War was?

Langsam wird es unübersichtlich. Dank der guten Organisation und Vernetzung der Menschen, die vor dem Zaun in Heiligendamm versuchen darauf aufmerksam zu machen, dass das was da hinter dem Zaun geschieht nicht im Interesse der Welt sein kann und darf, bin ich glücklicherweise nicht nur auf die Hofberichterstattung der etablierten Medien angewiesen. Währenddessen die da hinter dem Zaun seltsame Beschlüsse fassen, deren mögliche Umsetzung sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr erleben werden. Wobei ich in meinem grenzenlosen Pessimismus das nicht nur denke, weil die reine Lebenszeit der Beteiligten schlicht nicht ausreichen wird, sondern weil eine solch watteweiche und unentschlossene Formulierung ein glatter Witz ist. Ich würde ja lachen, wenn es nicht so deprimierend wäre:

Merkel sagte, man habe sich darauf verständigt, dass die Beschlüsse der EU, Kanadas und Japans, die bis zum Jahr 2050 mindestens“ eine Halbierung der Emissionen vorsehen, „ernsthaft in Betracht“ gezogen werden. Die amtierende G-8-Präsidentin sprach von einem „Riesenerfolg“ und stellte fest: „Also ich bin zufrieden.“

(Quelle)

Also, nix neues passiert. Ja, die USA sind da mit im Boot irgendwie und irgendwie ist es ja auch egal, denn eine solche Formulierung besagt nichts. 2050 bin ich selbst um die 80 Jahre alt. Immerhin das Problem ist jetzt von dieser nicht legitimierten Truppe anerkannt worden und wird nicht nur negativ bewertet:

Es ist auf dem G8-Gipfel gelungen, die Tür für ernsthafte UN-Klimaverhandlungen aufzustoßen. Alle G8-Staaten erkennen den Bericht des Weltklimarates IPCC als wissenschaftliche Grundlage an. „We take note of and are concerned about the recent UN Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)

(Quelle)

Nur fürchte ich, dass für eine solche betuliche und langsame Vorgehensweise den Menschen auf diesem Planeten kaum noch Zeit bleibt.

Ich habe nicht alle Themen verfolgt aber eines ist mir noch übel aufgestoßen. Eine OECD Studie besagt, dass die Altersarmut in Deutschland bedrohliche Ausmaße annehme. Schon heute sei Deutschland, was die Höhe der Renten angeht, das Schlusslicht der 30 untersuchten Länder, weswegen – Achtung Überaschung -die private Altersvorsorge inentsiviert werden müsse. So gestern auf dem Heimweg aus der Eifel im WDR2 gehört. Wo hat denn die Versicherungswirtschaft so alles ihre Finger drin. Es wird mir übel, wenn ich diese gebetsmühlenartige kostenlose Werbung für Versicherer höre.

Allerdings gibt es da auch andere Äußerungen der OEVD -die sich die Linke vermutlich ausgedacht hat, oder warum finde ich dazu sonst nix?

Nun bekommt die Bundesregierung selbst von der OECD einen Wink mit dem Zaunpfahl: Die Löhne in Deutschland sind zu niedrig, was die Renten drückt und zu Altersarmut führt. Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von acht Euro würde sich auf die Alterssicherung ebenfalls positiv auswirken. Zudem sollte die Rente wieder der Lohnentwicklung folgen. Dazu müsste allerdings die Leistungsdeckelung in der Alterssicherung rückgängig gemacht werden. Und schließlich muss die Rente ab 67 wieder weg, denn de facto ist sie eine Rentenkürzung.

(Quelle)

Sowas, wo sich die Regierung doch so sehr bemüht hat, endlich einen Niedriglohnsektor in Deutschland zu etablieren und nun solls auch wieder falsch sein. Das kommt davon, wenn man ständig versucht es anderen recht zu machen, statt das Gehirn selbst einzuschalten.

