Gisela und Horst

Dank che bin ich mal wieder auf den Unsinn, der so gerne über die Lebenssitution von BezieherInnen von ALG II verbreitet wird, gestoßen.

Nur soviel, Gisela und Horst sollten sich doch mal ans Wohnungsamt wenden oder ergänzendes ALG II beantragen, bei einem Einkommen von 1500 Euro netto, je nach dem wie hoch ihre Miete ist, sollte da Unterstützung möglich sein.

Ja, ja, die Diskussion soll sachlich geführt werden. Was ist denn an der Hatz auf die „schmarotzenden“, „faulen“ Erwerbslosen noch als sachlich zu bezeichnen. Wer Regelsätze auf dem Grundumsatz eines angeblich durchschnittlichen erwachsenen Mannes berechnet, ist nicht weit von Lebensmittelmarken weg.

Für mich ist diese unsägliche Studie aus Chemnitz nichts anders als die Vorbereitung auf die nächsten Maßnahmen, die gegen die Menschen, die im ALGII-Bezug stehen, ausgebrütet werden oder schon ausgebrütet sind. Und ja, niemand wird den Regelsatz auf 132 Euro absenken aber wie schon durch die Medien ging, die Kontrollen sollen mal wieder verschärft werden. Man schaue sich nur mal den Referntenentwurf für die Änderungen des SGB II und III an.

Und wer soll diese Verschärfungen durchführen? Ich kenne nicht wenige MitarbeiterInnen, der ausführenden Behörde, die schwer erkrankt sind. Ein Bekannte von mir wurde bei einem Einstellungsgespräch gesagt, dass sie mit 80% Verwaltungsarbeit rechnen muss. Ein anderer, der mit dem direkten Tagesgeschäft zu tun hat, weil er in der Widerspruchsabteilung tätig ist, ist inzwischen mit der Diagnose „Burnout“ nach Hause geschickt worden.

Während die Propaganda weiter die erwerbslosen ALGII-Empfänger gegen andere Bevölkerungsgruppen ausspielt, wird der Blick darauf verstellt, dass ein abgesenkter Regelsatz bei den Geringverdienen wahrscheinlich zu noch geringerem Einkommen führen wird. Es gibt nicht wenige Unternehmen inzwischen, die die Grundsicherung bei ihren Gehältern sehr wohl im Auge haben.

Nicht umsonst hieß das Gesetzesvorhaben, dass wir heute als Hartz I-IV kennen, vormals „Gesetz zur Einführung eines Niedriglohnsektors in Deutschland“. Jeder der auch nur ansatzweise etwas von Marketing versteht, sollte wissen, dass wir hier in der Bundesrepublik mit dieser Strategie nur verlieren können.

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2 Antworten zu “Gisela und Horst

  1. Am Ende wird man sicher den Schuldturm und ein modernes Äquivalent zur Galeere wieder einführen.

  2. immer auf die „draufhauen“, die eh‘ am rande stehen.
    zur momentanen kampagne gegen ALGII-BezieherInnen gibt es einen webclip, den ich bezeichnend finde, da wird nämlich auf die florida-rolf-kampagne aus dem jahr 2003 hingewiesen, erinnert frappierend an die heutige teneriffa-luxus-leben-kampagne

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