Vorbei, Ende und Aus und endlich wieder gut schlafen

In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich einiges erlebt und nun ist es vorbei. Glücklicherweise. Seit der Kündigung geht es mir wieder gut, ich schlafe tief und fest und bin nicht mehr von irgendwelchen Szenarien, was wohl morgen wieder los sein wird, getrieben. Vieles macht mich immer noch fassungslos.

Da haben doch tatsächlich Menschen, eine Dienstleistungsidee, bei der es um Arbeitslose geht, entwickelt, und tatsächlich gedacht, dass sie eine Geldmaschine erfunden hätten.
Ich hatte ja von Anfang an eine Zweifel, meine Recherchen im Internet hatten einiges zu Tage gefördert, dass alles andere als gut klang. Aber ich wollte auch arbeiten, meine Erfahrungen in meinem Beruf sammeln und hoffte, dass es alles nicht so schlimm kommen würde, schließlich ging es nicht nur um diesen Menschen, es stand ja, scheinbar, ein seriöses Unternehmen und jede Menge Kooperationspartner dahinter. Es war schlimmer.

Ich habe hier irgendwo schon mal geschrieben, dass es in dem Unternehmen verdächtig nach New Economie roch. Wenn das bedeutet, dass jemand mit einer etwas kruden aber gut klingenden Idee konzept- und planlos jede Menge Geld verbrennt und auf nicht mal der Hälfte des Weges feststellt, dass er die Mittel nicht mehr hat, das Ganze auf seriöse Füße zu stellen, dann habe ich wohl meine Erfahrungen mit dieser Mentalität jetzt noch nachgeholt. Muss ich dazu sagen, dass der Ideengeber ursprünglich in München ansässig war?

Die Idee Stellenanzeigen zu schalten, obwohl es keinerlei Stellen gibt, die BewerberInnen dann einzuladen, anzulügen und sie dann überreden zu sollen, dass sie doch das Dienstleistungsangebot in Anspruch nehmen sollen, selbstverständllich kostet das was…, wurde mir noch im Kündigungsgespräch zur besten Aquisition-Idee der Geschichte erklärt. Dass das Dienstleistungsangebot gleichzeitig als seriöse Alternative mit Ethik und Werten verkauft wurde, spielte dabei keine Rolle. Das ich da nicht mitgezogen habe, war im übrigen einer der Gründe, warum mir ein Mangel an Enthusiasmus attestiert wurde und weswegen es nicht ganz so schwer war mich zu entlassen als die anderen MitarbeiterInnen. Zumindest wurde mir das so gesagt. Dass seit meiner Einstellung dort vier Leute gegangen sind (bei einer Firmenstärke von 11 Leuten vor Ort), ist dabei nur eine Randnotiz.

Am schlimmsten für mich persönlich aber war der Umgang mir den Kunden.

Der Satz „Hartz IV Empfänger sitzt ja das Geld locker in der Tasche, die habe es ja“ soll so oder so ähnlich genauso gefallen sein, wie die Äußerung, dass 50 % aller Leistungsbezieher Betrüger sind. Und das von einem Menschen, der sich in den Medien als Heilsbringer für Erwerbslose nicht nur verkauft sondern auch wahrgenommen wird. Meine persönliche Enttäuschung und Kränkung hält sich einigermaßen in Grenzen, denn ich fand den Menschen von Anfang an nicht seriös, auch wenn er in einem gewissen Rahmen erfolgreich scheint.

Und dann, als nach ca. 3-4 Monaten so langsam alles anlief, wurde das eine Projekt von jetzt auf gleich wurden eingestampft und damit Menschen hängen gelassen, die dort einen Ort gefunden hatten, sich zu stabilisieren. Manchmal frage ich mich, ob da irgend jemand sehen wollte, dass ich dort mit Menschen gearbeitet habe und nicht mit Melkkühen. Und nun schließlich wurde dann verbrämt mit irgendwelchen weiter nicht vertieften kaufmännischen Argumenten am Dienstag auch das andere Projekt „vorübergehend eingestellt“ (und ich freigestellt), was nur verdeckt, dass es an Konzept, Planung, Steuerung und Marketing vollkommen mangelt.

Das Erstaunlichste an allem aber ist, dass es solche Unternehmer gibt und das sie von Auftraggebern, Kunden und Kooperationspartnern ernst genommen werden. Dabei sind die Hinweise überall zu finden. Vor allem aber fehlt die Authentizität der Verantwortlichen und das schlägt sich überall nieder.

Ein Führungsstil, der irgendwo zwischen freudigem Sandhaufen bauen und autoritärem Eltern-Ich changiert und eine demoralisierte Belegschaft, die sich nur auf eine verlassen kann, dass sich sich auf nichts verlassen kann, sind sicher keine guten Vorraussetzungen ein erfolgreiches Unternehmen zu führen. Und schließlich zum guten Schluss, also nach dem Kündigungsgespräch, von dem an ich freigestellt war, händigte mir der Geschäftsführer unquittiert 600 Euro für die Handkasse der Filiale aus, um dann am nächsten Tag meine Kollegin zu fragen, ob das Geld auch angekommen sei. Ich musste wirklich lachen als ich das hörte, weil es so deutlich zeigte, wessen Geistes Kind diese Person ist. Aber bitter ist es trotzdem. Bauernopfer klingt es in meinen Ohren, weil auf einer anderen Ebene die persönlichen, wirtschaftlichen und emotionalen Abhängigkeiten (Ja, ja ich weiß mehr über die Geschäftführung als ich jemals wissen wollte) keine andere Lösung zulassen.

„Wir hatten ja eine gute Idee, nur Sie haben kein Geld daraus gemacht.“

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