Archiv der Kategorie: feminismus

Gedanken 3

Wenn ich mal auf der Seite des Kölner Stadtanzeigers bin, stolpere ich in letzter Zeit immer wieder über die Schlagzeile „Bedrohte Urlaubsparadiese Diese Orte sollten Sie besuchen – bevor sie untergehen.“ (Quelle: ksta ©2018) Jedes Mal frage ich mich, ob die Redaktion (oder wer immer dafür verantwortlich ist) überhaupt noch etwas merkt. Manchmal kann ich die allgemeine Ignoranz, die sich in solchen Phänomenen ausdrückt, nicht fassen.

Heute Morgen im Deutschland Radio meldete der Moderator seine Überraschung, dass nach #metoo und „hab ich vergessen“, jetzt auch Vorwürfe gegen die UN laut werden, dass sexuelle Übergriffe/Gewalt dort auch stattfindet. Dass es scheinbar überall eine Rolle spielt. Ich musste tatsächlich lachen – bitter lachen -. Diese Verleugnung eines strukturellen Gewaltphänomens, dass #metoo höchst selten mit #aufschrei in Verbindung gebracht wird und der ignorante Umgang von hauptsächlich männlich Sozialisierten mit dem Thema macht mich tatsächlich immer wieder sprachlos. Zeigt mir aber auch, dass ich wohl in der Grundtendenz immer noch an Menschen glaube.

In den Bestsellerlisten geistert derzeit so ein Buch rum, da wird beklagt, dass wir keine „erwachsene Sprache“ mehr verwenden dürfen(TM). Ich habe es nicht gelesen aber einiges gehört. Ein reaktionäres, rassistisches, sexistisches Machwerk, wie es scheint. Natürlich darf jed*r Mensch reden, wie er* oder sie* möchte, aber dann sind diese Leute halt Arschlöcher. Und was soll das mit dem „erwachsen“. Ich hoffe, doch dass Erwachsensein u. a. bedeutet, dass ich gelernt habe, dass meine Sicht der Dinge nicht das Zentrum des Universums ist und wenn mein Sprachgebrauch für andere Menschen gewaltvoll ist, dann lasse ich es. Ist besser für die Menschen in meinem Umfeld und mir schadet es nicht. Dieser Widerstand gegen einen akzeptierenden und fairen Sprachgebrauch zeigt sehr deutlich, wie schwerwiegend die Machtstrukturen dahinter sind. Wir haben genug Möglichkeiten uns auszudrücken, schöpfen wir doch die Möglichkeiten der Sprache einfach mal aus und nehmen gegenseitig Rücksicht aufeinander, wie es sich für „erwachsene(TM)“ Menschen gehört.

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Es reicht – Ende der Diskussion

Ich habe es so satt, ich merke es mal wieder überdeutlich, deswegen twitterte ich heute Morgen:

Was sich sowohl unter #schauhin aber vor allem unter #aufschrei abspielt, da hilft nur eins, die komplett ignorieren und weitermachen.

Ich würde vorschlagen, dass wir wirklich alle die Hater und Trolle blocken und muten, jede Diskussion mit Ihnen gibt ihnen Futter, mit denen ist eh nicht zu reden.

Die Arschlöcher, die weiter gehen als die #aufschrei TL zu trollen, müssen natürlich offen gelegt und die betroffenen Frauen* brauchen Solidarität von uns.

Wer auch immer in meiner TL mitliest, bitte diskutiert nicht mit Hatern und Trollen!

Entzieht Hatern(1) und Trollen die Aufmerksamkeit (Das war schon vor Internet die Währung schlechthin).

(Ich habe einige Abkürzungen in meinen Tweets hier ausgeschrieben und Tippfehler beseitigt)

Es ist mir klar, dass auf Twitter der Zusammenhang dieser Tweets verloren gehen wird, deswegen hier meine Überlegungen noch mal in lang:
Seit Januar schau ich zu, wie Menschen den Aufschrei Hashtag bei Twitter trollen und noch weiter gehen und sich zu ekelhaften Vergleichen und Horroszenarien versteigen. Und wieder und wieder beobachte ich, wie einige Frauen* versuchen mit diesen Leuten zu diskutieren.

Es geht leider nicht um Verständigung sondern um Macht und Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeitsverteilung waren im Partiatchat schon immer die subtilere Form der Machtdemonstration. In der linguistischen Gesprächsforschung war das schnell klar. In entsprechenden international durchgeführten Studien wurde sehr deutlich, dass die Aufmerksamkeitsverteilung zwischen Männer* und Frauen* bei 60 zu 40 Prozent liegt und dass eine auch nur minimale Verschiebung von 2% schon zu heftigen Reaktionen führt. Männlich Sozialisierte fühlten sich benachteiligt und ungehört und weiblich Sozialisierte waren verwirrt und verunsichert. Wenn ich irgendwas aus diesen Studien gelernt habe, dann, dass Sexismus und Patriarchat kein Oberflächenphänomen sind, die mit ein paar Verhaltensregeln und Gesetzen zu ändern sei. Sie greifen tief in unsere Wahrnehmung ein und ermöglichen es uns bis zum heutigen Tag nicht, wirklich sagen zu können, was gleich ist und was nicht.

