Selbstständigkeit ist geil

Nachdem ich die ganze Woche gegen 5 Uhr aufgestanden bin und bis 19:00 Uhr unterwegs war, ist mein Schlafrythmus vollkommen im Eimer. Den gestrigen Tag habe ich mehr oder weniger verschlafen, mit dem Ergebnis, dass ich jetzt seit einer halben Stunde hellwach bin. Macht aber auch nichts, ich genieße die Stunden am Morgen, die ich ganz für mich allein habe. Dies sind seit ungefähr 10 Tagen, die ersten paar Stunden, die ich allein für mich habe.

Wieder belomme ich tiefere Einblicke in Unternehmen, als es mir lieb ist. Interessant ist auch, wie schnell mir die Menschen vertrauen und mir, als Externe, von den Nöten und Katasthrophen ihres beruflichen Alltags erzählen. Was mich, wie immer darin bestätigt, selbstständig zu bleiben. Ich bin wirklich froh nach ein paar Tagen wieder woanders hin zu kommen und nicht zu tief in diese Geschichten verstrickt zu werden. I

Das Klima in durchschnittlichen Unternehmen ist ziemlich unten durch. Überarbeitete, überlastete Mitarbeiter, ignorantes merkbefreites Leitungspersonal (von Führung kann ja nicht die Rede sein). Ich bin schon immer sehr erstaunt, dass die Wirtschaft überhaupt läuft, wenn ich so betrachte, was an Produktivität und Resourcen allein durch die Unfähigkeit des durchschnittlichen Vorgesetzen bis weit nach oben in die Geschäftsführung vernichtet wird. „Nieten in Nadelstreifen“ ist für die durchschnittliche Führungsetage durchschnittlicher Unternehmen noch eine freundliche Bezeichnung für die geballte soziale Inkompetenz, Habgier, fachliche Ahnungslosigkeit und erbitterte Dummheit, die ich so mitbekomme. Nach 20 Jahren Berufserfahrung kann ich den nächsten Gruppenleiter/Abteilungsleiter in einer Horde Angestellter schnell ausmachen – es sei denn er wird von außen eingekauft – es ist der Typ, der am wenigsten in der Lage ist, kooperativ, produktiv und rücksichtsvoll mit seinen KollegInnen umzugehen. Führen und soziale Kompentenzen lesen sich auf dem Papier wirklich gut aber der Typ, der in der Lage ist sich ins beste Licht zu rücken und gerne die Arbeit anderer als die seine ausgibt, weil er sonst auch nicht viel leistet, hat jede Ausstiegschance. Das funktioniert auch deshalb, weil über ihm/ihr die gleichen Flachpfeifen sitzen, die natürlich dafür sorgen, das sie nur von ihresgleichen umgeben sind. Es gibt in Deutschland kaum Vorgesetze, die den Titel Führungskraft verdienen.

Warum das funktioniert, ist mir einigermaßen schleierhaft. Es scheint so eine Mischung aus Peters-Prinzip und dem von Max Weber beschriebenen Prinzipien der Arbeitsethik zu sein. Wenn nicht alle glauben würden, das Arbeit hart und anstrengend sein muss, glaube ich kaum, dass so viele das mitmachen würden. Schlimmer noch, selbst die unhaltbarsten Zustände werden sich schöngeredet. Und – was sich eine ehrenwerte Angelegenheit ist – mit Rücksicht auf die dirkekten Kollegen wird weitergemacht.

Sicherlich das Thema ist komplex aber ich wünschte den Angestellten und mitteleren Führungskräften mehr Widerstandswillen, weniger Duldsamkeit und mehr Bewußtsein darüber, dass ein gutes Leben etwas anderes ist, als durch 10 Stunden Tage zu hetzten.

Ich werde jetzt mal ein paar Rechnung schreiben.

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2 Antworten zu “Selbstständigkeit ist geil

  1. Arbeit iss Aphrodisakum für die einen, Sedativum für die annern … auf jeden Fall kann man sich gut darin verkriechen: „Jezz bitte nich, ich muss dat erst noch fertig kriegen“ „… ich bin so kaputt …“ „… ich muss morgen ganz früh …“

    Kenn‘ ich nur zu gut. 25 Jahre lang als letzter das Licht ausgemacht und als erster wieder an. Brauch mich keiner bedauern, ich bekenne: Flucht vor der privaten und familiären Verantwortung – und es war geil, wie einen die anderen ansahen.

    Es iss nich nur die Ausnutze der Chefs und der Vorgesetzten es iss auch – s. o.

    Beste Grüße

  2. Okay, zugegeben, aber ich kenne auch genug Leute, die vor lauter Angst vor ALGII aber auch jeden Mist mitmachen. Außerdem funktioniert das alles ja auch nur, weil alle mitspielen, die FreundInnen, die Familie, die PartnerInnen. Irgendwie haben alle diese Haltung gefressen, dass Arbeit ja so wichtig ist und das sich alles dem unterzuordnen hat. Ja, eine gute Arbeit ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens aber längst nicht der einzige. Lebensqualität ist mehr als nur Erwerbsarbeit.

    Was das Ausnutzen angeht, ich bekomme wirklich viel mit und der Anteil der inkompetenten Vorgesetzen, die gerne die Arbeit anderer als ihre ausgeben, scheint sich zu häufen.

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