Überblick behalten

Es ist schon seltsam, in vielen einschlägigen Blogs herrscht seit Tagen Schweigen zum aktuellen Geschehen an den Finanzmärkten und in der Politik. Fast schon auffällig. Schockstarre? Oder fällt das was gerade passiert so aus dem Rahmen der bisherigen Argumentationswege, dass kaum jemand noch weiß, was er dazu schreiben soll? Ich weiß es nicht. Ich habe nicht wirklich den Überblick über die Gesamtzusammenhänge und lese auch deshalb gerne Blogs, weil sie mich mit Informationen versorgen, die ich mir sonst mühsam selbst zusammen suchen müsste oder sie helfen mir meine Gedanken zu klären. Und weil ich seit letzter Woche, jedes Mal wenn ich Nachrichten schaue, die Zeitung aufschlage oder im Internet recherchiere, von einem latenten Gefühl der Übelkeit begleitet werde, bin ich froh, dass es doch noch einige wenige gibt, die sich eloquent und kenntnisreich äußern können. Deswegen erteile ich das Wort jetzt gerne dem Mann mit den silbernen Teekannen. Ich habe dem Beitrag dort nicht viel hinzu zu fügen.

6 Antworten zu “Überblick behalten

  1. Wir, die kleinen Leute, haben zum einen eh nicht den gesamten Überblick und zum Anderen könnten wir an der Situation vermutlich eh nichts ändern. Also ist es wohl am besten, dass wenige Geld was man irgendwo hat, unter das Kopfkissen zu legen und Abwarten und Teetrinken.
    Aber das was im Moment passiert, auf das dürfte jeder kritische Zeitgenosse schon seit geraumer Zeit gewartet zu haben. Denn um die Zeichen zu deuten zu können, braucht man kein Studierter zu sein. Man muss die Zeichen nur sehen wollen.

  2. nicht nur „wir“ „kleinen“ leute haben keinen überblick, die verantwortlichen und spekulanten doch auch nicht :-(
    andererseits dürften aufgeklärte und denkende geister schon durchschauen, daß da im system was faul ist oder gar das ganze system???

    empfehlung: lies mal auf den nachdenkseiten, da stehen gute zusammenfassungen und linktips :-)

    last but not least noch ein kurzfilm-tip, in „Bembelshort: A Corner in Wheat“
    http://bembelkandidat.lima-city.de/blog/2008/bembelshort-a-corner-in-wheat/

  3. Ich hatte beim Platzen der letzten Blase, der Dotcomblase 2001 mitten im Geschehen gesteckt und dadurch angeregt überhaupt mit dem Bloggen angefangen, daher heiße ich che2001. Das war mir damals existenziell nahegegangen, während ich diesmal persönlich unbetroffen bin. Das,was jetzt passiert ist, hatte mein Freund Don Alphonso seit 2003 vorausgesehen, also überrascht es mich nicht. Ich denke da auch an Dinge wie die Ölkrisen von 1973 und 1978, den großen Börsencrash von 1986 und die Asienkrise (wann war die noch gleich? 1996?) und sehe das, was da jetzt passiert ist, als eine ganz normale Wirtschaftskrise, wie sie im Kapitalismus immer wieder auftreten.

  4. Ich kann mich da nur wiederholen: mir ist es nur beim Betrachten nahegegangen. Sowohl in der dotcom-Zeit als auch heute hatte ich immer eine Menge zu arbeiten, es war immer interessant und ich lerne seit 20 Jahren dazu.
    Ich bin nie in die Verlegenheit gekommen, mit Geld spekulieren zu müssen. Ich habe es früher desinteressiert betrachtet und heute sehe ich es kritisch. Aber die Finanzmärkte sind nur ein kleiner Teil der Marktwirtschaft und so stellt sich für mich das Prinzip nicht in Frage.

