Schlagwort-Archive: verschwendung

Scheitern

Wenn man sich diese steuerfinanzierten Bonuszahlungen bei den Banken so anschaut, bekommen Bücher mit dem Titel: „Schöner Scheitern“ doch eine ganz neue Bedeutung.

Und nun?

Die Abgeordneten des amerikanischen Repräsentantenhauses haben das Rettungspaket für die Finanzwirtschaft abgesagt, zumindest diesmal und nun befinden sich die Börsen im freien Fall. In England wurde eine Bank mit 60 Mrd. Euro“gerettet“ und hier in Deutschland sind grad mal zu Sicherung einer Bank 35 Milliarden Euro über die Wupper gegangen.

Was mich an all dem so unglaublich ankotzt, ist der Umstand, dass sich hier alle Bevölkerungsgruppen seit Jahren gebetsmühlenartig anhören müssen, dass kein Geld für Bildung, Kunst, Kultur, Soziales, Renten, Erwerbslose usw. vorhanden ist. Das Wort „Einsparungen“ ist inzwischen mein persönliches Unwort in diesem Zusammenhang und jetzt werden Milliarden und Abermilliarden zur Rettung eines verrotteten Finanzsystems locker gemacht.

Börsen im freien Fall, heißt miese Konjunkturerwartungen und Entwertung von Firmenwerten, wenn jetzt nicht jemand die Börsen dicht macht, können wir uns alle warm anziehen, denn es wird zu Massenentlassungen kommen, denn so wurden bisher fallende Aktienkurse aufgefangen. Soviel zu dem Thema, dass die Bankenkrise in den USA uns nicht so betrifft oder so. Und bei den meisten Unternehmen, in die ich Einblick habe, arbeiten die Leute eh schon am Limit, wo da noch jemand entlassen werden kann, kann ich mir auch nicht vorstellen.

Bei Monoma drüben findet sich ein interessantes Foto, das mit eine Erklärung liefert, warum das da gestern in den USA so schief gelaufen ist, wieso sehen wir diese Bilder eigentlich nicht in den Nachrichten?

Auf den dort verlinkten Taz-Artikel will ich an dieser Stelle auch verweisen, weil es gar nicht zu oft gesagt werden kann, was man mit 700 Milliarden Dollar so alles machen könnte:

(…)“Mit diesem Geld ließen sich für die nächsten 46 Jahre die Aidsmedikamente für die zehn Millionen Menschen finanzieren, die für ihr Überleben auf die sogenannte antiretrovirale Therapie angewiesen sind, sich diese aber wegen der zu hohen Kosten bislang nicht leisten können.

Etwa die Hälfte dieser Summe, rund 350 Milliarden Dollar, geben die USA, EU, Kanada und Japan seit Mitte der Neunzigerjahre pro Jahr aus, um ihre Farmer und Bauern hoch zu subventionieren – diese setzen ihre Überproduktion dann mit Dumpingpreisen auf den Märkten der Länder des Südens ab, wodurch sie die Existenz vieler Bauern in diesen Ländern zerstören.

350 Milliarden US-Dollar – einmalig, nicht jährlich! – wären erforderlich, um den Anteil der Hungernden in der Welt und der „extrem armen“ Menschen, die mit maximal 1,25 Dollar pro Tag auskommen müssen, bis zum Jahr 2015 nicht nur zu halbieren, wie es die Millenniumsziele vorsehen, sondern sogar auf null zu bringen. Und bereits ein Vierhundertfünfundsiebzigstel der 700 Milliarden US-Dollar würde ausreichen, um allen 250 Millionen Menschen, die sich jährlich mit Malaria anstecken, ein imprägniertes Moskitonetz zur Verfügung zu stellen. 880.000 Menschen, zumeist Kinder unter fünf Jahre, sterben daran.“(…)

Ja, ich weiß schon, wenn das Geld da nicht reingepumpt wird, dann wird alles noch viel schrecklicher aber mal ehrlich, diese Kapitalisten verlassen sich aber ganz schön arrogant darauf, dass der Staat und damit die Menschen, die normal arbeiten gehen, die Karre wieder aus dem Dreck ziehen.

Gestern Nacht oder heute Morgen habe ich ein Interview mit einem Investmentbanker auf der Wall Street gesehen, was er gesagt hat, habe ich schon wieder vergessen, erschreckt hat mich, dass er sich nicht als „normalen“ Menschen sieht, sondern über diese spricht. Was ist er und seine KollegInnen anderes als ein normaler Mensch? Gehören die einem Adel an. Wer so spricht, dem unterstelle ich mal, ein ausgesprochen rudimentäres Demokratieverständnis. Das ist doch eine narzisstisch aufgeblasene Bagage.

Was ist eigentlich, wenn jemand ein bisschen Geld auf der hohen Kante liegen hat, ist es sinnvoll, die abzuholen und unter die Matratze zu stopfen? Im Ernst jetzt, in meinem Bekanntenkreis herrscht Ratlosigkeit? Erklärungen, die auch vierjährige verstehen, sind im Kommentarbereich sind erwünscht.