Es ist systemisch bedingt!

Ich hatte gestern eine Diskussion über die ARGE, heute Jobbörse, genannt. Ausgelöst wurde sie durch die Meldung, dass unfassbarer Weise ein Mensch in einem Jobcenter in Frankfurt am Main, die mit einem Messer bewaffnet war, von einer Polizistin nicht mattgesetzt wurde sondern erschossen wurde.

Der, na Kollege, ist ein jüngerer Sozialarbeiter, der mir erklärte, dass die MitarbeiterInnen der Jobcenter ja nicht anders könnten und ihre Arbeit machen müssten, das Problem mit dem SGBII wäre ein systemisches. Mein Standpunkt dazu ist, dass das System von Menschen gemacht wird, dass wir das System und die Menschen nicht trennen könnten. Ich bin der Überzeugung, dass jeder Mensch, der dort arbeitet und nicht in absehbarer und nach Möglichkeit dort weggeht, sich zum Handlanger einer Politik macht, die – zwar nicht offen ausgesprochen – die physische und psychische Zerstörung der Menschen plant. Ein Prozess, der in Deutschland schon seit Jahren zu beobachten ist und der Kampf gegen die Menschen im SGBII Leistungsbezug wird monatlich mit härteren Mitteln geführt. Ich bin auch der Überzeugung, dass die MitarbeiterInnen der ARGEn, die dort verbleiben (!), mit diesem Umgang mit Menschen einverstanden sind. Und da kann ich die Menschen und das System nciht mehr voneinander trennen. Zumal es ja genug MitarbeiterInnen der Jobcenter gibt, die sich mit dem SGBII nicht wirklich gut auskennen und den Umgang mit den Menschen dann sozusagen aus ihrem Erfahrungshintergrund heraus interpretieren. Da kommen auch immer mal wieder die unglaublichsten Dinge bei zustande, die mir deutlich machen, dass diese MitarbeiterInnen der ARGE Ihre Macht über ihr Klientel sehr wohl genießen. In der aktuellen gesellschaftlichen Atmophäre, die von Medien und Politik getragen, diese Menschenverachtung gutheißen, werden sie auch nur seltenst mit einem anderne mitfühlenden Standpunkt konfrontiert.

Unsere Gesellschaft neigt leider dazu den Menschen, der sich von seinen Impulsen abgeschnitten hat und sich ohne Mitgefühl und Verletzlichkeit durchs Leben bewegt und damit sehr wohl sehr erfolgreich in diesem gesellschaftlichen Sinne ist, zu glorifzieren. Irgendwie ist die Hoffnung der mitteleuropäischen Kultur, die eher als unangenehmen empfunfenen Gefühle, die uns minderwertig, unzulässig, klein, ohnmächtig zu fühlen lassen, loswerden zu können, immer noch Programm.

In der Psychopathologie kennt man als schwerste psychische Erkrankung, den Psychopathologen/Soziopathen, der eben nicht in der Lage ist seine eigene Verletzlichkeit anzuerkennen und zu integrieren. Manchmal denke ich, dass diese Erkrankung in unserer Gesellschaft sehr weit fortgeschritten ist.

Erkrankung hin oder her, auch das enthebt keinen von uns, die Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen. Ein ARGE Mitarbeiter, der ohne Bedenken sanktioniert und sich auf systemischen Argumente hinaus redet oder, dass er sonst seinen Job verloren hätte (irgendwie eine grausame Argumentation), ist für mich nicht anders, als die viel beschworenen Schreibtischtäter, die den Holocaust an den Juden mitzuverantworten haben.

3 Antworten zu “Es ist systemisch bedingt!

  1. @“In der Psychopathologie kennt man als schwerste psychische Erkrankung, den Psychopathologen/Soziopathen, der eben nicht in der Lage ist seine eigene Verletzlichkeit anzuerkennen und zu integrieren. Manchmal denke ich, dass diese Erkrankung in unserer Gesellschaft sehr weit fortgeschritten ist.“ —– Das ist ja monothematischer Ausgangspunkt von Monomas Blog „Autismuskritik“, auch der diese auf eine mitunter kryptische Weise betreibt und sich mitunter ziemlich verrennt.

  2. Da fehlt ein „wenn“

  3. Sorry für die späte Reaktion, ging etwas turbulent zu bei mir in den letzten Wochen,
    che, ich habe keinerlei Ahnung, wieso du in dieser Weise auf meinen Beitrag reagierst, Monoma leistet einen wichtigen Beitrag in seinem Blog und warum du im Kontext mit der Ermordung einer Frau darauf hinweist, dass er sich „mitunter ziemlich verrennt“ erschließt sich mir nicht und ich weiß auch nicht, was das mit dem Inhalt meines Beitrags zu tun hat. Oder meinst du damit, dass ich mich verrenne?

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