Warum fragt da eigentlich keiner nach?

Oh meine Güte, da stehen sie überall rum und halten ihr Gesicht in die Kamera und heucheln Betroffenheit, der Bosbach, der Friedrich und wie sie nicht alle heißen. Von nichts wollen sie gewußt haben und die Journalisten, interviewen? Als hätten sie keine Ahnung fragen sie nicht nach, niemals, wie das sein kann, dass bei der Menge an V-Leuten bis in die obersten REihen der Naziorganisationen und die ganze Kohle, die sie denen hinterher geworfen haben, keine Infos – nichts? Dass 10 Menschen mit der gleichen Waffe ermordet wurden? Leute mit Migrationshintergrund? Ich kann es nicht fassen. Dass diese sogenannten Volkvertreter das behaupten, okay, da erwarte ich eh nichts mehr aber dass die Journalisten nicht nachfragen, ist beschämend. Ich kann mir das nur so erklären, dass die vom Morgenmagazin, Tagesschau und Co. die Fragen vorher absprechen und sich auch noch dran halten. Es ist so peinlich, was sich in den Medien derzeit abspielt.

Nachtrag (24.11): Man muss nur mal den Werner Sonne im Morgenmagazin verfolgen, er klingt immer besonders investigativ aber wenn man dem Inhalt verfolgt, merkt man schnell, dass seine Fragen, selbst wenn sie mit „Bleiben wir mal hartnäckig“ eingeleitet werden, wirklich von erschreckender Harmlosigkeit sind. Das Bild, das Werner Sonne abgibt, ein erfahrener, kritisch wirkender Journalist, der ruhig und „sachlich“ seine Fragen stellt, steht im krassen Gegensatz zu der Harmlosigkeit seiner Interviews. Grade eben, interviewte er den Chef der Polizeigewerkschaft, der bitterlich beklagte, dass es in Deutschland keine „anlasslose“ Vorratsdatenspeicherung gäbe, weil sie diese Daten doch jetzt bei den Ermittlungen um die Nazis und Terroristen in Zwickau brauchen könnten. Und Werner Sonne, fragt er nach, wie es sein kann, bei allem was über die Sache inzwichen bekannt ist, dass also genug „Anlässe“ vorhanden waren, dass keine derartige Überwachung bei den dreien durchgeführt wurde? Nein, natürlich nicht und er weist auch nicht auf die Rechtsmittel, die im Falle von Kriminellen eingesetzt werden könne, vorhanden sind. Denn soweit ich mich erinnere, ging es dem Verfassunggericht um die „anlasslose“ Speicherung von Daten der gesamten Bevölkerung, in Fällen von konkreten „Anlässen“ gibt es in diesem Land ausreichend Gesetze und Regelungen eine solche Überwachung zu ermöglichen. Ich erinnere mich noch gut an Aussagen aus Kreisen der Ermittlungsbehörden vor der versuchten Einführung der Vorratsdatenspeicherung, dass sie diese für unnötig erachteten, dass es genug Gesetze gäbe aber ihnen das Personal und die Ausstattung fehle, angemessen ermitteln zu können. Kommt das irgendwas von Werner Sonne, der auch noch eine Redaktion hinter sich hat, die das alles sauber recherchieren könnte? Nein, nichts! Und auf diese Art und Weise tragen solche Medien, wie das Morgenmagazin dazu bei, der Bevölkerung beizubiegen, dass die Preisgabe von Bürgerrechten unvermeidlich, ja sogar Bürgerpflicht ist.

Albrecht Müller von den Nachdenkseiten hat meine Zweifel gut in Worte gefasst und der Spielverderber bringt da einen Aspekt in die Diskussion, den ich auch sehr wichtig finde.

Nachtrag: Und im Bundestag ist mal wieder einzige, der die Zusammenhänge benennnt Gregor Gysi. Hallo, Medienvertreter, angucken, am besten transkribieren und dann als Grundlage für eure Interviews verwenden.

