Streik

Die MitarbeiterInnen der Bahn streiken. Das ist ihr Recht und wer deswegen nicht rechtzeitig zu Arbeit kommt, sollte sich halt ein dickes Buch einstecken. Denn ohne solche Streiks hätte es für niemanden jemals Verbesserungen der Arbeitssituation gegeben. Arbeitnehmerrechte, Anteil haben an dem was ein Unternehmen mit Hilfe seiner MitarbeiterInnen erwirtschaftet, all das wurde den ArbeiternehmerInnen zu keiner Zeit geschenkt. (Leider muss dieser Fakt heutzutage immer wieder betont werden: Arbeitnehmerrechte und Lohnzuwächse sind i.d.R. das Ergebnis von Arbeitskämpfen, die zu anderen Zeiten schon mal blutiger abgelaufen sind.)

In den vergangenen Jahren war es besonders hart, auf dem Rücken der Menschen, die Reallohneinbußen oder gleich den Verlust ihrer gesamten Arbeit in Kauf nehmen mussten, wurden die Lohnstückkosten drastisch abgesenkt. Der gerade kürzlich beendete Streik war leider im Ergebnis eine Schande für die Gewerkschaften aber scheinbar muss man es im Moment olympisch denken, hauptsache dabei gewesen. Jetzt streiken die Bahner, das tut weh vor allem den Pendlern, die es abkriegen. Allerdings wird auch mal wieder auffällig wenig über den Bereich Güterverkehr berichtet. Das tut den Unternehmen auch weh aber das ist natürlich nicht so kameratauglich so ein einsam herumstehender Güterzug.

Heute war das alles natürlich auch Thema im Kölner Stadtanzeiger. Der Tenor des Kommtars ist im groben ziemlich verworren, er leitet ein mit dem respektablen Recht Streiken zu dürfen und zu können, erklärt aber dann alle zu Verlierern, wenn sich der Streit ausweiten würde. Am Ende wird dort ein Racheszenario entworfen, in dem die Bahnverantwortlichen dann, wenn die ArbeitnehmerInnen nicht schön brav sind, mit Massenentlassungen, Leiharbeit und Aufhebung des Tarifvertrages zurückschlägt.

Die Bahn könnte schon bald zu einem massiven Gegenschlag ausholen. Noch gilt im Konzern Kündigungschutz bis 2010.

Sicherlich ein Streik um höhere Löhne ist nur ein Teil dessen, was nötig wäre. Ich wünschte mir auch, dass die noch in Arbeit stehenden mal klar machen, dass ALG II nur ein Druckmittel gegen sie ist und sie deswegen auf die Straße gehen, gut ich kann ja mal träumen. Aber im Moment, bei der herrschenden Dumpfheit und Resignation auf den Straßen kann ich nur den altbekannten Spruch zitieren: Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt. Herr Kommentator, alle die für ihr Recht auf die Straße gehen oder sich in anderer Weise dafür einstehen, sind schon Gewinner. Und, Herr Kommentator, glauben sie allen Ernstes, dass das alles nicht eintritt, wenn die Menschen jetzt nicht streiken. Wo leben Sie denn bitte? Im erzreaktionären Weltbild des „guten und väterlichen“ Unternehmers, der seine braven Schäfchen belohnt. Selten so einen Unsinn gelesen.

Dann lese ich da:

Der Imageschaden für den gesamten Konzern nimmt mit jedem Streiktag zu.“

Nein, Herr Kommentator, der Imageschaden der Bahn kommt nicht vom Streik. Viele Menschen verstehen das, was sich da abspielt gut. Der Imageschaden der Bahn kommt von dem miesen Umgang mit den Pendlern, das Brot und Butter Geschäft der Bahn. Die Züge werden nicht verlängert, wenn Messe ist. Da herrschen in den Zügen zustände wogegen die Situation von Hühnern in Legebatterien noch komfortabel ist. Es kommt auch davon, dass man sich nach einer extrem verspäteten ZUgfahrt mit dem Personal herumärgern darf, die die Verspätung auf ein Maß runterlügen, um so die Erstattung von ICE-Zuschlägen zu verhindern (Ist schon ne Weile her das Beispiel). Es kommt davon, dass der Zug mitten auf der Strecke stehen bleibt und eine Erklärung erst nach einer halben Stunde folgt oder das man Fahrkarten verkauft bekommt, obwohl der Bahnhof für Stunden gesperrt sein wird, was man aber erst auf dem Gleis mitbekommt. Die Verspätungen, gerade im Bereich der Pendler, sind so unfassbar häufig, dass als meine Liebste irgendwann mal 20 Minuten früher als gewöhnlich nach Hause kam, mir erklärte, dass der Zug mal pünktlich gewesen sei. Zu diesem Zeitpunkt pendelte sie schon mehr als zwei Jahre. Und sagen sie nicht, dass es einzelne MitarbeiterInnen sind, wie in den allermeisten Unternehmen stinkt auch hier der Fisch vom Kopf her. Die Streikenden sind es sicher nicht, die den Ruf der Bahn ruinieren.

Ich habe da mal ein paar Vorschläge, die sofort zu Verbesserung der Laune von Kunden führen könnte. Wenn ein Zug wegen Oberleitungsschaden mit auf der Strecke parken muss, wie wäre es mit kostenlosem Kaffee und Tee für die Gäste? Kostet nicht so viel, hat aber eine große Wirkung. Oder wenn ein Zug gnadenlos verspätet ist, am Gleis oder einem entsprechenden Schalter mit ausreichender Besetzung die Erstattungen schon vorbereitet ausgeben und nicht eine arme Auszubildende auf den Gleis schicken, die das alles handschriftlich ausfüllen muss.
In Messezeiten würde es schon helfen, wenn zwei-drei Waggons mehr pro Zug zur Verfügung gestellt würden, wenn schon eine höhere Vertaktung nicht möglich ist.

Ich kenne keinen Menschen, der wirklich ein Problem mit Verspätungen hat oder anderen Dingen aber schon damit, wie mit ihm oder ihr umgesprungen wird. Aber klar, die Bahn will an die Börse und was scheren da ein paar Kunden, aber jetzt ist die Dividende wichtig, die Damen und Herrren Aktionäre befriedigen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass das gut gehen wird.

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