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Ich reg mich zu wenig auf

Nachdem ich gestern auf Twitter schon meine Erkenntnis gepostet habe, wird es wirklich Zeit dieses Blog wiederzubeleben. Für alle, die das gestern nicht mitbekommen habe, hier meine Tweets von gestern Abend:

Ich rege mich viel zu wenig auf!
seit Jahren dümpelt mein Blog so vor sich hin, ich meide Nachrichten, Nachrichtenmagazine und dergleichen, weil die mich aufregen, immer entweder die Inhalte regen mich auf oder die Nicht-Nachrichten, das Gesabbel der Politiker*innendarsteller*innen. Die regen mich auf, aber sowas von. Irgendwie habe ich gedacht, ich sollte mich nicht aufregen, ich sollte ruhig, sachlich (!) usw. die Dinge angehen. Geht nicht, die wachsende Empathielosigkeit in unseren Gesellschaften, die Habgier,das alles regt mich auf. Ich weiß jetzt auch, warum ich lieber gutes Kabarett gucke, weil die sich aufregen und das für mich stellvertretend tun. Das reicht mir nicht mehr. Ich will mich nicht mehr beruhigen. Ich bin besorgt, ohnmächtig im Angesicht von so vielem und das regt mich auf. Ich hätte jetzt hier und heute kein Problem mich auf eine Bühne zu stellen und euch mindestens 2 Stunden lang zu erzählen (auch interessant) was mich aufregt, weil ich nämlich eine Sache wirklich gut kann. Zusammenhänge herstellen. Ich gehe vielleicht nicht beim einzelnen Thema in die Tiefe aber ich sehe Zusammenhänge. Heut bin ich durch mein eigenes Blog gescrollt, die besten Texte da sind die, in denen ich mich aufrege. Viel zu wenig aber das wird sich ändern. Ich kann mir vorstellen, Nachrichtensendungen und sogenannte Nachrichten wieder sehen zu können, wenn ich mich endlich angemessen aufregen kann. Bisher hab ich echt gedacht, ich müsste Aufregung vermeiden aber das ist doch mein Talent, ich kann mich total aufregen und dabei nicht den Faden verlieren, in Seitengebiete gehen und wieder zum Hauptthema zurückkommen. Ich kann das, im privaten Gespräch mache ich das häufig. Auf einer Bühne hätte ich zumindest den Vorteil, dass mich dort solange es dauert, die Leute dafür bezahlen (oder auch nicht) und mich nicht unterbrechen. Ist in dem Setting nicht vorgesehen.Ich muss jetzt erst mal was essen und dann will ich gucken, dass ich den Staub und die Wollmäuse aus dem Blog kehre. Diese deutsche Kultur ist so bedächtig, blos nicht aufregen, wer laut wird, ist unsachlich. Na und, als wären es die anderen nicht. Irgendwie habe ich gedacht, ich bräuchte weit mehr Expertise in diesem und jenem Gebiet so ein Quatsch, wie auch dieser essayistische Anspruch an mich selbst. Weil ich immer dachte/fühlte ich sei nicht gut genug. Das regt mich auch auf aber anders.
(alles Originalzitate vom 18.01.2017, ich habe lediglich Tippfehler korrigiert)

Ja, so sieht es aus. Ich spüre, dass ich mich aufregen muss, um meine Sprachlosigkeit überwinden zu können, um meinen Gefühlen von Fassungslosigkeit und Ohnmacht eine Form geben zu können und mich nicht weiter  ins Schweigen treiben zu lassen.

Die meisten Menschen in meinem Umfeld reagieren auf mich oft mit Irritation und tatsächlich dachte ich, ich dürfe nicht irritieren. Immer wieder diese alten Impulse mich anzupassen, den von mir bei anderen wahrgenommen Erwartungen gerecht werden zu wollen und wie alle immer froh sind, wenn alle anderen um sie herum, das bitte auch machen. Ich will überhaupt nicht verleugnen, dass es Jahrzehnte gedauert hat, bis ich an diesem Punkt gekommen bin. Bis ich mir genug Boden unter den Füße und genug Liebe ins Herz erarbeitet habe, denn beides waren keine Voraussetzungen im Anfang meines Lebens.

Dieser Gedanke, ich habe mir das Erarbeitet – ja mit Unterstützung anderer UND ich habe nie das Handtuch geworfen, obwohl es manchmal so schlimm war, dass ich nah dran gewesen – ist auch eine Quelle meiner Aufregung. Denn Menschen, die menschenverachtend sind, müssen das nicht sein. Die werden so  nicht geboren und auch wenn Kindheit und Jugend unfassbar prägend  sind, sind sie kein Schicksal. Ich habe keine Verständnis für menschenverachtendes Verhalten von Erwachsenen, für Menschen, die Kinder schlecht behandeln und daran nichts ändern wollen. Es halten zu viele  – ich auch viel viel zu oft – die Klappe, die in der Position sind, etwas sagen zu können, gegen die kleinen und großen Ungerechtigkeiten im Alltag, den absurden Chef, die rassistische Bemerkung von Freund*innen, die sie gedanken- und gefühllos von sich geben.

Ach, heißt es dann, reg dich doch nicht auf, ich habe es nicht so gemeint.

Ja, wie denn dann? Wolltest du nur den Mund bewegen?

Ich spüre die Zensorin in meinem Kopf aktiv werden, die meinte grad, ich müsste einen super Schluss schreiben. Nö. Erstmal hier Ende.

 

 

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