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Es reicht – Ende der Diskussion

Ich habe es so satt, ich merke es mal wieder überdeutlich, deswegen twitterte ich heute Morgen:

Was sich sowohl unter #schauhin aber vor allem unter #aufschrei abspielt, da hilft nur eins, die komplett ignorieren und weitermachen.

Ich würde vorschlagen, dass wir wirklich alle die Hater und Trolle blocken und muten, jede Diskussion mit Ihnen gibt ihnen Futter, mit denen ist eh nicht zu reden.

Die Arschlöcher, die weiter gehen als die #aufschrei TL zu trollen, müssen natürlich offen gelegt und die betroffenen Frauen* brauchen Solidarität von uns.

Wer auch immer in meiner TL mitliest, bitte diskutiert nicht mit Hatern und Trollen!

Entzieht Hatern(1) und Trollen die Aufmerksamkeit (Das war schon vor Internet die Währung schlechthin).

(Ich habe einige Abkürzungen in meinen Tweets hier ausgeschrieben und Tippfehler beseitigt)

Es ist mir klar, dass auf Twitter der Zusammenhang dieser Tweets verloren gehen wird, deswegen hier meine Überlegungen noch mal in lang:
Seit Januar schau ich zu, wie Menschen den Aufschrei Hashtag bei Twitter trollen und noch weiter gehen und sich zu ekelhaften Vergleichen und Horroszenarien versteigen. Und wieder und wieder beobachte ich, wie einige Frauen* versuchen mit diesen Leuten zu diskutieren.

Es geht leider nicht um Verständigung sondern um Macht und Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeitsverteilung waren im Partiatchat schon immer die subtilere Form der Machtdemonstration. In der linguistischen Gesprächsforschung war das schnell klar. In entsprechenden international durchgeführten Studien wurde sehr deutlich, dass die Aufmerksamkeitsverteilung zwischen Männer* und Frauen* bei 60 zu 40 Prozent liegt und dass eine auch nur minimale Verschiebung von 2% schon zu heftigen Reaktionen führt. Männlich Sozialisierte fühlten sich benachteiligt und ungehört und weiblich Sozialisierte waren verwirrt und verunsichert. Wenn ich irgendwas aus diesen Studien gelernt habe, dann, dass Sexismus und Patriarchat kein Oberflächenphänomen sind, die mit ein paar Verhaltensregeln und Gesetzen zu ändern sei. Sie greifen tief in unsere Wahrnehmung ein und ermöglichen es uns bis zum heutigen Tag nicht, wirklich sagen zu können, was gleich ist und was nicht.

Frauen* haben ein Thema öffentlich gemacht und viel Aufmerksamkeit dafür bekommen und das scheint für einige Menschen unerträglich zu sein.

Es gab und gibt viel Diskussionen darüber, wie mit den Angriffen umzugehen sei. Ich kenne nur eine wirksame und für mich schonende Umgangsweise damit: Ich blocke diese Menschen und verwende einen Twitterclient, der es mir ermöglicht, sie komplett auszublenden. Damit sehe ich dann nur die Aufschreitweets, die zum Thema gehören.

In den von mir verwendeten Client habe ich #aufschrei in einer eigenen Spalte liegen und kann so gut überblicken, was sich dort abspielt. Phasenweise sehe ich da auch nur Tweets zum Thema aber jede*r, der*die dort mit irgendwelchen Trollen oder schlimmeren rumdiskutiert spült mir den Hass, die Abwertung und Verachtung für das Anliegen #aufschrei wieder an die Oberfläche. Alles was da an sogenannten Argumenten kommt, höre und lese ich so oder vergleichbar schon seit 30 Jahren. Alles was da an Hass und Gewaltphantasien kommt, an Kommentaren, die das Anliegen lächerlich machen wollen, habe ich in diesem Umfang noch nie zu Gesicht bekommen. In meinem Alltag habe und hatte ich mit Leuten, die so drauf sind, nichts zu tun. Ich könnte über die zusammen fantasierte feministische Weltverschwörung lachen, leider bleibt mir das Lachen im Halse stecken, wenn ich mitbekomme, mit welchem Hass diese Projektion_Phantasie verbreitet wird.

Im Kontext mit der Openmind (#om13) habe ich erst erfahren, welchen heftigen Angriffen die Initatorinnen von #aufschrei ausgesetzt sind. Wie @faserpiratin @laprintemps @vonhorst @marthadear und andere bis ins Privatleben verfolgt wurden_werden, dass es Internetseiten gab_gibt (?) auf denen ihre privaten Adressen, die Namen ihrer Partner*nnen, ihre Arbeitgeber*innen gesammelt wurden, mit dem Aufruf sie dort als Feministinnen zu denunzieren. Mal abgesehen davon, was das alles impliziert, wenn eins als Feministin denunzierbar bezeichnet wird, finde ich das zutiefst erschreckend. Es tut mir leid, dass ich das nicht mitbekommen habe. Ich habe selbst bisher nur ein paar üble Kommentare in meinem Blog erhalten, die ich an hatr.org weitergeleitet habe und der Rest verschwand im Spam. Aber ich weiß, wie angefressen ich teilweise von diesen Kommentaren war. Ich habe eine Vorstellung, wie es den Frauen gehen muss, die derzeit alltäglich von Bedrohung und Hass auf diesem Niveau umgeben sind. Das alles gehört veröffentlicht und den Frauen*, die es betrifft unterstützt und umsorgt.

