Köln am Samstag

Ich bin ja immer hin und her gerissen, prinzipiell sollte man solche Pappnase, wie die sogenannte Bürgerbewegung Pro Köln ignorieren und gut beobachten. Sie wollten ein Jahrhundertereignis und wenn wir ehrlich sind, sie haben es bekommen, auch wenn sie es sich sicherlich anders vorgestellt haben.

Bei strahlendem Sonnenschein sind wir gestern gegen 10:00 Uhr los. Eigentlich wollten wir über die Deutzer Brücke laufen, zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht klar, dass die Deutzer Brücke auch für Fußgänger gesperrt war. In der Deutzer Freiheit zogen sich hinter ein paar Autos eine handvoll Jugendlicher um und legten schwarze Klamotten an. Auf der großen Kreuzung standen dann so 50 schwarz gekleidete und schubsten Absperrgitter auf die noch verbliebene Fahrbahn. Die Atmosphäre war eher gemäßigt aber wer wusste schon was noch kommt, also sind wir zur Stadtbahn zurückgelaufen und dann von der Poststraße zum Heumarkt gelaufen.

Dort wurden noch die Leute, die zu den Blockadepunkten wollten, organisiert. Die große Bühne für das Arsch huh Konzert stand schon. Wir sind dann weiter zum Roncalliplatz. Dort kamen wir nach 11 Uhr an, dort wurden noch die letzten Reden gehalten und die Demo ging los. Alles soweit friedlich, bunt die Stimmung eher fröhlich.

Einige orientalisch verkleidete Menschen eilten an uns vorbei zum Heinrich-Böll-Platz, zu der Aktion 11.000 Bäuche. Eine Combo spielte Dixi und einige tanzten dazu orientalisch. Entspannt, verspielt, dort waren vielleicht 150 Leute. Nach einer Weile sind wir weiter. Zurück Richtung Heumarkt. Die Demo vom Roncalliplatz steckte irgendwo auf direkter Strecke zum Grüzenich fest also wollten wir uns seitwärts durchschlagen. Aber da stand ne Reihe Beamter, kein Durchgang, obwohl in den Parallelstraßen sichtbar hunderte Menschen rumliefen. Also ums Zelt bei der Mikwe rum und dann in die Straße eingebogen. So ging’s, weiter, immer mal wieder eine völlig unverständliche Straßensperrung, angeblich weils weiter untern Richtung Heumarkt zu voll sei. Was ich nicht bestätigen kann, ich habs da schon voller gesehen. An irgendeinem Blockadepunkt haben wir dann mal eine Pause gemacht, der Abstand zum Gürzenich war so gewählt, dass wir ohne schwere Hörschäden das Konzert verfolgen konnten. Am Blockadepunkt selbst konnte ich dann in Erfahrung bringen, dass die Leute auf der Rheinseite Verstärkung brauchten. Wir sind also einmal rum gegangen. Jeder noch so winzige Zugang zum Heumarkt war blockiert.

Am Rhein wurde dann deutlich spürbar, dass die ganze Veranstaltung nur einen kleinen Teil der Stadt betraf, hier saßen die Menschen, wie immer in den Cafes, promenierten über die Anlage und bestaunten die schwarzvermummten PolizistInnen, die plötzlich in Zweierreihen über die Wiese marschierte. Vor der Handwerkskammer gabs Ärger. Den Gerüchten zufolge hatten Demonstranten einige Pro Köln Anhänger dort entdeckt und diese massiv bedroht, so dass sie sich zu einem der dort stehenden Mannschaftswagen flüchteten. Als Verstärkung kamen dann die schwarz vermummten PolizistInnen aus der einen Richtung und jede Menge bunte Demonstranten aus der anderen. Schließlich waren diese Pro Köln Pappnasen zweifach eingekesselt, von einem Ring Polizei und drum rum ein großer Ring Demonstranten. Und darum noch ein Ring aus staunenden Zaungästen und Touristen. Die ein oder andere Stadtführung zog auch vorbei. Entlang der Promenade hetzten sehr viele Menschen mit schwerem Gepäck oder Einkaufstüten, die zeigten, dass sie von der Schildergasse kamen, vorbei, das jede Verbindung zwischen Heumarkt und Hauptbahnhof unterbrochen war.