Frauen* haben ein Thema öffentlich gemacht und viel Aufmerksamkeit dafür bekommen und das scheint für einige Menschen unerträglich zu sein.

Es gab und gibt viel Diskussionen darüber, wie mit den Angriffen umzugehen sei. Ich kenne nur eine wirksame und für mich schonende Umgangsweise damit: Ich blocke diese Menschen und verwende einen Twitterclient, der es mir ermöglicht, sie komplett auszublenden. Damit sehe ich dann nur die Aufschreitweets, die zum Thema gehören.

In den von mir verwendeten Client habe ich #aufschrei in einer eigenen Spalte liegen und kann so gut überblicken, was sich dort abspielt. Phasenweise sehe ich da auch nur Tweets zum Thema aber jede*r, der*die dort mit irgendwelchen Trollen oder schlimmeren rumdiskutiert spült mir den Hass, die Abwertung und Verachtung für das Anliegen #aufschrei wieder an die Oberfläche. Alles was da an sogenannten Argumenten kommt, höre und lese ich so oder vergleichbar schon seit 30 Jahren. Alles was da an Hass und Gewaltphantasien kommt, an Kommentaren, die das Anliegen lächerlich machen wollen, habe ich in diesem Umfang noch nie zu Gesicht bekommen. In meinem Alltag habe und hatte ich mit Leuten, die so drauf sind, nichts zu tun. Ich könnte über die zusammen fantasierte feministische Weltverschwörung lachen, leider bleibt mir das Lachen im Halse stecken, wenn ich mitbekomme, mit welchem Hass diese Projektion_Phantasie verbreitet wird.

Im Kontext mit der Openmind (#om13) habe ich erst erfahren, welchen heftigen Angriffen die Initatorinnen von #aufschrei ausgesetzt sind. Wie @faserpiratin @laprintemps @vonhorst @marthadear und andere bis ins Privatleben verfolgt wurden_werden, dass es Internetseiten gab_gibt (?) auf denen ihre privaten Adressen, die Namen ihrer Partner*nnen, ihre Arbeitgeber*innen gesammelt wurden, mit dem Aufruf sie dort als Feministinnen zu denunzieren. Mal abgesehen davon, was das alles impliziert, wenn eins als Feministin denunzierbar bezeichnet wird, finde ich das zutiefst erschreckend. Es tut mir leid, dass ich das nicht mitbekommen habe. Ich habe selbst bisher nur ein paar üble Kommentare in meinem Blog erhalten, die ich an hatr.org weitergeleitet habe und der Rest verschwand im Spam. Aber ich weiß, wie angefressen ich teilweise von diesen Kommentaren war. Ich habe eine Vorstellung, wie es den Frauen gehen muss, die derzeit alltäglich von Bedrohung und Hass auf diesem Niveau umgeben sind. Das alles gehört veröffentlicht und den Frauen*, die es betrifft unterstützt und umsorgt.

Das Blocken und Muten von Trollen und Menschen, die Gewalt und Hass verbreiten, darf auf keinen Fall dazu führen, dass dabei diese Vorgänge ebenfalls unsichbar gemacht werden. Auf keinen Fall dürfen wir diese Gewalt und diesen Hass, der da täglich hochkommt, verharmlosen oder ignorieren UND darüber müssen wir schreiben und sprechen und diskutieren UND UNS gegenseitig unterstützen real oder virtuell. Das gehört öffentlich gemacht und vorgeführt und untereinander diskutiert, wenn es nötig ist. Aber die Verursacher*innen sollten komplett ignoriert werden. Keine Aufmerksamkeit für Trolle und Menschen, die Hass und Gewalt verbreiten. Geben wir uns untereinander die Aufmerksamkeit, die wir brauchen.

Schreibt über sie und von ihnen aber nicht mit ihnen.

(1)ich mag diesen Begriff nicht sonderlich, er scheint mir das Ausmaß und die Wirkung der durch diese Menschen verbreiteten Gewalt und Hass zu verharmlosen. In diesem Tweet habe ich den Begriff verwendet, weil er kurz ist.

Queer – Gender – Identität

Bevor ich das wieder in den Tiefen des Netzes verliere, verlinke ich es lieber. Mir geht es dabei vor allem um den dritten Beitrag von Tove Soiland, ich finde ihre Einwände zumindest mal bedenkenswert:

Queer, flexibel, erfolgreich. Haben dekon­struktivistische Ansätze den Feminismus entwaffnet?
Ich bin mir noch nicht schlüssig über das dort gesagte, werde es wohl noch mal anhören und weiter nachdenken