Archiv der Kategorie: sprache

Gedanken 7-3

Noch was zum Krieg. Dem kommenden Krieg. Denn so wie sich verschiedene Menschen und Regierungen verhalten, scheint Krieg vorbereitet zu werden. Also Krieg in/durch Europa. Sonst ist ja schon viel Krieg in der Welt. Nur hier im Europa seit über 70 Jahren nicht mehr. Verarmung der Bevölkerung, bei steigendem Reichtum der Vermögende, zunehmende „Individualisierung“ des eigenen Lebensrisikos, Radikalisierung der Sprache in Politik und Medien, kuschende Medienvertreter*innen, eine Wirtschaft, die immer weniger Rücksicht auf die Menschen, die für sie arbeiten, nimmt, Rechtsruck, Erhöhung der Rüstungsausgaben – gab es alles schon einmal und endete in verheerenden Weltkriegen.

Christa Wolf, lässt Kassandra bemerken: Wann ein Krieg beginnt, weiß man immer aber wann beginnt der Vorkrieg.

Ein Satz, der mir geblieben ist. Seit mehr als 30 Jahren. Ich frage mich immer, wenn ich darüber nachdenke, ist den Menschen hier in Europa nicht klar, was Krieg bedeutet? Einigen noch, ein paar haben es noch erlebt. Aber die anderen? Ist das Ermorden von Menschen durch Drohnen zu abstrakt? Denken sie, wie auch bei der Überwachungsgeschichte, dass ihnen schon nichts passieren wird? Wieso lernen „wir“ nicht wirklich?

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Gedanken 3

Wenn ich mal auf der Seite des Kölner Stadtanzeigers bin, stolpere ich in letzter Zeit immer wieder über die Schlagzeile „Bedrohte Urlaubsparadiese Diese Orte sollten Sie besuchen – bevor sie untergehen.“ (Quelle: ksta ©2018) Jedes Mal frage ich mich, ob die Redaktion (oder wer immer dafür verantwortlich ist) überhaupt noch etwas merkt. Manchmal kann ich die allgemeine Ignoranz, die sich in solchen Phänomenen ausdrückt, nicht fassen.

Heute Morgen im Deutschland Radio meldete der Moderator seine Überraschung, dass nach #metoo und „hab ich vergessen“, jetzt auch Vorwürfe gegen die UN laut werden, dass sexuelle Übergriffe/Gewalt dort auch stattfindet. Dass es scheinbar überall eine Rolle spielt. Ich musste tatsächlich lachen – bitter lachen -. Diese Verleugnung eines strukturellen Gewaltphänomens, dass #metoo höchst selten mit #aufschrei in Verbindung gebracht wird und der ignorante Umgang von hauptsächlich männlich Sozialisierten mit dem Thema macht mich tatsächlich immer wieder sprachlos. Zeigt mir aber auch, dass ich wohl in der Grundtendenz immer noch an Menschen glaube.

In den Bestsellerlisten geistert derzeit so ein Buch rum, da wird beklagt, dass wir keine „erwachsene Sprache“ mehr verwenden dürfen(TM). Ich habe es nicht gelesen aber einiges gehört. Ein reaktionäres, rassistisches, sexistisches Machwerk, wie es scheint. Natürlich darf jed*r Mensch reden, wie er* oder sie* möchte, aber dann sind diese Leute halt Arschlöcher. Und was soll das mit dem „erwachsen“. Ich hoffe, doch dass Erwachsensein u. a. bedeutet, dass ich gelernt habe, dass meine Sicht der Dinge nicht das Zentrum des Universums ist und wenn mein Sprachgebrauch für andere Menschen gewaltvoll ist, dann lasse ich es. Ist besser für die Menschen in meinem Umfeld und mir schadet es nicht. Dieser Widerstand gegen einen akzeptierenden und fairen Sprachgebrauch zeigt sehr deutlich, wie schwerwiegend die Machtstrukturen dahinter sind. Wir haben genug Möglichkeiten uns auszudrücken, schöpfen wir doch die Möglichkeiten der Sprache einfach mal aus und nehmen gegenseitig Rücksicht aufeinander, wie es sich für „erwachsene(TM)“ Menschen gehört.