Und sonst? Die Proteste gehen weiter, vermutlich sind Ausschreitungen von Seiten der Polizei provoziert worden. Menschen werden im Gewahrsam in Sammelstellen untergebracht und zu Nummern gemacht, deren Anblick erschreckenderweise an andere Verbrechen gegen das Völkerrecht erinnert. Die Medien haben schon längst verloren auch wenn sie, nach Einschätzung einiger versuchen wieder einiges gut zu machen. 80.000 haben sich auf einem Konzert von dem üblichen hilflosen Versuch Aufmerksamkeit zu erringen berieseln lassen. Greenpeace wollte ein Petition persönlich abgeben und sollte schon im Vorfeld daran gehindert werden. Sie haben es dann doch versucht (wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, zu denken, Greenpeace verfüge eine solch begrenzte Anzahl von Booten) und die Aktivisten wurden im Eifer des Gefechtes glatt über“fahren“.

Die Frage, die sich mir stellte angesichts der gesammten Ereignisse und der drängenden Probleme, die von dem Kasperletheater hinter dem Zaun beim Nachmittagstee diskutieren wird. Könnte es nun endlich mal mehr geben? Oder verpufft der Widerstand, wie immer? Klinge ich frustriert? Ich bin es. Eben sagt der Typ von der Süddeutschen, dass dieses Klimakompromisdingsbums das Machbare gewesen wäre. Man müsse abwägen zwischen dem Machbaren und dem Notwendigen. Im Allgemeinen neige ich ja auch zu einer solchen pragmatischen Haltung aber hier bin ich anderer Ansicht aber da wird uns die Notwendigkeit wohl in nicht allzu ferner Zeit von selbst von ihrer Machbarkeit überzeugen.

Zum Schluss noch eine Überlegung. Auf Phönix wurde gerade erwähnt, dass es sich bei diesem Treffen da hinter dem Zaun nicht um ein Entscheidungsgremium handelt, sondern dort nur Impulse in die beteiligten Länder zurückgetragen werden können. Warum dann dieser Aufwand, geht das nicht auch per Konferenzschaltung? Sind ja nur +/- 8 TeilnehmerInnen.

Ach so, heute solls um die Armut in der Welt gehen. Mehr Geld für „Entwicklungs“hilfe für Afrika.

Gandi wurde mal gefragt, was er von der westlichen Zivilisation halte, seine Antwort war, dass er es für eine gute Idee halten würde. (Interviewer: Mr. Gandhi, what do you think of Western Civilization? Gandhi: Western Civilization? That would be a good idea!)Vielleicht sollte das Kasperletheater da hinter dem Zaun über diese Aussage mal meditieren, statt nur ständig mit heißer Luft zum CO2 Ausstoß beizutragen.

7 Antworten zu “War was?

  1. superandros

    wunderbare Ausführungen, danke dafür! Aber erkläre das mal den Medien und der Presse, die sind fast alle hochbegeistert über den Abschluß.

  2. Pingback: Dennis' Internet World 2007

  3. danke für die ausführungen. ich stimme dir in vielen zu. ich wollte was tun und habe bei dieser aktion mitgemacht http://rippeportal.de/webcamp

    macht sinn und spart wenigstens geld!

  4. @andrea, danke für den Hinweis, ich habe den Link an entsprechender Stelle in den Text eingebunden. Obwohl ich ja eigentlich dem Vorschlag, den ich irgendwo in einem Blog gelesen habe, die ganze Bagage in die Erdumlaufbahn zu verfrachten, eindeutig favorisieren würde. Ist aber wohl zu teuer.

  5. sehr schöner artikel.

    das ghandi-zitat ist im hinblick auf die vorkommnisse vor – und um Heiligendamm mehr als treffend.

  6. Danke für den Artikel. Das Ghandi-Zitat kannte ich noch nicht. Das passt immer, wenn sich die G8 treffen. Solange, bis sie uns vom Gegenteil überzeugen.

  7. Pingback: Lesetipps vom 08-06-2007 - Finger.Zeig.net

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