Das Blocken und Muten von Trollen und Menschen, die Gewalt und Hass verbreiten, darf auf keinen Fall dazu führen, dass dabei diese Vorgänge ebenfalls unsichbar gemacht werden. Auf keinen Fall dürfen wir diese Gewalt und diesen Hass, der da täglich hochkommt, verharmlosen oder ignorieren UND darüber müssen wir schreiben und sprechen und diskutieren UND UNS gegenseitig unterstützen real oder virtuell. Das gehört öffentlich gemacht und vorgeführt und untereinander diskutiert, wenn es nötig ist. Aber die Verursacher*innen sollten komplett ignoriert werden. Keine Aufmerksamkeit für Trolle und Menschen, die Hass und Gewalt verbreiten. Geben wir uns untereinander die Aufmerksamkeit, die wir brauchen.

Schreibt über sie und von ihnen aber nicht mit ihnen.

(1)ich mag diesen Begriff nicht sonderlich, er scheint mir das Ausmaß und die Wirkung der durch diese Menschen verbreiteten Gewalt und Hass zu verharmlosen. In diesem Tweet habe ich den Begriff verwendet, weil er kurz ist.

Sind wir soweit, dass so was wieder unwidersprochen abgedruckt werden kann?

Ist mir schlecht.

Das Ganze ist so widerlich, dass ich es nicht mal verlinken mag. Wofür werden diese geifernden Hassprediger denn so vorgeschickt?
Was plant die Regierung so? Vielleicht Frauen alle zurück an Heim und Herd (würde auch das Erwerbslosenproblem sogleich erledigen) und Zwangssterilität für die, die der Unterschicht zugehörig identifiziert werden?

Ist mir schlecht.

Wer noch nicht weiß, worum es geht, kann es hier oder hier nachlesen.

Wir sind soweit, zuerst kamen die Ungeziefervergleiche und jetzt kann man das so schreiben. Die Hemmschwellen fallen, beim Aussprechen und beim Abdrucken. Das ist eine politisch gewollte Entwicklung und zwar gewollt von egal welcher der sogenannten etablierten Parteien, die in den vergangen Jahren hemmungslos dafür sorgten, dass die Schere zwischen Arm und Reich sich weiter öffnete. Die wollten/wollen, dass jeder denkt, dass Erwerbslose selbst schuld sind daran, dass es keine bezahlte Arbeit mehr für sie gibt. Ja, ja, es werde nur ausgesprochen, was angeblich viele denken. Keine Ahnung, ob das so ist. Ich kenne diese vielen alle nicht persönlich aber unsere Politikerdarsteller denken so und deswegen wirds auch abgedruckt. Und es gibt inzwischen genug Chefredaktionen, die nicht einmal mehr zucken, wenn sowas auf ihrem Tisch landet.

Ach so, das Wort „Erkinderung“ schlag ich schon mal als Unwort des Jahres vor. Ich habs ja zuerst für nen Druckfehler gehalten. Unglaublich.

Nachtrag 5.11: In der Diskussion drüben bei momorulez zum Thema steht, wozu mir bisher die Worte fehlten:

Nörgler: Auch die Wannsee-Konferenz stand nicht am Anfang. Am Anfang stand: Die Juden müssen weg.
Wenn ich erst einmal eine soziale Gruppe als wegzuschaffende identifiziert habe, ist der entscheidende qualitative Schritt gemacht. Die Maßnahmen zur Erreichung dieses Ziels sind nur noch solche einer graduellen Abstufung. Das Stadium des herkömmlichen Sozialdarwinismus haben wir hinter uns, denn der plädierte dafür, sich – passiv – um die Minderleister nicht zu kümmern, da deren Elend, weil sie Minderleister sind, gerecht ist.

Nun aber kümmert man sich sehr wohl. Vorschläge, wie der Gefahr aktiv zu begegnen sei, liegen auf dem Tisch.
Momorulez hat richtig gesehen, dass im Wege eines klassischen Umkehrdiskurses nicht mehr die die Ruhigstellung der Unterschichtler die Ursache des Sozialstaats ist, damit der Bürger kein Feuer unterm Dach hat, sondern nun wird der Sozialstaat als Ursache der Existenz der Unterschicht benannt. Also: Sozialstaat weg, keine Unterschicht mehr. Aber wenn die dann trotzdem noch da sind und als Obdachlose, Bettler, Innenstadtentglaser und Autoabfackler präsenter sind denn je – was dann? Den gegen Widerstände mühselig abgeschafften Sozialstaat wieder einführen wäre die eine Option. Die andere wäre …