3. Akt Antonia

Es gibt in der Oper Les Contes d’Hoffmann von Jacques Offenbach ein furioses Terzett, dass ich sehr liebe. Der Akt handelt von Antonia, deren Mutter auf geheimnisvolle Weise durch ihr Singen starb. Weswegen der Vater, der Rat Crespel, ihr das Singen verbietet. Crespel hofft auch eine Hochzeit Antonias mit dem Protagonisten der Oper Hoffmann, um sie so vor dem Schicksal ihrer Mutter zu retten. Sie ist zu Anfang des Aktes die gute Ehefrau für Hoffmann zu werden, bis der unheimliche Dr. Mirakel auftritt und sie zum Singen überredet. Er lässt das Bild ihrer Mutter entstehen und letztlich gibt Antonia ihrer Singlust nach und singt sich zu Tode. Dieses Terzett, Doktor Mirakel (Bass) Antonia (Sopran) und Mutter (Sporan) ist wunderbar. Der Schmerz Antonias, ihre Erschrecken über die Stimme der Mutter, die beiden Soprane, deren Stimmen sich immer weiter verweben, bis beide Singen, das zunehmende Tempo, angetrieben durch die Bassstimme Doktor Mirakels und schließlich das Ende. Unglaublich schön. (Meine Lieblingsaufnahme ist die mit Joan Sutherland, Gabriel Bacquier und Margarita Lilowas. Es gibt eine feministische Interpretation dieses Aktes, das die Figur der Antonia nicht als Opfer des unheimlichen Doktors sieht, sondern als eine Frau, die sich gegen die bürgerliche Ehe auflehnt aber das nur am Rande.)

Kürzlich begegnete mir die Geschichte, in einem Fantasy-Roman, wieder. Ich tauschte den Roman bei einer Buchtauschbörse bei einem Tauschspiel und erwartet nicht allzuviel. Nach 50 Seiten lesen, ungefähr an der Stelle als die Protagonistin herausfindet, dass ihre Mutter wegen ihres Singens in jungen Jahren dem Wahnsinn und dann dem Tod verfiehl, dachte ich mir, das kenne ich doch. Der Vater hat in seiner Verzweiflung über den Tod seiner Frau die Musik aus seinem und dem Leben seiner Tochter verbannt und hofft, dass sie nicht auch das Singen anfängt, da ihr Schicksal sonst besiegelt erscheint. Die Parallele ist überwältigend. Ich nehme aber mal an, dass diese Protagonistin nicht an ihrem Talent sterben wird. Alles andere würde mich doch überraschen, wenige Fantasy-Romane leisten sich kein glückliches Ende.

Jetzt frage ich mich, ob die Autorin die Oper kennt und auch liebt oder ob sich das um Zufall handelt. Da ich ja zu der Oper recht viel sammle, werde ich den Roman als Kuriosum in jedem Fall behalten. Außerdem ist er für einen Fantasy-Roman relativ gut. Nun gut, wenn es um diese Oper geht, fehlt mir ein bischen die Distanz, ich freue mich einfach über diesen überraschenden Fund. Wenn die Ausganghandlung ihren Ursprung in der Oper Hoffmanns hat, bin ich doch mal wieder sehr überrascht, woher AutorInnen so ihre Anregungen nehmen.

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