Winter

Als Kind war ich mal drei Jahre in hessisch Sibirien im Internat. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass es inzwischen 30 Jahre her ist und es damals einfach kälter war aber dort gab es Winters jede Menge Schnee und Kälte. Schnee bis zur Brust und – 15 Grad als normale winterliche Tagestemperatur vor allem im Januar und Februar. Die „Dörfler“, eine Umschreibung für alle Menschen, die nicht Teil unseres Internatsuniversums waren, beschwerten sich jeden Winter, dass wir den Weg hinter der Schloßmauer mir Wasser vereisten, um schneller runterrodeln zu können. Wir hatten viel Spass, auch wenn es seitlich der Straße mächtig steil runterging und der Hang in einem Bach endete. So lernt man seinen Schlitten mit Gewichtsverlagerung zu steuern. Wenn ich schon mitbekommen, dass Eltern heutzutage Stress bekommen, weil ihre Kleinen einen sanften kleinen Hügel runterrodeln. So gesehen, gestern im wdr. Bei uns wars wohl besser, dass unsere Eltern alle weit, weit weg waren und nicht mitbekamen, wenn wir aus Schnee und Wasser eine Kurve bauten um schneller und schnittiger auf die vereiste Rodelstraße zu kommen. Natürlich besaß ich damals alles, was ich so brauchte, um an einen kalten Wintertag problemlos stundenlang draußen zu toben.

Inzwischen lebe ich schon lange in den eher winterlosen grauen Regionen der Großstädte und da ich keinerlei Wintersport betreibe, besitze ich nicht mehr wirklich die angemessene Kleidung für frostkalte Tage.

Ich will wieder so einen Schafwollpullover (nicht Pulli, Pulli ist ein Diminutiv für ein Kleidungstück, dass lediglich kleidet aber nicht wärmt) unter den man drei langärmlige Shirts anziehen muss, weil es sonst kratzt. Den man erst in der Minute bevor man das Haus verlässt überzieht, weil er wirklich warm hält. Den ich nicht zu waschen brauche, weil er selbst „ungewaschen“ ist (Ja liebe Reinlichkeitsfantatiker ein echter Schafwollpullover darf nicht gewaschen werden, da er sonst kaputt ist) und lediglich eine Nacht auf dem Balkon braucht um zu sich zu reinigen. Wollweiß mit wollbrauenen Norwegermustern soll er sein, und ich werde ihn auch gerne selbst stricken. Ich will nie wieder in einem Winter das Problem haben, nicht so recht raus zu wollen, weil ich genau weiß, dass dieser Fließmist nicht wirklich warm hält, jedenfalls nicht so wie ein Pullover aus ungewaschener Schafwolle.

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2 Antworten zu “Winter

  1. Soll ich Dir schweren Herzens meinen Isländer überlassen? Den brauchtest Du nämlich nicht erst in der Minute überzuziehen, ehe Du das Haus verlässt. Ich war sehr erstaunt neulich: Wir gingen in unseren Isländern ein Stück über die Straße zu einer Nachbarin, und im gut geheizten Zimmer saßen wir einige Stunden ohne zu schwitzen. Unbehandelte Schafwolle gleicht wunderbar aus.

  2. Eule, siehst, sogar das habe ich vergessen, nein, herzlichen Dank für dein großzügiges Angebot, ich werde versuchen selbst an so ein Stück zu kommen.

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