Die namenlose Frau

In diesem Kommentar von Ines Pohl „Wenn sexuelle Gewalt verniedlicht wird“ wird eigentlich alles gesagt, was ich über die Berichterstattung über Strauss-Kahrn denke.

Aber eine Sache stößt mir echt auf, der Name der Frau, die von Strauss-Kahn wahrscheinlich angegriffen wurde, heißt nicht: „32-jährige Hotelangestellte“ oder „32-jähriges wehrloses Opfer“, auch nicht „ein Zimmermädchen“, genauso wenig „eine Frau aus Guinea“, noch schlimmer „die 32-jährige, die möglicherweise HIV positiv ist“, um nur ein paar Bezeichnungen aufzulisten, die mir auf der Suche nach dem tatsächlichen Namen der Frau begegnet sind. Ich bin sogar in die Tiefen der B*ild abgestiegen und dort fand sich der Vorname der Frau: Nafissatou D.

Ich möchte ja annehmen, dass dies dem Schutz der Frau D. gilt aber meine Lebenserfahrung sagt mir etwas anderes, denn soweit ich die Bilder richtig im Kopf habe, ist das Haus der Frau D. von Kameras umstellt. Unter dem Schlagwort „Strauss Kahn“ finden sich weit über 10.000 Artikel in der Suchmaschine aber der Name der Frau, den ich heute nur mal kurz in den Nachrichten hörte, ist so gut wie nicht zu ermitteln. Es drängt sich mir der Eindruck auf, dass die sexistische Haltung, Frauen als Ojekte zu betrachten, sich auch in dieser Namenlosigkeit widerspiegelt. Und Mitgefühl für eine namenlose Funktion (Zimmermädchen) bleibt dabei auch auf der Strecke.

Sie ist nicht irgendeine Frau, die zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort war. Sie ist eine konkrete Frau, mit Familie, Wohnung oder Haus, Interessen, Liebe und Frust, sie hat einen Namen und ein jetzt ruiniertes Leben. Es wird sie Zeit und viel Hilfe durch ihre Lieben brauchen, das erlebte zu verarbeiten. Ich hoffe, dass sie viele Menschen um sich hat, die sie unterstützen und auch von den Medien abschirmen.

„Die Empathie wird dem Vergewaltiger geschenkt. Nicht der Frau, die während ihrer Arbeit vergewaltigt wurde.“

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Eine Antwort zu “Die namenlose Frau

  1. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es dem Opfer gelegen käme, in einer vergleichbaren Art und Weise in die Öffentlichkeit gezerrt zu werden. Vielleicht ist sie sehr froh darüber, dass ihr Name eben nicht in den Medien erscheint. Das Gegenteil -davon ist ausgehen- wird bei DSK der Fall sein. Deine Folgerung stimmt m.E. nicht. Ich habe mich sehr kritisch mit diesem Fall auseinandergesetzt. Ich habe keine Empathie gegenüber dem mutmaßlichen Täter. Das Opfer kenne ich nicht. Ihre Identität wird -vermutlich bewusst- geheim gehalten. Und ich verstehe das. Wie kann man aber einem Menschen Empathie entgegen bringen, den man nicht kennt. Ich verachte Vergewaltiger, und ich habe eine Vorstellung davon, was Vergewaltigung bedeutet. Nur sollten wir doch erst dann urteilen, wenn die Vorwürfe aufgeklärt worden sind.

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