Vulva – die große Unbekannte?

Die Überschrift, ist der Titel eines Beitrag des Blogs AG Queer Studies, die einen Podcast mit der Kulturwissenschaftlerin Mithu Melanie Sanyal und Autorin des Buches: „Vulva – Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts“ erschienen bei Wagenbach. via

Ich habe mir eben den Podcast angehört und die teils vergnüglichen, teils schrecklichen Anekdoten der Autorin, die ganz wunderbar über die Vulva und ihre Bedeutung in der Geschichte, plaudern kann, verfolgt.

Was mich etwas erschüttert hat, war, dass die Autorin zu Beginn erzählt, wie sie selbst auf ihre eigene Vulva -ja, wie sag ichs nur -aufmerksam wurde und mit Erstaunen und Befremdung endeckte, dass sie mit einem vollständig kolonisierten Teil Ihres Körpers konfrontiert war. Was dann auch der Auslöser für das Thema ihrer Dissertation war und die Publikation.

Habe ich da was nicht mitbekommen? Ist irgendwas in den vergangenen 20-30 Jahren verschwunden? Etwas, das mir selbstverständlich erscheint? Es scheint so zu sein.

Ich habe keine Ahnung, wie alt die Autorin ist, in meinen Ohren klingt sie, wie um die/Mitte Dreissig, könnte aber auch jünger sein. Ich selbst kenne meine Vulva recht gut und weiß auch, wie sie aussieht. Dieses Wissen verdanke ich der neuen Frauenbewegung, die mit Selbstuntersuchungskursen und entsprechenden Publikationen schon vor 40 Jahren versuchte das Tabu um das weibliche Geschlecht zu brechen. Es gab damals die Publikation „Frauenkörper neu gesehen“, die eine ausführliche und detailverliebte Darstellung der außenliegenden und innenliegenden Teile (was der weit größere Teil ist, für alle, die das nicht wissen sollten) des weiblichen Geschlechts enthielt. Darüber hinaus gab es die Künstlerin und Poinierin Betty Dodson, die sich, neben anderem, der Selbstbefriedigung hingebungsvoll widmete und in deren Buch „Sex for one“ mehr als eine wunderbare Zeichnung von Vulven, unerregte, wie erregte enthält. Fotos von ekakulierenden Frauen veröffentlichte die Emma schon vor mehr als 20 Jahren. Zugegebenermaßen, war die große Zeit der Selbstuntersuchungskurse schon vorbei aber die schlichte Auffordung mal einen Schminkspiegel für was sinnvolles einzussetzen, bin ich schon in recht jugendlichen Alter nachgekommen.

Und jetzt das, eine Doktorandin der Kulturwissenschaften will die das unsichtbare Geschlecht enthüllen, das für mich überhaupt nicht unsichtbar ist. Wie es scheint, hat der Rollback und der Neoliberalismus in dessen Spannungsfeld der Feminismus in Teilen steht, es geschafft, diese bedeutenden Bewegungen der Frauenbewegung wieder aus dem Gedächtnis zu steichen. Vielleicht ist es auch eine Frage der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, wenn ich so darüber nachdenke, bin ich mir sicher, dass die meisten meiner damaligen Schulkameradinnen bis heute ihre Vulva nicht kennen. Obwohl ich es ihnen anders wünsche.

Deswegen, wenn das Buch von Mithu Melanie Sanyal ebenso unterhaltsam und aufklärerisch ist, wie es dieser Podcast ist, kann ich es unbedingt empfehlen und hoffe, dass sie damit ein weiteren Meilenstein auf dem offensichtlich schwierigen Weg der Wiederaneignung der eigenen Sexualtität der Frauen gesetzt hat.

P.S.
Btw. Für alle meine linken Freunde (!), vor allem denke ich da ein einen bestimmten Blogger, empfehle ich sozusagen parallel zu diesem Diskurs, diesen hervorragenden Text über sexistische Männer. Den ich hervorragend finde und zukündtig in ausgedruckter Form mit mir führen werden, um ihn in entsprechenden Diskussion den entsprechenden Diskutanten auszuhändigen. Viel Spaß beim Lesen.

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