Köln

Viele die mich kennen, denken, dass ich wegen der Liebe nach Köln gezogen bin. Sicherlich, das war ein wichtiger Punkt und glücklicherweise hat diese Liebe den Übergang von einer Fernbeziehung zum Zusammenleben überlebt, dennoch gab es auch weitere Überlegungen für einen Umzug. Als eher sesshafte Zeitgenossin, war ich bis dahin im Leben nur einmal umgezogen und habe ich einige Überlegungen angestellt, wohin die Reise gehen sollte. Sicherlich ging die Reise in Richtung der Liebsten aber zur Auswahl standen so einige größere und kleinere Städte. Meine Wahl fiel auf Köln, größer und urbaner als Frankfurt, dass ich mit dem Rad in weniger als einer Stunde durchqueren kann und ich fahre nicht all zu schnell Rad.

Inzwischen sind vier Jahre ins Land gegangen. Mir gefällt Köln. Wo andere nur das schmuddelige und heruntergekommene sehen, sehe ich die Spielräume, die eine solche Stadt den Menschen noch lässt. Einige Dinge sind sehr anders als in Frankfurt. Es ist halt keine Bürgerstadt. Ja, Köln hat auch ein stolzes Bürgertum, das aber im Schatten des Domes und des Kardinals steht. Frankfurt war irgendwann vor Jahrhunderten mal Krönungsstadt gewesen und dann schon bald, so zumindest im Bewusstsein des Frankfurters an sich, gehörte die Stadt sich selbst. Undenkbar wäre in Frankfurt ein Park nur für einen Kardinal. Parks gehören den Bürgern und nach dem Rückzug des Großbürgertums, eben allen. Es gibt keine Residenzen und keine Paläste, zumindest keine historischen. Paläste der Moderne hingegen wachsen heutzutage ungebremst in den Himmel und haben so die eleganten bis protzigen Bürgerhäuser abgelöst. In Köln stehen höchstens einige zu groß gewachsene Gebäude unmotiviert in der Gegen herum.

Wo Frankfurt hoch wächst, wächst Köln in die Fläche. Die unendliche Scheußlichkeit der Gebäude im innerstädtischen Konsumgürtel erschließen sich erst, wenn man die Gelegenheit hat, sich die Sache von oben anzuschauen. Tatsächlich sind ganze Wohnblocks in der Innenstadt mit einem einzigen Gebäude wieder aufgebaut worden. Die Stadtplanung erschließt sich dem Uneingeweihten sowieso nicht. Architektonische Konglomerate, wie z.B. das Stadthaus, die Köln Arena und zugehöriges Parkhaus, als auch die neu errichteten Constantinhöfe kann man mir nicht mal unter schweren Alkoholeinfluss erklären. Jedes der Gebäude ist, für sich genommen, möglicherweise, eine Perle moderner Stadtarchitektur aber zusammengenommen sind sie monströs, abstoßend und erinnern mich eher an Legoland als an urbanes Leben. Das Parkhauses ist davon ausdrücklich ausgenommen, da es den Leitsatz moderner Ästhetik „Die Form folgt der Funktion“ in fast schon grotesker Weise konterkariert. Überhaupt gibt es in Köln so einige Gebäude, bei deren Anblick ich mich frage, wie da wohl eine Baugenehmigung zustande gekommen ist.

Aber so ist Köln, zwar hat man hier nicht den größten Dom Europas, nur den drittgrößten, dafür erhebt er sich fast schwebend über der Stadt. Hier ist, wie die Gebäude alles größer als woanders, zumindest wenn man den Aussagen der Stadtwerbung folgt. Größter CSD, die meisten Weihnachtsmärkte, Karneval, Feuerwerke, Museen, Philharmonie , die Liste lässt sich endlich fortsetzen. Nur die Kirmes ist etwas mickrig, aber was soll, sie spielt im öffentlichen Bewusstsein der Stadt keine besondere Rolle. Im Gegenzug hängen derweilen überall Plakate in der Stadt, worauf die Stadtverantwortlichen die Bewohner um Verständnis für die vielen Gäste bitten, schließlich brächten sie ja auch Geld in die Stadt. Wer einmal auf dem Weihnachtsmarkt in eine Buslandung volltrunkener Holländer (Engländer, Belgier) geraten ist, weiß wie schwer diese Worte wiegen.