Es gibt hunderte Publikationen, Filme und was nicht alles zu dem Thema aber weder die Politiker noch die Journalisten scheinen auch nur davon gestreift zu werden. Kürzlich habe ich gelesen, dass es eine Studie gibt, die sich damit beschäftigt, wie Politiker „das Volk“ sehen, soweit ich mich erinnere, war das Ergebnis genauso, wie ich es erwartet habe, es ist für die so eine unbegreifliche graue Masse, die höchstens mal belehrt gehört.

Und dann diese Finanzsache, die nichts als eine Bankenrettung ist. Eben habe ich drüben bei den Nachdenkseiten gelesen, wie Unterkapitalisiert die Deutsche Bank ist und gestern Abend mal wieder in einem BWL Buch, dass ein Gewinn von jährlich 20-30% auf dem internationalen Markt erwartet wird. Da stand auch dass ein Unternehmen ohne Gewinne nicht überleben kann. Das fragte ich mich ja schon lange, warum das so sein muss, eine Erklärung dazu gabs aber wie immer nicht.

Und dann die Umweltverarschung, die grade läuft, neben vielen anderen. Da werden auf See Windkraftanlagen gebaut, von denen man weiß, dass einer der wichtigen Rohstoffe (Neodym) für diese Windanlagen nur unter schrecklichen Umweltverherrungen gewonnen werden kann und dann müssen Netze gebaut werden, damit der Strom von Norden nach Süden kann – sonst – so mal wieder in einem dieser unreflektierten Berichte in den Nachrichten gestern – geht die Ökowende der Regierung nicht auf. Ich habe, nachdem in irgendeinem Magazin vor einem halben Jahr schon von dieser Beodymsache berichtet wurde, meinen Stromanbieter angeschrieben, der mir mitteilte, dass in den Windkraftanlagen, die von ihnen gefördert werden kein Neodym eingesetzt wird, weil das für diese dezentralen Anlagen nicht gebraucht wird. Und wer wird von diesen Überseeanlagen profitieren, was wird wohl in großem Umfang subentioniert werden? Na, die Windkraftanlagen der großen Energieerzeuger Eon, Vattenfall, RWE und den anderen han grad vergessen. Es kotzt mich so an. Es ist nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima sehr viel über die Chance von dezentraler Energieerzeugung geschrieben und geredet worden. Aber für so eine Lösung liegt die Regierung zu tief im Bett mit den Großen der Branche. Wobei ich diese Regierung da für absolut austauschbar halte. Die SPD ist da nicht anders, wenn sie in der Regierung ist (ich sag nur Agenda 2010) da kann sie sich jetzt so pseudosozialdemoktatisch gebärden wie sie will. Und als ich hörte, dass eine Abgeordnete der Bundestagsfraktion der Grünen zu einem Energieversorger wechselt und ihre letzte Rede hält, da muss man ja dann nichts mehr zu sagen.

Und die Medien? Die Journalisten, die mal nachfragen könnten? Das wenige was ich dazu lese (sehen kann man glatt vergessen) kommt aus der FAZ. Leute, ich bin gebürtige Frankfurterin, die FAZ war immer der Feind gewesen… und jetzt sowas.

Ein letztes Beispiel, die gesetzliche Rente: stellt sich doch heraus, dass die Menschen hierim Land gar nicht so blöde sind, wie es die Versicherungswirtschaft hofft und zu 2/3 die gesetzliche Rentenversicherung für ein sicheres und gutes System hält. Ja, die Studie war garantiert nicht von INSM und Bertelmann bezahlt. Wie lange schmieren die eigentlich schon Politiker und Medien, um die Menschen propagandistisch auf Vereinzelung und kapitalgedecktes Gedöns einzustimmen. Blöde nur, dass dieses Perpetum Mobile von Finanzwirtschaft nicht länger durchgehalten hat. Riesterrente? Pflegebahr? Private Vorsorge? alles Augenwischerei. Als ich von diesem Pflegebahr gehört habe, hab ich die Vorstandetagen der Versicherungen beim Champanger vor Augen gehabt.