Hier auf der Rheinseite haben wir dann endlich auch ein paar Informationen bekommen. Eine junge Frau zog in regelmäßigen Abständen über die Wiese und sorgte für Verstärkung an den entsprechenden Blockadepunkten und informierte darüber, dass die Veranstaltung abgesagt wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren wir 4 Stunden unterwegs gewesen und saßen auf einer Mauer und gönnten uns in der warmen Sonne ein Eis. Mich schmerzte mein Kreuz, Asphaltlaufen ist echt nicht meins. Die Hohenzollernbrücke war wohl auch wieder begehbar und wir haben uns dann auf den Heimweg gemacht.

Wenn ich so lesen, was die von sich geben, dass der OB von Köln gemeinsame Sache mache mit Linksextremisten, haben diese Idioten entgültig der Lächerlichkeit preisgegeben.

Das war und ist auch das beste an der ganzen Geschichte, die sogenannte Bürgerbewegung Po Köln hat sich der Lächerlichkeit preisgegeben und das ist auch die einzige Reaktion, die sie verdienen.

Es gab am Rande ein paar Scharmützel, vor allem immer dann, wenn einige von den Pro Köln Nasen sich unbedingt beweisen wollten, dass sie hier die Opfer des Systems sind. Statt einfach wegzubleiben, angesichts der in Worten und Taten deutlich gemachten Haltung „Haut ab, wir wollen Euch nicht hier“. Die sind schlussendlich selbst des Fughafens verwiesen worden. Wie deutlich soll es denn noch sein, kein Hotel, kein Taxi, nichts zu Trinken, Menschen aus allen Spektren der Gesellschaft, die ihre Abschlusskundgebung blockieren. Aber nein, wir sind ja gezwungen das zu machen, da wir in einer „linken und politisch korrekten Diktatur“ (Quelle: auch Spiegel) leben. Hier sieht man auch schön, welch geistige Haltung diese Rechtsradikalen pflegen. Da sie selbst sich nix anderes vorstellen können als Faschismus, Menschenverachtung und Verfolgung, sehen sie auch überall solches. Sie können sich auch nicht vorstellen, dass andere Menschen ohne solche Strukturen auskommen. Einfache Küchenpsychologie, sie gehen von sich aus und sehen nur, was sie selbst von der Welt erwarten.

Von Ausnahmezustand oder „Explosiver Lage“ (ist klar, das war die Welt) oder gar „Bürgerkrieg auf Kölns Straßen“ kann nicht die Rede gewesen sein.

Welche Schwachköpfe da in der Südstadt irgendwelche Mülleimer angezündet haben, lange nach dem die Bühnen abgebaut worden waren, weiß ich auch nicht. Aber schön, dass die Baseler Zeitung dieses Bild ins Zentrum ihrer Berichterstattung stellt, sagt ja mehr über die geistige Haltung der Leute hinter dieser Zeitung aus, als über den gestrigen Tag in Köln.

Gerade läuft wuf wdr3 cosmo tv extra zu Gestern, sehr angenehme und ausführliche Berichterstattung.

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Eine Antwort zu “Köln am Samstag

  1. Ja so ist Köln! Hotelmanager, Taxifahrer, Gastwirte, Bürgermeister, Polizisten… alles Linksradikale.

    Bei so viel Linksradikalen verwundert es mich dann doch, das die PI-Schwachköpfe sich für die schweigende Mehrheit halten. Denn offensichtlich haben ja die Linksradikalen die Mehrheit. Das sind eben nicht nur Pappnasen, die haben noch ganz woanders nichts anderes als Pappe.

    Was nun die Baseler Zeitung betrifft, so hat die keine Haltung und schon gar keine geistige. Das ist wie die NZZ einfach nur Papiermüll.

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