Was mich aber nach fast vier Jahren in Köln am meisten erschüttert, ist die Provinzialität der Stadt. Ein Vorwurf dem die Bewohner Frankfurts sozusagen fast schon traditionell ausgesetzt sind, der sich für mich aber eher in Köln erfüllt. Wobei, sind wir mal ehrlich, wären so seltsame Regionen, wie Porz-Langel, Köln Dellbrück u.a nicht in Köln eingemeindet, würde sich die absolute Zahl der Bewohner Kölns im selben Rahmen bewegen, wie die Frankfurts. Tatsächlich gibt es in Köln keinen Lieferservice, der nach 24 Uhr noch ausliefert. Die Monatstickets gelten immer für den Kalendermonat und niemals ab dem Kalendertag. Der Pflege des Brauchtums wird mindestens soviel Aufmerksamkeit gewidmet, wie in jedem Kaff im mittleren Westen der USA, das hauptsächlich aus ehemaligen deutschen Zuwanderern besteht. Auch ist bei den Ansagen der Stadtbahn eher mit einem kölschen Sprecher zu rechnen als mit der mehrsprachigen, die für eine internationale Messestadt angemessen wäre. Für den öffentlichen Nahverkehr gilt eher die Frequenz einer geruhsamen Kleinstadt als die einer fast Millionenstadt. Die Steuerung des Verkehrs vor allem bei Großveranstaltung lässt eher auf ein veritables Interesse an erhöhten Parkgebühren schließen, als auf ein Interesse daran, das Problem vernünftig zu lösen. Dank meiner Erwerbslosigkeit kann ich eine nur sehr vorläufige Einschätzung der gastronomischen Landschaft abgeben aber sie scheint mir doch deutlich gespalten zu sein, entweder Imbiss oder gleich richtig teuer, leider nicht wirklich auch immer gut. Das alles gerne auch als Gemütlichkeit bezeichnet.

Immerhin gibt es nunmehr auch Tonnen für den grünen Punkt und Altpapier auch vor der Haustür, was aber, meine ich mich zu erinnern, erst einmal ein Test sein sollte, ob das auch funktioniert. Als ehemalige Frankfurterin, die schon vor bald 20 Jahren zum Mülltrennen aufgefordert wurde, ein eher erstaunlicher Vorgang.

Und dann streifen wir in der Nähe von Leverkusen, kurz vor der Kölner Stadtgrenze durch den Wald und stoßen auf ein Kaff, dass wir eher irgendwo in der Eifel vermutet hätten, voller beschaulicher Fachwerkhäuser. Das ist halt auch Köln. Dörfer am Waldrand gelegen und gleichzeitig in der Stadt. Wozu in die Eifel ziehen, außer wegen der Grundstückspreise, vielleicht. Auch die Gartenanlagen deren Häuschen sich im Laufe von zwei Generationen langsam immer erweitert haben, schaffen dort Tatsachen, wo sie nicht existieren sollten.

Und trotzdem gerade dieser Zustand der Stadt macht sie mir auch wieder sympathisch, vielleicht bin ich auch im Herzen immer noch Frankfurterin, die im Widerspruch der Stile und im Kontrast zwischen Hochhaus und Gründerzeitgebäuden großgeworden ist und dies als Lebensgefühl verinnerlicht hat.

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6 Antworten zu “Köln

  1. Pingback: schulte-web.com » Blog Archive » Hey Kölle, du bes e Jeföhl !

  2. aber der dialekt geht gar nicht ;-)

    da höre ich lieber dem hessischen gebabbel zu (wäre auch fast mal in ffm gelandet)

    btw: schön, wieder was von dir zu lesen!

  3. @Mo. Siehst, das seh ich anders. :-)

  4. Ich meine natürlich das mit dem Dialekt…

  5. Überhaupt gibt es in Köln so einige Gebäude, bei deren Anblick ich mich frage, wie da wohl eine Baugenehmigung zustande gekommen ist.
    […] Hier ist, wie die Gebäude alles größer als woanders, zumindest wenn man den Aussagen der Stadtwerbung folgt.

    nun, meine unerhebliche einschaetzung lautet: es gibt da noch mehr, was in koeln groesser ist als anderswo. auch wenn die stadtwerbung diese aspekte wohl eher umgeht. werner ruegemer gibt dazu fundiertere auskunft.

  6. Novemberchild

    Gerade eben erst entdeckt. Zur Umgestaltung Kölns gibt es den „Masterplan“
    http://www.masterplan-koeln.de/

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