  5. der linke:

    „…und sehe das, was da jetzt passiert ist, als eine ganz normale Wirtschaftskrise, wie sie im Kapitalismus immer wieder auftreten.“

    der marktgläubige (ganz recht, es geht hier auch um etwas quasireligiöses):

    „Aber die Finanzmärkte sind nur ein kleiner Teil der Marktwirtschaft und so stellt sich für mich das Prinzip nicht in Frage.“

    mann,mann,mann!

    sollen wir das jetzt als reine bestätigung des marxschen satzes vom „sein, das das bewußtsein bestimmt“ nehmen? bei stefanolix kein wunder, würde/wird der bereits stattfindende crash doch die letzten reste der eigenen (pseudo)identität als „marktteilnehmer“ im orkus versenken – und was bliebe dann noch übrig?

    aber che, soviel – ja, borniertheit tut schon regelrecht weh und macht gleichzeitig deutlich, warum „die linke“ (als gesellschaftlich relevante bewegung) nicht mehr existiert – und das in einer situation, in der nichts nötiger wäre als eben das. was ist denn die konsequenz aus deiner aussage? alle können/sollen weitermachen wie bisher, es passiert nix aussergewöhnliches? die merkelsche pauschalgarantie für die „normalbürger“? der plötzlich hintenrum möglich gemachte bundeswehreinsatz im inneren? der plötzlich für alle und jede/n ganz offenbar gewordene widerspruch zwischem dem gebrabbel „es-ist-kein-geld-da-und-wir-alle-müssen-sparen-besonders-beim-sozialklimbim“ und der dreistesten erpressung ganzer bevölkerungen durch mit das widerwärtigste pack, welches diese spezies je hervorgebracht hat: „wir brauchen noch ein paar phantastilliarden mehr, sonst lassen wir alles den bach runtergehen“?

    draußen passiert gerade so einiges, was die nächsten jahre elementar bestimmen wird, und der angstschweiß der „eliten“ verteilt sich übelriechend im raum – und dann „weiter so“?

    nicht dein ernst, oder?

  6. Das, Monoma, habe ich nicht behauptet. Die Ölkrise von 1973 zog eine Phase der Stagflation, die erste Massenarbeitslosigkeitswelle in der Nachkriegs BRD und eine Wann-gehen-bei-uns-die-Lichter-aus-Stimmung nach sich, die dir bisherige optimistische Grundstimmung im keynesianischen Wohlfahrtsstaat durch ein Klima latenter Angst ersetzte. Auch das Atomprogramm der 70er Jahre (und als Reaktion darauf die Ökobewegung) sowie das Aufkommen von militantem Neofaschismus würde ich noch als Folgen dieser Krise begreifen. Die zweite Ölkrise verschärfte das Ganze noch einmal massiv. No future war nur unter diesen Ausgangsbedingungen denkbar.

    Die Asienkrise führte zu Massenarbeitslosigkeit in Japan, Südkorea und Malysia, zur Kürzung sozialer Leistungen auf dem Höhepunkt der Arbeitslosigkeit, schweren Straßenschlachten und einem Regierungswechsel in Südkorea und schuf die Grundlage sowohl des wirtschaftlichen Aufschwungs von Indien und China als auch der Dotcomblase. Natürlich wird die aktuelle Krise tiefgreifende gesellschaftliche Folgen haben. Es könnte sogar ein neuer Faschismus mehrheitsfähig werden, es könnte auch ein allgemeiner Linksruck einsetzen. Aber sorry, seit der Kleinen Rezession von 1969 wird die Entwicklung der Ökonomie von einer Art langwelligem Krisenzyklus bestimmt, das ist doch nichts Neues. Der Lebensstandard des Westens ist nicht ohne Leichenberge in den 3 Kontinenten zu denken. Wir profitieren von Folter, Vertreibung und Mord jedesmal, wenn wir Kaffee trinken oder Reifen kaufen. DAS IST DIE ALLTÄGLICHE NORMALITÄT.

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