Wahlnacht

Heute bin schon um 5 Uhr aus dem Schlaf geschreckt. Beide Fellnasen begrüßten das natürlich, weil die von der Zeitumstellung nix wissen und es eh unverschämt von mir finden, dass sie seit zwei Wochen eine Stunde später gefüttert werden.

Zu ihrer großen Enttäuschung habe ich aber erst mal die Klotze angeworfen und nach dem Wahlergebnis geschaut. Barack Obama liegt klar vorn und einige Minuten später tritt McCain vor die Kameras und verschafft sich einen höchst respektablen Abgang.

Dann eine Flut von Bilder. Menschen tanzen auf den nächtlichen Straßen, in allen Kneipen, Clubs und Restaurants wird mächtig gefeiert, der Sekt in den Läden ist ausverkauft. Es macht den Eindruck, dass in ganz USA die Menschen auf den Straßen sind und feiern. Ich frage mich, wie ein Mensch solche Hoffnungen und Erwartungen erfüllen kann. Ist das nicht zu viel. Der höchst langweilige Experte auf Phoenix hat recht, erst in zwei Jahren, zur Wahl des Repräsentantenhauses werden wir wirklich wissen, ob Obama überhaupt eine Chance hat etwas zu verändern, wenn er denn wirklich will.

Er hat sich viel vorgenommen, Krankenkassen einführen, Irakkrieg „verantwortungsvoll“* beenden, die Einkommenssteuer für Rentner streichen, die weniger als 50.000 Dollar im Jahr zur Verfügung haben, Mindestlöhne einführen, Gewerkschaften stützen, um nur ein paar Punkte zu nennen. Der Handlungsspielraum solcher Politiker ist meist ja begrenzter als man sich das vorstellt.

Seit den Kennedys wird in den Wahlkämpfen den AmerikanerInnen eine Krankenversicherung versprochen. Nun ja, wer die letzten Tage Phoenix geschaut hat, hat sich ein umfassendes Bild über die Situation „des kleinen Mannes“ in den USA machen können. Die Finanzkrise hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht, das Haushaltsdefizit scheint unüberwindlich. Wird Obama damit fertig werden oder tritt wieder dieser seltsame Effekt ein, dass die Demokraten meist während einer Rezession am Ruder sind und wenn es wirtschaftlich wieder aufwärts geht, sind es die Republikaner?

Ein letzter Gedanke, er ist der erste schwarze Präsident der USA. Ein ziemlicher Hammer ist das. Mal ganz davon abgesehen, dass er auch noch aus armen Verhältnissen kommt, in den Slums von Chicago gearbeitet hat. In allen Beiträgen in den Medien in denen seine Hautfarbe erwähnt wird, wird sofort gesagt, dass er keine Politik auf Grund seiner Hautfarbe machen wird, dass seine Hautfarbe letztlich keine Rolle spielt. Das wird so oft wiederholt, dass klar ist, welch große Rolle sein Hautfarbe spielt.

Den ganzen Morgen wird von den „Experten“ darauf hingewiesen, dass Obama von den Europäer mehr fordern wird. Nun ja, wie wäre es mal mit einem vernünftigen Klimaschutz in USA?

Die Butch an meiner Seite lässt sich über dem ersten Tee über die Wahl aufklären und nach der Frage, wann Obama denn nun wirklich antritt, sagt sie, wenn er solange überlebt. Auch ein guter Punkt, ich kann mir vorstellen, dass die Rassisten in USA derzeit die Messer wetzen.

Ich schenke mir jetzt noch eine Tasse Tee ein und werde, wie wir alle, abwarten.

*was sollen wir denn nun unter dieser Einschränkung verstehen?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s