Wochenrückblick

Es ist schon erstaunlich, die Bollwerke neoliberaler Politik fallen eins nach dem anderen. Ständig prangen mit diese Schlagzeilen entgegen „Branche, Unternehmen usw. XYZ baut auf Staat“ so oder so ähnlich. Nachdem uns seit mindestens einer Generation ständig der freie Markt, die Unterwerfung des Menschen unter marktkompatible Effizienzkriterien und dergleichen, gepredigt wurden, werden derzeit Positionen populär, die der gescholtenen Linken (staatsgläubige Marktverächter ) und der bürgerlichen Mitte (konservative Bremser) zuzuschreiben sind.

Auf einmal wird erkannt (ha ha), dass eine reine auf Effizienz und Wissensvermittlung ausgerichtete Erziehung an Schulen und Hochschulen sich als problematisch erweist. Bildung sei mehr als Wissensvermittlung. Ach so, das war ja nun auch die letzten 20 Jahre vollkommen unbekannt. Ich erinnere mich an einen meiner Literaturprofessoren, die, unter dem Druck des Umbaus der Universitäten, gegen den Strom ruderte und meinte, dass ein guter Germanist mindestens 10 Jahre studiert haben sollte. Das deckt sich auch mit meinen eigenen Erfahrungen, ein Turboexpressstudium von maximal 4 Jahren ermöglicht es keinesfalls, das ein Germanist oder eine Germanistin auf der Klaviatur der Geisteswissenschaften spielen kann. Zu jung, zu unerfahren. Aber was weiß ich, so als Germanistin schon, eines dieser überflüssigen Fächer, altmodisch, ineffizient, marktwirtschaftlich nur schwer zu verwerten. Mir ist das schon zu Zeiten meines Studium unglaublich übel aufgestoßen, die marktschreierische Frage nach der marktwirtschaftlichen Verwertbarkeit der Studierenden der geisteswissenschaftlichen Fakultäten. Ich kann nur hoffen, dass das jetzt nicht nur eine vorübergehende Panikreaktion ist.

Als nächstes stellt sich heraus, dass die Mehrheit der CDU und FDP-Anhänger (ja, die auch) für Verstaatlichung bestimmter Bereiche der Wirtschaft sind. Okay die Stichprobe ist nicht so groß. Was mich daran freut ist, dass die Arbeitgeberverbände und Interessengruppen, die hinter Lobbyorganisationen, wie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft stehen, offenbar ein Haufen Geld ausgegeben habe, dass lediglich ein hauchdünne Fassade aufgebaut hat.

Hätten sie für die Kohle nicht besser für die Steigerung der Innovationen und Qualität der wirtschaftlichen Produkte eingesetzt und damit Arbeitsplätze geschaffen – nur so ein Gedanke. Was mich daran ärgert, ist, dass es sehr deutlich wird, dass in den vergangenen ca. 10 Jahren eine Menge Leute irgendwelchen neoliberalen Quark dahergeplappert haben, hinter dem sie nicht standen. Möglicherweise sind da dann auch Entscheidungen gefallen, die von den Entscheidern in ihren Konsequenzen nicht wirklich erfasst worden sind. Rückratloses Pack. Mitläufer, FähnchenindenWindsteller. Aber jetzt, wo alle den Bach runter geht, jetzt können sie sich wieder äußern.

Erstaunlich finde ich auch das Erstaunen darüber, dass einige Banken eine solche Zurückhaltung zeigen, das „Rettungspaket“ der Bundesregierung in Anspruch zu nehmen. Ja, hallo, ist doch klar, im Moment wird ja wieder mal das Gespenst des diktatorischen Sozialismus an die Wand gemalt. Am Ende könnten sich die Bankvorstände noch mit einem A13 Gehalt wiederfinden. Das wollen die mit Sicherheit für sich verhindern.