Und fragt da mal einer von diesen Medienleuten nach, so in etwa, man weiß ja jetzt, dass die Erträge der Riesterrente nicht so üppig sind, weil sie von den Gebühren und Provisionen der Versicherungen aufgefressen werden, wieso man weiter auf dieses tote Pferd setze?

Doch noch eins, heute läuft die Haushaltsdebatte in Plenum des Bundestages. Sagt da so ein CDU Typ, dass die meisten, die sich für Tierschutz einsezten, keine Ahnung von artgerechter Haltung von Tieren hätten und deswegen ….muss man denen ja auch nicht zu hören, weil a) hat der auch schon mit Allen gesprochen b) Experten sind nur gut, wenn sie von Bertelsmann gestellt werden und überhaupt soll das Volk mal seine Klappe halten, er hat da eh mehr Ahnung. Unglaublich. Und keine Journalist weit und breit, der mal nen Titel: Wählerbashing im Bundestag.

Im großen und ganzen kritisiere ich auch weniger den Print als das Fernsehen. Wenn ich kleines Licht in der Lage bin, solche Zusammenhänge zu sehen, dann ist es eine echte Schande für den Berufsstand, was sich da vor den Augen aller abspielt.

5 Antworten zu “Warum fragt da eigentlich keiner nach?

  1. Beim ersten Teil deines Artikels mache ich von meinem Vetorecht Gebrauch :-)

    Bei aller Empörung: Wir haben es nicht mit „so genannten“ Volksvertretern zu tun, sondern mit von uns gewählten Volksvertretern.

    Ja, es ist beschämend für unsere Behörden und verantwortlich für Missstände, die jetzt zutage traten, sind vielfach Politiker. Das wäre der Teil der Kritik, die ich teile. Aber sehen wir uns doch mal die deutschen Blogs an. Gibt es nicht auch unter uns Bloggern viel zu viele, die in unserem Sinne als rechtsextremistisch zu gelten haben. Sie haben unglaubliche viele LeserInnen. Extreme Meinungen finden sich mitten unter uns! Es gibt eine beängstigend klare ausländerfeindliche Haltung im Land. Davor darf keiner die Augen verschließen.

  2. Horst, zum einen hat hier nur eine Vetorecht, also auf diesem Blog und zum anderen, selbst wenn sie von einer Minderheit der deutschen Bevölkerung gewählt wurden, so sind sie für mich keine Volksvertreter, was und wen immer sie da vertreten, lässt sich ja problemlos nachvollziehen aber die Interessen der breiten Bevölkerung ne – ich nenn sie auch gerne Politikerdarsteller

    diese Studie meinte ich: http://relevant.at/wirtschaft/pr/322484/diffuses-buergerbild-politischen-reden.story

    aber wenn du in die Suchmaschine „was halten Politiker von den Bürgern“ eingibst, hab ich noch einige andere interessante Links gesehen.

  3. Hab ich das richtig verstanden, weil wir immer weniger zur Wahl gehen, sind die, die gewählt werden, keine legitimen Volksvertreter?

  4. Nein, weil ich nicht finde, dass sie das „Volk“ vertreten, sondern aus einer Perspektive von Lobbistien und anderen Gemengelagen heraus handeln. Schau dir diese Sache mit der Riester-Rente und dem Pflege-Bahr an, das sind GEschenke für die Versicherungen, bei gleichzeitigem Abbau staatlicher Sicherungssysteme. Sorry, was immer die da vertreten, sicher nicht mich und die Leute mit denen ich so zu tun habe. Deswegen sogenannte Volksvertreter oder auch Politikerdarsteller.

  5. Du sprichst einen wichtigen Punkt an: die Medien. Dass die öffentlich rechtlichen Sender nicht gegen die Hand vor gehen, die sie füttert ist ja irgendwie klar. Aber dass es in der ganzen Medienlandschaft fast niemand mehr gibt, der sich diesen Geschichten und den Hintergründen annimmt, dass ist schlimm. Denn freie Medien gehören einfach zum Gleichgewicht in einer echten Demokratie.

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