Was nicht stimmt in diesem Land

Der Einsturz des Kölner historischen Stadtarchivs ist ein schönes Beispiel dafür, was in dieser Gesellschaft nicht stimmt. Was passieren kann, wenn die normalen Wahnsinnigen (Gruen) viel Geld in ein sinnloses Bauprojekt stecken und ihnen Werte, wie ein funktionierendes Stadtteil, jahrhundertealte Dokumente eigentlich egal sind. Aber jetzt rumheulen und vom „verlorenen Gedächtnis der Stadt“ faseln. Ich hab son Hals, die sollen sich hübsch mal zurückhalten und den Herrschaften von der KVB gönne ich ein Spießrutenlaufen entlang der Severinstraße bis zum Clodwigplatz.

Jetzt wo Dokumente aus Jahrhunderten unter Schutt und Dreck begraben sind, stellen sich die Politiker, denen die Ursache eine Prestigeangelegenheit war, mit tief betroffener Miene vor die Kamera. Ich bin mir sicher, dass Arno Gruens Aphasiker über die sehr lachen würden.

Dass das Archiv seit Jahren aus allen Nähten platze, dass es im Sommer zu heiß wurde für die empfindlichen Dokumente und die wertvollsten zum Schutz vor Hochwasser im obersten Stockwerk gelagert werden mussten, hat aus Kostengründen keinen interessiert. Wie ich heute im Kölner Stadtanzeiger lesen musste, konnte eine Verfilmung aller Bestände bis 1815 nur deshalb durchgeführt werden, weil dafür Gelder vom Bund bereitgestellt wurden. Allerdings sollen die Microfilme von schlechter Qualität sein, da es aus Geldmangel schnell gehen musste. Alle Archivarien, die einer Ausleuchtung oder anderen Aufwand bedurft hätten, wurden nicht verfilmt.

Die Kosten haben den Umzug des Archiv in neue Räume verhindert. Der vorgeschlagene Bauplatz wurde vom Rat der Stadt aus Kostengründen abgelehnt, es wurde noch nach einem geeigneten Objekt gesucht. Warum nicht eines der leerstehenden Stadtteilrathäuser? Für die zahlt die Stadt doch auch einen Arsch voll Geld an irgendeine ihrer Klüngelorganisationen. Okay, die Räumlichkeiten hätten umgebaut werden müssen aber vorhanden sind sie und leer stehen sie auch.

Aber diese überflüssige von den meisten Kölnern nicht gewollte U-Bahn darf über 1 Mrd kosten. Ja, klar, Kostenexplosion, unvorhersehbare. Das ich nicht lache, wir wissen doch alle, wie das mit den öffentlichen Ausschreibungen so läuft. Das ist auch so ein Elend, diese öffentlichen Ausschreibungen, wo an die Höhe des Preises noch eine Menge anderes Geld gebunden ist (Landes. und Bundesmittel) und wo jeder weiß, dass das alles gelogen ist. Wer wollte das Ding eigentlich? Auffällig ist nur, dass da eine große Baustelle direkt vorm Rathaus ist. Und das obwohl man in Köln bequem vom Hauptbahnhof zum Rathaus laufen kann.

Keine Kohle für ein Archiv aber für 5 Kilometer U-Bahn. Soviel zur Bedeutung des bedeutensten historischen Archiv nördlich der Alpen. (Ja klar, da hab ich ja schon mal drüber geschrieben, das Köln immer den Größten hat)

Inklusive der strukurellen Zerstörung eines Stadtteils und den ewigen Lügen, die sich die Anwohner der Severinstraße von den Verantwortlichen in den letzten Jahren anhören mussten. Seit Jahren bilden sich in den Häusern an der Severinstraße nicht unerhebliche Risse und ein Gutachter, der heute im wdr zu Wort kam, findet die alles andere als harmlos. Aber nein, wie die Bewohner berichteten, wurde ihnen allen Ernstes beschieden, dass das nichts mit dem U-Bahn-Bau zu tun hätte. Das Rathaus hat sich abgesenkt, in einer Kirche ist die Decke abgestürzt, in Häusern bilden sich fingerdicke Risse alles entlang der U-Bahn-Trasse aber nein, was nicht sein darf, das nicht sein kann. Ruinierte Existenzen, die bis heute auf die zugesagte Kompensation warten. Könnte ja sein, dass ein Laden nicht wegen des U-Bahnbaus pleite gegangen ist sondern weil die Kunden wegblieben.

Und jetzt? Vermutlich sind bei der Katasthrope zwei Menschen umgekommen und eine unbekannte Anzahl an Haustieren und Kulturschätze, deren Verlust für unsere Gesellschaft kaum zu ermessen ist, sind zerstört. Kunstschätze, die die Jahrhunderte, Kriege, Hochwasser, Bombenkrieg überlebt haben, sind jetzt einer blöden U-Bahn zum Opfer gefallen. Sehr deutlich stand heute im Kölner Stadtanzeige, dass die im Archiv begutachteten Risse nicht gefährlich waren, die Gutachterin aber eine weitergehende Prüfung empfahl, die nicht erfolgte. Mal ganz abgesehen davon, dass das Archiv mit 60 Millionen (geschätzer Wert 400 Mio. Euro) gnadenlos unterversichert war.

Ich sehs schon kommen, am Ende finden sie ein paar arme Bauarbeiterschweine und ihren Polier, die unter dem Druck die in der Baubranche herrscht, irgendeinen Fehler beim Bau dieser Schutzwand gemacht haben und deren Köpfe dann rollen werden und die eigentlich Verantwortlichen werden ihre dicken Finger über ihren Kölschbäuchen falten und zufrieden gucken, weil der Gerechtigkeit genüge getan wurde.

Wenn wir in einer Welt leben würden, die mir besser gefallen würde, wäre den Menschen und den Dokumenten nichts zugestoßen, denn einerseits hätten diese Dokumente ein angemessenes Gebäude zu8r Verfügung gestellt bekommen und andererseits wäre diese U-Bahn als Prestigeobjekt für profilneurotische Politiker gar nicht erst gebaut worden. Wie mich das alles manchmal ankotzt.

Wie wäre es denn mal damit, alle noch amtierenden Politiker der Stadt Köln, die damals unbedingt diese U-Bahn wollten, treten jetzt mal zurück. Die KVB zahlt Schadenersatz in angemessener Höhe an alle aus ihren Häusern evakuierten Menschen, die nichts als das sie am Leibe trugen mitnehmen konnte. Der U-Bahn-Schacht wird umgewidmet und ist der zukünftige Platz für ein riesiges angemessenes Archiv und eine Gedenkstätte für den Wahnsinn, der in unserer Gesellschaft grassiert.

Herr Quirinus hat auch was dazu gesagt:Das verschüttete Gewissen

Vielleicht ließt ja einer der Verantwortlichen bei der KVB auch mal die Süddeutsche: In Köln waren Bodenproben egal

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Eine Antwort zu “Was nicht stimmt in diesem Land

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