Dann stellt sich heraus, dass die Bankvorstände der Bahn eine Menge (na ja für deren Verhältnisse eher weniger) Geld nachgeworfen werden sollte, wenn sie das Unternehmen, wie auch immer an die Börse bringen. Derweilen werden die ICEs der neuen Generation von der Schiene genommen und die Preise sollen um 4,5% erhöht werden. So eine Gehaltserhöhung würden manche sich wünschen. Die ständigen Preiserhöhungen der Bahn in den letzen Jahren sind echt der Hammer. Nicht wenige Menschen nutzen inzwischen Mitfahrgelegenheiten, weil es einfach zu teuer geworden ist mit der Bahn zu fahren (Allein die Strecke zwischen Frankfurt und Köln kostet ohne irgendwelche Ermäßigungen über 60 Euro für einen einfache Fahrt in der zweite Klasse). 120 Euro um einmal nach Frankfurt und zurück zu fahren? Das ist doch vollkommen daneben. Aber wenn die Vorstände das Unternehmen an die Börse bringen, wären auch noch 20% mehr Gehalt drin gewesen. War da nicht was mit den Zugführern und ihren ach so unverschämten Forderungen? Bigott und gierig ist das. Ach so, und natürlich Aktienoptionen. Das sollte einfach verboten sein, Vorstände sollten keine Aktienoptionen erwerben dürfen. Das würde den Druck aus den Unternehmen wahrscheinlich rausnehmen.

Noch ein Bollwerk neoliberaler Propaganda fällt in diesen Tagen. Der Mythos über den Segen der Leiharbeit. Die Wirtschaft befindet sich in Talfahrt und was passiert jetzt, die Leiharbeiter werden „freigesetzt“. Was für eine Überraschung, irgendwie schon komisch oder, hieß es nicht, dass sei der perfekte Einstieg in den Arbeitsmarkt? Festanstellung für Willige inklusive? Dass ganze Branchen nur noch Leiharbeiter einsetzten, ist bei diesem ganzen Geplärre über die Segnungen der Zeitarbeit untergegangen und jetzt bekommen wir die Quittung.

Studiengebühren schrecken vom Studieren ab? Dafür braucht es eine Studie? Witzig. Und dann wird immer nur ein Bruchteil der Wahrheit rausgelassen. Zu den „Studiengebühren“ kommen ja noch die sonstigen Gebühren dazu, die ja nach Uni auch nicht von schlechten Eltern sind. Dazu kommen gestiegene Lebenshaltungskosten. Studieren ist tatsächlich sehr sehr teuer geworden. Und dann, s.o. diese Verschulung der Studiengänge, so dass kaum noch Zeit ist, vernünftig für den Lebensunterhalt arbeiten gehen zu können. Bildungsgipfel? Ja, alles soll besser und schöner und überhaupt werden. Na, dann fangt doch gleich mal an, gebt den Schulen ihre Hausmeister und Putzleute wieder, renoviert die Schulen und Nebengebäude, sorgt für kostenlose, aktuelle Lehrmittel, stellt mehr LehrerInnen ein, zahlt ihnen mehr. Das gleiche gilt auch für die Hochschulen. Denn wie wir mit unseren Schulen und den Lehrkörpern umgehen, zeugt von der Werkschätzung, die ihrer Aufgabe entgegen gebracht werden und das schlägt natürlich auch auf die Schülerinnen und Schüler durch. Geld? Ich bin mir sicher, dass dies nur einen Bruchteil der avisierte 480 Mrd Euro, die für die Rettung der Wirtschaft locker gemacht wurde, ausmacht. Ach so, und schafft endlich dieses elende dreigliedrige Schulsystem ab. Ich meine, das pfeifen die Spatzen nicht mehr von den Dächern, da hocken inzwischen veritable ausgewachsene Drachen auf den Regenrinnen und brüllen.

Die Manipulation des Monats war ja wieder die Arbeitslosenstatistik. Unglaublich, dass da keiner beim Feiern dieser Zahlen rot wird.

Keine Sorge, ich habe meinen kleinen Zeitungsstapel gleich durch.

Und was sonst noch, Mobbing in Unternehmen, Rassismus im bundesdeutschen Alltag, wachsende Gewalt bei Jugendlichen und die Kommunen in NRW haben Angst vopr dem Bankrott, weil sie zuviel von dem Auffangen müssen, dass durch Politik, Wirtschaft und Unternehmen verbockt wird. Komisch, alles wohl Einzelphänomene. Probleme Einzelner ohne Zusammenhang mit den gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen.

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