Die Zeichen stehen auf Sturm

Ich hätte Wind und Regen heute erwartet, Sturm mit mindestens 140 Km/h, so dass das Sonnenlicht nur zeitweise durch die Wolken brechen würde und eine düstere Kulisse fahl beleuchtete. Aber nein, am heutigen Tag strahlt mir der Himmel unerträglich blau entgegen, die Sonne macht sich auf auch diesen Tag in einen späten Sommertag zu verwandeln.

Ich will gleich los, wählen gehen, in der Hoffung, dass wenigstens schwarz/gelb verhindert werden kann. Das Wetter ist einfach zu gut für einen solchen Wahltag. Zu viel steht auf dem Spiel. Zu viel ist schon unter die Räder einer alles wirtschaftlichen Erwägungenen unterordnenden Politik geraten. Was bedeuten diesen Wirtschafttechnokraten schon das Leben, die Freude ein Kind heranwachsen zu sehen oder den eigenen Garten zu pflegen. Freunde mit denen man lange Sommerabende verbringt. Die eigene Entwicklung als Mensch. Dieser sattgelbe Schmetterling, den ich gestern gesehen habe oder die beiden Bussarde, die aufgregt den Traktor folgten, der die Erde umgrub. Dinge, die wirklich wichtig sind. Liebe in all ihren Facetten. Ist das wirtschaftlich verwertbar? Nein, also ist es nichts wert, nach der Logik dieser Wirtschaftsexperten. Die Wirtschaft muss laufen, sonst, so behaupten sie, gehen wir unter. Am allerliebsten lebten diese in einer Welt hedonistischer Vereinzelter, die ihren eigenen Wert lediglich an den Dingen messen, die sie kaufen können. Wachstum, dieses Wort haben sie inzwischen vollständig aufgesaugt. Meint doch Wachstum da nicht mehr, das Wachsen von Kindern oder Pflanzen oder Wissen, sondern das Vermehren von abstrakten Vermögenswerten.

Aber wofür all diese Wirtschaftlichkeit? Wertzuwachs als Selbstzweck? Es stößt mich ab. Vom Kindergarten – ach was sage ich – vom Mutterleib an, sollen wir schon gefördert, gefordert und zu ideal ökonomisch verwertbaren Arbeitsvieh gestaltet werden. Spielen bitte nur, wenn es einen Sinn hat. Als wäre das Spiel von Kindern je sinnfrei gewesen. Nur weil wir Großen den Sinn dahinter nicht mehr verstehen können.

Dumm ist das alles, so dumm, so zerstörerisch. Die nennen das Wissensgesellschaft aber in Wirklichkeit meinen sie eine Verwertungsgesellschaft, denn Wissen ist nicht mehr gefragt. Ein Wissen, das aus Erfahrungen, Erleben, Lebenszeit und Bildung (nicht Ausbildung) besteht. Wertlos, Abgewertet.

Was bleibt zu wünschen, eine Revolution? Menschen auf der Straße, die ersteinmal deutlich machen: So nicht mehr, mit uns nicht mehr, keinen Schritt gehen wir mehr mit, auch wenn wir aktuell noch keine Antworten darauf haben, wie wir aus dieser Katastrophe wieder herauskommen. Das würde mir gefallen.

Denn, dass wir schon längst in einer Katastrophe stecken, sollte jedem einigermaßen wachen Menschen klar sein. Der Preis, den unsere Lebenführung kostet, ist schon viel zu hoch. Selbstzerstörerisch ist das. Es ist schon so, wir sitzen in einem abstürzenden Flugzeug, nur das wir immer noch so hoch fliegen, dass es sich nicht, wie ein Absturz anfühlt, weil der Boden noch so weit weg erscheint. Es ist kein Sinkflug, an dessen Ende wir sanft landen werden, wenn wir den kritischen Punkt erreicht haben – von dem ich hoffe, dass er noch nicht erreicht ist – werden wir unaufhaltsam von der Schwerkraft zu Boden gerissen werden.

Ich kann mir vorstellen, dass zukünfitge Generationen – wenn wir das alles überleben – unsere Zeit als dunkles Zeitalter betrachten werden. Eine Zeit in der Egoismus, persönliche Bereicherung und der absichtlichen Dummheit, diesen Planenten mit all seinen Lebewesen fast zerstört haben. Und sie werden damit zu tun haben, dass sie die Folgen unserer Lebenweise, immer noch ausbanden dürfen. All die zerstörten Landstriche, weil hochradioaktives Material dann doch ausgetreten ist, weil in 125.000 Jahren auch die Erde ihr Gesicht verändert und niemand mit Sicherheit sagen kann, wie es aussehen wird. Oder all die versalzten, toten Landstriche, die von Giftmüll, Schweröl verseuchten und von uns leergefischten Meere, das ist das Erbe, das wir für künftige Generationen vorbereiten.

Und da heulen ein paar Wirtschafttechnokraten rum, weil man ihnen ein bisschen Geld weggenommen hat. Das ist albern und peinlich.

Jetzt ist es erstmal gut, die Sonne scheint und ich werde jetzt noch einen Tee trinken, mich anziehen und wählen gehen, dann werde ich noch ein bisschen arbeiten und heute Nachmittag ein vor die Tür gehen. Und meinen Traum, der nicht nur meiner ist, noch für ein paar wenige Stunden hegen.

Geht wählen!

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