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Lasst es schlimmer werden!

Wie regelmäßige LeserInnen meines Bloges sicher schon mitbekommen haben, hat sich das Erscheinungsbild meines Bloges seit letzten Sonntag verändert. Ich habe mich letzten Sonntag spontan entschieden, dass dieses Blog ab sofort und so lange schwarz tragen wird, bis ich den Eindruck habe, dass sich in diesem Land politisch etwas tut, dass irgendwas mit den Menschen zu tun hat.

An meiner Enttäuschung letzten Sonntag konnte ich auch ablesen, dass ich doch tatsächlich der sPD noch irgendwas soziales oder artverwandtes zutraue. Zumindest scheint ein Teil von mir trotz Agenda 2010 noch der Überzeugung zu sein, dass die sPD sozialer ist als CDU oder FDP. Das ist wohl irgendwas tieferliegendes, in der Familie angelegtes. Natürlich weiß ich dass es so nicht ist. Auch die Hoffnung das die sPD jetzt ihre Chance auf eine Neupositionierung erfährt, die mehr als reiner Opportunismus ist, scheint ja in Bloggerkreisen weit verbreitet zu sein. Komisch, dass nach allem, was in den vergangenen Jahren gelaufen ist, sich diese Hoffnung so hartnäckig hält.

Wenn ich mir hätte was wünschen dürfen, wäre ein Wahlergebnis, das fast jede Partei so um die 15% der WählerInnenstimmen eingebracht hätte, am liebsten gewesen. Dass wieder einmal so viele zu Hause geblieben sind und dass die NichwählerInnen inzwischen die Mehrheit unter den Wahlberechtigten stellen, ist einigermaßen frustrierend. Zumindest solange wir diese kooperatistische Parteiendemokratie haben, sollten die Menschen wenigstens das wenige tun, was ihnen an Einflußnahme bleibt.

Andererseits, in Anbetracht der Alternativen finde ich es inzwischen begrüßenswert, das schwarz-geld die nächsten vier Jahre in der Regierung sind. Ja, es werden vier harte Jahre werden aber vielleicht brauchen wir die ja auch. Vielleicht führt das was jetzt kommt endlich dazu, dass die Menschen wach werden und anfangen sich zu wehren. Wie wäre es mal mit eine paar wilden Generalstreiks. Ja, ja, ich weiß, ist verboten – und? Wen interessiert das eigentlich, wenn alle sich einig sind? Über Versicherungsbetrug wird unter Freunden abendelang diskutiert aber sich gegen die Zumutungen durch unsere Politikerdarsteller zu wehren, das geht ja nicht, weil es ja verboten ist. Was ja so auch nicht stimmt, wenn die Bürger eine Gefahr für die Republik sehen, ist der Generalstreik sogar ausdrücklich erlaubt.

Und bevor wieder einer hier vorbeikommt und fragt, was ich so für Alternativen in der Tasche habe. Ich habe wie immer keine, aber vorerst wären Volksabstimmungen, Generalstreiks, bedingungsloses Grundeinkommen und das Unternehmen den Personenstatus verlieren schon mal ein Anfang. Und dann können wir ja mal schauen, wie sich diese Gesellschaft entwickelt.

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Selbstständigkeit ist geil

Nachdem ich die ganze Woche gegen 5 Uhr aufgestanden bin und bis 19:00 Uhr unterwegs war, ist mein Schlafrythmus vollkommen im Eimer. Den gestrigen Tag habe ich mehr oder weniger verschlafen, mit dem Ergebnis, dass ich jetzt seit einer halben Stunde hellwach bin. Macht aber auch nichts, ich genieße die Stunden am Morgen, die ich ganz für mich allein habe. Dies sind seit ungefähr 10 Tagen, die ersten paar Stunden, die ich allein für mich habe.

Wieder belomme ich tiefere Einblicke in Unternehmen, als es mir lieb ist. Interessant ist auch, wie schnell mir die Menschen vertrauen und mir, als Externe, von den Nöten und Katasthrophen ihres beruflichen Alltags erzählen. Was mich, wie immer darin bestätigt, selbstständig zu bleiben. Ich bin wirklich froh nach ein paar Tagen wieder woanders hin zu kommen und nicht zu tief in diese Geschichten verstrickt zu werden. I

Das Klima in durchschnittlichen Unternehmen ist ziemlich unten durch. Überarbeitete, überlastete Mitarbeiter, ignorantes merkbefreites Leitungspersonal (von Führung kann ja nicht die Rede sein). Ich bin schon immer sehr erstaunt, dass die Wirtschaft überhaupt läuft, wenn ich so betrachte, was an Produktivität und Resourcen allein durch die Unfähigkeit des durchschnittlichen Vorgesetzen bis weit nach oben in die Geschäftsführung vernichtet wird. „Nieten in Nadelstreifen“ ist für die durchschnittliche Führungsetage durchschnittlicher Unternehmen noch eine freundliche Bezeichnung für die geballte soziale Inkompetenz, Habgier, fachliche Ahnungslosigkeit und erbitterte Dummheit, die ich so mitbekomme. Nach 20 Jahren Berufserfahrung kann ich den nächsten Gruppenleiter/Abteilungsleiter in einer Horde Angestellter schnell ausmachen – es sei denn er wird von außen eingekauft – es ist der Typ, der am wenigsten in der Lage ist, kooperativ, produktiv und rücksichtsvoll mit seinen KollegInnen umzugehen. Führen und soziale Kompentenzen lesen sich auf dem Papier wirklich gut aber der Typ, der in der Lage ist sich ins beste Licht zu rücken und gerne die Arbeit anderer als die seine ausgibt, weil er sonst auch nicht viel leistet, hat jede Ausstiegschance. Das funktioniert auch deshalb, weil über ihm/ihr die gleichen Flachpfeifen sitzen, die natürlich dafür sorgen, das sie nur von ihresgleichen umgeben sind. Es gibt in Deutschland kaum Vorgesetze, die den Titel Führungskraft verdienen.

Warum das funktioniert, ist mir einigermaßen schleierhaft. Es scheint so eine Mischung aus Peters-Prinzip und dem von Max Weber beschriebenen Prinzipien der Arbeitsethik zu sein. Wenn nicht alle glauben würden, das Arbeit hart und anstrengend sein muss, glaube ich kaum, dass so viele das mitmachen würden. Schlimmer noch, selbst die unhaltbarsten Zustände werden sich schöngeredet. Und – was sich eine ehrenwerte Angelegenheit ist – mit Rücksicht auf die dirkekten Kollegen wird weitergemacht.

Sicherlich das Thema ist komplex aber ich wünschte den Angestellten und mitteleren Führungskräften mehr Widerstandswillen, weniger Duldsamkeit und mehr Bewußtsein darüber, dass ein gutes Leben etwas anderes ist, als durch 10 Stunden Tage zu hetzten.

Ich werde jetzt mal ein paar Rechnung schreiben.