chance Menschen mit vielen Büchern Bücher zu schenken, ist entweder sie sehr genau zu kennen aber wer kennt sich schon so gut oder über die LebensabschnittsgefährtInnen an die „Was-will-ich-als-nächstes-lesen,-bzw.-im Regal-stehen-haben,-damit-ich-es-lesen-kann,-wenn-mir-danach-ist“-Liste heran zu kommen oder, viel besser, ein Büchergutschein. Denn nichts lieben die Bücherbesessenen mehr als durch Buchregale zu streifen, da und dort zu schauen, sich an Druck, Einband und frischer Druckerschwärze neuer Bücher zu berauschen und schließlich nach einem langen und manchmal auch schmerzhaften Prozess mit einer handverlesenen Auswahl Bücher endlich an die Kasse zu treten.*

Aber was wollte ich eigentlich sagen? Ach so, Bücherempfehlungen waren das Stichwort. Also, abgesehen davon, dass mir niemand mehr Bücher schenkt ohne die obigen Empfehlungen zu beachten, bekomme ich natürlich auch jede Menge Buchempfehlungen. Was unter anderem inzwischen zu einer nachhaltigen Abwehrreaktion bei Büchern des Genres Fantasy geführt hat. Gut, es ist auch nicht so leicht zu erklären, was ich genau mit dem Untergenre „Science-Fantasy“ meine. Es ist kein wirklich etablierter Begriff. Was vielleicht auch ganz gut so ist, denn noch kann ich in diesem Bereich keine wirkliche Inflation der Veröffentlichungen feststellen können. Dafür muss ich aber auch eine Menge Zeug lesen, dass ich lieber nicht lesen wollte, wenn ich vorher wüsste, dass… aber das war ja eigentlich nicht mein Thema.

Die Empfehlung lieber Menschen, die meine Begeisterung für Wolf Schneider mitbekamen, war, wie sollte es auch anders sein, dem Herrn Sick sein Zwiebelfisch und natürlich die Bücher. Ich habe kürzlich auf einem Bücherflohmarkt dann denn ersten Band für 50 Cent erwerben können – glücklicherweise war es nicht mehr. Schon bei einem Blick ins Inhaltsverzeichnis überkam mich mindestens ein Deja vu. Ich habe dann die eine oder andere Kolumne gelesen und fand es langweilig, ohne Esprit und der literarische Hintergrund fehlte mir ebenso, wie das anprangern von denen, die es besser wissen könnten. Nach kurzer Recherche war mir auch klar warum, war doch das Nachrichtenmagazin aus Hamburg eine geliebte Zielscheibe Wolf Schneiders, ist Herr Sick dort tätig.

Ein Aspekt der Tauschbörse, den es in dieser Form in meinem Leben bisher nicht gegeben hat, sollte ich noch erwähnen. Mag ich ein Buch nicht, lese ich es nicht weiter, sondern „stelle es ein“, für Nachschub ist gesorgt, bzw. es warten immer Bücher im „Stapel ungelesener Bücher“. Mit viel Glück bekomme ich dafür ein Ticket. Wenn es ein „Ladenhüter“ ist und sich dann auch noch im „Bodensatz“ verfängt, bekommt man es meist bei Tauschen weg, in denen die Bücher gleich per Paket weitergereicht werden. Das ist jetzt was ich mit dem Herrn Sich sein Buch machen werde, ich „stelle es ein“ und warte ab, ob es mir ein Ticket einbringt, das ich dann für ein weiteres Buch von Wolf Schneider reservieren werde.

*Bei den Büchergutscheinen aber bitte aufpassen, es gibt unter den Bibliophilen auch solche, die prinzipiell nicht bei den großen Buchketten kaufen mögen. Buchketten sind für sie die Heuschrecken des Verlagswesens und prinzipiell zu boykottieren. Damit nötigt man sie außerdem schamvoll Bücher zu erwerben, wo Bücherkauf doch an sich eine höchst lustvolle Angelegenheit ist, denn Bücherbesessene lösen auch Büchergutscheine dort ein, wo sie selbst nie kaufen würden. Auch bei der oben erwähnten Liste ist ein bisschen Vorsicht von Nöten, diese Listen haben meist eine, für Außenstehende nicht nachvollziehbare, innere Reihenfolge, die sich außerdem ständig ändert. Ich sag ja, schenkt Büchergutscheine.

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